Ortofon 2M Black 250 LVB im Einsatz
Ortofon hat auf Basis den 2M Black ein Jubiläums-Modell zum 250. Geburtstag von Beethoven aufgelegt. Das 2M Black 250 LVB kostet zwar 1.000 Euro, legt aber die Messlatte für MM-Abstaster um einige Stufen höher... (Foto: Ortofon)

Test Jubiläums-Tonabnehmer Ortofon 2M Black LVB 250

Ortofon ist eine analoge Großmacht. Man residiert im dänischen Nakskov und schickt tausende Tonabnehmer in die Welt. Nirgendwo sonst werden mehr und bessere Tonabnehmer geflochten. Nun kommt der mit 1.000 Euro teuerste Tonabnehmer der Ortofon MM-Gemeinde: Ein System, das dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven gewidmet ist. Zum 250. Geburtstag. Eigentlich ein paar Monate zu spät, aber wir wollen nicht kleingeistig sein. Denn das Ortofon 2M Black LVB 250 ist das beste MM-Tonabnehmersystem, das wir seit Ewigkeiten in den Fingern hielten…

Naskov Hafen
Kurzer Exkurs für die bessere Vorstellungskraft: Nakskov liegt nicht in Russland, sondern in Dänemark. Recht weit weg von allem. Am besten fährt man nach Fehmarn und schippert dann hinüber nach Lolland. Im Westen liegt Nakskov. Ein kleiner Hafen, ein kleines Städtchen – Ortofon am Stavangervej wird einer der Hauptarbeitgeber sein (Foto: naskov.dl)

Der größte Komponist unserer Zeitrechnung? Würden wir jetzt Beethoven sagen, dann käme ein Sturm der Mozart- und Bach-Anhänger über uns. Zwischen den dreien wird der Thron entschieden. Doch was für Beethoven spricht: Er hat die Musiksprache unfassbar erweitert. Sein Werk streckt sich von braven Sonaten nach Haydns Art bis hin zu Schönberg und der zweiten Wiener Schule. Fast in die Atonalität. Mein Tipp: Nicht nur die neun Symphonien hören, sondern unbedingt auch die späten Streichquartette. Da hat sich ein zutiefst einsamer, vollkommen tauber Mann in eine neue Welt des Klangs begeben. Das geht zu Herzen, das verändert unser komplettes Bild von Beethoven.

Folgefrage: Welches Beethoven-Bild haben wir denn? Vergangenes Jahr wäre der ideale Zeitpunkt gewesen. Alles ausgefallen, das böse Virus hat uns erwischt. Ich erinnere mich schmerzhaft: Die Wiener Philharmoniker wollten hier in München alle neun Symphonien aufführen. In der Mitte war Schluss – Corona hat für den mächtigen In­ter­rup­tus gesorgt. Was wollten wir eigentlich feiern? Den 250. Geburtstag des Meisters. Wann das genau war, wissen wir nicht. Sicher ist aber das Taufdatum: der 17. Dezember 1770.

Ortofon 2M Black 250 LVB Body
Das eingravierte Bild des Meisters als Kennzeichen des Jubiläum-Modells (Foto: Ortofon)

Warum halten wir uns so lange bei dem alten Mann mit seiner wirren Haarfrisur auf? Weil sich Ortofon als einer der wenigen High-End-Hersteller auf die Seite des Meisters geschlagen hat. Gibt es einen Beethoven-Amp? Einen Plattenspieler? Einen Netzwerk-Player? Nein. Aber einen Tonabnehmer hätten wir. Eben den von Ortofon, den LVB 250 als Sonderversion des bekannten 2M Black. Was durchaus verwundert: Ortofon öffnet hier nicht den Himmel seiner MC-Systeme, sondern die Toppklasse der MM-Wandlung. Das wird spannend. Denn rund um die Summe von 1.000 Euro kratzen die Dänen damit in der Schnittstelle zwischen MM und MC. Nominell müssten alle MC-Abnehmer dieser Welt besser sein. Doch Ortofon will mit den LVB 250 das Gegenteil beweisen.

Ein kleines Manko: Die Meister aus dem dänischen Nakskov sind spät dabei. Vielleicht liegt es wieder am Virus oder an einer langsamen Fertigungskette: das LVB 250 ist erst vor wenigen Tagen, ganz frisch bei uns eingetroffen. Also ein Jubiläumsjahr zu spät aber immerhin noch einige Monate genau, wenn denn das Taufdatum stimmt.

Ortofon 2M Black LVB 250: das beste MM-System überhaupt?

