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Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System

Mercedes A 200 mit Burmester-Anlage und MBUX im Test

Es war ein logischer Schritt, aber keinesfalls selbstverständlich: Burmester zog mit dem Modellwechsel in die A-Klasse ein. Seit unser britischer Kollege Dr. Ian Kuah auf seiner Testfahrt im Januar letzten Jahres in Las Vegas den Schleier für LowBeats lüftete, konnte ich es nicht erwarten, den Baby Benz zum Hörtest zu bitten. Nun war es endlich soweit: Vor der Tür stand ein Mercedes A 200 mit dem optionalen Burmester Surround-Sound-System. Doch ich muss gestehen, ich war nach Ians Ausführungen mindestens genauso gespannt auf das Mercedes-Benz User Experience (MBUX). Man hörte beziehungsweise las, dass man mit diesem Auto frei sprechen kann wie mit einem Menschen.

Und schon der erste Versuch mit der mündlichen Eingabe meiner Heimatadresse nach Abholung des Mercedes-Benz A 200 sagte mir, dass ich mit dem im AMG-Trimm aufgehübschten Kompaktwagen eine gute Zeit haben würde.

Außen gab sich der A 200 trotz AMG Linie mit schwarzen 19-Zoll-Rädern recht dezent. Dafür trieben es die Designer innen umso bunter. Dabei lag das rote Leder ziemlich genau in der Mitte zwischen den hochwertigen Materialien (welche eher an die Ober- denn an die Kompaktklasse erinnerten) auf der einen und dem kunterbunten virtuellen Armaturenbrett auf der anderen Seite. Dieses besteht aus zwei HD-Displays und folgt der Linie, die Mercedes bereits in der Mittel-Klasse eingeführt hat. Doch dort wird die Anzeigeeinheit vom wuchtigen Armaturenbrett eingeschlossen, während sie hier im Tablet-Stil freisteht. Zusammen mit der in der Farbe variablen Ambiente-Beleuchtung, die bei der A-Klasse sogar die wundervoll gestalteten runden Lüftungsdüsen erstrahlen lässt, macht der kleine Benz je nach Standpunkt mächtig auf Disco oder Playstation. Das bildet in meinen Augen einen ziemlichen Kontrast zu der oberklasseartigen Anmutung des Fahrzeug Innenraums.

Doch der Spagat geht weiter. Auch was das Fahrverhalten betrifft, reifte der Baby-Benz zum vollwertigen kleinen Mercedes. Die Federung wirkt ausgesprochen erwachsen – kein Vergleich zum knüppelharten, ruppigen BMW M140i xDrive, den ich für LowBeats vor zwei Jahren gefahren bin. Sie erinnert stark an das schwebende, schwerelose Fahrgefühl, das ich an der Mercedes E-Klasse Limousine und dem E-Klasse Cabriolet so schätzte.

Aber, was hat sich unser schwäbischer Vorzeige-Hersteller (Slogan: „Das Beste oder nichts“) bloß bei diesem Aggregat gedacht? Der 1,3-Liter-Turbo-Direkteinspritzer erfüllt zwar leistungsmäßig überraschenderweise trotz des sehr kleinen Hubraums die Erwartungen, die das gediegene Auto weckt. Doch seine rustikale Akustik passt einfach nicht zur poppigen, aber äußerst geschliffenen A-Klasse. Irgendwie erinnerte mich die ungleiche Paarung an das Märchen vom Froschkönig, was gar nicht so weit hergeholt erschien, nachdem meine Recherche ergab, dass der kleine Vierzylinder offenbar wie der Dreizylinder des Smart aus dem Renault-Regal stammt. In Frankreich gelten Froschschenkel als Delikatesse …

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Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Das Burmester Surround-Sound-System des Mercedes A 200 hat drei Klangregler, die wir wie üblich in Neutralstellung beließen. Der Fader nutzten wir allerdings, um die Bühne stärker nach vorne zu bringen (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
In den Einstellungen des Burmester Surround-Sound-Systems hat man ferner die Wahl zwischen reinem Stereo und einem Mehrknanal-Sound, der auch aus 2-Kanal-Aufnahmen erzeugt wird. (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Auf dem Touch-Screen kann man die Cover seiner Musiksammlung mit dem Finger durchscrollen. (Foto: S. Schickedanz)
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Nun wollte ich den Mercedes aber nicht an die Wand klatschen, damit er sich in einen Prinzen verwandelt. Mir fiel noch etwas weit besseres ein. Schließlich fährt die A-Klasse seit diesem Jahr in ihrer dritten Generation mit einem Surround-Sound-System von Burmester vor. Und das ist kraft seiner 590 Watt spielend in der Lage, den etwas vulgären Motor mit edlen Klängen zu übertönen – frei nach dem Motto: Tun wir so, als hätten wir ihn nicht bemerkt.

Burmester bewahrt den guten Klang

Die Abstimmung der zwölf exakt auf den Fahrzeuginnenraum angepassten Lautsprecher erfolgte mit der Vorgabe, eine ausgewogene und zugleich sehr dynamische Musikwiedergabe zu gewährleisten. Dazu kommt eine umschaltbare Klanganpassung für die vorderen und hinteren oder für alle Sitzplätze. Die Geräuschkompensation (VNC) sorgt dafür, dass sich die Entzerrung der Lautsprecher dynamisch an die jeweiligen Fahrgeräusche anpasst, um bei jedem Tempo eine möglichst ausgewogene Wiedergabe zu gewährleisten. Damit dem platzsparend unterm Kofferraumboden verstauten Doppelschwingspulen-Subwoofer, der im unteren Bereich gegen den brummigen Motor antritt, nicht die Puste ausgeht, entfallen allein 120 Watt der Verstärkerleistung auf ihn. Mit knapp 800 Euro fällt der Aufpreis des Systems, das sich an den in den A-Säulen untergebrachten Hochtöner-Abdeckungen mit Burmester-Emblemen schmückt, moderat aus.

Der Effekt ist dagegen gewaltig. Der kleine Benz ist ganz groß, wenn es um den Fahrspaß geht. Besonders das agile, bisweilen an einen Kart oder zumindest einen Mini Cooper erinnernde Einlenken begeisterte mich nachhaltig.  So schnell, wie einen der Burmester-Sound süchtig macht, so schnell gewöhnt man sich an den Wegfall des klassischen Automatik-Wahlhebels auf der Mittelkonsole. Zugunsten glatter Flächen gaben die Mercedes-Designer dem Einstiegsmodell einen lässigen Lenkstockhebel, wie man ihn aus der S- oder E Klasse kennt. In Verbindung mit der satten Straßenlage fährt sich der Mercedes A 200, ungeachtet seiner ausgezeichneten Wendigkeit beim Rangieren, bis in den Bereich seiner Höchstgeschwindigkeit von knapp 230 km/h wie ein Fahrzeug aus einer höheren Klasse. Die Lenkung gibt sich knackig direkt und kommt mit einem geringen Einschlag aus. Trotz des Frontantriebs zerren die 163 PS praktisch nie am Multifunktions-Ledervolant. Zudem kann ich über die Bremsbalance trotz der konzeptbedingt frontlastigen Gewichtsverteilung nur Positives berichten, was bei Fronttrieblern keinesfalls selbstverständlich ist.

Allerdings fiel mir sehr schnell bereits auf trockener Straße auf, dass die Traktion der 225er-Bereifung mit den knapp 170 PS respektive 250 Nm in engen Biegungen schon ziemlich am Limit ist. Deshalb würde ich mir – als sportlicher Fahrer – spätestens bei der nächsten Leistungsstufe eine mechanische Differenzialsperre wünschen und spätestens über 240 PS sogar Allradantrieb. Den bekommen auch die beiden AMG-Modelle A35 und der A45, der im Laufe des Jahres erscheint.

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Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Die Hochtöner des Burmester Surround-Sound-Systems sitzen in den A-Säulen. Sie tragen das Firmenlogo, bestehen aber im Baby-Benz nicht aus Metall. Schließlich konnte man noch nie so günstig den Klängen der Berliner Manufaktur lauschen. Je nach Ausstattungspaket beginnt der Spaß schon unter 500 Euro (S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Die Mitteltöner sitzen recht tief in den Türen. Das kostet etwas Präzision beim Staging und bei hochfrequenten Impulsen (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Der allein von 120 Watt beflügelte Subwoofer holt für das Burmester-System die Kohlen aus dem Feuer. Sein knackiger Kickbass und sein hohes Differenzierungsvermögen sind richtiggehend spektakulär – zumal in der Fahrzeugklasse, in welcher der Mercedes A 200 antritt (Foto: S. Schickedanz)
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So klingt der Baby-Benz mit Berliner-Power

Den direkt vom DSP-Verstärker angesteuerten Lautsprechern gelingt es spielend, den typischen Sound, von Burmester selbst als „Wohlfühlklang“ (den wir bereits aus den größeren Modellen von Mercedes kennen) bezeichnet, in die Einstiegs-Baureihe zu bringen. Ganz gleich, welche Musik man diesen Sound-System serviert, sie wird niemals lauwarm oder mit künstlichem Beigeschmack aufgetischt. 

Man ist nicht einmal darauf angewiesen, über USB hochauflösende Musik-Dateien zuzuspielen. Selbst über das mit Bluetooth gekoppelte iPhone, das man in der Ladeschale drahtlos mit Strom versorgen kann, klang das Lautsprecher-System sehr ausgewogen und auch sehr dynamisch. Doch in Sachen Neutralität kann auch das Haman Kardon System, welches im 1er BMW zum Einsatz kommt, überzeugen. 

