Home / Auto HiFi / BMW, Mini und Rolls-Royce / Fahrtest: Mini Cooper S mit Harman/Kardon
Mini Cooper S mit Harman/Kardon-System
Der Charakter-Darsteller im Kleinwagen-Segment: Mini Cooper S (Foto: S. Schickedanz)

Fahrtest: Mini Cooper S mit Harman/Kardon

Kart, aber herzlich: Vier Wochen dauerte es, bis ich mich nach dem Test des Mini Cooper S wieder mit dem vergleichsweise schwammigen Kurvenverhalten meines eigenen, vergleichbar motorisierten Kompaktsportlers anfreunden konnte.

Mit dem Sound-System stehe ich seitdem auf Kriegsfuss. Ja, es passiert nicht oft, dass so ein kleines, erschwingliches Auto einen dermaßen in seinen Bann zieht. Das liegt an einer Kombination aus aggressivem, präzisem Einlenken in engen Kurven, straffer Fahrwerksabstimmung und niedrigem Gewicht.

Dazu kommt ein 2-Liter-Motor aus dem BMW-Regal, der in dem 3,85 Meter langen Wägelchen mit seinem Drehmoment von 280 Nm beim 1250 U/min für eine schwerelose Beschleunigung an der Ampel sorgt.

Es liegt aber auch an dem Harman/Kardon-HiFi-System, das ähnlich knackig zur Sache geht wie der ganze Wagen. Die große Bassdrum bei Elvis Costellos „Watching The Detectives“ in der Live-Version vom Album „My Aim Is True – Deluxe Edition“ ging extrem tief runter und blieb dabei staubtrocken.

Immerhin basiert der Brite jetzt auf der Plattform der nächsten, frontgetriebenen 1er-Reihe von BMW und erbte in der dritten Generation die genialen Zentralbass-Subwoofer unter den Vordersitzen.

Kaum zu glauben, wie viele Details Du mit den transparenten Mitten und Höhen heraushören kannst. Da hörst Du richtig einen Unterschied zwischen verschiedenen Räumen – ich habe den Titel in etlichen Live-Varianten – in einem Kleinwagen mit einem System, das gerade mal knapp 800 Euro Aufpreis verschlingt.

Mini Cooper S
Der Mini Cooper S mit seinem Harman/Kardon-System bietet Fahrspaß wie nur wenige Autos, egal zu welchem Preis (Foto: S. Schickedanz)

Die Wurlitzer-Effekte um den Zentralbildschirm herum lassen sich abschalten, ansonsten ist die Bedienung des Infotainment-Systems, wie man es von BMW kennt, und damit gerade für einen Kleinwagen jenseits von Gut und Böse. Das 16:9-Farbdisplay arbeitet bei Bedarf sogar im Split-Screen-Modus, um etwa Titelinfos samt Cover neben Navi-Hinweisen anzuzeigen.

Am coolsten und sinnvollsten sind die Weginformationen, allerdings in Verbindung mit dem optionalen Head-up Display (HUD), wo sie wie beim Kampfjet in eine kleine Scheibe vor der Windschutzscheibe eingespiegelt werden.

Wer die ebenfalls erhältliche Verkehrsschilder-Erkennung – sie funktionierte sehr zuverlässig – ordert, bekommt mögliche Tempolimits direkt neben der Geschwindigkeit angezeigt.

Aber der Clou kommt noch: Mit dem HUD kannst Du sogar über die Tasten des griffigen, sportlichen Multifunktions-Lenkrads in den Playlists Deines perfekt integrierten iPhones scrollen, ohne den Blick von der Straße abzuwenden.

Mini Cooper S: fahren und staunen

Das musst Du erlebt haben, ich wollte gar nicht mehr aussteigen, zumal sich lange Strecken jetzt nicht zuletzt dank des längeren Radstands besser bewältigen lassen.

Wo mein eigener Cooper S der Vorgängerreihe seinerzeit auf schlechter Fahrbahn bei hohem Tempo schon mal zum Luftfahrzeug mutierte, zieht der Neue stoisch seine Bahnen.

Und auch das Gezerre ist jetzt Geschichte, weil die elektronische, über Bremseingriffe geregelte Differenzialsperre keine Einflüsse auf die Lenkung ausübt, was beim mechanischen Sperrdifferential, das ich mir damals aus Traktionsgründen geordert hatte, ganz und gar nicht der Fall war.

Aus diesen Gründen hatte ich dann nach insgesamt sieben Jahren mit den ersten beiden Generationen genug vom Spaßmobil der British Motor Works – zumindest als Alltagsauto. Den Neuen könnte ich mir dagegen schon als Geschäftswagen vorstellen. Mal sehen.

Mini Cooper S
Keine Sorge, wenn Sie über 30 sind: Der Wurlitzer-Effekt lässt sich dimmen oder abstellen. Ansonsten ist das Infotainment-System auf BMW-Niveau. Es gibt sogar eine Split-Screen-Funktion (Foto: S. Schickedanz)

Viel Licht, wo bleibt der Schatten? Du musst ihn suchen wie in der Wüste, aber es gibt zwei kleine Fleckchen. Am Testwagen klapperte das Gitter des Center-Speakers bei hohen Lautstärken und/oder rauen Fahrbahnbelägen.

Doch diesen Kritikpunkt griffen die Entwickler direkt nach der Testfahrt im letzten Jahr auf.  Der andere betrifft die leicht diffuse Abbildung.

Weil direkt hinter den Vordersitzen noch mal die gleichen Zwei-Wege-Systeme wie vorne mit dem identischen Stereo-Signal angesteuert werden, bewegen sich Stimmen und Instrumente bisweilen je nach Tonlage hin und her, es gibt keine richtige Bühne vor den Zuhörern – ein Effekt, dem ich auch nicht mit dem Fader beikommen konnte.

Dieser Umstand ist allerdings bei einem elektronisch verstärkten Konzert in der Regel auch nicht gegeben und angesichts der immensen Tugenden dieser erschwinglichen Auto-Anlagen-Kombination leicht zu verschmerzen.

Abgesehen davon reichen Klangfarbentreue, Sauberkeit, Bandbreite und Dynamikreserven durchaus für Klassikliebhaber aus – sollten sie sich in das poppige Fahrzeug verirren.

Fazit Mini Cooper S

Für mich bietet der Mini Cooper S die dynamischsten 200 PS und die dynamischsten 400 Watt an, die man weit und breit kaufen kann. Kurzum ein Traumwägelchen für alle Junggebliebenen.

Mehr von Mini:
BMW, Mini + Harman-HiFi: „Musik-Sharing“ bei DriveNow
Test Mini Cooper Countryman mit Harman/Kardon HiFi-System

Ähnliche Themen:
Test Nissan Micra 2017 mit Bose Personal Sound
Test Mazda MX5 mit Bose Sound
Schon gehört: Ford Fiesta 2017 mit B&O Play Sound-System
Test BMW M140i xDrive mit Harman/Kardon

Mehr zu Harman:
Interview mit Harman Mastermind Dr. Sean Olive

Mini Cooper S mit Harman/Kardon
2015/05
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertung

Auto HiFi

Anlage
Auto
Spassfaktor

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr dynamisches Gespann
Tolles Preis-Spass-Verhältnis
Etwas diffuse Räumlichkeitswiedergabe

Preis (Herstellerempfehlung): 24.000 Euro, Harman/Kardon-System 800 Euro Aufpreis

Vertrieb:
BMW AG
Petuelring 130,
80788 München
www.mini.de