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Copland CTA 408 Front
Der CTA 408 ist der größte Vollverstärker vom dänischen Röhrenspezialisten Copland. Sein Preis liegt bei knapp über 6.000 Euro, aber er spielt in der Liga der ganz Großen (Foto: Copland)

Test Röhrenvollverstärker Copland CTA 408 – unpretenziös perfekt

Die meisten Hersteller von Röhrenverstärkern sind Exhibitionisten. Sie lassen die Hosen herunter und zeigen ihre besten Stücke – die glühenden Kolben auf der Oberfläche ihrer Kraft-Produzenten. So läuft nun einmal das Geschäft. Ole Møller mag nicht mitspielen. Er ist der Chef von Copland, mit Sitz in Dänemark. Er versteckt fast verschämt seine Röhren hinter der massivem Metallfront. Und das auch bei seinem Flaggschiff-Vollverstärker Copland CTA 408. Wir hatten die Klang-Maschine für einige Wochen im Test und haben sie nur sehr, sehr ungern wieder zurückgeschickt…

Die Sache mit den versteckten Röhren könnte Kunden kosten. Jene, die daheim des Abends bei einem Rotwein eine Kerze anzünden und eine Schallplatte auflegen und bei denen der Röhrenverstärker dann glühen soll. Als wäre er der Kamin im Raum. Genau diese Befindlichkeit bedient Copland nicht.

Copland CTA 408 KT 150
Verborgenen Pracht: die Röhren sitzen allesamt unter dem Deckel (Foto: Copland)

Ole Møller macht einfach wenig Aufhebens darum. Er gehört eher zu der Spezies der Schweiger. Er fliegt nicht nach Japan, aber manchmal kommt er zur Highend-Messe nach München. Dort traf ich ihn am Stand seines hiesigen Vertriebs Audio Trade. Ein Gespräch wird schwierig, der Mann ist extrem wortkarg. Er plaudert nicht, er verkündet keine weltumspannende Philosophie. Er entwickelt halt nur exzellente Verstärker. Schön, wenn wir sie gut finden, aber das Wertegebäude von Ole Møller wird davon nicht berührt. Der Mann ruht in sich selbst.

Das Konzept des Copland CTA 408

Wie seine Produkte. Der Vollverstärker CTA 408 hat unseren Hörraum erreicht. Ein stattlicher Quader, der zunächst wenig von sich verrät. Außer, dass er halt ein Verstärker alten Schlages ist: kein Streaming, kein eingebauter DAC, einfach nur hochsolide Verstärkertechnik auf Röhrenbasis.

Welchen Preis gibt der Weltmarkt dafür vor? 6.250 Euro stehen in der Liste des deutschen Vertriebs. Das ist gar nicht so teuer, zumal alles im Heimatland gefertigt wird. Dieser Amp stammt von der ersten Idee bis zur letzten Schraube aus Dänemark – einem Hochlohnland.

Er offenbarte sich bis ins letzte Detail als perfekt geraten. Trotzdem haben viele potentielle Kunden noch nie etwas von Copland gehört. Der Name ist natürlich eine Verneigung vor dem großen, US-amerikanischen Komponisten gleichen Namens. Doch auf dem weltweiten Markt ist Copland ein Zwerg. Zu Unrecht. Wir stehen hier vor einem Meister des Perfektionismus. Der aber wie ein kleiner Robin Hood gegen den Strom ankämpft.

Copland Pegelregler
Fühlt sich an, als stamme er von einem Schweizer Tresor: der Lautstärkeregler des Copland  (Foto: Copland)

Und das mit edlen Mitteln. Die Verarbeitung ist famos. Es könnte nicht schöner sein. Das Gehäuse, die Anschlüsse – alles strahlt etwas Erhabenes aus. Da wird es eine Lust, an den Reglern zu drehen. Der Lautsprecherknauf rechts will an die Präzision eines Tresors erinnern. Was ihm auch gelingt. Insgesamt sehen wir drei Rundungen auf der Front, alle im gleichen Durchmesser. Das schafft ein höchst geschlossenes Bild im Gesamtdesign. Links rollt der Knopf für die Quellenwahl. Aber besonders spannend: In der Mitte liegt ein rundes Display mit der Anzeige der gewählten Werte. Das wirkt entschlackt und schlau zugleich.

Copland Display
Das Display gibt Auskunft über die Quelle und ist ein Stil-bestimmendes Element auf der Front (Foto: Copland)

Wo ist der Ein/Aus-Schalter? Auf der Rückseite, gleich oberhalb der Stromzufuhr. Hier gibt es – typisch für viele Röhrenverstärker – zweimal drei Klemmen für die Lautsprecher – wahlweise für vier oder acht Ohm. Hinzu kommen vier Eingänge für Cinch-Zuspieler, dazu ein Quartett für die Tape-Schleife.

