Lyngdorf TDAI-1120 Test Aufmacherbild
Der Lyngdorf TDAI-1120 ist so etwas wie der ideale moderne Verstärker: klein, kräftig, klangstark sowie mit Streaming-Client und Room-EQ ausgestattet. Und das alles für unter 2.000 Euro (Foto: Lyngdorf)

Test Streaming-Amp Lyngdorf TDAI 1120

Moderne Technik wird oft mit Miniaturisierung verbunden. Damit das auch im HiFi-Bereich klappt, ist clevere Digital- und Schaltverstärkertechnologie gefragt. Lyngdorf hat mit dem Streaming-Vollverstärker Lyngdorf TDAI-1120 einen überzeugenden Vertreter dieser Art im Angebot. Der ist nicht nur platzsparend, sondern zugleich leistungsstark, energieeffizient und unglaublich gut ausgestattet. Inklusive einer wirkungsvollen Raumeinmessung. Dass er zudem mit knapp 2.000 Euro auch noch bezahlbar ist, freut ganz besonders. LowBeats konnte sich von den Qualitäten des TDAI-1120 im praktischen Einsatz überzeugen.

Im unserem kürzlich veröffentlichten Test des Streaming-Verstärkers HiFi Rose RS201E hatte ich schon angekündigt, noch einen artverwandten Vertreter dieser Spezies und Preisklasse vorstellen zu wollen. Here we go. Der Lyngdorf TDAI-1120 buhlt um die Gunst des gleichen Kundenkreises, lockt aber trotz vergleichbarer Grundfunktionen mit einem völlig anderen Konzept.

Der Reihe nach: Wie der Rose RS201E ist auch der kleine Lyngdorf ein integrierter Vollverstärker mit umfangreichen Streamingfunktionen plus einigen analogen Anschlussmöglichkeiten. Er ist auch nicht sehr viel größer (passt komfortabel in ein Regal oder auch auf einen Desktop) und kostet mit einem UVP von knapp unter 2.000 Euro ähnlich viel. Doch ab diesem Punkt gehen die beiden Konzepte weitgehend getrennte Wege.

Lyngdorf TDAI-1120 und HiFi Rose R201E
Der Lyngdorf TDAI-1120 im Größenvergleich mit dem kürzlich getesteten HiFi Rose RS201E. (Foto: F. Borowski)
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Lyngdorf TDAI-1120: In the Box

Werfen wir zunächst einen Blick in den Karton, wo wir von einer großformatigen Schnellanleitung und einer gedruckten Komplett-Anleitung in Englisch begrüßt werden. Ein deutschsprachiges Manual findet sich als PDF-Download auf der Produktseite des deutschen Lyngdorf-Vertriebs 3-h. Es ist in jedem Fall ratsam, die Onlineversion herunter zu laden. Die ist stets auf dem neuesten Stand.

Neben dem 10,1 x 30 x 26 cm (H x B x T) kleinen Verstärker gehört zum Lieferumfang ein Netzkabel und ein erfreulich hochwertiges Messmikrofon samt acht Meter langem XLR-Kabel und einem kompletten Mikrofonstativ. Damit steht schon mal fest, dass Lyngdorfs „RoomPerfect“ genannte Einmessfunktion keine einfache App-basierte Anwendung unter Verwendung eines Smartphone-Mikrofons ist. Das Mikro wird an der Rückseite des TDAI-1120 per XLR angeschlossen, alle Berechnungen finden im Gerät statt.

Lyngdorf TDAI-1120
Skandinavisch schlicht und sehr elegant. Das Gehäuse ist gut verarbeitet und kommt ohne Schrauben im Sichtbereich aus (Foto: F. Borowski)

Zwei Dinge sucht man vergeblich: Ein Klotznetzteil, was mich persönlich freut, und eine Fernbedienung. Letzteres mag zunächst enttäuschend sein, aber es ist nicht unüberlegtem Sparwahn geschuldet. Vielen Nutzern reicht die Bedienung per App – die es unter dem Namen „Lyngdorf Remote“ für iOS und Android gibt.

