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Dieter Burmester im Mercedes Maybach Pullman
Dieter Burmester im Mercedes Maybach Pullman (Foto: Matthias Mederer)

Mercedes Maybach Pullman mit Burmester-3D

Länge läuft: Wenn die renommierte FAZ dem Thema HiFi am Wochenende eine ganze Seite widmet. Wenn das nicht gerade unterdimensionierte, preisgekrönte High-End-Surround-System Burmester-3D zum Sonder-Angebot verkommt. Wenn ein Hersteller wie Mercedes Benz bei der Premiere des neuen Mercedes Maybach Pullman S 600 – der XXL-Version des Maybach – das „Autoradio“ herausstellt. Dann ist das Thema Hörgenuss ganz oben angekommen.

Mercedes Maybach S 600 Pullman mit Burmester High-End-3D-Surround-System.
Auf die Dauer hilft nur Adenauer: Der neue Mercedes Maybach Pullman mit Urahn (Foto: Mercedes)

Wenn dann im März 2015 Dieter Burmester (der Firmengründer ist im August 2015 verstorben) bei allem Beifall seitens der Medien auch noch in vorauseilendem Gehorsam bekannte, dass auf dem diesjährigen Genfer Autosalon nur 50 Prozent von dem zu hören waren, wozu das 25.000 Euro teure 1480-Watt Burmester-3D System mit seinen 21 Lautsprechern später in der Lage sein soll, kannst Du wirklich sicher sein, einem Ausnahme-Ereignis beigewohnt zu haben.

Mein Hörtest auf dem Messestand ergab ein geradezu gigantisches Potenzial, obwohl die Abstimmung noch nicht ganz auf dem Punkt war. Wie auch? Schließlich waren die schwäbischen Autobauer bis zur letzten, nein zur allerletzten Minute damit beschäftigt, die rund eine halbe Million Euro teure Verpackung des “teuersten Autoradios der Welt” (FAZ) autosalonfähig zu machen.

Mit dem Werkzeugkoffer aus Berlin

Das bedeutete für die aus Berlin angereisten Akustik-Experten einige Überstunden, um das Burmester 3D System in der Luxus-Limousine direkt am Messestand klanglich auf Kurs zu bringen. Unter dieser Last-Minute-Aktion litt ein wenig die räumliche Abbildung, die nicht ganz an die überragende Bühnendarstellung des “gewöhnlichen” 3D-Sound-Systems des Hauses heranreichte.

Dafür nötigte die äußerst tiefreichende und dazu für Autoverhältnisse beinahe konkurrenzlos präzise Tieftonwiedergabe dem Kenner gehörigen Respekt ab. Ab gehobener Lautstärke leistete sich das tonal extrem ausgewogene und dabei fein zeichnende High-End-3D-System genau in diesem Punkt kleine Schwächen.

Gemessen an dem, was vagabundierende Bässe allerdings zuhause, in einem gewöhnlichen, unbehandelten Wohnzimmer an Brummigkeit zum Besten geben, darf man diesbezüglich bei dieser Nobelkarosse durchaus von Luxussorgen sprechen.

Im Fond des Pullman steht dank eines überlangen Radstands von fast 4,5 Metern nochmals mehr Platz zur Verfügung als in der Stretchversion der normalen S-Klasse. Das reicht für eine zusätzliche Sitzreihe mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Natürlich handelt es sich bei einem Auto dieser Prägung nicht einfach um gewöhnliche Sitzbänke, sondern um elektrisch in allen erdenklichen Dimensionen verstellbare Einzelsitze aus feinstem Leder.

Mercedes Maybach S 600 Pullman mit Burmester-3D Surround-System
Der Mercedes Maybach S 600 Pullman mit Burmester-3D High-End-Surround-System vertraut auf Ring-Radiatoren (Foto: Matthias Mederer)

Doch diese Streckung kommt nicht nur dem Sitzkomfort des rasenden Konferenzsaals zugute. Der vergrößerte Innenraum begünstigt auch die Ausbreitung tiefer Frequenzen, deren große Wellenlängen sich in Allerwelts-Autos überhaupt nicht richtig ausbreiten können. Nicht so im Pullman: Hier herrscht selbst im frühen Abstimmungs-Stadium des Burmester-3D Systems bereits eine Präzision, an der sich über 90 Prozent aller Heimanlagen messen können.

Was den Systempreis so in die Höhe treibt, ist die Möglichkeit zur totalen Individualisierung des Klangs. Dem Vernehmen nach ist sogar geplant, dass bei Bedarf ein Sound-Experte von Burmester im Beisein betuchter Kunden die Anpassung des jeweiligen Audio-Systems an deren Hörgeschmack und ihre bevorzugte Sitzposition vornimmt.

Dabei können die Insassen bereits in der Economy-Klasse von Flair Berlin über Presets den Klang via Bildschirm-Menüs an bestimmte Plätze und Programme anpassen. Mein Lieblingsprogramm bei einer Probefahrt mit dem S 500 auf den Straßen Berlins war neben dem neuen, vollkommen überzeugenden 3D-Effekt wie üblich die Live-Konzert-Einstellung.

No-Fly-Zone im Mercedes Maybach Pullman mit Burmester-3D

Gerade der 3D-Effekt wird im Pullman auf die Spitze getrieben, denn in seinem edel ausgeschlagenen, gegenüber der S-Klasse erhöhten Fahrzeughimmel verrichtet gleich eine ganze Batterie von Höhen-Lautsprechern ihren Dienst. Damit reckt sich die Hörbühne wie im Kino mit Dolby Atmos weiter Richtung siebter Himmel, während normale Autos Stimmen und Instrumente in die Knie zwingen.

Schockeffekte mit Hubschraubern, die über die Köpfe quer durch den Raum fliegen sind damit allerdings trotz DVD-Player nicht möglich. Es gibt den Autobauern lediglich um die akustische Auflösung der selbst in der Pullman-Liga noch vergleichsweise engen Fahrzeugkabine.

Dieter Burmester mit Stefan Schickedanz im Mercedes Pullman mit dem Burmester-3D System
Freude am Wahren: Der kürzlich verstorbene Dieter Burmester (rechts) mit Stefan Schickedanz im Mercedes Pullman (Foto: Matthias Mederer)

In dieser Klasse ist es auch absolut unüblich, dass der Besitzer wie bei einem Bentley oder Rolls-Royce gelegentlich auch mal selbst nach dem Steuer greift. Deshalb hat – man glaubt es kaum – der Pullman auch weniger Lautsprecher und – mir kommen gerade die Tränen – auch weniger Leistung als die im Vergleich fast schon bodenständige S-Klasse mit ihrer 1540-Watt-Endstufe.

Denn der Chauffeur soll sich aufs Fahren konzentrieren und wird akustisch auf Diät gesetzt. Was trotzdem für ihn an Hörgenuss übrig bleibt, dürfte mehr als genug sein, um den meisten selbstfahrenden Fahrzeugbesitzern vor Neid die Zornesröte ins Gesicht zu treiben.

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