Test: All-in-One Resolution Audio Cantata Music Center

Da die DACs selbst bereits sehr hohe Signalspannungen liefern, fällt die restliche Ausgangsstufe minimalistisch aus – die letzte aktive Instanz ist ein hochwertiger, aber keineswegs exotischer Lautstärke-Regelchip des Typs PGA2310, der den Pegel im oberen Bereich in 0,5dB-Schritten und ganz unten (wo es eh keine Rolle mehr spielt) in 1dB-Schritten anpasst.

Um ihn herum sitzen noch drei Relais, die zwei Aufgaben erfüllen: Einerseits schalten sie den Regelchip komplett aus dem Signalweg, wenn der Nutzer die Lautstärke auf 100 stellt (sprich: den Cantata mit einem externen Preamp verwenden will), und andererseits erlauben Sie, statt des internen DACs einen der zwei Line-Eingänge des Cantata auszuwählen, machen das Gerät also zur vollwertigen Analog-Vorstufe.

Alternativ können statt analoger Inputs auch zusätzliche S/PDIF-Schnittstellen geordert werden. Das Testgerät kam mit zweimal Line, USB als „Referenz“-Digitaleingang sowie drei optischen Inputs für nachgeordnete Quellen wie etwa die Sat-Box oder den Fernseher – wo der stärkere Jitter der optischen Schnittstellen keinen merklichen Schaden anrichtet, ihre perfekte galvanische Entkopplung aber garantiert, dass man sich keine Störungen und Brummschleifen in die Anlage holt.

Ach, halt! Als weiteren Digitaleingang könnte man natürlich den LAN-Port des Resolution Audio Cantata Music Center werten, denn der DAC ist netzwerkfähig und kann auf diesem Weg Musikdaten von irgendwo im Netz erreichbaren Festplatten ziehen.

Befindet man sich mit einem UPnP-fähigen Rechner oder einem Tablet samt entsprechendem App im selben Netz, lässt sich der Cantata als Endgerät zur Wiedergabe auswählen und streamt die Musik dann direkt zum Beispiel von einem Netzwerkspeicher oder dem Rechner selbst.

Diese Media-Renderer-Funktion hat Resolution Audio aber nur in Grundzügen implementiert: Nicht alle Programme und Apps funktionieren damit, und wenn, dann fehlen dennoch moderne Annehmlichkeiten wie schneller Vorlauf, Gapless-Wiedergabe und ein lokaler Abspiel-Queue, der sich nicht nur ein einzelnes Lied, sondern auch zumindest ein ganzes Album merken kann.

Angesichts des Komfort- und Stabilitätsniveaus, das gute Netzwerkplayer heute vorlegen, kann man den Cantata daher nicht wirklich als voll streamingfähig bezeichnen – die Streamingfunktion findet auch in der Cantata-eigenen App keinen Niederschlag, die sich auf Grund-Steuerbefehle (Lautstärke, Eingangswahl) und Software-Updates beschränkt.

Vertrieb Reson Audio ignoriert das eingebaute Streaming dann auch weitgehend und empfiehlt als perfekt passende, qualitativ kaum schlagbare Quelle entweder einen Mac Mini mit SSD und dem audiophilen Abspielprogramm Pure Music oder gleich das Streaming-Laufwerk Auralic Aries.

Auf Wunsch liefert Reson dieses unter dem Namen RA1S auch als perfektes, sorgfältig optimiertes, vorkonfiguriertes und erprobtes Rundum-Sorglos-Set samt SSD-Speicher, USB-Kabel, Tuning-Netzteil und eigenem WLAN-Netzwerk. So kann der Vertrieb sicherstellen, dass auch Streaming-Novizen und ausgemachte Techniktrottel eine stabile, jeden Tag aufs Neue intuitiv nutzbare Installation bekommen.

Sehen muss man davon eigentlich nur den Cantata. Der lässt sich zwar auch komplett per App steuern, im Alltag gehen Laut/Leise, Umschalten oder Mute aber schneller und intuitiver über die mitgelieferte IR-Fernbedienung.