Wer nicht für jede Kleinigkeit (zum Beispiel kurz Mute drücken) ein Smart-Device in die Hand nehmen möchte, bekommt zum Aufpreis von 90 Euro eine sehr schöne Lyngdorf IR-Systemfernbedienung. Wer sie nicht braucht, muss sie demnach auch nicht bezahlen.

Lyngdorf_TDAI_1120 Fernbedienung
Die optionale Fernbedienung. Der Aufpreis: 90 Euro (Foto: F. Borowski)

Wer den TDAI-1120 als Desktop-Amp einsetzt, was meiner Meinung nach eine ganz ausgezeichnete Wahl ist, kann auf die IR-Fernbedienung auch verzichten, denn die wesentlichen Funktionen wie Power, Lautstärke, Mute und Quellenwahl liegen hier immer in Griffweite und die Musiksteuerung erfolgt in so einem Szenario mit Sicherheit über den Computer, vor dem man sitzt.

Damit habe ich auch schon die Bedienelemente der Gerätefront aufgezählt. Der große Lautstärkeregler zeigt über ein umlaufendes LED-Leuchtband die eingestellte Lautstärke an. Der kleinere Drehknopf dient zur Quellenwahl und per Druck schaltet er die Ausgänge stumm.

Lyngdorf TDAI-1120 innen
Blick unter die Motorhaube. Dank Class-D-Technik bietet der TDAI-1120 eine recht hohe Ausgangsleistung bei zugleich geringer Abwärme. Keine Riesen-Kühlkörper, keine Lüfter (Foto: F. Borowski)

Der wohl ungewöhnlichste Part der angenehm puristischen Front ist ihre linke Hälfte, die von einem dunklen Glas dominiert wird. Hier findet sich auch eines der gravierendsten Unterscheidungsmerkmale zum Rose RS201E, denn hinter dem Glas verbirgt sich kein hochauflösendes Grafikdisplay, sondern lediglich gedruckte Symbole für die Quellen und einige Betriebszustände, die im aktiven Zustand von LEDs beleuchtet werden.

So wie auch das ständig leuchtende Lyngdorf-Logo ganz unten links. Wie der Hersteller den TDAI-1120 auf seiner Produktseite und in den Broschüren mehrfach zeigt – mit einem Kreis aus 20 Symbolen (siehe folgende Bilder) – bekommt der Kunde sein Gerät praktisch nie zu sehen. Außer beim Zurücksetzen der Software in den Auslieferungszustand (Factory Reset). Im Betrieb werden nur die jeweilige Quelle und ggf. Zusatzsymbole angezeigt, wie etwa WLAN oder aktiviertes RoomPerfect.

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Lyngdorf TDAI-1120 Front
So präsentiert Lyngdorf den TDAI-1120, doch es sind nie alle Symbole gleichzeitig zu sehen (Foto: Lyngdorf)
Lyngdorf_TDAI_1120
Im Betrieb wird nur die Quelle und zum Beispiel das WLAN-Symbol angezeigt (Foto: F. Borowski)
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Die Dänen verzichten beim TDAI-1120 also komplett auf ein grafikfähiges Punktmatrixdisplay. Damit kann er im Gegensatz zu seinen größeren Geschwistern keinerlei Titelinformationen oder sonstige variablen Informationen am Gerät anzeigen. Geschweige denn farbige Album-Cover oder gar Videos, wie der Rose.

Über diese Entscheidung kann man trefflich streiten. Einige werden sagen, ein Gerät in dieser Preisklasse ohne Grafik-Display, das geht gar nicht. Man könnte allerdings auch einwenden, dass so ein Display in vielen Fällen ziemlich überflüssig ist. Der zuvor schon genannte Einsatzort am Desktop wäre so ein Fall, denn dort hat man alle Infos in der jeweiligen App auf dem Monitor. Je nach Abstand zum Display ist dieses im Wohnzimmer vielleicht auch gar nicht mehr vernünftig lesbar – oder der Hersteller hat sich für eine derart kleine Schrift entschieden, dass an ein Ablesen vom Sessel ohne Fernglas eh nicht zu denken ist. (Das ist teilweise auch beim Rose der Fall, womit ihm auch sein riesiges HiRes-Display nichts nützt.)

