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Plakat Canjam 2015
Alles andere als laut: Die CanJam in Essen ist Deutschlands größte Kopfhörer-Messe. (Foto: R. Vogt)

Messereport CanJam 2015: beste Kopfhörer

Auf der CanJam 2015 die besten Kopfhörer in aller Ruhe hören

Die Besucherzahlen der CanJam 2015 sind immer noch überschaubar, aber die Messe ist ja noch in den Anfangsjahren. Messe-Veranstalterin Juliane Thümmel

Juliane Thümmel, Head Sound
Die CanJam-Veranstalterin Juliane Thümmel managed gleichzeitig auch den Vertrieb von headsound (Foto: R.Vogt)

jedenfalls war nach der dritten Messe dieser Art zufrieden. „Wir hatten schon am Samstag über 800 Besucher. Ich gehe davon aus, dass es wieder mehr werden als letztes Jahr – da waren es 1.600. Die Zahl der Aussteller wuchs in jedem Fall.“ Stimmt. Das Angebot war gut, aber auch gut an einem Nachmittag zu bewältigen. So hatten wir die Gelegenheit, uns durch fast alle Vorführungen zu hören. Und so im direkten Vergleich stellen sich doch gewaltige Unterschiede zwischen den Kopfhörern ein: Zwischen richtig gut und erstaunlich schlecht war alles vorhanden. Zu den Guten gehörte in jedem Fall die Phalanx der großen Stax– und der großen Grado-Hörer, die fast alle anzuhören waren. Auch Pioneers großer SE-Master1 muss hier genannt werden, der ist allerdings für Pioneer-Verhältnisse mit 2.500 Euro ganz schön teuer ist. Aber dafür wird er bei TAD in Handarbeit von einem alten japanischen Meister gefertigt, der maximal einen pro Tag schafft. Die Geschichte hat auch schon wieder was …

Mehr Bass

Vor zwei Jahren habe ich mit dem Fachmagazin Stereoplay einen Test-Katalog mit über 350 Kopfhörern gemacht, von denen ich einen Großteil auch selbst gehört und getestet habe. Mein Eindruck im Vergleich zu dem Mammut-Test von damals: Die Hersteller tendieren insgesamt zu mehr Bass. Für Reise-Situationen ist das sicherlich praxisgerecht, für das „normale“ Hören nervt es.

Teufel hat aus der Not eine Tugend gemacht und mit dem Teufel Turn – zum ersten Mal hörbar übrigens auf dieser CanJam 2015 – einen Kopfhörer mit mechanisch einstellbarer Bass-Performance auf den Markt gebracht, bei dem man über einen Dreh (Turn) am einem Rad an der Muschel eine Art Bassreflexabstimmung verändert. Aber trotz der guten Idee kann man sich auch beim „Turn“ nur entscheiden zwischen „viel Bass“ und „noch mehr Bass“.

Richtig gut eigentlich erst mit dem passenden Verstärker

Der Tonmeister Ingo Schmidt-Lucas (HD Klassik) hat sich darauf seinen eigenen Reim gemacht und einen Verstärker entwickelt, der auf den (oder die) Kopfhörer des Kunden speziell angepasst wird. Genauer gesagt linearisiert Schmidt-Lucas über seinen Headphone Optimizer den Frequenzgang des Hörers und gleicht dabei auch die (zum Teil erstaunlich großen) Kanalunterschiede aus – und erhöht die Abbildungsgenauigkeit so drastisch. Das Ergebnis ist verblüffend und meistens sehr gut. Denn in der Regel reduziert er den Bass und füllt bei klassisch abgestimmten Kopfhörern wie jenen von Sennheiser oder Beyerdynamic das übliche Loch in den oberen Mittellagen auf. Mir hat das gut gefallen, vor allem die Entzerrung des HD700. Aber ist das erlaubt? Darf man einfach in die Übertragungskurve von Kopfhörern eingreifen? Ich meine ja. Es ist nicht nur erlaubt, was besser macht, sondern auch das, was gefällt …

Außerordentlich süß fand ich auch die Kopfhörer-Verstärker CMYOBB von JDS. Sie stecken in einer kleinen Blechdose. Klanglich ist das gar nicht übel und kosten tut´s fast nichts. Und das Schönste: Der CMYOBB ist auch als Bausatz zu haben. Dann kann der geneigte Nutzer seine eigene kleine Lieblingsdose verwenden. Der Elektronik-Bausatz kostet 39 Euro.

