Auralic Vega G2 Front
Äußerlich schlicht, aber innen randvoll mit außergewöhnlicher und klangstarker Technik: die Streaming-Vorstufe Auralic Vega G2 für 6.300 Euro (Foto: Auralic)

Test Streamer Auralic Vega G2 – der Griff zu den Sternen

Unter dem Markennamen Auralic hat sich Firmengründer Wang Xuanquian in den letzten Jahren bereits mit verschiedenen digitalen Audioprodukten weltweit einen ausgezeichneten Ruf als Entwickler erworben, dem nichts an Massenfertigung und billigem Plagiieren liegt. Auralic steht mit Geräten wie dem Aries, Aries mini, Altair, Polaris und nicht zuletzt dem Vega DAC in der HiFi-Welt für clever konstruierte, innovative und bestens durchdachte Digitalkomponenten. Das gilt auch oder vor allem für den neuen Streamer Auralic Vega G2.

„Made in Germany“ ist für mich mehr als nur ein Marketingbegriff. Aber ich bin auch Pragmatiker und weiß, dass auch anderswo Menschen mit viel Hingabe und Akribie feinste Technikprodukte entwickeln. Auch in China, das vielen derzeit wohl nur als Billiglohnland und Kopierschmiede in den Sinn kommt und weniger als Ursprungsland fortschrittlichster, innovativster Qualitätsprodukte. Doch mit dem hier beschriebenen Streamer Auralic Vega G2, ebenfalls „Made in China“ ist das anders.

Auralic Vega G2: Im Deckel eingefräster Auralic-Schriftzug
Im Deckel eingefräster Auralic-Schriftzug (Foto: F. Borowski)

Auf den Auralic Vega G2, einem zentralen Baustein der neuen Serie, habe ich mich monatelang gefreut, wie nur selten auf ein Testgerät in den letzten Jahren. Die Gefahr bei solch langanhaltender Vorfreude ist, dass man eine zu hohe Erwartungshaltung aufbaut, zumal die Prospektdaten des Vega G2 wirklich ausgesprochen lecker sind. Doch Anspruch und Realität driften oft weit auseinander. Nichtsdestotrotz war es für mich ein bisschen wie Weihnachten – ach was, besser als Weihnachten! – als endlich das heiß ersehnte Testmuster eintraf und ich als einer der ersten HiFi-Tester in Deutschland meine weiß behandschuhten Finger an das zurückhaltend gestaltete aber aufwendig gemachte Gehäuse legen durfte.

Was den Auralic Vega G2 so besonders macht

Vorab: G2 steht für Grade 2, nicht für die 2. Generation. Es soll später vermutlich noch eine Serie G3 geben, die unterhalb der G2-Serie positioniert ist, sowie möglicherweise auch noch eine Serie G1 oberhalb davon. Mit der G2 ist das Ende der Fahnenstange also noch nicht erreicht.

Natürlich kocht auch ein Herr Wang Xuanquian nur mit Wasser, doch der Auralic Vega G2 überstrahlt mit etlichen Besonderheiten die meisten anderen DACs am Markt. Im Kern ist so gut wie nichts davon absolut einzigartig, einiges davon in seiner Umsetzung aber schon. Und alles zusammen macht aus dem Vega G2 eines der wegweisendsten Produkte seiner Zunft.

Zum Beispiel das Gehäuse: Es gibt viele High-End-Hersteller, die bei der Gehäusekonstruktion buchstäblich aus dem Vollen schöpfen und auf massive, gefräste Gehäusekomponenten setzen, oder gleich das ganze Gehäuse aus einem massiven Block Alu herausarbeiten. Allerdings sind mir höchstens ein oder zwei andere bekannt, die solch eine aufwendige Fertigung und Materialschlacht für Geräte in dieser Preisklasse einsetzen. Auralic ist einer davon: Die Gehäuse der G2-Serie werden aus einem massiven Alublock gefräst.