Copland CTA 408 Rear
Alles analog: vier Hochpegeleingänge, 1 x Record und eine umschaltbare MM/MC-Stufe (Foto: Copland)

Links davon wird es wunderbar opulent. Hier waltet die verkapselte Phono-Karte. Die nicht nur einen Kontakt für MM-Abnehmer anbietet, sondern auch MC-Tondosen verstärken und entzerren kann. Super – ein dickes Lob für diese seltene Zugabe im Mainstream der Verstärkerwelt.

Dazu gibt es noch einen weiteren Pluspunkt. Den man aber weniger mit den Augen, als mit den Fingern entdecken kann. Auf der rechten Seite hat Copland eine Muffe verbaut – hier geht es über den großen 6,3er Klinken-Standard mit einem Kopfhörerstecker hinein. Der Kopfhörer-Amp wurde in reinem Class-A aufgebaut – hier kann man extrem gute Signale abgreifen, keine Sparkonstruktion wie so oft bei Vollverstärkern.

Subtext bis hierhin: Ich bekomme nicht nur einen blendend konstruierten Vollverstärker, sondern dazu noch eine exquisite Phonostufe und einen highendigen Kopfhörerverstärker. Das muss man natürlich in Relation zu den Anschaffungskosten setzen. Leider: Eine XLR-Architektur ist nicht im Preis inbegriffen. Soll uns das verdrießen? Nein – das Gesamtkonzept ist wichtiger und stärker als das Parallel-Universum.

Copland CTA 408 Kühlrippen
Die Schlitze geben dem CTA 408 seine charakteristische Front (Foto: H. Biermann)

Hinter der Front sehen wir dezent die glühenden Klangaufbereiter hinter den Lüftungsschlitzen. Schauen wir unter die Haube und haben dabei gleich den einzigen Kritikpunkt in der Hand: Der gelochte Deckel klingelt beim Draufklopfen deutlich. Das finde ich etwas unwürdig. Steht der CTA 408 im Schallfeld der Lautsprecher, dürfte das bei höheren Pegeln wohl hörbar sein.

Doch wie viel Kraft vermag der CTA 408 an die Lautsprecherklemmen zu stemmen? So viel wie ein Schaltungskonzept mit dieser Röhrenbestückung üblicherweise erzeugt: pro Kanal liegen 75 Watt an.

Copland CTA 408 Vorstufenröhre
In der Vorstufe arbeiten zwei 12BH7, flankiert von zwei 6072A (Foto: Copland)

Das muss also eine Push-Pull-Architektur sein. Und genauso ist es. Die massive Kraft stammt aus vier KT150. Das ist einerseits ein Klassiker, zudem aber auch die Neuinterpretation der Bauform. An keiner Stelle wurde gespart. Das merkt man an seinem eigenen Bizeps: 25 Kilogramm wollen gestemmt werden. Den Großteil des Gewichts bringt der massige Ringkern-Trafo ein. Die Signalwege sind kurz, hier will der Entwickler auch beim Tempo den Turbo anwerfen.

Copland CTA 408 KT 150
Der große Ringkerntrafo (ganz rechts) und die Übertrager hieven das Gewicht des Copland CTA 408 auf über 25 Kilo (Foto: Copland)

Selbstverständlich gibt es auch eine Fernbedienung – ein weiterer Hinweis auf die Alltagstauglichkeit des CTA 408.

Copland CTA 408 Fernbedienung
Entspricht nicht ganz der soliden Optik des CTA 408: die Fernbedienung ist praktisch und liegt leicht in der Hand (Foto: H. Biermann)

Der Hörtest

Hören wir die technischen Vorgaben, die Pracht des Aufbaus? Ein klares Ja. Nur selten hat mich ein röhrenbasierter Vollverstärker im Hörraum mehr begeistert. Ich starte mit analoger Kost. Das posthume Album von Leonard Cohen ist auch auf Vinyl erschienen, die schlauen Sammler haben sich die limitierte Edition in weiß gesichert. Thanks for the Dance ist extrem direkt abgemischt worden. Kein Samt, kein roter Teppich, eher Knäckebrot. Da darf auch ein noch so romantischer Röhrenamp nicht falsche Zwischentöne beimischen. Knackig muss es sein, kathartisch fast – einem Abschiedswerk angemessen.

Leonard Cohen Thanks for the dance Cover
Thanks for the Dance ist ein prachtvolles Album. Und glücklicherweise auch auf Vinyl zu haben (Cover: Amazon)

Genau diese Werte hielt der Copland hoch. Das war prachtvoll, reich, nie angefettet. Dazu ein wirklich schöner Drive. Das löste sich schnell und hochinformativ von den Membranen. Schnell war uns klar: Dieser Amp ist kein Weichspüler, sondern ein Dynamik-Fetischist. Stattlich auch, wie er die Stimme des alten Mannes in den Raum stellte. Das spielte auf Weltklasseniveau. Wir haben etliche Konkurrenten aus unserem Regal der lebenden Testmuster gezogen und aufgetischt – kein einziger brachte es an die Spielfreude und die musikalische Richtigkeit des CTA 408.

