JBL 104-BT am Desktop 4
Der JBL 104-BT ist der ideale Schreibtisch-Lautsprecher. Der adrette Aktiv-Speaker klingt gut und ist mit aktuell um 200 Euro pro System echt günstig (Foto: JBL)

Test Aktiv-Monitor JBL 104-BT: legendärer Sound für den Schreibtisch

Der amerikanische Boxen-Spezialist JBL genießt einen Ruf wie Donnerhall. Es gibt kaum einen Bereich im öffentlichen und auch im privaten Leben, in dem nicht eben jene Lautsprecher mit den drei Buchstaben den Ton angeben. Ob im Kino, im Auto oder in der Bar um die Ecke, ob im Tonstudio oder im Heimkino – JBL ist fast immer dabei. Dazu muss man wissen: Das Unternehmen aus dem sonnigen Kalifornien kann auf 75 Jahre erfolgreicher Firmengeschichte zurückblicken. Das nach seinem Gründer James Bullough Lansing benannte Unternehmen entwickelte in seinen Anfängen Kinosound-Systeme. Später folgten Studio-Monitore und HiFi-Boxen. Der wohl bekannteste (und meistverkaufte) Lautsprecher der Kalifornier ist der JBL Control One – ein kleiner Zwei-Wege-Lautsprecher, der in unzähligen Bars und Cafés auf dieser Welt von der Decke strahlt. Mit der JBL 104-BT bietet der Hersteller in seiner professionellen 1er Serie einmal mehr einen kompakten Lautsprecher-Monitor an, der eine gewisse Ähnlichkeit zur Control One nicht zu leugnen kann. Nur, dass mit der 104-BT das deutlich modernere Konzept vorliegt. LowBeats Autor Michael Jansen hat sie für uns getestet.

JBL 104-BT: das Konzept

Technisch dagegen steckt deutlich mehr in den 25 Zentimeter kleinen Desktop Monitoren. Sie sind aktiv und nehmen auch per Bluetooth Musiksignale entgegen. Gedacht sind sie nicht nur für die hochwertige Musikwiedergabe am Schreibtisch, sondern vielmehr auch für den ambitionierten Musiker, Blogger und Podcaster sowie den Tontechniker.

JBL 104-BT am Desktop 1
Der typische Arbeitsplatz der JBL Desktop-Monitore (Foto: JBL)

Das 104-BT Duo besteht aus einem Master- und einem Slave-Monitor. Der Master beinhaltet die gesamte Elektronik (inklusive der beiden 30 Watt starken Class-D-Endstufen) und auch die Eingänge und den Drucktaster für die Eingangswahl sowie den Lautstärkeregler.

Extra für die Tonmischer ist der Master-Monitor auf der Rückseite mit zwei symmetrischen Klinkenbuchsen versehen, die das Tonsignal etwa vom Mischpult entgegennehmen. An das Cinch-Buchsen-Paar können hingegen alle üblichen Quellen wie Computer, Fernseher oder Vorverstärker angeschlossen werden. Der „Extension Output“ ist für die Verbindung von Master und Slave via Lautsprecherkabel vorgesehen.

 

 

JBL 104-BT Paar
Master und Slave: Im Master (links) sitzt die gesamte Elektronik. Der Slave bekommt das Musiksignal über Lautsprecherkabel mittels Klemmbuchsen zugeführt (Foto: JBL)

Die JBL 104-BT ist also nicht vollaktiv. Soll heißen, nicht jedem Hoch- oder Tiefmitteltöner steht eine eigene Endstufe zur Verfügung und die Frequenzweichen sind nicht elektronisch, sondern mit passiven Bauelementen aufgebaut. Beide Treiber bekommen ihren Arbeitsbereich über eine passive Frequenzweiche 1. Ordnung zugeteilt. Durch den flachen Filterverlauf dieser Weiche überlappen sich die Übertragungsbereiche um die Trennfrequenz von 1.700 Hertz recht weit, womit sich eine möglichst genaue Ausrichtung auf den Hörplatz für die ausgewogenste Tonalität empfiehlt.

JBL 104-BT Front
Auf der Front sitzen der Lautstärkeregler, ein Drucktaster für die Eingangswahl sowie ein Miniklinken Ein- und Ausgang. Damit ist schnell auch mal eine alternative Quelle angeschlossen (Foto: M. Jansen)

Die Besonderheit der Chassis: Es sind sogenannte Koaxial-Lautsprecher. Das heißt, im Zentrum des knapp 12 Zentimeter großen Tief-/Mitteltöners – wo sonst üblicherweise eine Staubschutzkalotte sitzt – sitzt hier eine 19 Millimeter kleine Gewebekalotte.