Meiner persönlichen Meinung nach stünde ein Display, wie es in den größeren Lyngdorf-Modellen verbaut wird, auch dem TDAI-1120 gut zu Gesicht. Aber das ist wohl eine Kosten/Nutzen-Entscheidung gewesen. Und ehrlich gesagt vermisse ich es im Betrieb auch nur selten.

Dafür hat der TDAI-1120 an anderen Stellen klare Vorteile gegenüber dem Rose zu verbuchen. Zu denen gehören das gezielt für den Amp entwickelte (statt billig zugekaufte) interne Netzteil, HDMI eARC, Subwoofer-Anschlussmöglichkeit und natürlich die Funktion zur Raumeinmessung.

Anschluss und Einrichtung: So einfach geht das

Den Rose RS201E hatte ich für seine gelungen einfache Einrichtung gelobt, die von einem Assistenten und dem großen Farbdisplay unterstützt wird. Dass es ganz ohne Display nicht komplizierter sein muss, beweist der Lyngdorf TDAI-1120.

Ich beschreibe die erste Inbetriebnahme einmal beispielhaft für Streaming-Fans und Nutzer von Roon: Zuerst den TDAI-1120 per LAN-Kabel mit dem heimischen Router verbinden, dann Lautsprecher anschließen, Netzkabel einstecken, Power-Taste an der Front drücken. Der TDAI-1120 muss nicht lange booten, er ist binnen einer Sekunde betriebsbereit. Über den Drehregler „Source/Mute“ wählen Sie „Roon“ als Quelle aus.

Lyngdorf TDAI-1120 Rear
Die Anschlüsse: Vielfältig und gut durchdacht (Foto: Lyngdorf)

In der Roon-App gehen Sie in „Einstellungen“ -> „Audio“. Dort müsste jetzt schon der TDAI-1120 als RoonReady-Device angezeigt werden. Klicken Sie auf „Aktivieren“. Anschließend starten Sie die Wiedergabe in Roon und schon spielt die Musik. Schneller und simpler geht das auch beim Rose nicht.

Lyngdorf TDAI-1120 Roon-Ready
Der TDAI-1120 ist RoonReady lizenziert und nach dem Aktivieren in den Roon-Einstellungen sofort spielbereit (Screenshot: F. Borowski)

Bis jetzt haben wir noch keinerlei Einstellungen im Setup des TDAI-1120 vorgenommen, aber schon jetzt zeigen sich ein paar sehr praktische Vorzüge. So lässt sich nicht nur die Lautstärke des Lyngdorf über Roon einstellen, er kann hierüber auch ein- und ausgeschaltet werden. Noch besser: Startet man in Roon Musik, schaltet sich der Lyngdorf automatisch ein, wechselt ggf. den Eingang auf Roon und spielt los. So sollte es sein, aber das ist absolut noch keine Selbstverständlichkeit für Streaming-Komponenten.

In Verbindung mit HDMI und einem daran angeschlossenen TV wird es noch praktischer. Dann erkennt der clevere Däne nämlich auch Steuerbefehle vom Fernseher und kann über dessen Fernbedienung in der Lautstärke geregelt werden. Natürlich wechselt er auch automatisch den Eingang, wenn der TV aktiviert wird, oder er legt sich schlafen, wenn die Glotze in Standby geschaltet wird.

Über meinen HDMI-CEC-fähigen TV, einen Panasonic DXW904 von 2016, funktionierte der Ton und auch Steuerbefehle wie An/Aus wurden korrekt verarbeitet, aber die Lautstärke ließ sich nicht über die TV-Remote regeln. Das lag offenbar allein an der CEC-Umsetzung meines TV. Lyngdorf versicherte mir, dass die allermeisten TVs, darunter auch aktuellere Panasonics, problemlos mit dem TDAI-1120 über HDMI funktionieren. Einschließlich der Lautstärkeregelung über die TV-Remote.

Lyngdorf_TDAI_1120 App

Steuerung per App und Webinterface

Ohne App braucht sich heutzutage kein Hersteller mit einer Digitalkomponente auf den Markt zu trauen. Der Kunde verlangt es so. Dabei ist App-Steuerung via Smartphone oder Tablet längst nicht immer der Weisheit letzter Schluss, was den Nutzungskomfort angeht.

