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Mit Smudo beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring

Smudo trifft Timo Glock bei den Nürburgring Awards
Smudo trifft BMW-Pilot Timo Glock bei den Nürburgring Awards. Mit seiner Auszeichnung als Ring-Botschafter des Jahres bekommt der Rapper und Bio-Rebell endlich offizielle Anerkennung als Rennfahrer (Foto S. Schickedanz)

Die Heimfahrt ist für mich weniger lustig. Leere Straßen im Nichts, massenweise tolle Kurven, aber durchgängig Nebel mit Sicht unter 100 Metern.

Dementsprechend kühle ich mein Gemüt bei einer Schleichfahrt und stehe am Samstagmorgen tatsächlich pünktlich und überraschenderweise sogar total fit zum Dienst bereit.

Die Stunden vor dem Rennen vermitteln mir einen interessanten Einblick in das Leben eines Stars. Unser prominenter Pilot muss eine Reihe von Sponsorenterminen absolvieren. Es gerät zu einer Mischung aus Marathon und Hindernislauf, den Smudo ohne einen Anflug von Stress bewältigt.

Es beginnt mit einem Fototermin bei der UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen), dem Sponsor aus Biodiesel-Tagen. Die enden zwar mit der Ablösung des „Bio-Rocco“ – einem VW Scirocco TDI mit biobasierten Karosserieteilen, doch die guten Beziehungen bleiben bestehen. Dann ein Abstecher zum Red-Bull-Wohnwagen, der nur wenige Meter entfernt auf dem Ringboulevard parkt: Autogrammstunde.

Smudo wirkt wie ein Magnet

Mit Smudo dauert allein der Weg zwischen beiden Stationen gut eine Viertelstunde, denn wo immer er sich an diesem Wochenende außerhalb von Box oder Teamzelt blicken lässt, bildet sich sofort eine Menschentraube. Es beginnt immer mit den gleichen Worten.

Jemand ruft aus der Menge: „Wow, da ist Smudo.“ Die nächsten Worte kenne ich auch schon aus dem letzten Jahr: „Darf ich mal ein Selfie mit Dir machen? Meistens werden es dann sogar Gruppenfotos.

Smudo ist wirklich der Star zum Anfassen und das ist nicht gespielt, sondern echt. Als wir uns dann nach einem weiteren Sponsorentermin bei Puraglobe im Konferenzraum des Dorint-Hotels direkt an der Strecke gemeinsam durch einen riesigen Pulk von am Zaun wartenden Leuten zur Startaufstellung durchkämpfen, kommt mir die Befürchtung über die Lippen: „Noch eine dritte Staffel von „The Voice“ und wir müssen Dir einen Ganzkörperschleier verpassen.“

Smudo lacht, macht aber auch klar, dass er sich wirklich freut, dass ihn die Leute ansprechen. Er sieht die Leistung, die dahinter steht, so populär zu sein. Immerhin habe ich noch eine andere Idee, wie wir schneller zum Auto kommen, rufe laut: „Machet Platz für den Botschafter.“

Das ist nach dem Geschmack des frisch gebackenen Nürburgring Ambassadors, der im Team gleich klar macht: „Für Euch ab jetzt SIE, der Herr Botschafter.“

Team Four Motors beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring
Martin Klosseck vom Team Four Motors hat beim 24h-Rennen eine tolle Verwendung für den aus Biofaser-Kunststoff aufgebauten Heckflügel gefunden: An seiner Theke in der Startaufstellung gibt es Red Bull und Rennöl von Puraglobe (Foto: S. Schickedanz)

Die gute Stimmung bei Four Motors überdauert den Start, um in der vierten Runde ein abruptes Ende zu finden: Rennabbruch wegen eines Gewitters mit tischtennisballgroßen Hagelkörnern.

Für uns kommt diese Meldung der Rennleitung zur Unzeit, denn wir liegen in der Klasse AT (Alternative Treibstoffe) vom Start weg souverän in Führung vor den Biodieseln und Gasrennern.

Immerhin blieb unser Auto auf der Strecke, denn im Fernsehen laufen immer wieder Horrorbilder mit wild herumwirbelnden Rennwagen, die auf ihren profillosen Slickreifen auf der schockgefrorenen Eispiste keinen Halt mehr finden.

Als nach mehreren Stunden Stillstand das 24h-Rennen um 19.20 Uhr mit den Platzierungen von Runde 1 wieder freigegeben wird, ist der von Startfahrer Daniel Schellhaas herausgefahrene Vorsprung erst mal dahin. Doch das ist das kleinste Problem, schließlich entscheidet sich der Langstrecken-Klassiker nicht in den ersten Runden.

