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Westend Audio Monaco chrom
Eine Trutzburg von einem Röhrenvollverstärker: der Westend Audio Monaco ist groß (47,0 x 22,2 x 37,3 cm, schwer (46,0 kg) und mit einem Preis ab 20.000 Euro gar nicht billig. Aber ein echter Traum (Foto: Westend Audio)

Test Röhrenvollverstärker Westend Audio Monaco

Kann ein Vollverstärker für 20.000 Euro viele HIFi-Fans begeistern? Man sollte meinen: nein. Aber falsch. Der Westend Audio Monaco tritt gerade einen erstaunlichen Siegeszug an. Sein Geheimnis: erstaunlich präziser Röhrenklang plus individuelle, perfekte Oberflächenbeschaffenheit. LowBeats hatte den Traumverstärker im Test – und gibt ihn wohl nicht mehr her…

Die noch junge Geschichte der Münchner High End Manufaktur Westend Audio ist auch die Geschichte zweier Männer, die es noch einmal wissen wollen. Der eine, Geschäftsführer Stefan Trog, ist hauptamtlich der Betreiber von Münchens schönstem HiFi-Laden, der 3. Dimension. Er kam quasi über die Oberfläche zum HiFi: Lange Zeit sorgte er für die perfekte Verchromung bei den Komponenten von Burmester und AVM.

Stefan Trog
Westend Audio Geschäftsführer Stefan Trog vor einem Monaco im eigenen HiFi Studio (Foto: H. Biermann)

Bei AVM lernte Trog den zweiten wichtigen Mann bei Westend Audio kennen: den Entwickler Günther Mania. Mania, einst Gründer (und heute immer noch Entwickler) von AVM, gilt als einer der begnadetsten (Transistor-) Verstärkerentwickler der Republik. Aber mittlerweile ist der sympathische Badener auf die Röhre gekommen. Mania: „Ich war früher immer der Meinung, dass Röhren nicht klingen können. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen. Unter anderem, weil der Transistor an seiner Leistungsgrenze hart klippt, das Klipping der Röhren ist hingegen viel sanfter. Deshalb zählen Röhrenwatt ja doppelt…“

Und damit ist auch diese Geschichte erklärt: Bei Westend Audio kann Stefan Trog solche Geräte bauen, die seinem eigenen Anspruch nach der perfekten Verarbeitung und Oberflächengestaltung genügen und Mania darf hier seine Passion zur Röhre ausleben. Und das macht er. Ausgiebig.

Der Aufbau des Westend Audio Monaco

Denn wie auch der kleine Westend Audio Leo (siehe Test) bezieht der Monaco seine Leistung aus den glimmenden Glaskolben. Allerdings sehr viel mehr als der Leo: Die vier Leistungsröhren des Monaco arbeiten nach dem Push/Pull-Prinzip. Damit kommt Mania auf 100 Watt pro Kanal an 4 Ohm. Und selbst an niederimpedanten Lautsprechern (wie beispielsweise den meisten großen Gauder Modellen) bleibt er absolut stabil. Das ist für einen Röhren-Amp sehr ungewöhnlich.

Günther Mania
Günther Mania zerlegte für uns einen Monaco in der Redaktion. Das dauerte nicht lange – ein Hinweis auf die Service-Freundlichkeit des Boliden (Foto: H. Biermann)

Doch der Monaco ist in vielen Belangen außergewöhnlich. So arbeitet Mania mit Gegenkopplung, die bei echten Röhren-Fans eigentlich verpönt ist. „Nicht viel“ wie er unterstreicht. „Aber so im Bereich von 10 dB, weil sonst die Arbeitspunkte auseinanderdriften.“

Der Monaco wirkt zwar vom Auftritt und vom Konzept (Röhre) her exotisch, hat aber die Alltagstauglichkeit eines klassischen Transistor-Amps – sofern man das einem 46-Kilo Röhrenboliden überhaupt unterstellen kann. Günther Mania hat in den letzten 35 Jahren hunderte klassische Verstärker entwickelt – allesamt extrem betriebssicher. Und das prägte auch seine Vorstellungen bei diesem Projekt.

So werden am Monaco tatsächlich nur die (geschützten) Röhren warm. Eine Fernbedienung erlaubt den bequemen Betrieb des Boliden vom Sofa aus. Und selbstredend muss man sich beim Monaco nicht um die optimalen Arbeitspunkte der Röhren sorgen oder diese womöglich mit Hilfe eines Voltmessers nachregulieren. Nein. Bei der Münchner Röhrentrutzburg läuft alles automatisch.

