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20 Jahre Dynaudio SE: 4 Kompaktboxen im Online-Klangvergleich

Der Tiefmitteltöner mit innenliegendem Magneten ist von dem der Contour 1.3 SE kaum zu unterschieden, gilt aber als komplett neu entwickelt. Das Schmankerl ist hier der Hochtöner. Dynaudio adelt ihn schon mit dem Namen: Der so genannte Esotar Forty gilt Dynaudio intern als mit das Beste, was Hochton-technisch in den letzten 40 Jahren herausgebracht wurde. Der Esotar Forty hat ein komplett neues Luftmanagement auf der Rückseite. Damit werden Kompressionen und Verzerrungen deutlich reduziert. Seine Klasse zeigt der Hochtöner auch bei der Übergangsfrequenz: mit 2.000 Hertz liegt seine bei den vier Vergleichsboxen am niedrigsten.

Die niedrige Übergangsfrequenz zeugt von hoher Qualität und Belastbarkeit, denn auch die Frequenzweiche, die in der Special Forty arbeitet, ist ein 6-dB-Typ mit bekannt geringer Phasendrehung, aber auch bekannt geringer Sperrwirkung.

Die Bilder in der Slidshow vermitteln einen Eindruck von dem neuesten Dynaudio SE Coup:

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Dynaudio Special Forty Tweeter Kalotte
So unscheinbar wie die Vorgänger: Die 28 mm große Gewebekalotte der Special Forty ist der ganze Stolz der Dänen. Anders als bei Contour 1.3 SE oder Special 25 sind bei der Special Forty die  Treiber flächig in der Schallwand eingefräst (Foto: H. Biermann)
Dynaudio Special Forty Hochtöner Rear
Das soll er noch besser machen als sein Vorgänger: Der Esotar40 hat eine noch schlauere Abführung der nach hinten abgestrahlten Schallenergie. So lassen sich Verzerrungen reduzieren (Foto: H. Biermann)
Dynaudio Special Forty Bass-Schwingspule
Die Größe der Tiefmitteltöner-Schwingspule ist mit 75 mm sehr groß. Man kann ihre Größe am gelochten Schwingspulenträger erahnen, der auch mit der Membran verklebt ist (Foto: H. Biermann)
Dynaudio Special Forty Furnier
Das Furnier ist aus einem Birken-Multiplex herausgeschnitten. Das sieht sehr nobel aus – erst recht unter dem perfekten Hochglanz-Lack (Foto: Dynaudio)
Dynaudio Special Forty Frequenzweiche
Sorgfalt, wo man hinschaut: Die Schallwand ist 30 mm stark, die Ausfräsungen penibel sauber gemacht und die Kabel wurden gegen Mikrofonie mit einem Schaumstoff-Mantel überzogen (Foto: H. Biermann)
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Dynaudio SE 4: Contour 20 (Markteinführung: 2016)

Wir hatten die Contour 20 im November 2016 im Test und seit diesem Zeitpunkt ist sie ein wesentlicher Bestandteil des LowBeats Referenzregals und ein Neutralitäts-Maßstab in der wahrlich nicht schlecht besetzten High-End-Kompaktklasse.

Schon äußerlich macht dieser Lautsprecher deutlich, dass er einen Ausnahmestatus innerhalb des Dynaudio Quartetts hat. Er ist der größte, schwerste und letztendlich auch der teuerste der vier. Die Contour 20 hat als einzige eine bauchige Grundform sowie auf der Front eine zusätzliche Metallplatte. Zudem ist sie als einziger der Prüflinge kein Dynaudio SE Sondermodell und arbeitet – ganz und gar nicht Dynaudio-typisch – mit einer 12-dB-Weiche.

