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Hegel H590 Test Aufmacherbild
Mit dem neuen H590 hat nun auch Hegel einen Vollverstärker der 10.000 Euro-Klasse. Er ist allerdings auch überragend gut geworden... (Foto: Hegel)

Erster Test Hegel H590 – der Weltklasse Vollverstärker

Diese Zahl vorab: 300. Nämlich 300 Watt. Sinus. Pro Kanal. Und an 8 Ohm. Die Leistungsausbeute des neuen Hegel H590 ist ungewöhnlich hoch und liegt locker 100 Watt über jener der meisten anderen „großen“ Vollverstärker dieser Klasse. Mit 300 Watt an 8 Ohm reiht sich Hegels neuer Flaggschiffverstärker nahtlos in die Liste der „großen“, sehr leistungsstarken und außergewöhnlichen Amps vom Schlage McIntosh MA 9000, Gryphon Diablo 300 oder ASR Emitter II Exclusive ein. Die Norwegen setzen auf diesem Gebiet also schon einmal ein dickes Ausrufezeichen.

Die immense Leistungsausbeute lässt sich auf zweierlei Gründe zurückführen. Zum einen wollten die Hegel Verantwortlichen eigentlich eine Super-Endstufe (Arbeitsname: Big Brother) entwickeln. Aber im Laufe der Zeit kamen immer mehr Wünsche hinzu: Vorstufenfunktion, D/A-Wandler, Streaming… Zum anderen äußert sich Hegel Chef und Mastermind Brent Holter schmunzelnd: „weil wir es können.“

Als ich vor wenigen Wochen bei Hegel in Oslo zu Besuch war, hatte ich die Gelegenheit, eine halbe Stunde mit Bent Holter sprechen. Und natürlich musste ich auch diese Frage stellen: „Warum kommt nun auch ein so sympathisch zurückhaltendes Unternehmen wie Hegel mit einem Verstärker der 10.000-Euro-Klasse? Muss das sein? Ist ein Kraftpaket wie der H360 (250 Watt/Kanal) nicht ausreichend?“

HIGH END 2018 Hegel 850 Bent Holter
Hegel Chef Bent Holter und der H590 (Foto: H. Biermann)

„Hm“, meinte Holter, „wir waren einfach bereit für den nächsten Schritt. Wir haben so viele neue Technologien… Aber wir mussten auch etwas Neues machen, weil beispielsweise die von uns bislang verwendeten H30 Vintage-Toshiba-Transistoren kaum noch zu bekommen sind.“

Zwischen den Zeilen konnte man auch hören, dass sich die Verantwortlichen von GP Acoustics (KEF), dem deutschen Hegel Vertrieb, ausdrücklich einen Verstärker wünschten, der auch die technisch anspruchsvollen Klang-Skulpturen KEF Blade und KEF Blade II souverän treiben kann. Denn davon gibt es auf dem Weltmarkt gar nicht so viele…

Nun gibt’s auf alle Fälle einen mehr: Ich habe die Kombination aus Hegel H590 und Blade schon viele Stunden hören können – dieser Wunsch der GPA Leute ging jedenfalls auf sehr überzeugende Art in Erfüllung.

Die Technik des Hegel H590

Einige Stichworte müssen bei der Beschreibung des Hegel H590 fallen. Das wichtigste: die SoundEngine. Holter ersann die SoundEngine, als er noch für die norwegische Ölindustrie tätig war. Auch dort braucht man hochsensible Schaltungen. Er adaptierte seine Erfahrung für Audio und heraus kam die besagte SoundEngine, ein Modul, welches die Übernahmeverzerungen klassischer AB-Verstärkertypen (beziehungsweise der im Gegentakt geschalteten Transistoren) beim Nulldurchgang deutlich reduziert. Deshalb klingen die Hegel Verstärker immer so unangestrengt. Diese Schaltung ist patentiert und wesentlicher Bestandteil der Hegel DNA.

2018-10-Hegel_H590 Patent
Das Patent der SoundEngine prangt auf jedem Hegel – so auch auf der Rückseite des H590 (Foto: H. Biermann)

Die SoundEngine ist mittlerweile in der zweiten, noch einmal verbesserten Generation. Sie wurde ursprünglich für das H360 entwickelt, wird nun aber natürlich in allen aktuellen Vollverstärkern eingebaut. Die SE2 ist nach Aussage von Holter viel „schneller“ und reduziert im Vergleich zur originalen SE1 noch einmal fast 75% der dynamischen Verzerrungen. Ein weiterer Vorteil der SE2, so Holter, sei ihr höherer Dämpfungsfaktor –  wichtig für die Basskontrolle. Der H590 nutzt die bisher beste Implementierung der SE2 und hat einen Dämpfungsfaktor von mehr als 4000. Dieser Wert ist allerdings beeindruckend.