Lyngdorf hat für seine streamingfähigen Komponenten natürlich auch eine App im Angebot. Die beschränkt sich im Kern auf ein paar Steuerungsfunktionen, wie Lautstärke, Quellenwahl und Raumakustik-Presets. Alles darüber Hinausgehende bewerkstelligt ein Webinterface. Das ist über die App direkt aufrufbar, kann aber auch durch Eingabe der IP-Adresse im lokalen Netzwerk in jedem Webbrowser genutzt werden. Also auch auf dem Mac oder PC.

Im Home Screen des Webinterface finden sich zunächst die von der App gewohnten Steuerelemente wieder und die aktuelle Titelwiedergabe wird angezeigt. Kritik: Speziell in der App aber auch im Webinterface sind einige Texte und Steuerelemente unnötig klein. Der Bildschirmplatz wird teilweise schlecht ausgenutzt.

Die wahre Funktionsvielfalt des TDAI-1120 offenbart sich im Menü „Setup“. Hier lassen sich unzählige Parameter einstellen, die Ein- und Ausgänge konfigurieren, eine Einschalt- und Maximallautstärke festlegen, Software-Updates laden und nicht zuletzt die RoomPerfect-Einmessung starten. Hier ein paar Screenshots aus dem Webinterface:

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Lyngdorf TDAI-1120 Home Screen
Der Home Screen mit den wichtigsten Steuerungsfunktionen (Screenshot: F. Borowski)
Inputs: Nicht benötigte Eingänge lassen sich deaktivieren (Screenshot: F. Borowski)
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Outputs: Hier kann auch ein Subwoofer eingerichtet werden (Screenshot: F. Borowski)
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Hier kann unter anderem der RoomPerfect-Wizard gestartet werden (Screenshot: F. Borowski)
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Voicing: Zusätzlich zur Einmessung können gezielte Klangabstimmungen für unterschiedliche Wiedergabesituationen genutzt werden (Screenshot: F. Borowski)
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Das Audio Setup (Screenshot: F. Borowski)
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Auch für HDMI lassen sich einige Parameter anpassen (Screenshot: F. Borowski)
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Im Streaming Setup kann unter anderem festgelegt werden, ob der Eingang automatisch umgeschaltet werden soll, wenn z. B. in Roon Musik gestartet wird (Screenshot: F. Borowski)
Allgemeine Einstellungen wie Auto Power Off und Display-Helligkeit. Mein Wunsch: Das Lyngdorf-Logo sollte im Standby wahlweise ganz abgeschaltet werden können (Screenshot: F. Borowski)
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Software-Management: Hier können auch Backups der RoomPerfect-Einmessungen auf USB-Sticks übertragen werden (Screenshot: F. Borowski)
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Raumeinmessung mit „RoomPerfect“

Das sehr komplexe Thema Raumakustik-Optimierung haben wir bei LowBeats schon oft behandelt, weil es einfach so wichtig ist. Die besten Lautsprecher der Welt sind rausgeschmissenes Geld, wenn die Raumakustik nicht mitspielt. Neben aufwendigen passiven Maßnahmen durch gezielte Anbringung wirksamer Akustikelemente spielen digitale Einmessfunktionen eine immer größere Rolle. Das Problem: Viele davon sind in ihrer Wirksamkeit stark begrenzt und schaden dem Klang im schlimmsten Fall sogar mehr, als ihn zu verbessern.

Die Lyngdorf-Einmessung erfolgt über ein mitgeliefertes Messmikrofon, das mit einem ebenfalls beiliegenden, acht Meter langen XLR-Kabel an der Rückseite des Gerätes angeschlossen wird. Alle Berechnungen finden im Gerät statt. Gestartet wird der Vorgang über das Webinterface im Menü Setup -> RoomPerfect setup.

Lyngdorf_TDAI_1120 Einmessung
Zum Lieferumfang gehört nicht nur ein hochwertiges Mikrofon. Auch das Stativ und ein acht Meter langes XLR-Kabel sind dabei Foto: F. Borowski)

RoomPerfect analysiert sowohl die Lautsprecher- als auch die Raumantwort (power response). Dafür sind mehrere Messungen an unterschiedlichen Stellen im Raum erforderlich. Je mehr Messpositionen erfasst werden, desto genauer lernt das System den Raum kennen.

