Maybach im Show-Room
Überraschung: Mercedes und Dolby präsentierten das Burmester High-End 4D-Soundsystem im Maybach. (Foto: S. Schickedanz)

Burmester 4D-Klang mit Dolby Atmos im Mercedes – wir haben’s schon gehört!

Was für eine Überraschung: Mercedes und Dolby machen gemeinsame Sache, um selbst im Stop- und Go-Verkehr Gänsehaut zu erzeugen. Mit im Boot beziehungsweise an Bord: Burmester. Der Maybach, die S-Klasse und der neue, vollelektrische EQS bekommen 4D- respektive 3D-Sound mit Dolby Atmos. Viel mehr Glamour geht wohl kaum, zumal aus heimischer Produktion. Bei der Marke mit dem Stern hat die Stimulierung des Fahrgefühls gerade auch für Passagiere eine lange Tradition. Und mit 4D-Klang mit Burmester verspricht das Ganze auch eine neue Dimension des In-Car-Entertainments.

Die Transformation von kreuzbiederen Wurzelholz-Applikationen aus den 80ern und 90ern über dezente Ambiente-Beleuchtung bis zum digitalen Overkill irgendwo zwischen Tesla und PlayStation führte zu einer einzigartigen Mischung. Die kann man eher mit einem Nobelhotel in Las Vegas, wo gediegener Luxus und kunterbunter Neon-Schein aufeinandertreffen, als mit anderen Nobelkarossen wie Bentley oder Rolls-Royce vergleichen. Letztere sind – sofern der Besteller bei den Bespoke-Möglichkeiten nicht völlig ausflippt – vom Interieur auffallend dezent gestaltet. Und bei ersteren kommt der gewisse Bling-Bling-Effekt eher von etwas verspielten handwerklichen Details.

Der große Benz mit dem Namen des Zeppelin-Motorenbauers setzt auf eigenständiges, fließendes Design mit edlen Materialien, die durch eine Light-Show (Ambientelicht wäre stark untertrieben) virtuos in Szene gesetzt werden. Etwa die illuminierten, mit einer Drehung ausfahrenden Ringradiator-Hochtöner in den Türen der ab knapp 200.000 Euro erhältlichen Karosse. Wo die Nobellimousine Maybach mit solchen Spezialeffekten in handwerklicher Perfektion aufwartet, meldet sich die ebenfalls bei der Präsentation im Münchner Showroom von Mercedes-Benz gezeigte Elektro-Limousine EQS von Style her zurück aus der Zukunft.

4D-Klang mit Burmester – und Dolby ist auch dabei…

Das Tolle an der Verbindung dreier legendärer Marken: Dolby Atmos wirkt doppelt. Zum einen kann man mit entsprechenden Aufnahmen, etwa von Yello, Elton John oder Lady Gaga mit Bradley Cooper, Musik mit einer Räumlichkeit erleben, die dem viel strapazierten „Konzertsaal auf Rädern“ (den auch schon Bose im ersten Maybach der Neuzeit für sich reklamierte) noch mal ein ganzes Stück näherkommt. Zum anderen reißen einen damit Filme – abgesehen von der Bildschirmgröße – über immersiven Ton noch mehr mit als in den meisten Heimkinos. Dabei berücksichtigt die mit 31 Lautsprechern und insgesamt 1.750 Watt Verstärker-Leistung aufgebaute Lösung im Maybach einen ganz anderen kundenspezifischen Aspekt als die „kleine“ Burmester-Anlage im EQS. Die muss nämlich mit „nur“ 15 Lautsprechern und 710 Watt vorliebnehmen. Und die Show zielt auch von den Bildschirmen her auf die Vordersitze. S-Klasse und insbesondere Maybach sind Chauffeurs-Limousinen und hier spielt die Musik beziehungsweise das Kino vorzugsweise hinten im Fond.

