Porsche Taycan 4S Fahrtest Aufmacherbild
Der Porsche Taycan 4S ist ein starkes Statement zu der noch in Kinderschuhen steckenden E-Mobilität (Foto: Caspar Zylla)

Test Porsche Taycan 4S: Burmester lindert Ladefrust mit Auro-3D

Was ist ein Traumwagen? Bevor ich mich mit dieser Grundsatzfrage auseinandersetze, sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass ich für meinen Test des Porsche Taycan 4S mit Burmester High End System einen ganz anderen Einstieg geplant hatte. Schon vor dem ersten Meter Fahrt drängten sich allerlei Ideen förmlich auf. Von Allgemeinplätzen wie der Pionierarbeit von Professor Porsche bei Elektro-Autos mit dem Semper Vivus von 1899 über seine Vorwegnahme moderner SUVs mit einem 70-Tonnen-Hybrid-Vehikel namens Elefant. Oder meinen ersten Porsche, der selbstverständlich elektrisch fuhr – auf der Carrera-Bahn. Sehr kreativ, aber irgendwie verhältnismäßig naheliegend im Vergleich zu dem, was mir nach den ersten Kilometern von Porsche in Zuffenhausen bis zu meiner Wohnung am Steuer des vollelektrischen Taycan durch den Kopf ging.

Irgendwie hatte ich mit dem Porsche Taycan 4S seit Ewigkeiten mal wieder das Gefühl, einen echten Traumwagen zu fahren. Dazu muss man sich vergegenwärtigen, was überhaupt einen Traumwagen ausmacht. Zunächst fällt bei der bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema auf, dass es sich nicht um eine feste Größe handelt. Das Objekt der Begierde muss in einen Kontext zu seiner Zeit und dem Normalmaß des Marktes gesetzt werden. In meiner Jugend waren das Autos wie der Iso Grifo, mit dessen 300 km/h Werksangabe man im Autoquartett so ziemlich alles andere alt aussehen ließ. Oder der Lamborghini Miura. Der hatte für damalige Verhältnisse nicht nur unendlich Power. In den Siebzigerjahren konnte sich kein normaler Sterblicher ein solches Auto leisten, geschweige denn bändigen.

Turbo tötet Traumwagen

Und heute? Bärtige Jungs um die 20 lümmeln zu zweit oder zu dritt im AMG Mercedes. Den können sie sich dank Leasing locker leisten und dank ESP, narrensicherer Multilenker-Hinterachsen plus Allradantrieb trotz über 400 PS auf der Straße halten. Da sie in den Innenstädten immer im Kreis fahren, ist der gefühlte Anteil solcher Poser-Schlitten im urbanen Straßenverkehr ziemlich hoch. Klar, selbst in Zeiten wie diesen, ist ein Porsche Carrera oder Panamera immer noch sehr begehrenswert für Petrolheads. Doch inmitten der über 300 PS starken Kompaktsportler und kraftstrotzenden Diesel-Kombis ist Carrera und Co. ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal abhanden gekommen.

Der flächendeckende Einsatz alltagstauglicher Turbolader mit Literleistungen weit jenseits der für Sauger schwer erreichbaren 100-PS-Grenze hat den echten Sportwagen den Garaus gemacht. Die paar Kilo weniger Gewicht und die thermisch nahezu unkaputtbaren Bremsen eines heutigen Porsches zählen nur auf der Rennstrecke und wiegen letztlich auch nicht den Unterschied zwischen einem routinierten Fahrer und einem Rookie auf.

Man kann, wie ich persönlich, den aktuellen Elfer schicker finden als eine Sportlimousine von Mercedes, BMW oder Audi. Die Frage ist nur: Versetzt er einen abgesehen von persönlichen Geschmacksnuancen wirklich in eine andere Dimension?

Porsche Taycan 4S von hinten
Ding aus einer anderen Welt: Mit dem Porsche Taycan gibt es endlich wieder einen echten Traumwagen. Mit all dem kraftstrotzenden Kompakt-Turbo-Geflitze ging den aktuellen  Sportwagen ihre klassische Sonderstellung verloren (Foto: Caspar Zylla)

Inzwischen bin ich mir sicher. Zu einem richtigen Traumauto in Zeiten von YouTube mit ständiger Reizüberflutung und nimmer endenwollendem Vergleich mit der ganzen Welt gehört mehr als Power, Prestige und Performance. Erst eine gewisse Unnahbarkeit steigert das Verlangen. Die besitzt der Porsche Taycan 4S zweifellos, denn es genügt nicht, sich das Auto leisten zu können.