Außerdem kauft man eine so wunderschöne Skulptur auch nicht, um sie dann im Schrank zu verstecken. Denn der Cantata ist mehr als ein HiFi-Gerät: Jedes Cantata-Gehäuse ist ein Unikat, das in der berühmten Metallwerkstatt von Neal Feay in Santa Barbara aus massivem Aluminium gefräst wird.

Die Wellenstruktur auf der Oberseite unterscheidet sich dabei von Exemplar zu Exemplar, wobei jedes einzelne ein Segment aus einem riesigen, im Voraus berechneten Masterplan repräsentiert.

Schaut man die Preise anderer bei Feay produzierter Objekte an, könnte man sich fast (aber nur fast) einbilden, die HiFi-Fähigkeiten des Cantata quasi als Bonus dazubekommen zu haben.

Resolution Audio Cantata Music Center (Foto: B. Rietschel)
Die Oberflächenbeschaffenheit des Resolution Audio Cantata Music Center (Foto: B. Rietschel)

In der Alustruktur sind maßgeschneiderte Kammern für die einzelnen Baugruppen und Platinen, die darin kopfüber hängend montiert sind.

Das Gehäuse ist randvoll: mit der oben beschriebenen Wandler- und Ausgangsplatine, einem weiteren großen Board, das die Netzwerk- und USB-Prozessoren trägt und von der Audioplatine über ADUM-Kopplerchips galvanisch separiert ist, mit verblüffend vielen verblüffend groß dimensionierten Spannungsregel- und Stabilisierungsstufen.

Das alles wird versorgt durch nicht weniger als vier Ringkerntrafos und ein Heer teurer Kondensatoren: Allein die beiden 63V/10000µF-T-Network-Elkos – Spezialanfertigungen mit vier Anschlussfahnen und extrem niedriger Induktivität – kosten im Einkauf rund 50 Euro.

Verschlossen ist das Ganze mit einem blechernen Bauch, der lediglich ein paar Bedienknöpfe, drei Gummifüße und das CD-Laufwerk trägt. Letzteres ist daher denkbar leicht zu tauschen, falls es irgendwann mal das tun sollte, was alle CD-Laufwerke irgendwann tun.

Über dem CD-Slot schimmert das große, störarme LED-Display durch die perforierte Alufront, was einen coolen Dotmatrix-Effekt bewirkt. Es zeigt beim Bootvorgang kurz die Modellbezeichnung an, springt dann auf den gewählten Eingang, die anliegende Datenrate oder die aktuelle Lautstärke – je nach Situation.

Der Hörtest

Im Hörtest gab es einige Fragen zu klären: Klar – was taugt der DAC? Aber auch: Wie gut ist der Cantata als analoge Vorstufe? Schließlich dürfte er in vielen Anlagen auch in dieser Rolle spielen, wenn etwa der Streamer Pause hat und der Plattenspieler ran darf.

Übrigens ist eine – dem Vernehmen nach amtlich edle – Phono-Option für den Cantata in Arbeit. Zum Testzeitpunkt war sie aber noch nicht lieferbar, sodass wir den als Analog-Quelle dienenden Linn LP12 Lingo mit Kore-Subchassis, Ekos-Tonarm und Benz Glider SL über den Roksan Reference Phono-Preamp laufen ließen – der glatt das Doppelte des Cantata wiegt und über gigantische Dynamikreserven verfügt.

Dass von dieser Dynamik auf dem Weg durch den Cantata nicht der geringste Krümel verlorenging, war eine der wirklichen Überraschungen in diesem Test. Denn die bisherigen Inkarnationen des Cantata hatte ich nur als Player und regelbare DACs getestet.

Dass die minimalistische Analogvorstufen-Schaltung – letztlich nicht mehr als ein PGA-Chip, dessen interne OP-Amps, ein paar Relais und eine gigantische Stromversorgung – den Resolution Audio Cantata Music Center mit ausgewachsenen, hauptberuflichen Vorstufen gleichziehen lassen würde, hatte ich nicht erwartet.

Wie oben beschrieben fügt sich der Cantata ohne technische Kompromisse auch in Ketten mit eigenen Vorstufen ein – der PGA verschwindet dann komplett aus dem Signalweg und die Ausgangs-OPs der DAC-Sektion werden direkt zum Preamp durchverbunden.