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Maybach: Burmester-Hochtöner Nahaufnahme
Allein schon die Inszenierung beim Herausfahren der beleuchteten Ringaradiatoren des Burmester 4D-Surround-Sound-Systems im Maybach ist filmreif. Da durfte Dolby Atmos eigentlich nicht fehlen. Deshalb kooperieren der Autobauer und der amerikanische AV-Spezialist jetzt auch. (Foto: S. Schickedanz)
Dolby Atmos Trailer im Maybach-Fond
Den Dolby-Atmos-Trailer können die meisten in 3D-Sound nur im Kino erleben. Der 4D-Klang mit Burmester sorgt für die entsprechende Rückenmassage – allerdings nur im Maybach und in der S-Klasse. (Foto: S. Schickedanz)
Fond des Maybach mit Video-Monitor
LED-Zeppelin: Elton John in Dolby Atmos, erlesene Materialien und anspruchsvolles Design machen das Verweilen im Mercedes Maybach zum unvergesslichen Erlebnis. Die schwäbische Ingenieurskunst, das innovative Design und vor allem der Name mögen Assoziationen zu einem Zeppelin-Luftschiff wecken. Die Licht-Show erinnert dagegen fast ein wenig an einen bunt flackernden Reklame-Blimp von Goodyear.(Foto: S. Schickedanz)
VIP-Funktion am Burmester-System mit Dolby Atmos für den Maybach
VIP-Funktion am Burmester-4D-Surround-Sound-System für den Maybach: heute ein König. (Foto: S. Schickedanz)
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Beim EQS gingen Designer und Ingenieure noch einen Schritt weiter Richtung Zukunft. Die Bildschirme verschmelzen hier in bisher einzigartiger Weise mit dem Armaturenbrett, das mit seinen nahtlos integrierten Bildschirmen diesen Namen eigentlich gar nicht mehr verdient. Hier zielt die Bespaßung primär auf Fahrer und Beifahrer. Das mag zunächst für Oktan-affine Piloten aus dem letzten Jahrhundert völlig irre anmuten. Dachte ich jedenfalls als einer von ihnen angesichts der Video-Spiele in den Infotainment-Systemen von Tesla.

Das änderte sich schlagartig, als ich mit einem Testwagen vom Typ Porsche Taycan mitten in der Nacht im Niemandsland neben der Autobahn auf einem abgelegenen Parkplatz strandete. Während sich das bildschöne BEV aus einer Ladesäule mit defekter Beleuchtung Reichweite von hinter Augsburg bis nach Stuttgart einverleibte, galt es fast eine Dreiviertelstunde totzuschlagen. Denn in der Nähe war nicht mal ein Truckstop und es regnete wie aus Eimern. Doch zum Glück hatte auch dieses Stuttgarter Produkt ein Burmester-System – in dem Fall mit AMT-Bändchenhochtönern und Auro-3D. Das verhalf mir mitten in der kargen Pandemie mit David Gilmour „Live At Pompeii“ zu einem livehaftigen Konzerterlebnis in nahezu Originallautstärke.

Verkehrswende macht kompromissloses Car-HiFi alternativlos

Diese prägende Erlebnis brachte mich zu der Überzeugung, dass sich Elektromobilität wegen der geringen Fahrgeräusche (ein HiFi-Tester wird wohl niemals ernsthaft das Wort „lautlos“ in diesem Kontext verwenden) und audiophile Musik- respektive Filmtonwiedergabe nicht nur bestens vertragen. Ein First-Class-Infotainment-System wird im Zuge der Verkehrswende sogar alternativlos. Oder anders ausgedrückt: „Burmester lindert Ladefrust.“

Doch zurück zu Dolby und Daimler. Mit ihren kunstvoll verpackten Höhenlautsprechern im Fahrzeughimmel boten S-Klasse und Maybach geradezu ideale Verhältnisse zur Integration von Dolby Atmos. Weil es solche Hight-Kanäle auch für den Fond gibt, lässt sich damit eine große und stabile Bühne auch gerade für jene Insassen erzeugen, denen in aller Regel der Wagen auch gehört.

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Komplementär-Kontrast: Die MSM Studios, LowBeats-Lesern von zahlreichen Projekten bekannt, sind schwer Atmos-Aktiv. Dort wurde auch das Yello-Album Point mit imposantem 3D-Sound abgemischt. (Foto: S. Schickedanz)
Zentral-Display des Mercedes EQS mit Dolby Atmos Surround
Am Zentral-Display des Mercedes EQS kann man mit dem neuen, coolen MBUX-Konzept den Sound des Burmester Surround-Systems auf smarte Weise an seinen persönlichen Geschmack anpassen. (Foto: S. Schickedanz)
Beifahrer-Bildschirm im Mercedes EQS
Perfekt integriert: Beifahrer-Bildschirm im Mercedes EQS. (Foto: S. Schickedanz)
Türlautsprecher des Burmester-Systems im EQS
Die Türlautsprecher des Burmester-Systems im EQS sind Teil der Lichtspiel-Impressionen. Allerdings gibt es bei dem günstigeren System einfachere Hochtöner, die tiefer plaziert sind. Dank Dolby Atmos entsteht trotzdem eine hohe Bühnenabbildung. (Foto: S. Schickedanz)
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Für Selbstfahrer oder solche Besitzer*innen, die ihren Chauffeur bei bester Laune halten wollen, hat Mercedes im Maybach und der S-Klasse die insgesamt sechs 3D-Lautsprecher und die insgesamt acht Exciter gleichmäßig auf alle vier Sitzplätze verteilt. Die Körperschallwandler sind für den hochtrabenden Zusatz 4D zuständig. Wer neben Langstreckenkomfort hinter dem Begriff jetzt die Eignung für Zeitreisen vermutet hat, mag enttäuscht sein. Wer allerdings die Bässe mit allen Sinnen spüren möchte, wird bestens bedient.