Dafür ersann der studierte Regeltechniker Mania einen Prozessor-gesteuerten Auto-Bias. Der macht auf Knopfdruck einen automatischen Abgleich der Arbeitspunkte der Leistungsröhren. Diesen Vorgang empfiehlt Mania, einmal pro Monat durchzuführen. Für alle Fälle. Kleines Bonmot am Rande: Mania programmiert die Prozessoren selbst. Und deshalb ist im Westend Audio Monaco so einiges Prozessor-gesteuert: die Arbeitspunkte der Röhren, die Lautstärke, die Pegelanpassung der einzelnen Eingänge, ja sogar die Helligkeit der LEDs. Wie gesagt: ein sehr außergewöhnlicher Röhren-Amp.

Die Endröhren sind vom Typ EL130. Ursprünglich wurde diese für militärische Zwecke entwickelt – zur Übertragung von Hochfrequenz-Signalen. Sie hat daher einen recht robusten Charakter, aber man muss aufpassen, dass sie sich nicht aufschwingt. Dafür muss man die Peripherie exakt auslegen.

Westend Audio Monaco Aufbau1
Die vier großen Leistungsröhren vom Typ EL130 sind paarweise selektiert. Das ist gerade beim Push/Pull-Betrieb enorm wichtig. Die Schutzgitter verhindern einen Kontakt, zerstören aber nicht die Aura des Gesamt-Kunstwerks (Foto: Westend Audio)

Die anpassbare Ansteuerung durch den Prozessor erlaubt auch den Einsatz anderer Röhrentypen als der EL 130 – die Ersatzröhren müssen nur ähnlicher Bauart sein. Dank der heute wieder erfreulich großen Auswahl ergibt sich also ein herrliches Experimentierfeld. Ich habe einen ganze Reihe (eingespielter) Röhrensätze am Monaco ausprobiert. Der Wechsel läuft absolut problemlos. Am Ende gefielen mir die Western Electric am besten. Aber das ist reine Geschmackssache.

Als Vorstufenröhren sorgen zwei ECC 82 pro Kanal für die Grundverstärkung, Mania: „Die Vorstufenröhre bestimmt den Klang“. Die ECC 82 gilt als eher „sanft“ klingende Röhre und wird deshalb in vielen Röhrenverstärkern gern eingesetzt.

Westend Audio Monaco ECC82
Doppeltrioden vom Typ ECC82 erledigen die Grundverstärkung. Auch sie sind elegant geschützt (Foto: H. Biermann)

Der Aufbau des Monaco ist durchgehend symmetrisch. Das heißt: das Signal wird beim Eingang symmetriert – auch das Signal der asymmetrischen Cinch-Eingänge. Die interne Spannung liegt bei 430 Volt. Das ist für eine Röhre jetzt gar nicht so hoch, dennoch ist der Monaco natürlich vielfach abgesichert. „Denn wenn mal etwas kaputtgeht“, so Mania, „fließen hier ganz schön hohe Ströme. Und die Goldsicherungen klingen einfach am besten.“

Einige Impressionen aus dem Inneren des Monaco:

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Westend Audio Monaco Netzteil
Zwei kleine, gekapselte Schaltnetzteile versorgen die Prozessoren und die Vorstufensektion. Gut zu sehen auch die Goldsicherungen (Foto: H. Biermann)
Westend Audio Monaco innen2
Die Platine des Westend Audio Monaco von unten: Oben rechts liegen die Zusatznetzteile, oben links die Prozessoren zur Steuerung der Röhren und der LED-Helligkeit (Foto: H. Biermann)
Westend Audio Monaco Sicherung
Im Monaco sind etliche Funktionen Prozessor-gesteuert. Deshalb finden sich im Inneren auch gleich drei der Vielfüßler (Foto: H. Biermann)
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Praxis

Allein das Anschalten ist eine Show. Die Einschaltautomatik braucht 30 Sekunden zum Hochfahren und signalisiert dies durch das schrittweise Anschalten aller LEDs. Davon hat der Monaco einige; auch die Höhe des Lautstärkepegels wird ja durch LEDs angezeigt. Nach diesem „Vorglühen“ sind die Röhren auf Betriebstemperatur und erst jetzt wird das Signal durchgeschaltet. Der Softstart verlängert das Röhrenleben erheblich.