Du brauchst auch die passende Infrastruktur wie Garage mit Schnelllader plus das passende Nutzerprofil, um etwas mit ihm anfangen zu können. Ganz ehrlich brauchst du noch einen adäquaten Alltagswagen, zumindest, wenn öfters längere Strecken auf dem Programm stehen.

Dazu strahlt der Taycan eine Radikalität im Design innen wie außen aus, wie sie in meiner Jugend etwa von Bertone Prototypen verkörpert wurde. On Top kommt ein Fahrgefühl wie aus einem Science-Fiction-Film, woran neben dem vibrationsfreien, gleichmäßigen Gleiten ohne Schaltunterbrechungen auch der zuschaltbare Space-Sound einen Anteil hat. In Verbindung mit dem Blick über die von hochstehenden Kotflügeln begrenzte flache Haube sah ich beim Fahren immer die Inboard-Videos von Porsches Le-Mans-Hybrid-Prototypen beim 24 Stundenrennen vor mir. Mit dem Burmester 3D High-End-Surround Soundsystem setzen die keinesfalls mit Reizen geizenden Schwaben sogar noch eins obendrauf.

Reisen im Porsche Taycan: Nervenkitzel garantiert

Vor allem zählt: Der Taycan vermittelt einen Hauch von Abenteuer. Jene Aufgeregtheit am Vorabend einer Dienstreise nach München kennt man gemeinhin als Reichweitenangst. Die stieg erst richtig an, nachdem ich mich verzockt hatte. Statt nach dem Fototermin spät abends noch reichlich Zeit in Nürtingen an einer Ladestation mit im Navigationssystem grün angezeigten freien Plätzen totzuschlagen um dann auf dem Heimweg nach Stuttgart eh noch mal einen Teil der kostbaren Batterieladung zu opfern, wollte ich mir eine Ladestation in der Nähe meiner Wohnung suchen. Böser Fehler. Die waren nämlich alle besetzt und so stand der Porsche Taycan mit unter 200 Kilometern Restreichweite irgendwo auf der Straße.

Porsche Wappen
Mit dem Taycan gelang Porsche die Transformation seiner Markenwerte ins digitale 21. Jahrhundert (Foto: Caspar Zylla)

Vor dem Einschlafen quälte mich die Überlegung, ob ich morgens einmal quer durch Stuttgart fahren und den Elektro-Flitzer gegen meinen dort abgestellten Verbrenner-PKW tauschen sollte. Die Überlegung, was schlimmer sei – der berüchtigte Pragsattel samt Baustellen in der Rush Hour und dann wieder zurück oder direkt elektrisch Richtung Süden starten und einen Ladestopp einlegen – war so etwas wie die Abwägung zwischen Pest und Corona.

Die Nachdenklichkeit des Langstreckenfahrers

Zwar hatten mir die Porsche-Leute die Routenplaner-Apps D-Mobility und ABRP empfohlen. Aber irgendwie hatte ich bei meinem Zeitplan nicht den Nerv, mich da tiefer einzuarbeiten, das aufs Navi im Wagen zu übertragen und eine ansich triviale Fahrt von Stuttgart nach München wie eine Expedition ans Nordkap zu planen. Für spontane Menschen, die immer volles Programm haben, wäre es ein No-Go, ihr Leben rund um ihren Wagen zu organisieren.

Als ich mich entschied, mit dem Porsche Taycan 4S zu meinem Termin nach München zu reisen, hatte ich nicht die geringste Idee, wie die Fahrt wohl verlaufen würde. Das einzige, wo ich mir ganz sicher war: Auf jeden Fall käme eine originelle, authentische Story dabei heraus. Damit sollte ich so was von recht behalten.

Die Reise begann recht unspektakulär. In meiner „Petit Eau Rouge“, wie ich die Bergaufkurve im Autobahnzubringer am Stuttgarter Flughafen nenne, holte ich mir einen klitzekleinen Adrenalinschub und konnte mich überzeugen, wie Aerodynamik, Fahrwerk und das stattliche Gewicht von rund 2,2 Tonnen das E-Mobil auf die Straße pressten. Der Porsche Taycan – Radstand 2,9 Meter – fährt wie auf Schienen. Leider war ich nicht allein auf der Bahn und konnte dank blockierter Ideallinie nicht so hart wie geplant pushen. Doch ich spürte schon: Da geht was.