Konkret konkurriert das LVB 250 mit dem hauseigenen 2M Black, auf dem es basiert und den MC-Systemen der weltweiten Aufsteigerklasse. Wir gruppieren hier einen Dreiertest mit dem japanischen Hana ML hinzu für 1.150 Euro. Ein interessantes Zusammentreffen: Urstoff trifft auf Edelvariante, trifft auf eine technisch komplett andere Plattform. Bleiben wir zuerst in der Familie. Das 2M Black von Ortofon hat uns Fachjournalisten weltweit begeistert; bei LowBeats ist es elementarer Bestandteil des Referenzen-Fuhrparks – auch, weil die von LowBeats ermittelten Messwerte so überragend gut sind.

An der Spitze sitzt ein Diamant mit Shibata-Schliff. Das klingt faszinierend gut. Viel Gefühl trifft Herz. Genau dafür lieben wir die ewig gute Schallplatte. Das 2M Black ein Supermix aus Analyse und analoger Freundlichkeit. 600 Euro ruft der deutsche Vertrieb ATR – Audio Trade dafür auf. Und er kennt selbst die Spielregeln: „Das Ortofon 2M Black hält die Stellung für MM-Tonabnehmer in einer Preislage, in der es auch schon exzellente MC-Tonabnehmer gibt.“ Aber geht es hier wirklich um MC gegen MM? Ist ein Moving Coil aufgrund seiner Grundstruktur zwingend besser als ein Moving Magnet?

Ortofon 2M Black 250 LVB im Einsatz
Der Nadeleinschub macht deutlich, dass es sich hier um die Jubi-Version des 2M Black handelt (Foto: Ortofon)

Ich könnte jetzt eine technische Abhandlung starten, die hunderte von Zeilen frisst – von der aber viele Leser ermüdet ablassen würden. Deshalb die Abkürzung: Ich ganz persönlich bin Freund der guten MM-Abnehmer. Hier gibt es für noch humanes Geld echte Helden, die sich zudem wunderbar einfach verbauen lassen. MM-Abnehmer sind die demokratischeren Abtaster, denn bieten eine höhere Ausgangsspannung an und harmonieren per se mit all den Abermillionen von eingebauten Phonostages der früheren HiFi-Komponenten. Die Anzahl verfügbarer MC-Stufen liegt dagegen im Bruchteilbereich. Aber auch klanglich gibt es viele Gründe, die pro MM sprechen: In meinen Augen bieten sie häufig mehr Groove, mehr Bauchgefühl. Deshalb sind Moving-Magnat-Abtaster ganz sicher nicht die „kleinen Brüder“.

Liegt das Ortofon 2M Black schon bei 600 Euro, so kommt das LVB 250 mit einem satten Aufschlag von 400 Euro daher – obwohl die Basis identisch ist. Oder haben die Entwickler etwa das Haar einer echten Locke vom Kopfe Beethovens eingeflochten? Was schön wäre, aber natürlich Unsinn ist. Es sind die kleinen Verbesserungen. Glücklicherweise beharrt Ortofon auf dem nackten Shibata-Schliff wie beim 2M Black. Doch der Nadelträger wird ausgetauscht. Der ist deutlich filigraner und besteht nun aus Bor. Das ist eine ideale Edellösung – steif und leicht zugleich. Dazu gibt es noch eine komplett überarbeitete Architektur der Nadelaufhängung. Das 2M wird aus versilberten, sauerstofffreiem Kupferdraht gewickelt, das LVB 250 ebenso. Die offiziellen Messwerte unterscheiden sich nicht wirklich. Und doch soll dieses MM an der Lufthoheit der edlen MC-Systeme kratzen. Oha – das kommt dem Kampf der Götter und der Titanen in der griechischen Mythologie gleich. Was gesellen wir in den Ring?

Hörtest: Gewinnt wieder das MC über das MM?

Am meinem Linn LP12 saugt gerade ein Hana ML die Informationen aus der Rille. Das ist Feinkost aus Japan, unaufgeregt, aber perfekt geformt. Auch als MH-Variante mit High-Output zu haben. Rein äußerlich könnten alle Tonabnehmer in diesem Feld Verwandte sein. Alles wirkt clean und schwarz, ein massiver Körper, eine feine Nadel. Entgegen Ortofon vertraut Hana dem Microline-Schliff des Diamanten. Ein Extra-Augenmerk gibt es beim Korpus selbst, der aus hochmolekularem Delrin besteht. Dazu walten hier High-Purity-Kupferspulen in Kombination mit Alnico-Magneten. Preislich sind wir gar nicht so weit entfernt – bei 1.150 Euro.

Ortofon 2M Black 250 LVB mit Hana ML
Das Ortofon 2M Black LVB 250 gegen eines der besten MCs der 1.000 Euro Liga: den Hana ML (Foto: A. Günther)

Also starten wir den Triple-Test. Über das 2M Black haben wir schon gejubelt. Da gab es einen Ausschlag von 4,6 auf unserer Skala. Aber nicht zu vergessen: das ist vier Jahre her. Das 2M Black ist ein etablierter Oldie. Doch nichts bringt uns dazu, die alte Meinung zu verwässern. Das 2M Black ist ein wunderbares, reiches MM-System. Da stimmt der so schwierige Mix aus wohligem Vinyl-Gefühl und hartem Zugriff. Aber das LVB 250? Angesichts des Preises müsste es das 2M Black düpieren. Stimmt aber nicht. Das wäre die falsche Wortwahl. Wir sind im High-End-Geschäft unterwegs. In diesen Preisklassen gibt es keine Mordabsichten. Sondern nur feinste Unterschiede – die hier aber klar und deutlich für das LVB 250 sprechen.