Solange dieser aber irgendwas diesseits von 4.000 bis 5.000 Euro kostet, ergibt sich aus seiner Gegenwart nicht die geringste Verbesserung, und das gilt eben auch für die analogen Quellen.

Ich war von meiner geliebten Naim NAC102/HICAP jedenfalls noch bei keinem Hörvergleich so enttäuscht – wohlgemerkt an der Naim-eigenen Endstufe, also sogar noch mit Heimvorteil: Der Cantata spielte einfach klarer und dynamischer, entfaltete den Klang weiträumiger und trotzdem mit viel Substanz und Druck.

Ähnlich verhielt es sich am Octave V70SE mit Super Black Box, einem Monster-Röhrenvollverstärker, dessen Endstufensektion über ein eigenes Buchsenpaar auch direkt zugänglich ist.

Den Vergleich zwischen der internen Vorstufe und dem Cantata musste ich ein paarmal wiederholen – und zwar nicht, weil der Unterschied mühsam zu hören gewesen wäre. Sondern weil er so groß war, dass ich zunächst irgendeinen Flüchtigkeitsfehler beim Umstecken vermutete. Mit analogen Quellen und dem Cantata als Vorstufe spielte der V70 schlicht eine ganze Klasse dynamischer und natürlicher.

Resolution Audio Cantata Music Center (Foto: B. Rietschel)
Resolution Audio Cantata Music Center (Foto: B. Rietschel)

Die Preamp-Funktion ist also mehr als nur eine Convenience-Dreingabe. Sie ist klanglich vollwertig und absolut transparent, und solange man nicht auf symmetrische Verbindungen, mehr als zwei Analog-Inputs oder Old-School-Konnektivität in Form von Tape-Outs angewiesen ist, hat man schon ein Kaufargument, bevor die Paradedisziplin und eigentliche Bestimmung des Cantata überhaupt zur Sprache kommt. Und dann wird’s endgültig schwierig mit den Alternativen.

Es gibt nur wenige D/A-Wandler und Player, die nach dem Hören wirklich lebhaft in Erinnerung bleiben: Die großen DACs von TAD etwa mit ihrer unglaublichen Natürlichkeit, die Linn-Streamer der neuesten „Katalyst“-Bauweise mit ihrer superakkuraten Klangstruktur, die Digitalos von Audio Research mit ihrer großformatigen Power und noch ein paar andere.

Der Resolution Audio Cantata Music Center gehört eindeutig in diese exklusive Gruppe, als eines ihrer günstigsten Mitglieder. Damit zu hören bedeutet nicht isolierte Verbesserungen hier und da – feinere Höhen, mehr Punch, weniger „digitale“ Körnung – sondern eine insgesamt sattere, intensivere, glaubwürdigere Wiedergabe, als sie mit normalem Equipment möglich ist.

Der Cantata 3.0 bleibt in Erinnerung, weil er – wie sonst nur große Bandmaschinen und die wenigen wirklich perfekten Plattenspieler – komplett vergessen lässt, dass man einem technischen Gerät lauscht. Dass die Musikdateien oder Tonträger in teils hochkomplexen technischen Prozessen entstehen, darauf hat man keinen Einfluss.

Je nach Aufnahme meint man also im Studio, vor der Bühne oder dem Mischpult zu sitzen. Der Unterschied zwischen diesen produktionsbedingten Einflüssen und dem Klang des wiedergebenden Players ist aber, dass erstere bei jeder Aufnahme anders sind (und sein müssen), der ideale Player also für größtmögliche, gänzlich ungetrübte Vielfalt sorgt.

Der optimale Zuspieler ist dann auch unschwer herauszuhören: Der Auralic Aries verwandelt mit seinem integrierten Mediaserver und den nativ unterstützten Lossless-Streamingdiensten TIDAL und Qobuz den amerikanischen DAC in eine vollwertige, extrem vielseitige Digitalquelle und klingt tatsächlich noch einen Hauch substanzreicher, fokussierter als ein ebenfalls probiertes Macbook Pro.