Von den Anschlüssen her bleibt der Westend Audio Monaco klassisch-simpel: fünf analoge Eingänge, das war’s. Sein kleiner Bruder Leo bringt sowohl einen Phono- als auch einen Bluetooth-Eingang mit. Nichts davon im Monaco. Mania: „Wer auf diesem Qualitäts-Niveau Platte hören möchte, kauft sich eine entsprechend gute externe Stufe.“

Westend Audio Monaco Anschlüsse
Der Monaco hinten: Weil die Schaltung symmetrisch aufgebaut ist, gibt es etliche symmetrische Anschlüsse: 3 x XLR- und 2 x Cinch-Eingänge plus 1 x XLR- (variabel), 1 x Cinch-Ausgang mit Festpegel (Foto: H. Biermann)

Westend Audio Monaco: handmade in Munich

Die elektrischen Komponenten des Monaco entstehen in einer Fertigungsstätte im badischen Malsch, Zusammenbau, Abgleich und Oberflächenveredelung geschehen in München – letztendlich war die Stadt ja auch namensstiftend. Hier, im Westend Münchens, kommt alles zueinander. Und hier findet Trog auch die besten Zulieferer für die Metallarbeiten. Das ist ihm wichtig.

Westend Audio Monaco Aufbau2
Der Zusammenbau eines Monaco im Münchner Westend. In der kleinen Manufaktur entstehen bislang nur der Monaco und sein kleiner Bruder Leo (Foto: Westend Audio)

Die Verarbeitung des Westend Monaco ist ein Traum. Die Bedienelemente antworten mit einem satten Klicken der vergoldeten Relais auf jeden Befehl. Versucht man ihn zu anzuheben, stellt man fest: schwer. Sehr schwer. Fast einen Zentner bringt der Bolide auf die Waage und das liegt nicht nur an den wuchtigen Übertragern und dem massiven Trafo. Da ist einfach sehr viel schweres Metall im Spiel. Die Gehäusewände sind unterschiedlich stark. Das ermöglicht die Burg-ähnliche Formgebung.

Westend Audio Monaco Gehäuse
Bis zu 1 Zentimeter stark: die unterschiedlich starken Metallwände des Monaco (Foto: H. Biermann)

Das vielleicht überzeugendste Moment des Monaco ist seine superbe Oberfläche: komplett plan, keine Spaltmaße irgendwo. Hier ist Westend Audio Chef Trog in seinem Element. Er kennt die besten Oberflächen-Verarbeiter der Region; sein Anspruch ist hoch und seine Begeisterungsfähigkeit für jede schicke Oberfläche mindestens ebenso. Zum Appetitmachen lassen wir einfach mal Bilder sprechen: Hier eine kleine Auswahl von Oberflächen in der Slideshow:

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Westend Audio Monaco weiß
Der Monaco in Silber-Weiß ((Foto: Westend Audio)
Westend Audio Monaco black
Der Monaco in Schwarz (Foto: Westend Audio)
Westend Audio Monaco chrom
Der Monaco in Chrom (Foto: Westend Audio)
Westend Audio Monaco gold
Die Asien-Variante: der Monaco in Gold (Foto: Westend Audio)
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Aber, auch das ist einer der Vorzüge dieses kapitalen Röhren-Verstärkers: Er ist quasi in jeder Oberfläche zu haben. Vor einer Woche hatte Trog eine Version mit mattschwarzer Pulverbeschichtung im Laden. Wow! Das Matte der Oberfläche nahm dem Boliden etwas die Wucht…

So klingt der Monaco

Der Monaco war über viele Wochen im Hörraum und spielte gegen etliche Verstärker. Aber in der Regel machte er kurzen Prozess mit ihnen. Seine ungemein lebendige und selbstverständliche Spielweise ließ die Klangbilder des Monaco immer größer und feiner erscheinen. Die hartnäckigsten Gegner waren am Ende der kleinere 300B-Röhrenverstärker Leo, der bärenstarke Transistor Atoll IN 400SE und – wie konnte es anders sein – unsere langjährige Röhren-Referenz Octave V 80 SE.

Auch dem kleinen Bruder Leo konnten wir ja schon einen überragenden Klang attestieren. Und blieb der Pegel überschaubar und waren die angeschlossenen Lautsprecher einigermaßen effizient, klingt der Leo wenigstens ebenbürtig. Vor allem die enorm transparente Mittenwiedergabe des Leo ist meines Erachtens einzigartig. Doch im großen LowBeats Hörraum und an Lautsprechern mit dem üblichen niedrigen Wirkungsgrad – etwa der großen Canton A 55 – ist der Leo schnell überfordert.

Da braucht es Leistung. Der Atoll hat davon im Überfluss, er hat eine wunderbar unkapriziöse Form der Kraftentfaltung und eine ebenso natürliche, sehr geschmeidige Wiedergabe. Der Monaco aber ist spielfreudiger, quirliger. Der gesamte Mittelhochtonbereich sprüht regelrecht. Auch der Raum geht mit ihm deutlich weiter auf. Hier drückt die Röhre dem Klang ihren Charakter auf. Er klingt, könnte man sagen, transparenter und prachtvoller.