Auralic Vega G2: Aus einem Guss: Das Gehäuse des Vega G2 ist aus einem massiven Block Alu gefräst
Aus einem Guss: Das Gehäuse des Vega G2 ist aus einem massiven Block Alu gefräst. Das relativ kompakte Gerät (B 34 x H 8,5 x T 30 cm) bringt über 6 Kilogramm auf die Waage (Foto: F. Borowski)

Obwohl oder vielleicht auch gerade weil die Stückzahlen im Vergleich zu beispielsweise iPhones oder auch Macs homöopathisch sein dürften, war es für Auralic gar nicht so leicht, eine Firma zu finden, die in der geforderten Qualität ausreichend viele Gehäuse fertigen konnte. Tatsächlich gab es genau deswegen Verzögerungen, denn der ursprüngliche Zulieferer konnte zunächst nur drei Gehäuse am Tag fertigen. Nachdem dieses Problem gelöst wurde, kann es nun langsam losgehen. In der Fabrik wird nach den höchsten derzeit möglichen Qualitätsstandards gefertigt. Und in der Tat ist das Gehäuse des Auralic Vega G2 eine Wucht in Sachen Präzision und Haptik. Alle im normalen Gebrauch sichtbaren Seiten – vorne, links, rechts und oben – sind vollkommen naht- und damit natürlich auch schraubenlos. Auralic nennt es übrigens „Unity Chassis“, wobei die Ähnlichkeit zu Apples Bezeichnung „Unibody“ wohl kein Zufall ist.

Natürlich ist das Gehäuse nicht einfach nur ein Luxus-Gimmick, sondern hat auch handfeste technische Vorteile. Zum einen dient es als Kühlkörper. Der Vega G2 kommt trotz seiner nicht unerheblichen Prozessorleistung und der integrierten Netzteile ohne Lüfter und Lüftungsschlitze aus. Im Betrieb wird er aufgrund seiner relativ geringen Leistungsaufnahme von rund 17W zwar nur handwarm, aber auch diese Wärme muss abgeführt werden. Darüber hinaus dient es zur Abschirmung. Auch die Rückwand und die Unterseite bestehen aus massivem, relativ dickwandigem Aluminium. Sind Ober- und Unterteil zusammengefügt, ergibt sich daraus ein hermetisch abgeschlossenes Gehäuse, das elektromagnetischen Einstreuungen keine Chance lassen soll. Und damit auch Vibrationen der empfindlichen Elektronik fernbleiben, sind die Gerätefüße mit einer integrierten Federung versehen, die das Gehäuse wie das Subchassis eines Plattenspielers von der Stellfläche entkoppelt.

Die Gerätefüße sind mit Federn ausgestattet
Die Gerätefüße sind mit Federn ausgestattet, wodurch das gesamte Gehäuse ähnlich wie Plattenspieler-Subchassis von der Stellfläche entkoppelt wird (Foto: F. Borowski)

Das Design ist natürlich immer und ausnahmslos Geschmacksache. Mir persönlich gefällt der sehr schlicht gehaltene Look außerordentlich gut. Neben dem zentral eingelassenen 4“-Display finden sich an der Front nur noch zwei perfekt eingepasste 6,35mm Kopfhörerbuchsen und der griffige, exakt gelagerte und weich gerasterte Dreh/Drück-Steller (der natürlich auch aus Alu ist). Präzise, nicht zu scharfe Kanten und große Radien an der Front und Rückseite des „Deckels“ heben die G2-Komponenten aus der Masse hervor, ohne gewollt extrovertiert aufzutreten – Like!

Lightning Link

Alle heute gängigen Methoden zur Übertragung digitaler Audiodaten haben mehr oder weniger große Nachteile. Die „klassischen“ digitalen Verbindungsarten wie AES/EBU, Koax oder TosLink sind in ihrer Bandbreite begrenzt und können maximal Samplingraten von 192kHz übertragen (TosLink innerhalb der Spezifikation nur 96kHz). Damit sind sie für höher auflösende Formate ungeeignet. Außerdem sind sie allesamt ziemlich anfällig für Jitter. Letzteres gilt auch für die heute nicht mehr wegzudenkende USB-Verbindung, die jedoch dank der inzwischen gängigen asynchronen Übertragung und größerer Bandbreite den sonst üblichen Anschlüssen in vielen Punkten überlegen ist.