Um die Wirkung zu veranschaulichen, hatten die Vorführer den Effekt natürlich üppig aufgedreht. Doch selbst dann verblüffte das präzise Timing zwischen Luft- und Körperschall. Die Po- und Rückenmassage verstärkte über psychoakustische Vorgänge zwar den Eindruck eines vollen Bassfundaments. Aber es wirkte niemals wie ein Fremdkörper und der Bass erschien auch keineswegs schwammig. Vielmehr spurtet der Benz-Bass jetzt schnurstracks in Richtung Porsche Panamera – für mich und zahlreiche geschätzte Kollegen bislang der Maßstab für High-End-Car-HiFi ab Werk.

Der Luxus-Benz mit Porsche-Dynamik

Was ein Unterschied zur Vorgänger-Generation. Mit der cruiste ich vor einigen Jahren mit Firmengründer Dieter Burmester durch Berlin. Dabei lauschten wir einer selbstgebrannten CD, für die er mit seinem legendären Phono-Pre-Amp seine Lieblingslieder digitalisiert hatte. Darauf fanden sich Klassiker wie „Child In Time“ von Deep Purple oder „No Sanctuary Here“ vom ebenfalls viel zu früh verstorbenen Gitarristen Chris Jones. Es gibt vermutlich wenige Sachen, mit denen sich gestandene Männer so schnell in kleine Jungs verwandeln und bis über beide Ohren grinsen. Ja, wir haben sogar im Wechsel Luftgitarre gespielt, je nachdem, wer gerade am Steuer saß. Die Musik erklang für Autoverhältnisse extrem weiträumig, ausgewogen und nuanciert. Auch die Dynamik dürfte sich zu Hause schwerlich erreichen lassen – von der Rücksichtnahme auf Nachbarn ganz abgesehen.

Nur eines hätte sich seinerzeit am Burmester 3D-Surround-Sound-System der S-Klasse für meinen Geschmack verbessern lassen: Attacke und Kick im Bass. Das galt gerade im direkten Vergleich zum damals noch leicht vulgär abgestimmten Panamera der ersten Generation, der die Qualitäten seiner AMTs demonstrativ zur Schau stellte wie die jungen Leute heute die grollenden V8 ihrer AMGs. Deshalb war der S-Klasse-Mercedes passend zum Konzept der Luxus-Limousine Kraft seiner Ringradiatoren zwar feiner in den Höhen und auch sanfter, stimmiger in den Mitten. Aber sein Bass erschien eher opulent und weich wie sein komfortabel abgestimmtes Luftfahrwerk im Vergleich zum sportlich strammen Porsche, der einem Drums ungemeinen Kick wie Schläge in die Magengrube servierte.

Des Daimlers Dreamliner

Und jetzt hat der Daimler alles, was man sich wünschen kann: Ausgewogenem nuancierte Stimmwiedergabe, etwa bei „Rocket Man“ von Elton John und knackige Beats bei Yello. Das Ganze war so beeindruckend und vollkommen, dass man als kleiner Genießer nicht viel Phantasie, aber umso mehr Kleingeld braucht, um sich folgendes Szene vorzustellen: Während einen der Chauffeur durch Zürich fährt, genießt man die Stadtrundfahrt im Maybach mit einer Flasche Puro – dem Rotwein von Frontmann Dieter Meier, dessen Musik und Rotweine nicht nur ich sehr schätze. Vor vielen Jahren bin ich sogar für eine Lesung (ja richtig gelesen, Lesung) in die Schweiz gefahren.

Elektrischer Mercedes EQS im Münchner Mercedes Show Room
EQS-Test: Im Münchner Showroom von Mercedes-Benz konnten wir das 3D-Burmester-Sound-System des elektrischen Mercedes mit Dolby Atmos hören.

Doch dieser Maybach im Showroom von Mercedes-Benz in München hatte wohl keine Bordbar. Und nach einigen Musikstücken und dem eindrucksvoll dargebotenen Dolby-Atmos Trailer, mit dem ich auch schon unzählige Heimkino-Atmos-Systeme für einschlägige Fachzeitschriften testete, musste ich die Pferde tauschen. Es galt, auch noch, den EQS mit jenem Sound-System zu testen, das auf der A-Klasse basiert. Diese für Burmester-Verhältnisse geradezu günstige Lösung hatte mich seinerzeit beim Fahrtest vom Kick des geschlossenen Subwoofers im Kofferraum wirklich begeistert und ehrlich gesagt mehr angesprochen als das Einsteiger-Burmester-System im bildschönen E-Klasse-Cabriolet. Diesen Umstand kann man sozusagen als Gnade der späten Geburt bezeichnen, denn es war zu dem Zeitpunkt einfach eine Generation weiter. Das galt auch für das MBUX getaufte Bedienkonzept, das freies Sprechen für den Sprach-Assistenten gestattete.

