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Mini Cooper Countryman mit Harman Kardon HiFi-System
Mini mal anders: Als SUV ist der britische Berufs-Nonkonformist richtig praktisch. Er sieht zwar immer noch etwas nostalgisch aus, bringt einen aber vernetzt und bequem ans Ziel (Foto: S. Schickedanz)

Test Mini Cooper Countryman mit Harman Kardon: Einfach riesig!

Wie sich die Zeiten doch ändern. Bitte fragt mich nicht nach der Anreise mit der Deutschen Bahn. Die stand in meiner Jugend für absolute Verlässlichkeit, als man Mini-Besitzer noch an den schwarzen Rändern unter den Fingernägeln erkannte. So viel Zirkus wie allein auf der heutigen Zugreise von Stuttgart über München nach Garching habe ich in den gesamten sieben Jahren mit zwei Cooper S nach dem Neustart der britischen Autoikone durch BMW nicht erlebt. Ersparen wir uns die Details: Mit massig Stress und Verspätung kam ich irgendwann an, und konnte den 2017er Mini Cooper Countryman in Empfang nehmen. Entspannt sitze ich nach stundenlanger Odyssee im Maxi-Mini und wir befinden uns schon mitten in der Geschichte, ohne dass ich mich – wie gefühlt tausendmal in Berichten zu neueren Mini-Modellen gelesen – zunächst an den Abmessungen des Countryman abarbeiten musste. (Hat sich meine Bahncard dieses Jahr also doch gelohnt).

Kaum zu Hause, bekomme ich durch den ebenfalls in Weiß mit schwarzem Dach gehaltenen Mini Hatch meiner Nachbarin bereits beim Parken zu Hause den Größenvergleich drastisch vor Augen geführt. Selbst der 3-Türer der zweiten Retro-Generation ist dagegen winzig, doch das sind abgesehen vom Namen Äpfel und Birnen. Schließlich handelt es sich hier ja um ein kleines SUV.

Aus dem historischen Kontext gerissen ist der unter dem internen Kürzel F60 entwickelte Mini Cooper Countryman ein richtig tolles Auto, selbst für einen wie mich, der SUVs grundsätzlich nicht ausstehen kann. Er hat die perfekten Maße für gelegentliche Langstreckeneinsätze, ohne mit seinen 4,3 m in der Stadt die Parkplatzsuche zur Abenteuer-Safari ausarten zu lassen. Dabei trifft er für meinen Geschmack in Sachen Sitzhöhe genau den perfekten Kompromiss aus Sportlichkeit und Panoramablick. Auch zum Einsteigen passt mir der Maxi-Mini wie maßgeschneidert: Du musst dich weder bücken wie in normalen Autos, noch Kletterübungen vollbringen wie in den großen Vertretern dieser Gattung. Schon gar nicht gibt es diese schräge Mischung vom BMW X6M, wo Klettern gefragt war und du dich gleichzeitig ducken musstest, um dir nicht den Kopf am Flachdach anzustoßen.

Allerdings ist auch bei diesem Mini Cooper Countryman voller Einsatz gefordert: Das Harman Kardon HiFi-System sitzt in einem Handschalter, der zudem durch seinen nicht unbedingt überdimensionierten 3-Zylinder mit 1,5 Litern Hubraum schon den einen oder anderen zusätzlichen Gangwechsel erforderlich macht. Doch was zunächst für ein langes Gesicht sorgte, sollte sich als weiterer Spaßfaktor erweisen: Das 6-Gang-Getriebe lässt sich knackig präzise schalten und der im Hinblick auf CO2-Ausstoß optimierte Mini-Motor kommt selbst mit dem Größten unter den Kleinen erstaunlich gut zurecht.

Schalten kann spalten: Automatik oder nicht Automatik ist hier die Frage

Dass ich dennoch zu einer Automatik greifen würde, hat folgenden Hintergrund: In modernen Autos wie dem Mini Cooper Countryman gibt es im Bereich des auf BMW basierenden Infotainments mit Steuerung über iDrive und Multifunktionslenkrad so viel zu schalten, dass es besser ist, die rechte Hand immer frei zu haben. Deshalb fahre ich seit einigen Jahren Automatikgetriebe und mache beim Umstieg auf den manuellen Mini Countryman eine interessante Entdeckung. Während du das Beherrschen der Kupplung beim Anfahren genauso wie Skifahren oder Schwimmen auch nach längerer Pause nicht verlernst, gewöhnst du dich schnell an einen anderen Effekt der Automatik: Beim Heranfahren an eine Ampel hätte ich den Mini beinahe abgewürgt, weil ich mit dem iDrive hantierte und völlig vergessen hatte, dass man ja noch auskuppeln und den Gang von Hand herausnehmen muss. Wie altmodisch!