Begonnen wird immer mit der sogenannten „Focus“-Position, womit der Punkt im Raum gemeint ist, an dem der Hörer die Musik gerade genießen will. Das muss nicht ausschließlich der Sweet Spot im Stereodreieck sein. Es lassen sich mehrere Focus-Punkte einmessen. Wer beispielsweise gerne mal abseits des Stereodreiecks seitlich auf dem Sofa Musik genießen möchte, kann diesen Platz als zusätzliche Focus-Position erfassen und später einfach in der App zwischen verschiedenen Focus-Positionen umschalten.

Zunächst wird aber mit dem primären Hörplatz begonnen, der in aller Regel im Sweet Spot zwischen den Lautsprechern liegen sollte. Anschließend werden etwa fünf oder mehr zusätzliche Messungen an zufälligen Punkten im Raum vorgenommen.

Klingt komplizierter als es ist. Über den Button „Start Guide“ im RoomPerfect-Setup wird der Nutzer durch alle notwendigen Schritte geführt. Am besten startet man die Prozedur über ein Tablet oder Smartphone und hält sich damit während der Messungen irgendwo ruhig im Hintergrund auf. Auch sonst sollte die Umgebung möglichst still sein. Türen und Fenster also besser schließen.

Die Messtöne von RoomPerfect sind ziemlich ungewöhnlich. Es ist kein Rosa Rauschen und auch kein Sinus-Sweep. Am ehesten erinnern mich die Geräusche an UFO-Sounds aus einem Fünfzigerjahre Science-Fiction Film. Irgendwie spacig.

Lyngdorf_TDAI_1120 im Hörraum
Auch für die Einmessung eines Desktop-Setups erwies sich RoomPerfekt als äußerst nützlich (Foto: F. Borowski)

Der Assistent zeigt beim ersten Start an, welcher Pegel am Gerät eingestellt werden sollte. Dann startet man die Prozedur erneut. Erst wird der linke, dann der rechte Lautsprecher mit je zwei unterschiedlichen UFO-Sounds beschickt. Wie lange das jeweils dauert, hängt vom eingestellten Pegel und den Umgebungsgeräuschen ab.

Ein Vorteil der Lyngdorf-Methode ist, dass kurzzeitige Störgeräusche wie ein Husten oder ein knackender Stuhl nicht wie bei einem kurzen Sweep das Messergebnis und damit die Antwortkurve verfälschen. Dafür kann es schon mal eine halbe bis eine Minute pro Messung dauern. Am besten warnen sie vorher Mitbewohner, dass Ungewöhnliches aus dem Raum erklingen wird.

Nach der Focus-Messung wird die Prozedur an mehreren anderen Stellen im Raum wiederholt. Die Messpunkte können beliebig gewählt werden, müssen aber einen Mindestabstand von einem Meter zu den Lautsprechern sowie einen halben Meter zu den Raumbegrenzungen einhalten.

Die UFO-Invasion ist nach etwa vier bis sechs Messdurchgängen und ca. zehn Minuten vorbei, wenn im Assistent angezeigt wird, dass der sogenannte „RoomKnowledge-Wert“ mindestens 90% erreicht hat. Dann kann die Einmessung beendet werden. Für bessere Ergebnisse empfiehlt Lyngdorf aber so lange weitere Messungen hinzuzufügen, bis 95% oder mehr erreicht sind.

Ich habe die Prozedur mit verschiedenen Lautsprechern in unterschiedlichen Positionierungen vorgenommen, darunter auch eine Einmessung am Desktop mit den Wilson Audio TuneTot. Der Vorgang selbst ist kinderleicht und der Zeitaufwand hält sich stark in Grenzen. Dank der Möglichkeit, eine Einmessung auf USB-Stick abspeichern zu können, lassen sich verschiedene Setups recht schnell und unkompliziert wieder herstellen.

Wie gut funktioniert RoomPerfect?