Copland CTA 408 LowBeats Hörraum
Der Copland CTA 408 im kleinen LowBeats Hörraum, hier im Zusammenspiel mit der KEF R3 (Foto: H. Biermann)

Wo wir gerade beim Lebenswerk sind: Wie viele Gesamteinspielungen der Neun Symphonien von Beethoven hat Herbert von Karajan der Nachwelt hinterlassen? Es sind vier an der Zahl. Da gibt es einen frühen Zyklus aus London, leider nur in Mono konserviert. Dann die erste Aufnahme in Stereo mit den Berliner Philharmonikern, eine Neuauflage in den 70ern und final eine zwanghafte Vermächtnis-Interpretation angesichts der aufkommenden Digital-Ära der 80er Jahre.

Die beste Version? Ohne Frage der erste Stereo-Zyklus aus den 60ern. Die Liebe zwischen Orchester und Chefdirigent war frisch. Auch die Tontechniker der Deutschen Grammophon verstanden ihr Handwerk. Hunderttausendfach gibt es diese Aufnahmen als LP-Box. Wahrscheinlich der meistverkaufte Beethoven aller Zeiten. Ganz frisch hat die DGG die Masterbänder auch in die Neuzeit überführt – in 24 Bit und 92 Kilohertz. Ein Fest, ein Stück Kulturgut. Die UNESCO müsste es schützen. Jede Phrase ist klar und strotzt vor Energie. Unendlich viele musikalische Informationen auf kleinem Raum.

Ein Vollverstärker muss den Charme erkennen und die feine Binnendynamik. Wieder einmal überraschte mich der Copland. Massig die Eröffnungsschläge in der dritten Symphonie, brachial das Finale in der fünften. Enorm weit die Tiefenstaffelung mitsamt Chor und Solisten in der neunten Symphonie. Alles gelang dem Dänen auf den Punkt genau. Ein Hochmaß an Analyse und dazu das schönste Musizieren. Das ist genau der Mix, wofür wir High-End lieben und leben.

Meine Begeisterung für diesen Dänen war groß, aber wo ist er einzuordnen? Ich zog zwei Super-Verstärker zum Vergleich aus dem Referenz-Regal: den bärenstarken Atoll IN400SE,  bester Transistor-Amp unter 5.000 Euro, und den Octave V80SE, immerhin seit Jahren Röhren-Referenz bei LowBeats.

Beide Referenzen zeigten von unten heraus mehr Kraft, drückten über die Lautsprecher bei hart geschlagenen Trommeln mehr Energie in den Raum und brillierten bei jeder Art von Perkussion; vor allem der Octave überzeugte durch seine impulsiv-präzise Darstellung. Der Copland agierte im Bass etwas satter und sanfter. Seine enorme Kraft ließ den Atoll auch in den Mitten extrem locker spielen, aber doch auch etwas nüchterner. Jedenfalls um einiges nüchtener als der mitreißend lebendige Octave. Dennoch aber sammelte hier der Copland die meisten Pluspunkte: seine Mitten hatten etwas ungemein Prachtvolles und Leuchtendes.

Fazit

„Röhrenwatt zählen doppelt“, heißt es ja und nach dem Test des Copland CTS 408 wir können diese Audio-Weisheit nur unterstreichen. Die 2 x 75 Watt reichen für fast alle Fälle und bringen ein Maximum an Analyse und Feinheit. Alles ist an seinem Platz, alles hat Drive. Dazu stimmt der musikalische Inhalt – das Klangbild atmet, ist befreit und strahlt höchste Eleganz aus. Alles gelingt leicht, nirgends der Hauch von Stress.

Auch die Ausstattung lässt für einen Verstärker dieser Art keine Wünsche offen; die eingebaute MM/MC-Phonostufe ist sogar von erlesener Qualität. Wir können es kurz machen: Unterhalb 10.000 Euro ist er der beste Röhren-Vollverstärker, den wir kennen. Und derzeit einer der interessantesten Vollverstärker im High End überhaupt. Eine dicke Empfehlung!

Mit- und Gegenspieler:
Test Atoll IN 400 SE: bester Vollverstärker unter 5.000 Euro?
Test Octave V 80 SE: der Referenz-Vollverstärker

Copland CTA 408
2019/12
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Großes Panorama, kraftvoller Zugriff, feinste Auflösung, hohe Musikalität
Hohe Leistung: 2 x 75 Watt
Inklusive Phonostufe (MM/MC) und Class-A-Kopfhörerverstärker
Hohes Gewicht, gute Verarbeitung

Vertrieb:
ATR – Audio Trade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr
www.audiotra.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Copland CTA 408: 6.250 Euro