JBL 104-BT KOax
Im Zentrum des sogenannten Koaxial-Chassis werkelt die kleine Hochtonkalotte. Diese Konstruktion bietet eine punktsymmetrische Abstrahlung (Foto: M. Jansen)

Der Koax hat diverse Vorteile gegenüber der klassischen Anordnung der Chassis übereinander. Die Konusmembran bildet für den Hochtöner eine Schallführung. Und die ist so berechnet, dass der Lautsprecher im Übergangsbereich beider Chassis ein weitestgehend konstantes Bündelungsmaß offenbart. Das wiederum ist wichtig, um das Verhältnis von direktem zu reflektiertem Schall zu vergrößern und mithin die Raumakustik mehr auszublenden. Nebenbei erhöht sich die Belastbarkeit des Hochtöners in seinem unteren Übertagungsbereich, was eine tiefe Übergangsfrequenz erlaubt. In der Summe spielen Koaxiallautsprecher – wenn sie gut gemacht sind – detailgetreuer mit präziserer Abbildungsgenauigkeit. Und wenn JBL für eines bekannt ist, dann für hervorragende Chassis-Konstruktionen…

Das adrett geformte Kunststoffgehäuse ist mit einer Bassreflex-Öffnung versehen, die den Tief-/Mitteltöner um 70 Hertz herum unterstützt und den Frequenzbereich bis auf 60 Hertz erweitert. Der patentierte „Slip Stream Port“ soll Strömungsgeräuschen vorbeugen. Um die Monitore vom Untergrund zu entkoppeln, sind die Gehäuseböden schlauerweise mit Gummieinlagen versehen. Damit gerät der Schreibtisch nicht gleich in Schwingung, wenn es mal lauter zu geht.

JBL 104-BT in der Praxis

Obwohl die Anschlüsse und die Bedienung weitestgehend selbsterklärend sind schadet ein Blick in die Bedienungsanleitung nicht. Rückseitig gibt es beispielsweise Klinkenbuchsen mit der Bezeichnung „TRS“ (Tip Ring Sleeve) – womit vermutlich nur Tontechniker etwas anfangen können. Diese Buchsen nehmen symmetrische Signale aus dem Studioumfeld, wie etwa eines Mischpults entgegennehmen. Auch ein Aufstellungshinweis ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen: Etwa eine Armlänge entfernt sollten die beiden Boxen links und rechts des Computer-Monitors in Richtung Zuhörer ausgerichtet platziert werden. Unsere Hörtests bestätigen diese Empfehlung.

Für die Verbindung zum Computer nehme ich das mitgelieferte Adapterkabel von Miniklinke auf Cinch. Auch das Lautsprecherkabel von Master zum Slave-Lautsprecher ist im Lieferumfang enthalten. Was man sich vielleicht noch wünschen könnte, wäre ein Digitaleingang. Aber das ist für diesen Preis vielleicht etwas viel verlangt. Denn immerhin bringt die JBL 104-BT ja auch noch einen Bluetooth-Eingang mit – für das schnelle und einfache Hören beispielsweise mit dem Smartphone.

Die JBL 104-BT ist zwar eine Aktivbox, aber Frequenzgang-Anpassungen (so genannte „Ortsfilter) bietet sie nicht an. Die beiden folgenden Messungen zeigen aber, dass bei einer sorgfältigen Aufstellung nichts fehlt:

Vorwärts Zurück
JBL 104-BT Messung 1
So sieht eine Messung des JBL 104-BT auf dem Schreibtisch platziert und auf Ohrhöhe gemessen aus. Die Mittenabsenkung ist weitestgehend den Interferenzen mit den Schallreflexionen der Schreibtischoberfläche geschuldet. Im Bass reicht der Desktop-Lautsprecher bis immerhin etwa 60 Hertz hinunter (Messung: M. Jansen)
JBL 104-BT Messung 2
Im Nahfeld gemessen sieht die Übertragungsfunktion deutlich ausgewogener aus (Messung: M. Jansen)
Vorwärts Zurück

Der Hörtest

Schon der erste Höreindruck der 104-BT ist mehr als überzeugend. Auffallend gut ist die präzise Ortbarkeit einzelner Details. Ebenfalls herausragend gut: die konturenscharfe Mittenabbildung, mit guter Bühnendarstellung und Auflösung in der Breite. Das macht die JBL jedenfalls schon einmal zu einem guten Werkzeug für semiprofessionelle Abmischungen. Tonal spielt die Amerikanerin recht ausgewogen. Und auch in Sachen Bass kann sich das JBL-Pärchen hören lassen: Eine untere Grenzfrequenz von 60 Hertz sind für einen Lautsprecher dieser Größe ein erstaunlich guter Wert. Damit deckt der schicke Monitor wahrscheinlich das Grundtonfundament 90 Prozent aller Instrumente ab. Der akustische Bass bei Diana Kralls „Like Someone In Love“ jedenfalls klang absolut glaubwürdig und kräftig. Jedenfalls so kernig und satt, dass die Kollegen von nebenan hereinkamen und fragten: Ist das die JBL? Nee, oder?

