Die derzeit dienstältesten Lautsprecher im Sortiment des Kieler Herstellers ELAC, die BS 312 mit Beinamen „Elegant“, haben im Zuge des Generationenwechsels beim JET-Hochtöner (siehe unsere Reportage) ein Update erfahren. Auch wenn äußerlich fast alles beim Alten blieb, wurde doch mehr als nur der Tweeter getauscht. LowBeats hatte die neuen ELAC BS 312.2 Elegant zum Test und die Möglichkeit zum Direktvergleich mit dem Vorgänger.
ELAC BS 312.2 Elegant mit JET6 – moderne Klassiker
Auch wenn es nicht so aussieht, weil wir es hier offensichtlich nicht mit einem Retro-Design zu tun haben, ist dieser Lautsprecher doch ein echter Klassiker. Erstmals 1993 unter dem Namen „Elegant 305“ vorgestellt, blieb das Design des Zwei-Wege-Winzlings mit seiner einzigartigen Form bis heute so gut wie unverändert.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Mit ihren sehr kompakten Abmessungen und einer minimalen, kaum vorhandenen Schallwand, haben die BS 312.2 und ihre Ahnen einen sehr wohnraumfreundlichen Charakter mit hohem Women Acceptance Factor. Zu einem großen Teil verdanken sie ihren minimalistischen Auftritt dem relativ dünnwandigeren, zugleich sehr resonanzarmen Gehäuse aus einem einteiligen Aluminium-Profil. Das ermöglicht mehr Volumen bei gleichen Abmessungen im Vergleich zu Holz. Die Oberflächen sind wahlweise in Hochglanz Schwarz oder Weiß lackiert.
Um das nötige Volumen für einen klanglich erwachsenen Auftritt zu erreichen, sind die Gehäuse aber recht tief. Ihre Form mit den Maßen 12,3 x 20,8 x 28,2 cm (B x H x T) unterscheidet sich damit von herkömmlichen Bauweisen, die eher hoch und breit als tief bauen. Die sich dadurch ergebende winzige Schallwand – also der Teil, den man vom Hörplatz aus am ehesten sieht – hat als netten Nebeneffekt weniger Einfluss auf die Abstrahlung der Chassis. Der Tief-/Mitteltoner mit ELAC-typischer Facettenmembran reicht an drei Seiten fast bis zum Gehäuserand.
Auch wenn Tief-/Mitteltöner und Hochtöner hier nicht koaxial ineinander angeordnet sind, verhalten sich die Lautsprecher beinahe wie Punktschallquellen. Zu den hervorstechendsten Eigenschaften der ursprünglichen BS305 bis hin zur aktuellen BS 312 gehört ein besonders luftiges, sich nahezu perfekt vom Gehäuse lösendes Klangbild mit großer Bühnenabbildung und perfekter Ortung am Sweet Spot.
Die Neuerungen der BS 312 mit JET6
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Mit der jüngsten Überarbeitung ihres renommierten, auf dem Air-Motion-Transformer basierenden JET-Hochtöners (Jet Emisson Tweeter) hat ELAC die gesamte Produktion auf das neue Hochtönermodell JET6 umgestellt – hier noch mal der Link zur JET6-Reportage. Das heißt, der JET5 wird nicht länger produziert. Und damit geht einher, dass alle aktuell noch gebauten ELAC-Lautsprecher mit JET-Tweeter überarbeitet werden müssen. Die Umstellung ist derzeit noch in Gange.
Zu den besonderen Merkmalen des JET6 gehört eine neuartige, zum Patent angemeldete, variable Geometrie der lithografisch auf die Folie aufgebrachten Leiterbahnen. Zur Mitte der Folie hin werden diese dünner. In der fertig gefalteten Folie sieht das dann (im richtigen Licht) wie eine Sanduhr-Form aus.
Es klingt so einfach. Da die Maße und elektrischen Werte des JET6 sich gegenüber dem Vorgänger nicht geändert haben, könnte der Laie denken, dass fortan einfach die neuen Hochtöner in die Gehäuse geschraubt werden. Doch so einfach ist das nicht. Und abgesehen von den nötigen Anpassungen der Frequenzweiche sollten die kleinen Klassiker auch in anderen Bereichen von dem Update profitieren. So machte sich ELAC Chefentwickler Rolf Janke (der übrigens damals schon die BS 305 schuf) daran, die BS 312 umfassender zu überarbeiten.
Im Endeffekt bleiben die Veränderungen unter der Haube aber überschaubar. Ein Feintuning des sehr ausgereiften Konzepts war angesagt. Lediglich eine größere Schwingspule mit jetzt 31 statt zuvor 25 mm Durchmesser mitsamt daran angepassten Antrieb gab es für den Tief-/Mitteltöner. Die neue Schwingspule bietet eine höhere thermische Belastbarkeit. Zusammen mit dem JET6 und der optimierten Frequenzweiche soll das Ergebnis aber recht deutlich ausfallen, ohne jedoch den vielgeschätzten Grundcharakter der Boxen komplett zu verändern.