Im Laufe des Tests gibt es häufig einen Interessenkonflikt zwischen dem Schalten im Getriebe und etwa dem Scrollen in Playlists. Jeder Gangwechsel wirft einen wieder zurück auf Los, wenn man vorher noch nicht den nächsten Titel aus der Liste ausgewählt hat. Das kann in der Stadt den Spaß am Infotainment etwas trüben, wo es doch gerade bei stupidem Stop-and-Go-Verkehr seine Stärken ausspielen könnte. Dabei hat Mini hier ganze Arbeit geleistet, ist im Kompaktsegment eine Klasse für sich. Die Hände bleiben beim Song-Suchen oder Senderwechsel und beim Telefonieren stets am Lenkrad. Dank perfekter Integration dieser Infotainment-Funktionen in das Head-up Display (HUD) bleiben zudem die Augen immer auf der Straße. Das entspricht nicht nur meinem Anspruch an Perfektion, sondern kommt auch einigen Gesetzesverschärfungen entgegen, die der Gesetzgeber von den meisten unbemerkt vor der Sommerpause des Bundestags eingeführt hat und die das Benutzen solcher Funktionen in den meisten Autos stark einschränken.

Mini Cooper Countryman mit Harman Kardon HiFi-System
Perfekter Kompromiss aus Sportlichkeit und Rundumblick: Mini Cooper Countryman. Auch wenn er der größte seiner Art ist, stellt sich hinterm Lederlenkrad sofort das einzigartige New-Mini-Gefühl ein. Dabei sind die Materialien und das Design deutlich ansprechender als in den „kleinen“ Minis (Foto: S. Schickedanz)

Mit der zweiten Generation des beliebten Mini-SUVs Countryman zieht eine wichtige Verbesserung ein, die zuvor schon der dritten Generation Mini Hatch zugutekam und inzwischen auch auf einer gemeinsam mit BMW genutzten Plattform basiert: Er besitzt einen Center-Speaker in der Mitte des Armaturenbretts. Damit wollen die Entwickler um den Projektleiter Wolfgang Zieglmeier die imaginäre Bühne stabilisieren und verhindern, dass die Solostimmen an der nächstgelegenen A-Säule kleben.

Mini Cooper Countryman mit Harman Kardon HiFi-System
Die Metall-Matrix Hochtöner im Spiegeldreieck sitzen vorbildlich dicht an den 10-cm-Alumaprene-Mitteltönern. Das verbessert in Verbindung mit dem 2-Wege-Center in der Mitte des Armaturenbretts das Staging (Foto: S. Schickedanz)

Einen weiteren Segen der Gleiche-Teile-Politik sind die beiden Zentralbässe unter den Sitzen, die sich allerdings auch schon im Vorgänger fanden. Diese 21,7 cm großen Tieftöner nutzen die Hohlräume der Karosseriestruktur, die sich im Bereich der Schweller aus Stabilitätsgründen ergeben, als Lautsprechergehäuse. Das spart Gewicht und bringt die Bässe dort zum Einsatz, wo sie sich leichter vom Timing ins Klangbild integrieren lassen. Zudem wirken sie dabei noch ein wenig wie die in Heimkinos beliebten Bass Shaker, die den Basseindruck durch ihre minimalen mechanischen Schwingungen psychoakustisch noch verbessern.

Was die Abmessungen der Treiber betrifft, liegt der Mini Cooper Countryman also durchaus auf dem Niveau der BMW 7er-Reihe. Doch beim Infotainment-System tun sich sogar schon Unterschiede zum kleinsten BMW auf. Wer den 1er BMW mit seinem State-of-the-Art-Infotainment gewohnt ist, muss im einen oder anderen Punkt Abstriche machen. Zwar war mir grundsätzlich ungeachtet der etwas poppigeren Aufmachung alles sofort vertraut. Doch im Detail gibt es gewisse Unterschiede zu Ungunsten des Mini. Das beginnt schon bei den um den iDrive-Knopf auf der Mittelkonsole herum und am Multifunktionslenkrad positionierten Tasten. Deren Plastik-Qualität erinnerte mich eher an Yoghurtbecher denn an einen BMW. An der Funktion gab es aber rein gar nichts auszusetzen und das Plus an Farbe hat was.