Wer noch einen ausrangierten Mac aus den vergangenen zehn Jahren zuhause rumstehen hat, verliert nicht viel, wenn er ihn trotzdem erstmal als Player und Server verwendet. Die Investition beschränkt sich dann auf den Preis des verwendeten Abspielprogramms.

Im Test des Resolution Audio Cantata Music Center haben wir Audirvana Plus 3 verwendet, das zusammen mit der Fernsteuerungs-App A+ Remote 75 Euro kostet. Natürlich ginge auch iTunes – aber mit überraschend deutlich schlechterem Klang.

Während also bei USB-Zuspielung die Hardware nur einen geringen Einfluss hat (wobei selbst der angesichts der asynchronen, also vom Cantata selbst getakteten Übertragung eigentlich nicht vorhanden sein dürfte), spielt die Abspiel-Software eine deutliche Rolle.

Resolution Audio Cantata Music Edel und diskret: Die individuell gefräste Wellenstruktur macht jeden Cantata zu einem Unikat. Der CD-Schlitz versteckt sich im Schatten unter dem Display – wenn nicht gerade eine CD herauslugt, ist er praktisch unsichtbar Center (Foto: Resolution Audio)
Edel und diskret: Die individuell gefräste Wellenstruktur macht jeden Cantata zu einem Unikat. Der CD-Schlitz versteckt sich im Schatten unter dem Display – wenn nicht gerade eine CD herauslugt, ist er praktisch unsichtbar (Foto: Resolution Audio)

Fazit

Angesichts des Preises für den Resolution Audio Cantata Music Center sollten die 70-100 Euro für Audirvana respektive Pure Music auf jeden Fall drin sein. Unterm Strich erhält man immerhin eine der besten Streaming-Musikquellen auf dem Planeten.

Einer der besten CD-Spieler ist der Cantata natürlich auch so bereits, ohne weitere Peripherie. Wie eigentlich bei allen derartigen Vergleichen legt ein und dieselbe CD aber merklich an Transparenz und Informationsdichte zu, wenn man sie in ein nicht datenreduziertes Format (also beispielsweise FLAC) auf Festplatte rippt und dieses dann streamt.

Besitzer erlesener CD-Sammlungen, die diese bislang nur direkt abgespielt haben, können das mit dem Cantata auch weiterhin ungehindert tun. Gelüstet Ihnen dann irgendwann nach einem weiteren (und zudem praktisch kostenlosen) Performance-Boost, können sie immer noch anfangen, ihre CDs sukzessive zu rippen.

Oder einfach für 20 Euro im Monat TIDAL abonnieren und die lokale Sammlung um -zig Millionen direkt aus der Cloud abrufbare Alben in CD-Qualität erweitern.

Apropos CD-Qualität: Wer eine Weile mit dem Resolution Audio Cantata Music Center hört, lernt den guten alten RedBook-Standard mit 16 Bit und 44.1 kHz von einer ganz neuen Seite kennen.

Höhere Abtastraten und Wortbreiten sind natürlich schön, und der Cantata unterstützt sie auch lückenlos, wobei er die letzten vier Bits von 24bit-Datenwörtern bauartbedingt ignorieren muss.

Das ist nicht weiter schlimm, da sie ohnehin nur Rauschen enthalten und 99,99% aller verfügbaren Musik ohnehin „nur“ CD-Auflösung hat.

Wie perfekt diese Auflösung klingen kann, zeigt der Cantata seinem Besitzer jeden Tag aufs Neue.

Weitere All-in-One Lösungen:
Test: T+A MP 8 – Multi Source Player mit Teamgeist
Test Naim Uniti Nova: der überlegene Streaming Amp
Test Musical Fidelity Encore 225 – das All-in-One Kraftpaket
Test Streamer Auralic Vega G2 – der Griff zu den Sternen

Resolution Audio Cantata Music Center
2018/04
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sensationell guter, natürlich-selbstverständlicher Klang
Als CD-Player, DAC und Preamp gleichermaßen überzeugend
Exzellente Verarbeitung
Nur rudimentäre Streamingfähigkeiten, wenig Eingänge

Vertrieb:
reson audio gmbh
Gartenstrasse 26
D-79774 Albbruck
www.reson.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Resolution Audio Cantata Music Center: 10.000 Euro

Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel
Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.