Und noch so ein Bruch mit der Tradition: Als einzige der vier hat die Contour 20 einen Tiefmitteltöner mit klassischem Magnetsystem und innenliegender, „nur“ 50 mm durchmessenden Schwingspule. Kurzum: In diesem Quartett ist sie aus vielerlei Gründen ein Außenseiter. Die folgende Slideshow zeigt die Besonderheiten der Contour 20:

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Der Esotar2-Hochtöner der Dynaudio Contour 20
Der Esotar² galt Dynaudio-intern lange als der beste Hochtöner, den man je gebaut hat – hier ist er eingebettet in eine verwindungssteife Montageplatte aus Aluminium (Foto: H. Biermann)
Der neue Tiefmitteltöner der Dynaudio Contour 20
Doppelmagnet und großzügig belüftete 5-Zentimeter-Schwingspule: Kennzeichen eines sehr kräftigen, kontrollierten Antriebs (Foto: H. Biermann)
Die 12-Dezibel-Frequenzweiche der Dynaudio Contour 20
Die Abkehr von der klassischen Dynaudio-6-dB-Weiche: In der Contour 20 wird mit 12 Dezibel/Oktave gefiltert. Die Bauteile sitzen auf einer Platine innen auf der Rückwand und sind überwiegend von Kölner Experten Mundorf (Foto: H. Biermann)
Die Schallwand der Dynaudio Contour 20
Die Schallwand ist in drei Lagen (Metall – Dämpfung – MDF) aufgebaut und so zum einen sehr steif, zum anderen äußerst resonanzarm. Das Gehäuse ist intern durch Querbretter versteift (Foto: H. Biermann)
Das Anschlussfeld der Dynaudio Contour 20
Das metallene Anschlussfeld der Dynaudio Contour 20 ist bewusst klein gehalten und mit einem Paar WBT NextGen-Kunststoff-Buchsen bestückt. Die gehören klanglich zum Besten, was in diesem Bereich zu haben ist (Foto: H. Biermann)
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Die Tabelle zeigt die wesentlichen Merkmale der drei Dynaudio SE Sondermodelle und der Contour 20 hier noch einmal auf einem Blick:

ModellContour 1.3 SESpecial 25Special FortyContour 20
Bestückung HT + TMTD28 + 17 cm MSPEsotar² + 18 cm MSP Esotar40 + 17 cm MSPEsotar² + 18 cm MSP
X-Over Frequenz, Charakter2.500 Hz/ 6dB2.400 Hz/ 6dB 2.000 Hz/ 6dB2.200 Hz/ 12dB
Form und Abmessungen (B x H x T)20,4 x 38,0 x 29,3 cm, Rechteck22,2 x 42,2 x 34,9 cm, Rechteck20,0 x 36,0 x 30,7 cm, Trapez21,5 x 44,0 x 36,0 cm, bauchige Form
Gewicht10,1 Kilo13,0 Kilo8,1 Kilo15,4 Kilo
Paarpreis bei Markteinführung5.000 Mark4.000 Euro 3.000 Euro4.500 Euro

Schon die tabellarische Übersicht zeigt, dass sich die Dynaudio SE Modelle stark ähneln. Und wie dicht liegen sie klanglich beieinander?

Dynaudio SE im LowBeats Hörraum – Hörtest

Recht dicht. Wir waren überrascht, wie ähnlich die vier klangen. Eine hohe klangliche Neutralität und eine tolle Räumlichkeit mit großer Tiefe hatten alle vier auf der Habenseite. Das können diese Dynaudio Kompaktboxen einfach herausragend gut – unabhängig vom Alter.

Zwei der vier stachen etwas mehr heraus. Einerseits die Contour 1.3 SE, weil sie erkennbar in den Mitten weniger präzise und detailreich klang als die anderen drei. Stimmen hatten nicht ganz die Prägnanz, Bläser und Perkussions-Instrumente klangen weniger lebendig. Hier wird der Fortschritt der Treibertechnik besonders deutlich, denn die ähnlich große und ähnlich teure Special Forty klingt in den Mitten offener und dennoch geschmeidiger und feiner.

Dynaudio SE Vergleich
Auch im LowBeats Hörraum mussten die beiden Vintage-Speaker Contour 1.3 SE und Special 25 (helles Furnier) gegen die modernen Contour 20 (ganz links und Special Forty antreten (Foto: H. Biermann)

Die andere, etwas auffällige Box war die Contour 20. Ihre herausragende Mittenpräzision und Natürlichkeit war auch im Hörtest eindeutig herauszuhören. Klavieranschläge hatten mit ihr noch mehr Nachdruck und Substanz und diese spezielle Klangfärbung, die die Aufnahme so authentisch macht. Ich bin mir sicher, dass der – fast Dynaudio-untypisch – präzise Bass- und Grundtonbereich das Fundament zu dieser überzeugenden Mittenpräzision legt. Die Special 25 kam mit ihrer ebenfalls fantastischen Mittenpräzision der Contour 20 noch am nächsten – ohne aber ganz diese beeindruckende Echtheit zu liefern.