Äußerlich sind die neuen Modelle nur an zwei Dingen klar zu erkennen: Der JET6 besitzt gegenüber dem JET5 ein leicht verändertes Schutzgitter, welches nicht nur die empfindlichen Folien vor neugierigen Fingern schützt, sondern auch Einfluss auf die Abstrahlcharakteristik hat. Man muss die ELACs allerdings schon sehr gut kennen, um diesen dezenten Unterschied zum Beispiel in der Ausstellung beim Händler zu bemerken.
Einfacher ist die neue Version der BS 312 an der Rückseite zu erkennen. Hier ist nämlich jetzt ein Bi-Wiring-Terminal anstatt der früheren Single-Wire-Buchsen eingebaut.
Als zusätzliches Designmerkmal, und für eine individuellere Gestaltung, bietet ELAC neue Frontabdeckungen in diversen Farben an. Standardmäßig sind keine Frontbespannungen im Lieferumfang enthalten. Entscheidet man sich für ein Paar kostet dies 198 Euro. Diese halten magnetisch und sind dadurch sehr einfach mit einer Hand zu befestigen und abzunehmen. Dieses kleine Detail hat eine große optische Wirkung und dürfte all jene freuen, die Mut zu farblichen Akzenten haben. Zum Test hatte ELAC mir Abdeckungen in vier verschiedenen Farben mitgegeben. Die neuen Abdeckungen passen übrigens auch perfekt auf alle Vorgängermodelle, bis zurück zur ursprünglichen BS305, die noch keinen JET-Hochtöner hatte. Hier ein paar Bilder:
Im ELAC Zubehör-Angebot finden sich außerdem passende flache Sockel (198 Euro/Paar), die sich unter das Gehäuse schrauben lassen und insbesondere bei Aufstellung auf Sideboards empfehlenswert sind. Diese Sockel dienen außerdem als Adapterplatte für die ELAC Lautsprecherständer LS 30 (558 Euro/Paar). Farblich abgestimmt auf diesen Standfüßen montiert (und mit Schrauben gesichert) machen die BS 312 auch freistehend eine ausgezeichnete Figur.
Aufstellungsempfehlung
Ihre kompakten Maße könnten dazu verführen, die BS 312 in ein (ausreichend tiefes) Regal zwischen Bücher und andere Gegenstände zu stellen. Das ist aus zweierlei Gründen aber nicht wirklich ratsam. Zum einen würden Bücher direkt neben den Lautsprechern die Schallwand virtuell vergrößern, was ihre Abstrahlung und damit ihren Charakter deutlich verändert. Zum anderen benötigen die Lautsprecher mit ihren rückseitigen Bassreflexöffnungen schon einen gewissen Wandabstand.
Zusammen mit den optionalen flachen Sockeln auf ein (nicht zu niedriges) Siedeboard gestellt lässt sich da schon mehr erreichen. Am besten ist aber eine freie Aufstellung mit mindestens 20-50 cm Abstand zu den Wänden. Die Lautsprecher sollten auf den Hörplatz eingewinkelt werden. Idealerweise so weit, dass vom Hörplatz aus die Innenseiten der Gehäuse noch etwas zu sehen sind. Übrigens eine Empfehlung, die für sehr viele direktstrahlende Lautsprecher ein guter Startpunkt für Feintuning ist.
Für meinen Geschmack könnten die ELAC-Standfüße LS 30, die es nur in einheitlicher Größe für unterschiedliche Lautsprechermodelle gibt, im Falle der BS 312 gerne ein bisschen höher sein. Eine Neigung der Speaker wäre vielleicht hilfreich, ist damit aber nicht möglich.
Praxis und Klangvergleich mit der Vorgängerversion
Das Datenblatt der ELAC BS 312.2 verspricht einen Frequenzumfang von 42 – 50.000 Hz. Vor allem im Bass scheint das eine ziemlich ambitionierte Angabe für einen derart kleinen Lautsprecher zu sein. Nur zum Vergleich: Mein Kompaktreferenzen Wilson Audio TuneTot, die über ein deutlich größeres Volumen verfügen, sind mit 62 Hz unterer Grenzfrequenz angegeben. Des Rätsels Lösung liegt in der Messmethode. Wilson gibt den Wert (wie meistens üblich) mit -3 dB an. ELAC misst die Speaker aber nach IEC268-5, was einer Angabe der unteren Grenzfrequenz mit -10 dB entspricht – was in den technischen Daten allerdings nicht extra erwähnt wird.
Der Punkt ist, dass die kleinen BS 312 angesichts ihrer Größe und bei gemäßigten Pegeln durchaus ein sehr vollständiges und tiefreichendes Klangbild liefern. Das funktioniert auch in größeren Räumen erstaunlich gut. Basswunder sind sie aber keineswegs. Wer ein Tiefton-Erlebnis wie von ausgewachsenen Standlautsprechern erwartet, sollte ergänzend einen Subwoofer in Betracht ziehen, von denen ELAC einige sehr kompetente Vertreter im Sortiment hat.