Und es gab neben den vielen guten und weniger guten Vorführungen auch den „Best-Sound-Of-The-Show“. Es handelte sich dabei – da waren sich der mitgereiste Kollege Raphael Vogt und ich sofort einig – um den AudioValve Luminare, an dessen Ausgängen der neue HiFiman HE 1000 hing. Das neue Flaggschiffmodell der Chinesen ist mit 3.500 Euro zwar ganz schön happig im Preis, aber zusammen mit dem besagten Luminare (Preis mit integriertem DAC = 3.750 Euro) ergab sich so ein lupenreines, luftiges, feines und nie aufgeregtes Klangbild, dass ich echt baff war. Das erinnerte nicht nur preislich an die großen Stax-Modelle, sondern machte mindestens ebenso viel Lust auf MEHR…

Fazit: Canjam 2015

Eine Kopfhörer-Messe, die noch im Steigflug ist, aber auf der schon fast alle großen Namen vertreten sind: Sennheiser, Beyerdynamic, Ultrasone, Grado, Stax … Nicht alle Neuentwicklungen gehen  in die richtige Richtung, sondern folgen dem (mobilen) Massentrend und damit einer sehr basskräftigen Abstimmung. Aber die CanJam 2015 zeigte vor allem, dass das Interesse ungebrochen ist und wie fantastisch gut heute über Kopfhörer gehört werden kann.

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Galerie CanJam 2015

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Besucher auf der CanJam 2015
Ein reger Austausch: Die Besucher der CanJam 2015 waren sehr konzentriert und ernsthaft bei der Sache. Ein tolles Publikum, das sich andere Messen nur wünschen können (Foto: R. Vogt)
Kopfhörer-Ständer CanJam 2015
Für die noblen Hörer braucht´s auch die angemessenen Kopfhörer-Ständer. Bei Room´s kommt man da sehr weit (Foto: R. Vogt)
Holger Biermann mit Pioneer SE-Master1 auf der CanJam 2015
HB beim Lauschen des großen Pioneer SE-Master1. Wie es aussieht, gefiel es recht gut (Foto: R. Vogt)
Bryston BHA-1 auf der CanJam 2015
Einer der besten Kopfhörer-Verstärker im Transistor-Bereich: der Bryston BHA-1 (Foto: R.Vogt)
Teufel Turn auf der CanJam 2015
Der Teufel Turn: Ein Dreh an der Muschel und der Bass verändert sich. Der Turn feierte seine Premiere auf der CanJam 2015 (Foto: R. Vogt)
die neuen Shure Mikrofone auf der CanJam 2015
Keine Kopfhörer, sondern fast das Gegenteil: Shure präsentierte die neue Generation Mikrofone (Foto: R.Vogt)
Oppo HA-1 mit sichtbarem Inneren auf der CanJam 2015
Oppo zeigte den beeindruckenden Kopfhörer-Verstärker mit D/A-Wandler HA-1 beleuchtet unter einem Klarsichtdeckel (Foto: R. Vogt)
LDS CMOYBB Headphone-Amp auf der CanJam 2015
jDS-Kopfhörer-Verstärker CMOYBB. In der Altoids-Büchse kostet er 49, als Bausatz nur 39 Euro (Foto: R. Vogt)
AudioValve Luminare auf der CanJam 2015
Best-Sound-Of-The-Show: Am Röhrenamp Luminare von AudioValve klang der HiFiman 1000 (im Bild ganz links im Anschnitt) noch besser als auf den anderen Vorführstationen (Foto: R. Vogt)
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