Dennoch: Die Special 25 beeindruckte uns am meisten. Der immerhin 16 Jahre alte Kompaktlautsprecher spielte wie ein junger: mit einem wunderbar quirligen Mittelhochtonbereich und einem erfreulich druckvollen und tiefen Bass. Gitarre, Klavier oder Stimmen: all das beherrscht die Special 25 in einem Maße, das sie auch gegen modernste Konstruktionen gut aussehen lässt.

Die modernste Box innerhalb des Test-Quartetts ist die Special Forty. Sie hat sicherlich den feinsten Hochton und klingt in den Mitten etwas gefälliger als die anderen drei. Sie ist allerdings – eine kleine Verbeugung der Dynaudio Entwickler vor dem Geschmacks-Zeitgeist – etwas moppeliger in den Hüften beziehungsweise in den oberen Bässen. Damit überdeckt die Kleinste des Quartetts, dass sie im unteren Tiefbassbereich am wenigsten bietet. Die etwas properen Oberbässe lassen Klavier und Gitarren etwas zu warm und nicht immer präzise klingen, können bei Elektropop aber durchaus beeindrucken.

Und was die moderne Special Forty (wie auch die Contour 20) ebenfalls gegenüber den Vintage-Modellen auszeichnet: ihr maximaler unverzerrter Pegel liegt um einiges höher als bei den Oldies. Bei elektronischer Musik (wie zum Beispiel Yello) macht das einfach noch ein bisschen mehr Spaß…

Dynaudio SE im „Virtuellen Hörraum“

Der Aufwand, den wir für diese Vergleiche im „Virtuellen Hörraum“ treiben, ist gewaltig. Aber er ist sinnlos, wenn Sie versuchen, die Klangunterschiede mit Billig-Kopfhörern oder dem Billig-Soundsystem am Rechner abzuhören. Da wird nicht viel rüberkommen. Immerhin haben wir auch noch das Nadelöhr Internet dazwischen. Um ernsthaft die Unterschiede heraushören zu können, brauchen Sie nach unseren Erfahrungen einen richtig guten Kopfhörer und einen Kopfhörer-DAC im Stile des Audioquest Dragonfly, des Ultrasone NAOS oder besser.

Sie hören trotzdem nur geringe oder keine Unterschiede? Geben Sie sich eine Chance: Die Unterschiede sind vorhanden. Aber sie sind halt nicht riesig. Wenn Lautsprecher mit sehr ähnlichem Konzept und sehr ähnlichen Treibern in einem perfekten Raum auf einem optimalen Platz stehen und dann auch im Pegel penibel angepasst werden, dann schwinden die Unterschiede (die im Laden vielleicht noch um einiges größer waren) auf die Essenz zusammen. Vor allem aber kann man die Vergleiche ja beliebig oft machen. Irgendwann werden die Charaktere der verschiedenen Modelle erkennbar.

Wie funktioniert es? Wenn Sie die Seite aufgerufen haben (zur Seite geht es hier), erscheint diese Oberfläche.

Dynaudio SE im Online Klangvergleich
Die vier Dynaudio Kompaktlautsprecher im Online-Klangvergleich. Hier muss man nur Mouse-Klicken, nicht umstöpseln… (Screenshot: H. Biermann)

Man erkennt die hochgeladenen vier Modelle auch an den Bildern, die beim Anklicken des jeweiligen Lautsprechers gezeigt werden. Als Musikbeispiele haben wir ein Potpourri unterschiedlicher Genres gewählt, die in einem durchlaufenden File zusammengeführt sind. Dieses Musik-File wird dargestellt durch die längliche, gezackte Fläche.