EQS: Perfekt für Elektro-Beats

Im EQS sind jetzt die markeninternen Verhältnisse wieder zurechtgerückt. Er ist durch einen Quantensprung im Cockpit-Design ganz weit weg. Da treffen die Eleganz eines Riva-Boots und die Gadgets aus einem Science-Fiction-Film zusammen; das Ganze garniert mit den vielleicht coolsten Lüftungsdüsen auf diesem Planeten, die man mit ihrer Turbinenform aus den neueren Mercedes-Baureihen kennt. Die Bedienung am zentralen Touchscreen, dem Multifunktionslenkrad oder dem nahtlos ins Armaturenbrett integrierten Touchscreen auf der Beifahrerseite ist ganz weit weg von allem, das wir kennen.

Besonders cool in Szene gesetzt, gerade für die Gamer-Generation: Man kann über ein für Laien optimiertes Equalizer-Konzept die Tonalität an seinen individuellen Geschmack anpassen. Außerdem lässt sich neben den üblichen Einstellungen die Intensität der Surround-Effekte regeln. Was mir persönlich am wichtigsten erscheint: Zwar gibt es beim günstigeren Burmester-System kein VIP-Setup, mit dem man den Klang per Touchbefehl an einen bestimmten Sitzplatz anpassen kann. Doch man hat die Wahl zwischen einer möglichst gleichmäßigen Klangverteilung für alle Plätze oder eine Fokussierung auf die erste Reihe.

Den Unterschied empfand ich wirklich als essenziell. Denn mit der Einstellung für alle Plätze wirkte die Abbildung auch bei heruntergeregeltem Surround-Effekt relativ diffus und man hatte das Gefühl mitten auf der Bühne zwischen den Musikern zu sitzen. Derbe ausgedrückt, drängte sich mir der Vergleich mit einem riesigen Kopfhörer auf. Dass dieser Effekt keinesfalls nur an den relativ weit hinten und tief platzierten Lautsprechern der vorderen Türen lag, zeigte der Wechsel des Setups auf die vorderen Plätze. Nun hatte man die Stimmen und Instrumente zwar noch recht dicht vor der Nase, aber sie standen eindeutig vor einem.

Das Timing und die Attacke gefielen mir schon in der A-Klasse sehr gut auch die Laufzeit- und Pegelanpassung des im Kofferraum untergebrachten Subwoofers war genau auf den Punkt, so dass je nach Musikrichtung auch Kontrabässe oder Bassdrums vor einem zu stehen schienen. Klassik zeigte mit leicht harschen Streichern lediglich dezent die Grenzen der einfacheren Kalottenhochtöner gegenüber den High-End-Ringradiatoren der großen Burmester-High-End-Systeme auf. Was aber nur Berufsnörglern wie HiFi-Testern und einer Hand gestandener Musikenthusiasten auffallen dürfte. Für den Preis und die Klasse aber eine richtig tolle Leistung, zumal dank Dolby Atmos eine ausgesprochen hohe, plastische Bühne entsteht.

Fazit 4D-Klang mit Burmester

Auch wenn das im Showroom kein Fahrtest und auch kein komplettes Hörtest-Programm unter Praxisbedingungen war, lässt sich eines ganz sicher sagen: Beide Benz‘ begeistern von vorne bis hinten. Und Burmester darf sich glücklich schätzen, mit AMT und Auro-3D im Porsche und Dolby Atmos in den Daimlern gleich beide Stuttgarter Ikonen der Automobilwelt adäquat mit packendem, authentischem und räumlichem Sound auf den Weg in die (elektrische) Zukunft zu begleiten – unter Wahrung von deren Markenkernen.

Bleibt nach dem überaus überzeugenden Einstand im Stand die Frage: Wann geht die Revolution auf die Straße? Offizielle Antwort: Die Dolby Atmos Integration im Mercedes-Maybach wird ab Sommer 2022 verfügbar sein und kurz darauf für weitere Modelle angeboten, die mit dem neuen MBUX-System ausgestattet sind, das mit der neuen Mercedes-Benz S-Klasse eingeführt wurde. Wenn Sie jetzt den Straßen-Zeppelin oder den elektrischen Gleiter haben wollen, bleibt Ihnen also noch etwas Zeit zum Sparen…

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Autor: Stefan Schickedanz

Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.