Lyngdorfs Ansatz zur Raumeinmessung ist deutlich anspruchsvoller und auch wirkungsvoller als die meisten App-basierten Einmessungen, wie sie sich beispielsweise in Geräten von Sonos, Nubert und anderen Lifestyle-Systemen finden. Aber sie ist bei weitem nicht so komplex und wirksam wie unsere Referenz von Trinnov, z. B. in der Streaming-Vorstufe Amethyst.

So kann RoomPerfect beispielsweise keine Phasendrehungen kompensieren. Die Messergebnisse werden dem Nutzer auch nicht sichtbar gemacht. RoomPerfect ist vielmehr ein „Set-and-forget“-Instrument, mit dem auch Nicht-Profis schnell und einfach zu guten Ergebnissen kommen. Eine Anpassung ist dennoch nachträglich über das sogenannte Voicing möglich. Gleich mehr dazu.

In meinen Versuchen mit RoomPerfect ergaben sich stets eindeutige Verbesserungen des Klangs. Was, wie schon erwähnt, keineswegs selbstverständlich ist. Insbesondere im Bass, wo sich grundsätzlich die meisten Auswirkungen offenbaren, hatte ich anfangs sogar das Gefühl, eine etwas fundamentalere und sattere Wiedergabe als im Vergleich zum Trinnov zu erleben. Das stellte sich zwar nach etwas längerem Hören als Trugschluss heraus, weil der Bass zwar sauber und satt, aber längst nicht so gut konturiert war wie mit dem Trinnov. Im Vergleich zu simpleren Einmesslösungen überzeugte das Ergebnis dennoch, weil der Lyngdorf Raummoden sehr effektiv kompensierte.

Besonders bei der Einmessung im Nahfeld am Desktop fiel auf, dass auch hohe Frequenzen von RoomPerfect adäquat berücksichtigt und angepasst werden. Simple Einmessfunktionen arbeiten oft nur im Bassbereich. Was zunächst beim schnellen A/B-Vergleich (die Einmessung kann mittels Bypass im laufenden Betrieb deaktiviert werden) wie ein Rückschritt in Sachen Hochtonpräsenz und verringerte Auflösung wirkte, erwies sich bei längerem Hörgenuss als genau richtige Dosierung für ein entspanntes Nahfeld-Hören über viele Stunden.

Das Wichtigste überhaupt: Die Musik verlor mit der RoomPerfect-Einmessung nicht an innerem Zusammenhalt. Sie verflachte nicht. Kurz: die Musikalität blieb erhalten. Genau dies ist vielen anderen Lösungen dieser Art anzukreiden: Was nützt ein lineal-glatt gerechneter Frequenzgang, wenn es damit nur noch steril und öde klingt?

Lyngdorf TDAI-1120: Voicing – quasi das „Gewürzregal“

Über die Einmessung hinaus gibt es noch eine andere Möglichkeit zur Klanganpassung namens „Voicing“ (dt.: Abstimmung oder Intonierung). Dabei handelt es sich nicht etwa um lyngdorfsche Geschmacksvarianten, sondern um vorgegebene oder selbst erzeugte Filterkurven, mit denen die Klangbalance beispielsweise für Filmgenuss, Easy Listening, Sprache, ein besonders luftiges Klangbild oder für einen beliebigen Hörgeschmack angepasst werden kann. Die Voicing-Filter werden nachträglich auf die Einmessung angewandt (IIR Filter Stacking).

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Lyngdorf TDAI-1120 Voicing
Im Menü stehen vom Werk aus 16 vorkonfigurierte Voicing-Filter zur Verfügung. Eigene können hinzugefügt werden (Screenshot: F. Borowski)
Lyngdorf_TDAI_1120
Nachträglich angewandte Voicing-Filter erlauben individuelle Anpassungen (Screenshot: F. Borowski)
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Die Ergebnisse mit aktiviertem Voicing gefielen mir nicht ganz so gut, denn damit passierte genau das, was nicht sein sollte: das Klangbild verflachte etwas und verlor ein wenig von seiner inneren Spannung. Aus diesem Grund habe ich das Voicing im weiteren Verlauf des Tests nicht genutzt. Und auch deswegen, weil ich in einer künstlich veränderten Tonalität keinen echten Vorteil sehe. Eine gelungene neutrale Abstimmung passt für alles. Da muss nichts weiter schöngefärbt werden. