Der erste Eindruck: Einfach hübsch, diese Burmester BA 31. Aber noch bevor ich auf die Idee komme, die kleine Standbox zierlich zu nennen, muss ich sie erst einmal aus der Verpackung

heben und bin verblüfft. Bei ihrem Gewicht nämlich endet die Zierlichkeit und ich brauche kräftige Verstärkung, um ihre 40,5 Kilo gefahrenfrei aufzustellen.
Und schon bei dieser ersten, sehr haptischen Begegnung wird klar, dass die Burmester BA 31 von A bis Z perfekt verarbeitet ist. Da reden wir nicht nur vom superben Lack oder den nicht vorhandenen Spaltmaßen.
Es ist einfach die Art und Weise, wie sauber eigentlich alle Komponenten miteinander verwoben sind. Der Umstand, dass sowohl die Burmester-Tischlerei als auch die zuliefernde Metallwerkstatt in Berlin zu Hause sind, verkürzt wohl nicht nur die Wege, sondern erhöht auch die Qualität.
Nun ist das Verarbeitungs-Niveau bei Burmester seit jeher exzellent, auch bei den Lautsprechern. Aber die neuen BA Modelle scheinen mir irgendwie noch ein Stück perfekter. Oder stimmiger. Oder gereifter.
Das Gehäuse mit seinen leicht geschwungenen Seitenwänden besteht aus einer Art Sandwich: Dafür werden zwei Schichten geschlitzter (und somit biegbarer) MDF-Platten in Form gebracht und miteinander verleimt. Das ergibt den feinen Schwung und eine extrem hohe Steifigkeit.
Die Schallwand wird durch eine 12 Millimeter starke Aluminium-Platte armiert, an der von hinten die beiden Tiefmitteltöner und der Air Motion Transformer verschraubt sind. Da wackelt garantiert nichts.
Ich habe die Aluminium-Front gelöst, um zu sehen, wie es dahinter aussieht. Sie ist mit 12 Gewindeschrauben an der Holzfront arretiert und ja: Auch dahinter macht die BA 31 einen überragend verarbeiteten Eindruck. Selbst die Bedämpfung des Bassreflex-Gehäuses folgt einer strikten Ordnung.
Die Burmester BA 31 vermittelt an wirklich jeder ihrer Ecken den Eindruck, es wäre nur das Beste und das auch noch mit großer Sorgfalt und Liebe verbaut worden.
Burmester ist nach wie vor der einzige Hersteller, von dem ich gesichert weiß (weil ich schön öfter dort war), dass die Treiber hier mehrere Tage vorgealtert werden.
Bitte wie? Gebrauchte Chassis in dem Lautsprecher? Nein, eingespielte. Das ergibt Sinn, weil nur eingespielte Treiber genau die Parameter haben, die bei der Entwicklung vorausgesetzt wurden und die der Lautsprecher braucht, um optimal zu klingen.
Und nicht wenige Schallwandler benötigen deutlich mehr als 100 Stunden Einspielzeit, bis sie zu wahrer Höchstform auflaufen.
Doch das Besondere an der BA 31 liegt nicht in der superben Verarbeitung, sondern steckt im “A” des Namen. Das nämlich steht für “Ambience” und gibt einen Hinweis auf den rückwärtig angebrachten Hochtöner. “Ambience” klingt hübsch, führt aber auch ein wenig in die Irre.
Hier geht es ja nicht um einen wie auch immer gearteten Ambient-Sound, sondern um zusätzliche Hochton-Energie im Raum. Davon hat man in der Regel zu wenig und deshalb klingt es meist auch nicht so leicht und fein, wie man sich das vielleicht wünschen würde.
Die BA 31 hat einen baugleichen Hochtöner (wie auf der Front) auch auf der Rückseite eingebaut. Dieser ist gleichphasig angeschlossen, sodass hier im Hochtonbereich ein so genannter Bipol entsteht und für mehr Luftigkeit und räumliche Information sorgt.
Die Idee eines rückwärtig angebrachten Hochtöners ist nicht die schlechteste – zumal man ja den der Burmester BA 31 auch noch einstellen kann. Wer es gar nicht mag, stellt den Pegel einfach auf Null.
Die Inspiration zum Ambient-Hochtöner kam unter anderem aus dem Automotive-Bereich, wo Burmester ja mittlerweile Welt-Konzernen wie Bose oder B&O die Stirn bietet und in vielen Porsche– und Mercedes-Modellen als High-End-Anlage ab Werk angeboten wird.
Die Erfahrung aus den Fahrgastzellen von S-Klasse, Panamera & Co. führte zu vielen, zum Teil zuschaltbaren Hochtönern, die für mehr Räumlichkeit und Luftigkeit sorgen.
Technisch gilt die Burmester BA 31 als sogenannte 2,5-Wege-Konstruktion mit zwei 17 Zentimeter Tiefmitteltönern, von denen der untere nur bis 400 Hertz läuft – er wird nur als “halber” Weg gezählt. Ab 2.600 Hertz arbeiten die beiden Hochtöner, die nach dem Air-Motion-Transformer- (AMT) Prinzip funktionieren.
Die AMT Membran ist wie eine Ziehharmonika gefaltet und presst die Hochtonenergie quasi aus den Falten heraus. Das Prinzip gilt als sehr effizient und die besten dieser Art kommen derzeit vom Kölner Bauteile-Spezialisten Mundorf. Die BA 31 hat zwei dieser Mundorf-AMTs, die allerdings vom Burmester-Entwicklungsteam noch verfeinert wurden.
Entwickelt wurde die BA 31 von Martin Lorenz, der seit dreieinhalb Jahren bei Burmester ist. Er skizzierte die Grundzüge. Doch die BA 31 ist nicht ausschließlich sein Werk. Dieter Burmester, der charismatische, im letzten Jahr verstorbene Firmengründer, hatte die BA 31 noch mit abgestimmt.
Auch Thomas Michael Rudolph (TMR), eine Zeitlang Entwickler bei Burmester, trug einige Ideen zur BA 31 bei. Und auch Berndt Stark, einer der versiertesten Entwickler Deutschlands und seit vielen Jahren Entwickler bei Burmester, brachte seine Erfahrung mit ein, obwohl er sich in den letzten Jahren überwiegend der Automotive-Beschallung widmet.
Bei so viel prominentem Beistand musste ja etwas Besonders aus der kleinen BA 31 werden. Zunächst natürlich eine klanglich anspruchsvolle Konstruktion. Aber auch eine technisch anspruchslose. Die Impedanz der BA 31 verläuft oberhalb 300 Hertz vorbildlich glatt auf etwa 4-Ohm-Niveau – was die kleine Standbox auch für Freunde von Röhren-Endstufen interessant macht.
Hörtest: die BA 31 überzeugt im Hörraum

Was zu beweisen war: An unserem Referenz-Röhrenverstärker OCTAVE V80 SE gab es keinerlei Anlass zur Klage. Aus dem Stand spielte die Burmester BA 31 am OCTAVE ungemein offen und detailreich, aber auch tonal sehr reif.
Prinzipiell spielt die BA 31 im Bass erfreulich ehrlich, fast schlank, beeindruckt aber mit einem Tiefgang, der für eine Konstruktion dieser Größe ungewöhnlich ist. Hätte ich nicht gewusst, welchen Lautsprecher ich da teste, ich hätte beim Anhören des neuen Underworld Album Barbara Barbara, we face a shining future eine sehr viel größere Box vermutet.
Das machte richtig Spaß, mit welcher Kraft, Genauigkeit und Tiefgang die BA 31 die Basslinien in den Hörraum pumpte. Irgendwann war pegelmäßig halt Schluss, aber auch diesen Punkt erreichte die kleine Burmester sehr viel später, als ich erwartet hätte.
Im Vergleich zur großen KEF Reference 5 konnte die kleine Burmester in den quantitativen Disziplinen (Maximalpegel, Tiefgang) natürlich nicht ganz mithalten. Aber die Informationsdichte im Bass, die Exaktheit der Bass-Schläge, das Nachschwingen der Bass-Saiten war schlichtweg grandios – und auch noch etwas besser als bei der KEF. Und ein sauberer Bassbereich ist ja gemeinhin die wesentliche Grundlage für eine durchweg saubere Wiedergabe …


Klassische Einspielungen wie Dvoraks 9. Symphonie unter Friscay profitierten davon enorm. Die atemberaubende Dynamik der Aufnahme wurde kaum gebremst und die Wucht und der Ton der vielen Streicher sehr genau getroffen.
Deutlich wurde aber auch, dass sich die BA 31 in den oberen Stimmlagen eine dezente Zurückhaltung erlaubt – siehe Messung. Genau in diesem Bereich ist unser Ohr ja außerordentlich sensibel. Rebecca Pidgeon, die die meisten HiFi-Fans wegen ihres Hörtest-Klassikers “The Raven” mit Sicherheit kennen, brilliert in Four Marys immer noch mit ihrer einzigartig glockenklare Stimme.
Die BA 31 brachte die Stimme sehr fein, aber gemessen etwa an der B&W 805 D3 blieb sie hier weniger informativ und arbeitet das Charakteristische in der Stimme nicht ganz so akribisch heraus. Auf der anderen Seite ermöglicht diese kleine Senke im Präsenzbereich, dass man die BA 31 brutal laut hören kann – also bis zu ihren Pegelgrenzen –, ohne dass es einem in den Ohren klingelt.
Und der Hochtöner auf der Rückseite? Tatsächlich greift er hörbar ins Klanggeschehen ein. Rebecca Pidgeon klang bei vollem Rück-Hochtonpegel noch etwas freier und feiner. Der Nachteil: Die eigentlich exzellente Abbildungsgenauigkeit franste an den Rändern etwas aus.
Doch nach einigen Stücken des Ausprobierens und der Feinjustage hatte ich das für den LowBeats HiFi-Hörraum richtige Maß bei der 13-Uhr-Einstellung gefunden. Die Luftigkeit der Wiedergabe und die Tiefe der Abbildung nahm zu, während die Abbildungsschärfe weitestgehend erhalten blieb.
Und das finde ich wirklich klasse, wenn man über ein solches Werkzeug verfügt, mit dem man aktiv Klang und Abbildung an den Raum oder den eigenen Geschmack anpassen kann. Denn wie gesagt: Zusätzliche Hochton-Energie im Raum ist fast immer von Vorteil …
Fazit: High End, wo man hinschaut – sogar hinten

17.800 Euro pro Paar erscheint auf den ersten Blick für eine Standbox dieser Größe und dieser Bestückung ganz schön happig.
Aber ich habe im Lauf meiner 25 Testerjahre sehr viele – auch erheblich günstigere – Lautsprecher unter den Fittichen gehabt, bei denen das Preis/Leistungsverhältnis deutlich schlechter war. Und das liegt nicht nur an der exzellenten Verarbeitung und dem hohen Materialeinsatz.
In den entscheidenden Bereichen, in denen ich viel von der BA 31 erwartete, übertraf sie diese noch: Eine fantastische Räumlichkeit, eine homogene Stimmwiedergabe und eine Feindynamik wie Bassgenauigkeit, die nicht nur bei kleinen Pegeln zum langen Hören einlädt.
Und dass die BA 31 über den Rück-Hochtöner den Klangeindruck auch noch justierbar macht, ist weit mehr als nur ein Gimmick, sondern – wenn der Raum es zulässt – eine ernsthafte Verbesserung.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Ausdrucksvoller, feiner Klang |
| Einstellbarer Rück-Hochtöner |
| Überragende Verarbeitung |
| Nicht ganz günstig |
Vertrieb:
Burmester Audiosysteme GmbH
Wilhelm-Kabus-Straße 47
10829 Berlin
www.burmester.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Burmester BA 31: 17.800 Euro pro Paar
Ähnliche Themen:
Test KEF Reference 5: Koax-Standbox mit Sub
Test B&W 805 D3 – Maßstab der Kompaktklasse
Mehr zu Burmester:
Test Burmester 175: Plattenspieler in einer eigenen Liga
Test Burmester B18: Edel-Standbox mit Bass-Extension
Burmester C500 rockt die High End 2016
Test Porsche Panamera 4S mit Burmester und Auro-3D
Test Mercedes E 320 d mit Burmester 3d-Sound