Was die Burmester-Anlage in der A-Klasse besonders auszeichnet, ist ihr kräftiger, kontrollierter Bass. Hier übertrifft die preußisch-schwäbische Kombination ganz klar die Einstiegsklasse des Münchner Erzrivalen. Selbst der exzellent gelungene Ford Focus mit seinem B&O-Play-System kann trotz Subwoofer im Kofferraum ebenfalls nicht ganz mithalten.

Lediglich in einem Punkt hatte Mercedes A 200 gegenüber den beiden anderen Kompakten das Nachsehen. Seine Bühne wirkt nicht so breit wie im BMW und nicht so hoch wie im Ford. Obendrein wirkt die Abbildung etwas diffuser als bei den beiden anderen Kompakten. Das ist sicher auch den tiefergelegten Mitteltönern in den vorderen Türen zu verdanken.

Hierin liegt auch ein wesentlicher Unterschied zu den beiden optionalen Burmester-Systemen der E-Klasse, ganz besonders zum aufwändigen High-End-3D-System, das Solostimmen zum Greifen plastisch vor dem Fahrersitz aufbaute. Doch was den Bass betrifft, so saftig und ultraknackig im Kick, braucht sich die A-Klasse jetzt nicht mehr hinter der E-Klasse mit dem kleineren Surround-System zu verstecken.

Mir machte jedenfalls das Fahren mit laut aufgedrehter Musik in Mercedes A 200 mächtig Spaß. Und zwar unabhängig davon, ob ich Eminems neues Album „Kamikaze“ oder live eingespielte Rockklassiker wie auf David Gilmours Live At Pompeii anhörte. Wegen des für diese Klasse unglaublich souveränen Fahrverhaltens und der moderaten Fahrgeräusche kann man die Musik auch bei hohem Tempo entspannt genießen. Die ebenfalls weit über Klassen-Standard liegenden Fahrassistenten tun ein übriges, damit man mit den kleinsten Benz große Strecken stressfrei zurücklegen kann. So berücksichtigt der Abstandstempomat sogar Tempolimits und hält allein die Spur, sodass sich der Fahrer zurücklehnen kann und nur (durch relativ festen Druck) mit mindestens einer Hand am Lenkrad die Endkontrolle behalten muss.

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Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Man kann die Instrumente nicht nur nach bestimmten Looks verändern, sondern auch vom Lenkrad des Mercedes A 200 aus die Anzeigen nach Bedarf konfigurieren. Bis auf ein extrem düsteres Thema, das mit Informationen geizt, haben alle eines gemeinsam: Sie bringen viel Farbe ins Spiel, was den Blendeffekt im Dunkeln erhöht. Und sie wirken wie hier mit Eco-Anzeige ganz schön poppig – fast als wollten sie sagen: Schaut mal, ich bin kein Opa-Auto wie mein Urahn… (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Man merkt dem 1.300-ccm-Aggregat des Mercedes A 200 seinen kleinen Hubraum nur vom Sound, aber nicht von der Kraftentfaltung an. Vom Verbrauch allerdings auch nicht. Und das war noch ohne freie Fahrt (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Wer den kleinen Benz auf freier Strecke laufen lässt, kann bequem schnelle Schnitte realisieren. Der Look der virtuellen, flexibel konfigurierbaren Instrumente mit ihren bunten Nachzieheffekten im Playstation-Stil macht auf jugendlich, doch der Verbrauch ist dann sehr erwachsen (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Der Mercedes erwies sich als kompakter Kilometerfresser mit gewissem Expressaufschlag. Für Vielfahrer ist die Motorisierung unseres A 200 daher nicht so empfehlenswert (Foto: S. Schickedanz)
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Kein Kostverächter

Wäre da nur nicht dieser hohe Verbrauch. Bei normaler Landstraßenfahrt am Wochenende auf der Alb mit den üblichen Sonntagsfahrern vor sich, die nicht mal so schnell unterwegs sind, wie die Tempolimits gestatten, war es für mich schon schwierig, mit dem Mercedes A 200 unter 8 Liter pro 100 Kilometer zu kommen. Bei einigermaßen freier Fahrt auf einem kurzen Stück Autobahn ging die Tendenz in Richtung 9 Liter. Nachts auf freier Strecke zwischen München und Stuttgart waren es vor dem Albabstieg zeitweise sogar durchschnittlich 17 Liter, nach langer Bergabfahrt und Tempolimits dann immer noch über 14 Liter am Ziel in Stuttgart. Das ist nicht nur mehr, als der 1er-BMW mit Allradantrieb und 3-Liter-Sechszylinder auf der Strecke verbrauchte und mit dem hinterradgetriebenen M140i erst recht zu toppen. Dieser Durchschnittsverbrauch lag sogar deutlich über dem, was ich während des Tests mit dem großen und schweren E 400 4matic Cabriolet im Schnitt durch die Einspritzdüsen jagte. 

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