Als eine der technisch und klanglich überlegensten Schnittstellen gilt I²S, welches normalerweise nur intern für die Kommunikation zwischen ICs genutzt wird (daher der Name „Inter-IC Sound“) und das eine genaue zeitliche Ausrichtung der abgetasteten Werte ermöglicht. Ähnlich wie z.B. PCIe in Computern ist dies aber keine Plug&Play-Schnittstelle wie USB und es gibt dafür auch kein einheitliches Steckerformat für externe Verbindungen. Manche Hersteller setzen I²S dennoch zur Verbindung beispielsweise zwischen systemkompatiblen Playern und DACs ein.

I²S mag aus technischer und klanglicher Sicht eine der bestmöglichen Optionen zur Signalübertragung sein, aber als externe Schnittstelle ist es nur begrenzt nutzbar, denn es erlaubt keine bidirektionale Kommunikation. Auralic hat deswegen für die G2-Serie eine eigene, auf I²S aufbauende Schnittstelle entwickelt, die bidirektional arbeitet und auch Metadaten (z.B. Steuersignale) transportieren kann. Zur Verbindung nutzt Auralic handelsübliche HDMI-Stecker und -Kabel. Diese „Lightning Link“ genannte Verbindung (die nichts mit Apples Lightning Connector zu tun hat) ermöglicht Datenübertragungsraten bis 18Gbit/s. Das ist mehr als genug Bandbreite, um auf absehbare Zeit für alle gängigen Audioformate auszureichen.

Lightning Link dient zur Verbindung der G2-Serie-Komponenten untereinander. Es ermöglicht laut Hersteller eine jitterfreie Verbindung, über die sich beispielsweise das Clocking-Signal des Auralic Vega G2 mit der Aries G2 Streaming Bridge synchronisieren kann. Via Lightning Link miteinander gekoppelt, verhalten sich mehrere G2-Komponenten wie ein einzelnes Gerät und können mit einem gemeinsamen Interface gesteuert werden.

“Master Mode“ ohne DPLL beim Aurelic Vega G2

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal – zumindest für heute gängige externe DACs – bietet der Vega G2 mit der Art und Weise, wie er digitale Audiosignale entgegennimmt. Alle mir bekannten D/A-Wandler müssen sich hierzu mittels einer „Fangschaltung“ (DPLL = Digital Phase-Locked Loop) auf den Datentakt des Quellensignals einklinken. Dadurch kann sich der gefürchtete Jitter, der sowohl im Quellensignal vorhanden ist, als auch während der Datenübertragung entstehen kann, in die Signalverarbeitung des DAC einschleichen, wo er aufwändig durch Maßnahmen wie Reclocking bekämpft werden muss.

Der Vega G2 verfügt über einem vom renommierten Chip-Hersteller ESS exklusiv nach Auralic-Vorgaben gefertigten DAC-Chip, der bidirektional im Master Mode arbeitet und dadurch die DPLL-Schaltung komplett überflüssig machen kann. Zumindest bei Benutzung des hauseigenen Lightning-Link in Verbindung mit anderen G2-Serie Komponenten. Bei Nutzung anderer Quellen wie z.B. USB am Mac/PC können die damit verbundenen Vorteile nicht vollständig genutzt werden, wie mir Xuanqian auf Nachfrage erläuterte. Allerdings hielt er sich zu weiteren Details des Chips und der besonderen Arbeitsweise (verständlicherweise) bedeckt.

Galvanische Trennung

Durch unterschiedliche Massepotentiale und gegenseitige elektrische Einstreuung wird der Klang beeinträchtigt. Im Extremfall äußert sich das in hörbarem Brumm. Etwas subtiler, aber klanglich ebenfalls ein entscheidender Faktor, ist die dadurch bedingte Verschlechterung des Signal/Rauschabstands. Viele Probleme ließen sich vermeiden, wenn alle wichtigen Komponenten der Signalkette elektrisch vollkommen isoliert voneinander wären, aber das ist leichter gesagt als getan.

