Quadral Aurum Vulkan VIII R Ribbon Tweeter
Die Quadral Aurum Vulkan VIII R mit Bändchen-Hochtöner war eine der besten Standboxen ihrer Zeit. Bei SG Akustik gibt es sie zum sehr fairen Final-Edition-Preis (Foto: SG Akustik)

Kauftipp der Woche: Quadral Vulkan VIII R Final Edition

Seit fast 40 Jahren ist die Quadral Aurum Titan so etwas wie das Standboxen-Sturmgeschütz des soliden HiFi „made in Germany“: In jeder Generation setzte sie Maßstäbe in Bezug auf Qualität und Tiefbass. Und in jeder Generation war die nächst kleinere Vulkan die eigentlich bessere Wahl, weil sie mit deutlich zivileren Abmessungen gar nicht so viel schlechter war. Das galt auch in der Modell-Generation VIII R von 2011/2012. Allerdings gibt es hier eine Besonderheit. Das SG Akustik HiFi-Studio hat die Quadral Aurum Vulkan VIII R noch einmal als Final Edition auflegen lassen und bietet nun das Paar zum Kampfpreis von 4.872 Euro an. Das ist sensationell viel Material und Performance fürs Geld – und unsere Kauftipp der Woche.

Vor wenigen Wochen besuchte ich das Team von SG Akustik in Karlsruhe und stoplperte etwas erstaunt über die im Laden ausgestellte Quadral Aurum Vulkan VIII R. „Huch, ist die nicht längst vom Markt genommen?“ hörte ich mich fragen. „Doch, doch“; antwortete SG-Chef Stefan Gellrich. „Aber ich finde die so geil, da habe ich die gesamte letzte Produktions-Charge unter dem Label „Final Edition“ abgenommen. Und so können wir hier ziemlich viel Box zum attraktiven Preis anbieten.“

Quadral Aurum Vulkan VIII R Paar
Die Vulkan VIII R in Weiß. Man sieht ihr die Solidität quasi schon an: 55,o Kilo wiegt sie pro Stück. Ihre Abmessungen (H x B x T) liegen bei 122 x 28 x 50 cm (Foto: H. Biermann)

Das Konzept der Quadral Aurum Vulkan VIII R

Gellrich hat Recht. Die Vulkan der achten Generation darf wirklich als ausgesprochen gelungen angesehen werden. Das Kürzel „R“ steht übrigens für Sascha Reckert, den aktuellen Entwickler bei Quadral, der damals das Ruder übernahm und mit neuem Schwung den Quadral Sound auffrischte. Reckert hatte lange Zeit Studio-Lautsprecher entwickelt und setzte nun bei den Hannoveranern seine Ideale von Präzison und Neutralität um. Was der Marke durchaus gut tat – und immer noch tut.

Auch sonst war die Generation VIII R eine deutliche Weiterentwicklung zu der Vorgängerserie VII. Die war bei den Käufern nicht sonderlich gut angekommen, weil sie von der Gestalt her durchaus Ähnlichkeiten mit Obelix aufwies…

Die achte Generation war daher so etwas wie ein „back to the roots“: mit weitgehend geraden Linien und dem auffälligen Doppelbass-System. Bei der Vulkan VIII R sitzen zwei 21 cm Tieftöner leicht zurückversetzt hinter der massiven Schallwand und arbeiten auf eine – so nennt es der Katalog – „Druckkammer“. Ich habe dieses System noch nie verstanden. Es wirkt auf mich wie eine ganz übliche Bassreflex-Konstruktion (mit BR-Port auf der Rückseite). Aber ich kann festhalten, dass dieser Lautsprecher vor allem im Bass besonders druckvoll klingt.

Quadral Aurum Vulkan VIII R Doppelbass
In Anleihen an Sonus Faber: die beiden Tieftöner mit der silbern schimmernden AlTiMa-Membran sind mit festen Gummi-Strängen „überspannt“. Dies bietet einen Hauch von Schutz, ist akustisch optimal und sieht auch ganz hübsch aus  (Foto: H. Biermann)

Neben den beiden Tieftönern vervollständigen ein 17 cm Tiefmitteltöner, ebenfalls mit AlTiMa- (Aluminium/Titan-Magnesium-) Membran und eine echter Bändchen-Hochtöner die wuchtige 3-Wege-Konstruktiuon. Wie auch die Bässe sind diese beiden Treiber hochbelastbar.

Quadral Aurum Vulkan VIII R Ribbon Tweeter
Der Bändchen-Hochtöner der Vulkan VIII R ist baugleich mit jenem der großen Titan. Auch deshalb ist er hoch belastbar. Aber auch recht feinsinnig. Sein Übertragungsbereich läuft bis über 40.000 Hz (Foto: SG Akustik)

Die Vulkan ist mit einer Bautiefe von 50 cm und einer Höhe von 122 cm alles andere als ein unauffälliger Standlautsprecher. Und die weiten Rundungen der Kanten sowie die spezielle Bass-Konstruktion machen die VIII R noch auffälliger.

 

Quadral Aurum Vulkan VIII R Gehäuse
Auch das charakterisiert die Vulkan: großzügig gerundete Kanten. Sie machen deutlich, dass die Vulkan aus 25 mm starken MDF-Platten aufgebaut ist. Das erklärt auch das hohe Gewicht (Foto: SG Akustik)

Praxis

Stefan Gellrich erzählt in seinem netten und informativen Video zur Vulkan VIII R, dass die Bässe so knackig seien, dass man den wuchtigen Standlautsprecher auch näher an die Wand stellen kann – um dann die Aussage auch gleich wieder zu relativieren: unter 50 Zentimeter Abstand zur Wand würde ich diese Vulkan nicht aufstellen. Dazu ist sie einfach zu basskräftig – was im Falle einer wandnahen Platzierung ja noch deutlicher würde.