In dem Test jedenfalls wirkte beim Jubi-Abtaster alles leichter, schneller. Das LVB ist stärker auf Luft und Tempo getrimmt worden: großartig die edle Gesamtgestalt. Das ist ein Humanist. Zum Beispiel beim Abspielen der Anthology von Bert Kaempfert. Der Mann mag der Musikmagier unserer Eltern gewesen sein – aber dieser Big-Band-Sound in Kombination mit Geniestreichen der Tontechniker, das muss man erlebt haben. Ganz frisch ist ein Doppelalbum mit dem Meister erschienen – Today and Yesterday. Wir lassen uns fallen in die „Swingin’ Safari“. Was für eine Präsenz. Das 2M Black bedient ganz wunderbar unseren Bauch und das Zwerchfell, das LVB 250 bringt noch mehr Informationen über Raum und Feindynamik dazu. Hier gibt es keine zwei Meinungen: Das Ortofon 2M Black 250 LVB ist das klar bessere System.

Bert Kaempfert Anthology Cover
Dynamik und Groove sind der Hammer: Bert Kaempfert Anthology (Cover: Amazon)

Vier bis fünf Arbeitsschritte später steht das Hana ML zum Vergleich. Die gleiche Basis, der gleiche Arm, das gleiche Vinyl. Huh, jetzt wird es schwer. Das Hana wirkt luftiger, leichter, schneller, das LVB hingen deutlich körper-betonter. Hier sind die Meister unter sich. Die feinsten Diamanten, die besten Schliffe, die mächtigsten Motoren – und dennoch wird es schwer, einen Über-Sieger zu finden. Die ganz kleinen Momente geben den Ausschlag. Ich könnte mit beiden Systemen wunderbar leben, denn beide holen alle Informationen aus der Aufnahme. Ohren und Hirn sind glücklich. Aber wieder einmal gibt für mich das Bauchgefühl den Ausschlag: Das LVB 250 hat den schöneren Punch, den körperlichen Zugriff auf unser audiophiles Wohlbefinden.

Hana ML im Einsatz
Das Hana ML (hier am Rega Tonarm) zählt zu den interessantesten MC-System der 1.000 Euro Klasse (Foto: A. Günther)

Fazit Ortofon 2M Black LVB 250

Subjektiv, aber ehrlich: Das Ortofon LVB 250 ist vielleicht das beste MM-System, das je gebaut wurde. Wundervoll der Körper, das Greifbare, der Schmelz, dazu Spielfreude und Leichtigkeit. Hier kratzt ein MM-System an den Meriten der MC-Gemeinschaft. Stimmt nicht, eigentlich liegt das MM über den scheinbar Überlegenen. Mein Tipp für alle, die es sich leisten können: unbedingt ausprobieren. Es gibt nichts zu verlieren.

Und noch ein großer Vorteil sei hier nicht verschwiegen: In der Welt der Moving-Magnet Tonabnehmer ist der Nadeltausch oft sehr einfach; im Falle der 2M Familie ist sogar ein Upgrade einzelner Modelle machbar. Heißt: Der Generator des 2M Black LVB 250 ist identisch mit dem des 2M Bronze und dem des 2M Black. Als Besitzer dieser beiden Abtaster kann man also durch Nadelträger-Austausch klanglich sehr einfach das nächste Klang-Niveau erreichen. Allerdings fehlt einem dann der chraktervolle Systemkörper mit Beethoven-Kopf…

Ortofon 2M Black LVB 250
2021/02
Test-Ergebnis: 4,6
Überragend
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Herrlich punktgenau & musikalisch
Gehobene Ausgangsspannung
Austauschbarer Nadelträger
Gute Preis/Klang-Relation

Vertrieb:
ATR – Audio Trade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr
www.audiotra.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Ortofon 2M Black LVB 250: 1.000 Euro

Die technische Daten des Ortofon 2M Black LVB 250

Ortofon 2M Black LVB 250
Konzept:MM-Tonabnehmer
Diamant-Schliff:Shibata-Schliff
Nadelträger:Bor
Ausgangsspannung:5 MilliVolt
empf. Tonarmgewicht:mittelschwer
empf. Auflagegewicht:1,6 Gramm
empf. Kapazität/Abschlusswiderstand:47 kOhm/150–300 PicoFarad
Gewicht:7,3 Gramm
Alle technischen Daten
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Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.