Was die kleinen Unterschiede zwischen Mini und den Produkten des Mutterhauses betrifft, kam mir einmal mehr zugute, dass ich in zwei völlig verschiedenen Welten zu Hause bin: Die Hälfte meiner Freunde arbeitetet in der Entwicklung bei süddeutschen und südenglischen Autoherstellern, die andere besteht aus Künstlern. In diesem Fall war die zweite Hälfte deutlich hilfreicher. Während mich der Screenshot eines Münchner Freundes von seinem frisch konfigurierten BMW M2 während der langsamen Gewöhnung an den Mini Cooper Countryman mit seinem 136 PS starken 3-Zylinder eher zurückwarf, brachte die Einladung einer Freundin zu einer Probe von „Lulu“ in der Außenstelle des Staatstheaters in Stuttgart Nord wertvolle Erkenntnisse über die Grenzen des vernetzten Minis – zumindest mit jener Konfiguration seiner Online-Dienste.

Mini Cooper Countryman mit Harman Kardon HiFi-System
Die Menüs auf dem 8,8-Zoll-Zentralbildschirm werden von einem adaptierten iDrive-Knopf mit zusätzlichen Tasten gesteuert. Die Light-Show außen herum hat durchaus Charme. Ohne sie könnte man den Maxi-Mini sonst fast schon für vernünftig halten. Die Splitscreen-Funktion für Navi- neben Titelinfos ist nämlich richtig durchdacht (Foto: S. Schickedanz)

Vernetzte BMWs wie der M140i erfüllen mit dem genialen Connected Drive nach Druck auf den Sprachbutton am Lenkrad ruck zuck Wünsche wie „Fahre zum nächsten Glascontainer“ durch Start der entsprechenden Navigation. Das lässt den Fahrer mitunter völlig verblüfft zurück und weckt die Erwartung, dass sein vernetztes Auto für alles eine bequeme Lösung liefert. Im Mini Cooper Countryman gibt es dagegen Szenen wie in einer dystopischen Satire, die mich beinahe an „Singularity“ erinnerte, ein Theaterstück über den Siegeszug der künstlichen Intelligenz und der damit verbunden Degeneration des Menschen.

„Fahre zum Staatstheater in Stuttgart Nord!“ Fehlanzeige. Neuer Versuch: „Navigiere zum Schauspielhaus in Stuttgart Nord!“. Wieder nichts, zumindest kein verwertbares Ergebnis. Immerhin kann man beim Dialog in die Antworten reinquatschen und muss nicht wie im Mercedes die Ansagen des Systems bis zum Ende abwarten. Verzweifelt suche ich im poppigen Menü auf dem Zentralbildschirm die Online-Suche. Doch der Mini hat offenbar keine – zumindest nicht dort, wo ich sie als Nutzer von BMW Connected Drive erwartet hätte. Ha, dann frage ich eben den Concierge Service. „Ups, den hat Mini wohl nicht übernommen.“

Macht nix, einfach etwas länger auf den Sprachknopf am Volant drücken und schon meldet sich Siri, die Stimme aus meinem via Bluetooth mit dem Cooper Countryman verbundenen iPhone. Immerhin liefert Apples Sprachassistentin in der verfahrenen Situation auch keine brauchbaren Resultate. Und die Zeit verrinnt. Dummerweise ist es auf dem kleinen Bildschirm des Smartphones auch nicht leicht, auf der Homepage des Staatstheaters die Adresse der Nebenstelle ausfindig zu machen. Am Ende können wir zu zweit die sehr gute Freisprechanlage testen. Per Telefon bekommen wir eine Adresse fürs Navi und können starten – mit zehn Minuten Verzögerung, aber noch rechtzeitig zum Beginn der Probe. Immerhin nutzt das Navi Echtzeit-Verkehrsinformationen (hoffe ich jedenfalls), was sich in Stuttgart freitagabends als besonders wertvoll erweist.

Dieses Erlebnis zeigt mir in Verbindung mit der Automatik zwei wesentliche Dinge: Das Autofahren definiert sich gerade neu. Der Verzicht auf drei Zylinder, 1,5 Liter Hubraum und über 200 PS fiel mir wesentlich leichter, als knapp zwei Wochen ohne mein geliebtes Connected-Drive-System auskommen zu müssen. Dieser Einzug von Konnektivität und künstlicher Intelligenz ins Cockpit macht einen binnen kürzester Zeit ähnlich abhängig, wie wir es alle mit unseren Smartphones erleben können.

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