Auch mangelnde Leistung war mit dem Münchner nie ein Problem. Wir haben den Monaco selbst an solchen Wattsaugern wie der TAD Compact Evolution ausprobiert. „Null Problemo“ würde Alf sagen. Bis zu einem sehr hohen Pegel ließ der Monaco auch die kritische, aber ungemein faszinierende TAD leuchten.

Westend Audio Monaco vs Octave Audio V80SE
Octave V 80 SE und Westend Audio Monaco im LowBeats Hörraum an den Canton A 55 (Foto: H. Biermann)

Der Octave schafft das ebenfalls. Die langjährige LowBeats Referenz kann von unten ein unglaubliches Brett anschieben. Ein packendes Rennen, das der Monaco aber letztendlich mit einigem Vorsprung gewann. Bassdrums oder tieffrequente Elektro-Beats bekommen mit dem V 80 SE eine Habhaftigkeit und Struktur, dass es die wahre Freude ist. Ganz unten hat der Monaco etwas weniger Nachdruck. Die satten Bassdrum-Hiebe kommen bei ihm nicht mit dem gleichen, brachialen Nachdruck. Aber er ist insgesamt der lebendigere, offenere Verstärker. Stimmen kommen noch etwas freier, Gitarren-Obertöne haben noch etwas mehr „Luft“. Man hört einfach ein bisschen mehr: noch mehr Details, mehr Klangfarben. Der Münchner schafft das Kunststück, eleganter und zugleich informativer zu klingen.

Wie auch der Octave will der Westend Audio Monaco das Klischee des üblich warm-weichen Röhrenklangs nicht erfüllen. Sie zeigen eine beeindruckende Stabilität auch im Bass und im Grundton, das zeichnet beide aus. Aber der Monaco spielt halt noch ein Stückchen offener und authentischer.

Wir hatten eine Zeitlang die die wirklich faszinierende Arrivato von BetonArt (sehr bald im Test) zu Besuch in der Redaktion. Diese Standbox mit Extremgehäuse aus gegossenem Beton zeigt den meisten anderen Lautsprechern mit Holzgehäuse, wie sauber, impulsiv und ausdrucksstark der Grundton klingen kann. An dem Monaco öffnete die Arrivato die ganze Tiefe der Aufnahme. Die Kombination zauberte eine Dreidimensionalität in den Hörraum, die einen erst einmal schlucken lässt: Weil es so präzise, so anfassbar, so authentisch klang.

Auch einen Vergleich mit den großen Transistor-Boliden vom Schlage Gryphon 300, Mark Levinson 585 oder Hegel 590 muss der Monaco daher nicht fürchten. Seine Kombination aus Kraft und Feinsinn lässt ihn selbst in der kleinen Weltelite glänzen. Und damit ist auch erklärt, warum der große Westend Audio die Redaktion so schnell nicht wieder verlassen wird: er ist neue LowBeats Referenz.

Fazit

Der Westend Audio Monaco ist ein Statement: schwer, auffällig und gar nicht billig. Aber er ist ein Röhrenvollverstärker, der betriebssicher und kräftig ist wie ein Transistor, dessen charaktervolles Klangerlebnis nah an der Perfektion liegt, der eine Verarbeitung hat, die nicht nur Kenner verzückt und der sich mit einer Vielzahl edelster Oberflächen perfekt an die Einrichtung des Wohnzimmers/Hörraums anpassen kann. Viele HiFi-Fans sind ja auf der Suche nach ihrem „finalen“ Verstärker. Der Westend Audio Monaco hat das Zeug dazu.

Mit- und Gegenspieler im Test:
Test Octave V 80 SE: der Referenz-Vollverstärker
Test Westend Audio Leo: 300B Röhren-Amp mit 2 x 20 Watt
Test Atoll IN 400 SE: bester Vollverstärker unter 5.000 Euro?
Canton Anniversary im Familientest: A 55, A 45, A 35 und  45BS

Westend Audio Monaco
2019/12
Test-Ergebnis: 4,6
REFERENZ
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Herausragend lebendiger und selbstverständlicher Klang
Hohe Präzision, sehr gute Kontrolle
2 x 100 Watt und Stabilität bis 2 Ohm
Überragende Verarbeitung, große Oberflächenvielfalt

Vertrieb:
Westend Audio Systems

Siegenburgerstr. 10
81373 München
www.westendaudiosystems.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Westend Audio Monaco:  ab 20.000 Euro