Zunächst einmal wollen die kleinen ELACs gut eingespielt werden. Wie fast alle Lautsprecher klingen auch sie direkt aus dem Karton noch nicht vollständig befreit. Nach ein paar Tagen wagte ich mich an die ersten konzentrierten Hörversuche in meiner Hauptanlage. Die Vorgängerversion mit JET5 kenne ich bestens. Mit der neuen JET6-Version war der Wiedererkennungsfaktor hoch: Ein herrlich offener Klang, mit weitgehend realistischer Größenabbildung und tollem Soundstaging zwischen den Boxen. Um genau zu sein, es klang zunächst ganz wie gewohnt.
Das änderte sich, als ich die Vergleiche mit der JET5-Version startete. Die erfolgten nicht etwa mit nebeneinander aufgestellten Boxen, sondern im Wechsel auf den gleichen Lautsprecherständern und somit an exakt gleicher Position. Normalerweise werden die Speaker auf den Ständern mit zwei Schrauben gesichert. Darauf verzichtete ich hier zugunsten eines zügigen Wechsels. Der geht mit den kleinen Lautsprechern natürlich ruckzuck.
Schnell wurde klar, dass sich doch einiges getan hat. Bei gleichem Grundcharakter spielen die neuen BS 312 mit JET6 noch ein gutes Stück offener und lebendiger auf. Irgendwie leichtfüßiger und weniger verhangen. Ich wollte eigentlich nicht den abgegriffenen metaphorischen Schleier bemühen, der weggezogen wird und plötzlich wird alles viel klarer. Aber es passt!
In Sachen Feinauflösung und Unaufdringlichkeit gab es ja schon am JET5 nichts auszusetzen. In den Höhen setzt sich der neue JET6 aber durch eine noch glaubhaftere Abbildung feinster Nuancen in Szene. Etwa bei Percussion mit vielen Glöckchen, Wind Chimes, Maracas und anderen, werden Transienten noch etwas besser übertragen, was den Instrumenten mehr Dreidimensionalität und Glaubhaftigkeit verleiht.
In den Mitten und Tiefen waren ebenfalls Unterschiede nachvollziehbar, die das Gesamtbild der größeren Offenheit in der Darstellung unterstützten. Nichts dramatisches, sondern eher ein wohl überlegtes Feintuning. Etwa so wie bei einer neuen Auto-Modellgeneration mit besserer Fahrwerksabstimmung, die Unebenheiten noch besser ausbügelt, ohne dabei an Straßenlage einzubüßen.
Besitzer einer BS 312 mit JET5 müssen also nicht gleich in Kaufpanik verfallen. Wer sich traut und die neue Generation in den eigenen Räumen ausprobiert, dürfte dennoch schnell mit einem Upgrade liebäugeln.
Fazit ELAC BS 312.2 Elegant: die Legende lebt
Mit der neuesten Generation ihres kompakten Made-in-Germany-Verkaufsschlagers ELEGANT BS 312.2 ist ELAC eine überzeugende Modellpflege des Klassikers gelungen. Ohne ihre Gene zu verändern, behalten die zierlichen Speaker all die Eigenschaften bei, für die sie von vielen Besitzern geliebt werden. Doch mit den Detailverbesserungen, allen voran dem neuen JET6-Hochtöner, haucht der Kieler Hersteller seinem Verkaufsschlager mehr Leben ein. Frischer, offener und noch mehr auf den Punkt spielend, sind die BS 312 bereit für die Jahre, die da kommen.
Modellpflege bedeutet aber auch, dass Besitzer einer BS 312 mit JET5 selbst ausprobieren sollten, ob ihnen die Verbesserungen eine Neuanschaffung wert sind. Für Neukunden und Besitzer vorheriger Versionen der BS 312 dürfte auch interessant sein, dass sich die kleinen Lautsprecher mit den neuen magnetischen, farbigen Frontabdeckungen optisch aufpeppen lassen.
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Gelungenes Feintuning eines Klassikers |
| Äußerst feiner, offener Klang |
| Top Verarbeitungsqualität |
| Magnetische Abdeckungen in verschiedenen Farben erhältlich |
Vertrieb:
ELAC Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
www.elac.de
Paarpreise (Hersteller-Empfehlung):
ELAC BS 312.2 “Elegant”: 1.798 Euro
ELAC LS 30 Standfüße: 558 Euro
Base/Sockel für BS 312.2: 198 Euro
Stoffabdeckung versch. Farben: 198 Euro
Technische Daten
ELAC ELEGANT BS 312.2 | |
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Konzept: | 2-Wege Bassreflex |
Anschlüsse: | Bi-Wiring |
Wirkungsgrad (2,83V/1m): | 87 Dezibel |
Impedanz: | 4 Ω (3,4 Ω bei 280 Hz) |
Empf. Verstärkerleistung: | 50 – 150 W / Kanal |
Ausführungen: | Hochglanz Weiß oder Schwarz |
Abmessungen (H x B x T): | 20,8 x 12,3 x 28,2 cm |
Gewicht: | 7,2 Kilo |
Alle technischen Daten |
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