Da geht was mit dem Porsche Taycan.

Der erste Teil der Reise verging wie im Fluge. Obgleich sich der Sportwagen im Limousinenformat trotz straffer Federung als souveräner Gleiter erwies und an jenem Morgen reichlich Verkehr herrschte, wurde es mir hinterm Ledervolant nicht langweilig. Natürlich verleitet ein so starkes und gerade in Sachen Wind- und Abrollgeräusche so leises Elektroauto dazu, es auch mal richtig fliegen zu lassen – am besten in Begleitung von knackigem Burmester-Sound und Titeln wie „Highway Star“. Überraschend, wie souverän und stressfrei das mit dem Elektro-Porsche möglich war.

Der gleichmäßige, über einen langen Pedalweg präzise dosierbare Schub von 650 Nm setzt so direkt ein, dass es einem den Kopf in den Nacken haut. Offensichtlich gewöhnt man sich im Alltag an die Turbo-Verzögerung konventioneller Autos und spannt die Nackenmuskulatur unbewusst beim Gasgeben an. Für den Porsche Taycan war der Reflex erst mal zu langsam.

All diese Eigenschaften trugen enorm zur Entspannung bei. Man konnte mit dem Burmester Sound-System auch sanfte Titel leise genießen. Eine Pracht. Dass es im Traumwagen keine Traumreise wurde, lag an jenem Punkt, der die gemeinsame Schwachstelle mit Handys und Haarschneidern bildet: Die Sache mit dem Akku. Zwar hat Porsche eine Routenführung programmiert, die nicht nur Echtzeitverkehrsinformation in die Kalkulation von Routenverlauf und Ankunftszeit einbezieht. Das Navi berücksichtigt verständlicherweise auch die Batterie-Reichweite. Und die liegt beim Taycan mit der Performance Batterie zwischen 335 und 408 Kilometern nach WLTP-Norm, wobei der untere Wert der Praxis sehr nahe kommt.

Innenraum des Porsche Taycan 4S
Das Ambiente lädt zum Verweilen ein. Das muss man auch, wenn man an einer einsamen Ladestation gestrandet ist (Foto: Caspar Zylla)

Sobald man vom Range-Mode in den normalen oder gar Sport-Modus (respektive Sport+) mit Nutzung des 2-Gang-Automatikgetriebes an der Hinterachse wechselte, kündigte eine Stimme die Neuberechnung der Route an. Man sah dann neben der Kartendarstellung auf dem extrem breiten Zentralbildschirm zusätzliche Ladestopps aufpoppen mit dem jeweiligen Zeitverlust nebendran.

Außer einer Radarfalle gibt es praktisch nichts, was einen Porsche-Fahrer so schnell vom Gas gehen lässt. Also wieder zurück in den Range-Modus, der V/max je nach Einstellung auf maximal 140 km/h begrenzt.

Sicher, es sind Luxus-Sorgen, wenn man sich mit 140 Sachen bescheiden muss. Im EU-Ausland bekäme man damit schon einen deftigen Strafzettel und in der Schweiz würden sie einen dafür vermutlich in den Kerker werfen. Aber das tröstet wenig, wenn du auf einer unlimitierten deutschen Autobahn in einem über 500 PS starken Porsche unterwegs bist. Man stelle sich vor: Du sitzt im perfekten Reisewagen, der noch dazu ein imposanter Sportwagen ist, aber du kannst weder das eine noch das andere auskosten.

Burmester 3D-Sound als Erbe des Panamera

Was ich jederzeit auskosten konnte, war das im Prinzip aus dem fantastischen Panamera bekannte Burmester 3D High-End-Surround Soundsystem. Vor der leisen Kulisse des elektrischen Porsche Taycan konnte es sich noch besser in Szene setzen als im Panamera mit seinen kernigen, akustisch bewusst dominant inszenierten Verbrennungsmotoren.

Schließlich lebt der Klang von Feinheiten wie dem subtilen Unterschied zwischen üblichen Kalotten-Hochtönern und den wieselflinken, trägheitslos ansprechenden AMT-Hochtönern (Air Motion Transformer). Im Porsche Taycan 4S  kommen die AMTs für den linken und rechten Kanal und den 2-Wege-Center auf der Mitte des lederbezogenen Armaturenbretts zum Einsatz.