Quadral Aurum Vulkan VIII R auf Youtube by S. Gellrich
SG Akustik Chef Stefan Gellrich hat im Laufe der Zeit schon dutzende, wenn nicht gar hunderte Produktbesprechungen auf Youtube aufgenommen. Auch der Quadral Aurum VIII R hat er ein Filmchen gewidmet (Foto: SG Akustik)

Wie üblich bei Quadral kann man den Hochtöner-Pegel dezent anpassen. Der Bereich von +/- 2 dB ist für die meisten Raumakustiken ausreichend.

Bi-Wiring-Terminal mit Hochton-Anpassung. Das Etikett verweist auf die limitierte Final Edition (Foto: H. Biermann)

Der Impedanzverlauf der achten Vulkan ist vorbildlich und verläuft immer oberhalb 5 Ohm. Das ermöglicht auch den Anschluss von Verstärkern oder Endstufen, die nicht ganz so kräftig sind. Allerdings verbaut man sich mit einem Mittelklasse-Verstärker hier ziemlich viel Klang-Potenzial.

Quadral hat ja selbst Verstärker im Programm, wie den Aurum A8 mit seinen 2 x 180 Watt an 4 Ohm. Die Kombination klingt super. Und sie weist darauf hin, dass der angeschlossene Verstärker ruhig etwas Dampf haben darf. Oder sogar sollte.

Klang

Als ich bei meinem SG Akustik Besuch die Quadral Aurum Vulkan VIII R wieder einmal hörte, fiel mir auch wieder ein, was mir seinerzeit beim Test 2013 (damals noch bei der stereoplay) so gut gefiel. Es ist dieses Gefühl, jederzeit genug zu haben. Die Bässe haben Schwärze & Kraft, aber auch eine höchst angenehme Lockerheit. Bassdrums kommen mit einer solchen Wucht und Geschwindigkeit, dass es die wahre Pracht ist.

Wer also eigene Musik zum Probehören mitbringt, sollte die dynamischen Aufnahmen nicht zu Hause lassen. Leider war zum Zeitpunkt meines SG-Akustik-Besuchs das neue Yello Album Point  noch nicht veröffentlicht. Das wäre mit der Vulkan VIII R ein mörderischer Spaß geworden. So trösteten wir uns mit der älten Toy und auch damit meißelte uns die Quadral sofort das Grinsen ins Gesicht.

Bass ist wichtig und eine wesentliche Grundlage zum Wohlfühlen. Noch elementarer aber ist die tonal richtige und phasengetreue Wiedergabe des Mittelhochtonbereichs – Aufgaben, die die Quadral mit einer höchst angenehmen Präzisison meistert. Alles ist da, alles kommt auf den Punkt genau, aber nichts wird überpointiert. Man hört alles, aber hier funkelt nichts, was nicht glänzen muss. Das heißt: Es gibt in  ihrer Klasse sicherlich Lautsprecher, die etwas offener und transparenter agieren. Aber ihre Ausgewogenheit ist klasse: Chorstimmen und kritische Streicherpassagen klingen mit ihr besonders angenehm.

Es ist schwer zu beschreiben, aber es scheint, als sei die hohe Belastbarkeit regelrecht zu hören. Man kann die Lautstärke sehr, sehr weit nach oben drehen, ohne das Gefühl zu bekommen, die Vulkan VIII R käme an ihre Limits. Ein gutes Gefühl

Fazit Quadral Aurum Vulkan VIII R Final Edition

Es wurde wahrscheinlich schon deutlich: Die Vulkan in der achten Generation ist ein immer noch sehr respektabler Lautsprecher, der es mit den meisten Modellen der Jetzt-Zeit locker aufnimmt. Der Aufbau ist gewohnt solide, das Lack-Finish ohne jedes Makel. Und in Bezug auf Pegelfestigkeit und Bass-Performance ist gegen diese Aurum-Modelle sowie nur wenig Kraut gewachsen.

Was die Vulkan VIII R in der Final Edition aber darüber hinaus auszeichnet, ist der hohe Wirkungsgrad, die lineare Impedanz (das heißt: gutmütig gegenüber dem angeschlossenen Verstärker) und halt der von SG Akustik aufgerufene Hammerpreis. Natürlich sind knapp 5.000 Euro immer noch eine Menge Geld. Aber das Preis/Leistungs-Verhältnis, das hier geboten wird, ist sonst nur mit Hilfe asiatischer Fertigung möglich.

Eine kleine Einschränkung birgt die Final Edition:  Früher gab es die VIII R in zum Teil sehr peppigen Farben oder auch mit Furnier. Heute sind sie nur noch in den – genauso schönen – Versionen Hochglanz-Schwarz und -Weiß erhältlich. Was das alles noch schöner macht: Man bekommt die letzten der Vulkan VIII R mit 10 Jahren Herstellergarantie.

Quadral Aurum Vulkan VIII R Farben
Früher war die Farbpalette der Vulkan VIII R etwas größer. In der Final Edition gibt es sie nur noch in Hochglanz-Weiß und -Schwarz (Foto: Quadral)
Kauftipp der Woche:
Quadral Aurum VULKAN VIII R
2020/09
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Natürlicher, geschmeidig-ausgewogener Klang
Habhaft-griffiger Bass mit viel Tiefgang, sehr pegelfest
Elektrisch unkompliziert, harmoniert mit fast allen Verstärkern
Exzellente Preis-/Leistungs-Relation

Angebot:
SG Akustik
Amalienstraße 45
76133 Karlsruhe
Telefon: 0721 / 921 273-0
www.sg-akustik.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt)
Quadral Aurum Vulkan VIII R FE: 4.872 Euro (Paar)

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Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.