Dynaudio SE im Online Klangvergleich
Die Musikbeispiele werden in der länglichen, gezackten Fläche dargestellt. Orange bedeutet: schon gespielt. So findet man die einzelnen Passagen besser (Screenshot: H. Biermann)

Klickt man ein beliebiges Modell an, startet die Musik immer am Anfang. Um die unterschiedlichen Stücke anzuspielen, fährt man einfach mit dem Cursor an die betreffende Stelle; die Punkte, an denen die Fläche besonders flach ist, zeigen die Übergänge zum nächsten Stück. Einfach mal ausprobieren. Möchten Sie nun Box 1 mit Musikbeispiel C mit Box 4 und ebenfalls Musikbeispiel C vergleichen, hören Sie zuerst Musik C mit dem ausgewählten Lautsprecher an, drücken dann auf Pause, aktivieren den Musik-File für Box 4 und fahren mit der Maus an den Startpunkt von Musikbeispiel C. Nach wenigen Malen Ausprobieren funktioniert das reibungslos und man kann gezielt einzelne Musikpassagen vergleichen, so oft man möchte. So entstehen belastbare Ergebnisse!

Wie oben beschrieben, haben wie die drei Dynaudio SE Modelle und die Contour 20 zuerst im Hörraum ausgiebig getestet und anschließend die Aufnahmen in den MSM Studios gemacht. Die Ergebnisse sind zu über 90% deckungsgleich. Das spricht für die Aussagefähigkeit des Verfahrens. Aber jeder Leser ist herzlichst eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen. Hier noch einmal der Link zum Online-Vergleich.

Fazit Dynaudio SE: Klangunterschiede über 20 Jahre sind kleiner als gedacht

Das Ergebnis hat uns überrascht. Trotz aller, auch von Dynaudio postulierten Fortschritte in Bezug auf weniger Verzerrungen, mehr Dynamik und Neutralität, hätten wir die klanglichen Unterschiede größer eingeschätzt. Auch wenn das älteste der Dynaudio SE Modelle, die Contour 1.3 SE, insgesamt abfällt, so muss man doch auch ihr ein immer noch hohes Klang-Niveau attestieren. Die Unterschiede von Special 25 und Special Forty liegen im Geschmacksbereich; der Hochton der Neuen ist feiner, der Tiefton des 25-Jahre-Sondermodells reicht tiefer und klingt habhafter. Jenseits aller Geschmacks-Diskussionen liegt die Contour 20: Die größte und teuerste Box des Quartetts ist auch die beste. Die Ordnung bleibt hier gewahrt.

Was bedeutet das? Erstens, dass Dynaudio seit über 40 Jahren eine klar umrissenes Klang-Philosophie verfolgt – und das frei von jeglichen Mode-Strömungen. Legt man die Frequenz- und Phasengänge aller vier Modelle übereinander, gleichen sie sich wie Zwillinge. Das gibt es weltweit wahrscheinlich kein weiteres Mal.

Zweitens: Der gute Ruf der älteren Dynaudio Modelle besteht absolut zu Recht. Die Contour 1.3 SE ist, wie beschrieben, etwas abgehängt. Aber wer die Dynaudio Klang-Philosophie mag und beim Händler oder auf Ebay ein gut erhaltenes Pärchen Special 25 findet (sie werden derzeit zwischen 2.000 – 2.500 pro Paar gehandelt), kann bedenkenlos zugreifen. Auch, weil Dynaudio selbst nach vielen Jahren jeden Hoch-, Mittel- oder Tieftöner als Ersatzteil anbietet. Das kostet zwar oft viel Geld, gibt einem solchen Kauf aber eine nachhaltige Sicherheit, die man bei vielen anderen Anbietern in dieser Form nicht findet.

Drittens: Weil die Dänen ihre Vorstellungen seit ihrer Firmengründung so konsequent umsetzen, sind auch die Klang-Unterschiede vergleichbarer Lautsprecher aus ihrem Programm nicht ganz so groß, wie vielleicht vermutet. Selbst über einen so langen Zeitraum wie von 20 Jahren. Größere Unterschiede ergeben sich aber im Bereich maximaler Pegel. Da können die modernen Konstruktionen deutlich mehr: sie spielen weit lauter und unverzerrter. Der Spaßfaktor ist also höher.

Viertens: Auch bei Dynaudio ist ein größerer Aufwand hörbar. Die teuerste und aufwändigste Box dieses Vergleichs, die Contour 20, ist fraglos auch die beste. Auf den Aufnahmen des „Virtuellen Hörraums“ war sie stets am leichtesten herauszuhören und wurde auch von unseren Testhörern am besten bewertet. Mich freut das Ergebnis – sie ist ja auch mein Favorit. Und wie ist Ihr Eindruck? Schreiben Sie uns: Wir freuen uns über Ihr Feedback auf info@lowbeats.de.

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