Gegen 21 Uhr gibt es dann ein etwas größeres Problem zu beklagen, in dessen Folge wir nicht nur in der eigenen Klasse, sondern im 157 Autos zählenden Starterfeld nach hinten durchgereicht werden.

Praktischerweise haben die Autos in diesem Jahr zur Information der Zuschauer an der Strecke illuminierte Platzierungsanzeigen im hinteren Seitenfenster. So können wir am Tankplatz, der zugleich Kommandostand von Four Motors ist, zerknirscht mitverfolgen, wie wir bis ins hintere Drittel abrutschen, während der Wagen hergerichtet wird.

Smudo live on Air

Was passiert war, wussten wir schon, bevor Smudo mit dem Wagen an die Box gehumpelt kam, denn wir haben über Lautsprecher grinsend den Funk mitverfolgt. Der rasende Rapper feixte hinterm Steuer ob des hohen Unterhaltungswerts des stark motorisierten Mittelmotor-Sportwagens auf nasser Strecke.

Quersteher gaben dem Popstar Gelegenheit, sich ein Bild von den Möglichkeiten des PSM (Porsche Stability Management: Porsche-Sprech für ESP) zu machen. Ich staunte nicht schlecht, denn ich dachte gar nicht, dass die damit auf der Rennstrecke fahren.

In den 90ern, als ich noch nicht mit Fotoapparat plus Laptop meinen Beitrag zum Motorsport leistete, sondern bei Clubsportveranstaltungen selbst auf diversen internationalen Rennstrecken mit über 300 PS starken Sechszylindern Gas gab, waren solche Elektronik-Tricksereien gerade in extrem sportlichen Straßenautos nicht mal gegen Aufpreis zu bekommen, während sie in braven Limousinen und Coupés längst zu haben waren.

Aber meinetwegen, wenn’s hilft… Das tut es allerdings nicht die ganze Zeit, denn plötzlich vernehmen wir aus dem Funk etwas eher Kleinlautes von wegen Abflug.

Als Smudo mit dem entgegen der Erwartungen immer noch sehr gut aussehenden Cayman an die Box kommt, erfahren wir Einzelheiten. Erst berührte der Rapper das Gras – vermutlich dachte er an den „Tag am Meer“ – dann rutschte er auf dem nassen Rasen haltlos in die Leitplanke – jene Streckenbegrenzung, die sich im Laufe des Rennens noch als Leid-Planke erweisen sollte.

Doch dazu später. Was Smudos kleinen Ausflug in die Botanik betrifft, das fällt im Rennsport eher unter die Rubrik „Souvenirs“: zwei Felgen samt Reifen im Eimer, aber Blech und vor allem Aufhängung haben nichts abgekriegt.

Dumm nur: Da waren sie wieder, unsere alten Probleme. Noch kurz vor dem Beginn des Rennens ereigneten in der Startaufstellung dramatische Szenen, als die Porsche-Flüsterer vom Team Manthey, die den Frischlingen im Zuffenhausener Lager mit Rat und Tat zur Seite standen, noch mit dem Laptop die negativen Folgen eines zuvor aufgespielten Elektronik-Updates lindern mussten.

Doch jetzt leuchtet erneut die Warnlampe des ABS, funkt uns Tom, der beim ambulanten „Reifenservice“ gleich den Wagen von Smudo übernommen hat, um einen regulären Boxenstopp zu sparen. Hilft nix, nach einer Runde muss der Routinier noch mal an die Box, wo er bereits von den Manthey-Mannen mit besagtem Laptop erwartet wird.

Die Intervention fruchtet und Tom kann nach kurzem Stopp wieder rausfahren und auf seinen Dunlop-Regenreifen attackieren, obgleich die Strecke langsam abtrocknet. Der schwäbische Sportwagen läuft wie ein Schweizer Uhrwerk, an der Box kehrt Ruhe ein.

Doch die Launen des Rennglücks haben uns weit ins hintere Drittel zurückgespült. In der Folge können der alte, aber keinesfalls erwachsene Baron und seine jungen Teamkollegen ihre Fähigkeiten und das Potenzial des Porsche beweisen, indem sie den Wagen in jene Regionen zurückbringen, in die er auf Grund der schnellen Rundenzeiten eigentlich hingehört.

Seite 1    Smudo und Four Motors am Nürburgring: Vorgeschichte
Seite 2    Start, Hagel,Chancen und Pech
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