Burmester-Lautsprecher-Grill im Porsche Taycan
Das Burmester 3D High-End-Surround Soundsystem im Porsche Taycan fährt 21 Lautsprecher auf. Die Türbässe zieren Aluminiumgrills mit dem Firmenlogo der Berliner Audio-Schmiede (Foto: Caspar Zylla)

Dank Auro-3D mit Auro-Matic-Processing entsteht selbst aus 2-Kanal-Quellen wie Radio, CD oder dem via Bluetooth oder USB mit dem Infotainment verbundenen Smartphone ein dreidimensionales Klangpanorama. Die vom Auro-Algorithmus erzeugten Höheninformationen werden über oberhalb des Armaturenbretts positionierte Breitband-Lautsprecher in den A-Säulen abgestrahlt, um die imaginäre Klangbühne höher und tiefer wirken zu lassen. Das wirkte wie schon im Porsche Panamera mit Burmester 3D-High-End Surround Sound-System deutlich weiträumiger als im Auto üblich.

Obgleich ich,der Musik lauschend, das Tempo zurücknahm, führte kein Weg an zumindest einem Ladestopp vorbei. Ja, die Akkukapazität war vom Fotoshooting am Vortag auf rund 70 Prozent geschrumpft. Mit voller Kapazität und total beherrschtem Gasfuß wäre natürlich die Fahrt von Stuttgart nach München auch mit dem Porsche Taycan 4S ohne Zwischenstopp möglich gewesen.

Der Autor hadert mit der E-Mobilität

Meine Einstellung ist allerdings, dass mir ein modernes Auto das Leben leichter machen und meinem Wohlergehen dienen soll – und nicht das Gegenteil. Sonst hätte ich für die Geschäftsreise nach München auch meinen Oldtimer nehmen können. Nein, das ist unfair, der hätte die Strecke nämlich trotz vier Fünftel weniger Leistung mit höherem Durchschnittsspeed und ohne Zwischenstopp geschafft, auch wenn der Tank zu Beginn nur zu 70 Prozent gefüllt gewesen wäre. Selbst mit weniger Sprit würde sich in einem Verbrenner niemand den Kopf über einen Tankstopp zerbrechen.

Und jetzt das: Das Navi führt mich von der A8 auf die A7 Richtung Allgäu, um mich nach langem Umweg im Niemandsland von der Autobahn zu einer Ladestation zu führen. Dort sollte ich massig Zeit verlieren. Immerhin gab es dort 350-kW-Lader, um die maximale Ladekapazität des Taycan von 270 kW voll auszuschöpfen. Leider erkannte die Station von Fastned die Ladekarte von Porsche nicht an. Zum Glück gab es eine Hotline mit einer netten, engagierten Dame.

Porsche Taycan von schräg hinten
Trotz seiner Länge von fast fünf Metern macht der Porsche Taycan 4S in der Stadt eine gute Figur und erspart nebenbei lokale Emissionen, wenn man von der Schallemission der Burmester-High-End-Anlage absieht. (Foto: Caspar Zylla)

Doch auch die Übermittlung der Kartendaten brachte die Säule nicht zum Arbeiten. Also nächste Säule ausprobiert. Wieder nix. Interne Rücksprachen ergaben, dass ein Kollege gerade eine Säule nach der anderen rebootet hat. Nachdem die versprochene Zeit für einen üblichen Schnelladestopp nebst meiner Geduld aufgebraucht war, begann die Ladesäule zu pfeifen. Am anderen Ende löste das Euphorie aus: „Sie müssen sich merken: Eine laute Säule ist eine gute Säule.“ Soll heißen: Jetzt pumpt der Turbo-Lader Saft in den silbernen Porsche.