Hegel H590 Unterschiede zu H360
Die Feature-Liste der Hegel Verstärker zeigt die Vollausstattung des Flaggschiffs H590 (Auflistung: Hegel)

Und so fallen auch die physischen Unterschiede vom Hegel H590 zum bisherigen Spitzen-Amp, dem H360, recht deutlich aus. Zum einen ist das neue Flaggschiff gleich 5 Zentimeter höher – die Kühlkörper mussten einfach viel größer werden. Aber auch ansonsten ist in dem erhöhten Gehäuse so gut wie kein Platz mehr – wie der Blick unter die Haube zeigt. Der H590 hat den größeren Trafo, ein um 50% größeres Netzteil und 12 statt 8 Ausgangstransistoren pro Kanal.

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12 Transistoren pro Kanal sorgen für diese höchst beeindruckende Leistung (Foto: H. Biermann)

Der Hegel H590 ist fast vollkommen dual-mono aufgebaut: linker und rechter Kanal sind strikt getrennt. Einzig der wie ein Toroid gewickelte Trafo hat zwei Abgriffe für die beiden Kanäle. Und das aufwändige Digitalboard wie auch die Vorstufe haben eh eine eigene Stromversorgung. Da soll sich ja nichts gegenseitig beeinflussen…

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Wie ein 12-Zylinder Jaguar der 70er Jahre: der „Motorraum“ des H590 ist komplett mit Elektronikbauteilen zugepflastert. Der wuchtige Toroid-Transformator in der Mitte hat zwei Abgriffe für den strikt getrennten Doppel-Mono-Aufbau. Stahlblech-Elemente sorgen für elektromagnetische Abschirmung der empfindlichen DAC- und Vorstufensektionen (Foto: H. Biermann)

Die Gehäuse-Mechanik des großen Hegel Vollverstärkers gleicht denen seiner kleineren Verstärker: sie ist sehr ordentlich. Und doch, sagt Holter, sei das Gehäuse des H590 klanglich besser als das der kleinen Geschwister. Stahlteile in Deckel- und Bodenplatten erwiesen sich als magnetische Störer. Indem sie entfernt wurden, verschwanden vorher kaum erklärliche Verzerrungen. Das ist ja auch immer mein Plädoyer an alle HiFi-Hersteller: Kümmert euch mehr um die Gehäuse – sie sind leider klangentscheidender, als wir uns das wünschen würden…

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Der H590 von unten. Unter der gerundeten Front aus massivem Aluminium sitzt der Einschaltknopf. Das Bodenblech ist für eine bessere Belüftung vielfach geschlitzt und um den Bereich des Trafos extra verstärkt. Die vergleichsweise hohen und elastischen Füße sehen schlicht aus, sind aber erstaunlich wirkungsvoll bei der Entkopplung vom Untergrund (Foto: H. Biermann)

Die Anschlussmöglichkeiten des Hegel H590

Neben der Leistungsstufe ist der interne DA-Konverter ein wesentlicher Baustein des Hegel H590. Man hätte vermuten können, in ihrem Flaggschiff-Verstärker würden die Norweger einfach das Digitalboard ihres Top-Wandlers HD30 unterbringen. Nichts da. Spricht man mit den Hegelianern, geben sie ziemlich unumwunden zu, dass ihnen der DAC aus ihrem CD-Player Mohican klanglich besser gefällt. Sie erklären den Vorteil des Mohican-DACs so, dass dieser alle Sampling-Frequenzen in ihrer ursprünglichen Form behandelt. Kurz: bei Hegel ist man kein Freund von internem Upsampling.

Das gleiche gilt für Bluetooth. Auf meine Frage, warum dieser in fast allen Belangen top-ausgestattete Verstärker nicht auch Bluetooth habe, erntete ich erstaunte Blicke. „Nein, nein,“ sagte Bent Holter. „Mit Bluetooth fängst du dir ernsthafte klangliche Probleme ein. Bei High End Komponenten lassen wir BT deshalb unbedingt draußen.“

2018-10-Hegel_H590 Digitalboars
Das voll besetzte Digitalboard des H590 sitzt direkt an den Digitaleingängen (Foto: H. Biermann)

Dafür aber hat Hegel eine komplett neuen USB-Schnittstelle für den H590 entwickelt. Die soll nicht nur besser klingen, sondern dem Nutzer auch den Zugang zu Formaten wie MQA oder anderen hochauflösenden Formaten wie DSD256 oder 23/384 PCM ermöglichen.

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