JBL 104-BT am Desktop 2
Eine der Positionen während des Hörtests: Auf dem Schreibtisch mit einem Display zwischen den Speakern (Foto: M. Jansen)

Doch. Aus den Kunststoffgehäusen kommt so einiges. Zum Vergleich haben wir das kürzlich getestete Genelec-Trio G One / F One daneben gestellt. Zugegeben, in Anbetracht des großen Preisunterschieds nicht ganz fair. Aber doch interessant, um auszuloten, was das kleine JBL-Pärchen wirklich zu leisten vermag.

Natürlich taten sich Unterschiede auf: Zum Beispiel klang die kleine JBL 104-BT Mittenbereich etwas ausgedünnter. Hier intoniert das Genelec-Set mit mehr Mitteltonpräsenz und zudem seidiger in den oberen Tonlagen. Stimmen klingen über die Genelec etwas voller und wärmer. Die JBL wirkt dagegen etwas frischer, spritziger und vordergründiger, allerdings mit dem Effekt, dass die Höhen leicht aufgesetzt wirken. S-Laute bei analytischen Aufnahmen setzen sich mithin etwas ab. Bei Cassandra Wilsons „Fragile“ oder Diana Kralls „Narrow Daylight“ wirkt die Stimme zuweilen etwas heiser.

Nun muss man bei der kritischen Analyse des Lautsprecherklangs allerdings sagen: Wir klagen hier auf hohem Niveau. Denn was die JBLs aus ihren kleinen Koax-Treibern schütteln, ist aller Ehren wert. Und auch die Pegelfestigkeit der kleinen Monitore ist erstaunlich hoch. Diese Eigenschaft macht sich vor allem dann bezahlt, wenn sein Arbeitsplatz nicht neben dem Rechner im Nahfeld, sondern beispielsweise neben dem Fernseher ist. Die größere Hördistanz (gegenüber der Desktop-Beschallung) zum Hörer verlangt nach höherem Pegelpotenzial. Und das schultert die kleine JBL überraschend stark. Und dass die JBL 104-BT die Fernsehtonqualität auf ein ganz neues Level hievt, sollte hier auch nicht unerwähnt bleiben…

Fazit JBL 104-BT

Es scheint fast so, als wolle JBL seine Control One durch die nochmals bessere und flexiblere 104-BT ablösen. Uns jedenfalls hat das kleine Ding richtig gut gefallen. Seine konturenscharfe Abbildung, seine detailverliebte Auflösung und (vergleichsweise) hohe Pegelfestigkeit machen sie zu erfreulichen günstigen Desktop-Lautsprecher, der nicht nur den Musikliebhaber überzeugen wird: Auch semiprofessionelle Tontechniker bekommen mit den kleinen JBL-Monitoren ein erstaunlich potentes Werkzeug. Und das für aktuell gerade einmal 200 Euro. Respekt.

JBL 104-BT
2021/06
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tonal sehr ausgewogen, spielfreudig, harmoniert gut mit F One
Präzise Abbildungseigenschaften
Exzellente Preis-/Klang-Relation
Keine Ortsanpassungen

Vertrieb:
Audio Pro Heilbronn Elektroakustik GmbH
Pfaffenstraße 25
74078 Heilbronn / Deutschland
Telefon: +49 7131 2636 400

www.audiopro.de

Systempreis (Hersteller-Empfehlung):
JBL 104-BT: 199 Euro

JBL 104-BT: die technischen Daten

JBL 104-BT
Technisches Konzept:Aktiv-Lautsprecher
Leistung der Endstufe:2 x 30 Watt Class-D
empf. max. Raumgröße:18 Quadratmeter
Besonderheiten:Bluetooth-Eingang
Übertragungsbereich:
88 – 20.000 Hz
Farben:
Schwarz + Weiß
Abmessungen H x B x T: 24,7 x 15,3 x 12,4 cm
Gewicht (Master / Slave):2,06 /1,7 Kilo
Alle technischen Daten
Mehr von JBL:

Test JBL Everest DD 67000: rares Pegelwunder mit High-End-Manieren
JBLs BT- Megaseller jetzt als JBL Flip 5 Eco Edition
Test Hochpegel-Retrobox JBL L100 Classic: the return of the Seventies
Test TOYOTA C-HR Neon Lime – Powered by JBL Special Edition

 

Autor: Michael Jansen

Der begeisterte Oldtimer-Fan ist von Berufswegen Lautsprecher- und Messtechnik-Spezialist. Seine Beiträge fallen meist norddeutsch-trocken aus, haben aber technisch immer großen Tiefgang...