Ein bekannter und relativ einfacher Weg sind Optokoppler. Diese wandeln ein elektrisches in ein optisches Signal, übertragen es über Lichtleiter und wandeln es am Ziel wieder von optisch nach elektrisch (wie bei den bekannten TosLink-Leitern). Doch leider ist diese Methode für hochauflösende Digitalkomponenten in der Schaltgeschwindigkeit zu langsam, benötigt auf beiden Seiten eine eigene (getrennte) Stromversorgung und es setzt eine potentiell fehlerträchtige, zweifache Signalwandlung (elektrisch>optisch>elektrisch) ein.

Im Auralic Vega G2 kommen daher, wie mir Xuanqian auf der High End in München verriet, spezielle elektromagnetische Schalter zum Einsatz. Diese Komponenten sollen die hohen Signalfrequenzen verarbeiten können, die im Vega G2 auftreten können. Auch andere Hersteller arbeiten mit unterschiedlichen Herangehensweisen an galvanischer Trennung in digitalen Audiokomponenten. Als Beispiel sei hier T+A genannt, die u.a. im DAC 8 DSD den analogen und den digitalen Teil elektrisch voneinander isolieren. Auralic geht aber deutlich darüber hinaus und isoliert alle wichtigen Baugruppen voneinander. Inklusive aller Eingänge samt USB und der Netzteile.

Auralic Vega G2: Alle wesentlichen Baugruppen und Eingänge sind galvanisch voneinander getrennt
Auralic Vega G2: Alle wesentlichen Baugruppen und Eingänge sind galvanisch voneinander getrennt (Skizze: Auralic)

Die Lautstärkeregelung des Auralic Vega G2

Im Vega G2 kommt eine passive Lautstärkeregelung ohne jede Verstärkung über eine sogenannte Widerstandsleiter zum Einsatz. Eine ganze Armada von hochpräzisen und selektierten Einzelwiderständen wird per Relais geschaltet. Das ist im Prinzip nicht neu, wird aber aus Kostengründen nur in wenigen High-End-Geräten eingesetzt. Die Besonderheit im Vega G2 ist, dass sogenannte bistabile Relais eingesetzt werden. Diese benötigen nur dann Strom, wenn von der einen in die andere Schaltposition gewechselt wird. Danach halten sie ohne jede Energiezufuhr die jeweilige Position. Bei herkömmlichen Relais kann nur eine der beiden Schaltpositionen stromlos gehalten werden. Ist die gewünschte Lautstärke erst einmal eingestellt, verhält sich die Regelung im Vega G2 dadurch vollkommen passiv und es können keine elektromagnetischen Einstrahlungen das Signal beeinflussen. Der Unterschied zu klassischen Potis ist zudem, dass die Regelung des Vega G2 komplett ohne deren Nachteile auskommt, wie Kanalungleichheiten oder mechanischen Verschleiß. Es gibt auch keine Auflösungsverluste bei geringen Pegeln wie bei digitalen Regelungen.

Bistabile Relais gibt es noch nicht sehr lange, aber Auralic ist nicht der erste Hersteller, der sie einsetzt. T+A nutzt dieselbe Technik mit bistabilen Relais beispielsweise im Vollverstärker T+A PA 2500 R und in der HV-Serie.

… and beyond

Über die zuvor beschriebenen Hauptfeatures hinaus stecken im Vega G2 weitere technische Highlights, wie der jetzt doppelt vorhandene „Femto Clock“ Taktgeber (je einer pro Frequenzfamilie; 44,1 / 48 kHz), deren Präzision nochmals von 82 auf 72 Femtosekunden verbessert wurde. Oder der Einsatz eines sehr hochauflösenden Farbdisplays, die aufwendige Kopfhörerstufe, die Bedienung mittels beliebiger IR-Fernbedienung, die großzügige Speicherausstattung und vieles mehr.

Soweit zur Theorie! Aber wie heißt es so schön? Papier ist geduldig. Wollen wir doch mal sehen, ob der Vega G2 in der Praxis nicht doch die eine oder andere Schwäche hat. Da Perfektion an sich nur ein theoretisches Konstrukt ist und in diesem Universum nicht real existiert, liegt das auf der Hand.

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Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.