Lade-Abenteuer mit dem Porsche Taycan – und Geduldsspiele

Bis ich wieder unterwegs war, hatte ich über eine halbe Stunde verloren für einen Vorgang, der mit fossilen Brennstoffen in unter 10 Minuten abgehakt wäre. Und dabei war der Akku gerade mal so weit geladen, dass ich als Puffer zum Ziel in der Münchner Innenstadt nur 20 Kilometer angezeigt bekam. Dort angekommen, fehlte mir der Nerv, nochmal nach einer idealen und freien Ladestation zu suchen. Stattdessen fuhr ich direkt ins nächstgelegene Parkhaus. So vermochte ich meinen Termin mit massig Verspätung  wahrzunehmen. Schließlich konnte ich auf der freien dreispurigen Strecke zwischen Augsburg und München wegen des Reichweitenlimits keine Zeit gutmachen – mit 530 PS (bei Overboost sogar knapp 600) unterm Hintern und 800-Volt-High-Tech-Batterie. Das geschah dann durch Verlegung des geplanten Geschäftsessen in einen Schnellimbiss. Danach war ich wenigstens wieder einigermaßen im Terminplan.

Porsche Taycan an der Fstned-Ladesäule
Ein Ladestopp mit Hindernissen sorgte für reichlich Verspätung auf einer kurzen Dienstreise mit dem Porsche Taycan 4S von Stuttgart nach München. (Foto: Stefan Schickedanz)

Als ich mich abends abgespannt in den Wagen mit gut 20 Kilometern Restreichweite setzte, musste ich erst mal sehen, wie ich ein Treffen mit einem Freund und das Aufladen des Taycan bestmöglich unter einen Hut bringe. Leider fand sich in der Nähe des Treffpunkts nur ein 11-kW-Lader der Stadtwerke. Mit dem gewann der Porsche so langsam an Reichweite, dass ich die Nacht in München hätte verbringen müssen. Gegen 5 Uhr morgens wäre die Batterie wieder komplett geladen. Schöne neue Welt. „Volltanken“ mit dem lahmen Lader kam also überhaupt nicht in Frage.

Der Blick auf das sehr gut umgesetzte 8,4-Zoll-Touch-Display in der Mittelkonsole ließ mir kalte Schauer den Rücken herunterlaufen: Bei 0,7 Kilometer Reichweite, die pro Minute in den Akku flossen, errechnete das System auch im günstigsten Fall eine ernüchternde Ankunftszeit – mit zusätzlichem Schnell-Ladestopp an der Autobahn bei Abfahrt mit einer nur geringfügig nachgeladenen Batterie. Rund drei Stunden Reisedauer für eine Strecke, die man normalerweise bequem in anderthalb Stunden schaffen kann. Das würde ich nicht Fortschritt, sondern eher unfreiwillige Entschleunigung nennen.

Also entstand folgender Plan: Musikhören mit meinem Münchner Freund an der Ladestation und im Display schauen, wann wenigstens 60 oder 70 Kilometer möglich sind, um sich vom Navigationssystem entlang der Route mit der idealen, digitalen „Boxenstopp-Strategie“ einen schnellen Lader heraussuchen zu lassen.

Wir hatten sehr, sehr viel Zeit zum Hören. Was mich allerdings wunderte: Unsere Hörergebnisse waren nicht ganz kongruent. Dabei sind wir beide Testautoren und haben gemeinsam bei einem Belgienbesuch auf dem Weg zu den Galaxy Studios, deren Gründer und CEO Wilfried Van Baelen das Auro-3D-Verfahren erfand, die nach unser beider Meinung beste Auto-Anlage bereits im Panamera gehört.

In Punkten wie Abbildung und Timing gingen die Meinungen weit auseinander, bis wir die Plätze tauschten. Dann waren wir uns einig: Burmester und Porsche bevorzugen den Mann oder die Frau hinterm Steuer geringfügig. Wenn man sich die durchschnittliche Sitzbelegung anschaut, ist das auch durchaus okay, zumal hier zwei Klang-Nerds auf höchstem Niveau jammerten.

Ständchen im Porsche Taycan auf abgelegenem Parkplatz

Ein Regenschauer setzte eindrucksvoll die Standklimatisierung in Szene, dann machte ich mich gegen 21 Uhr auf den Heimweg nach Stuttgart. Mein Magen knurrte, denn meine letzte Mahlzeit lag Stunden zurück. Die Hoffnung: An dem vom Navi neben der Autobahn gewählten Ladepunkt würde sich hoffentlich ein Imbiss finden. Für einen zusätzlichen Zwischenstopp fehlte mir nämlich die Zeit. Wer weiß, wie wenig ich von McDonalds, Burger King und Co. halte, kann das Maß der Verzweiflung ermessen. Doch es kam nicht zum Angriff auf meine Geschmacksnerven.

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.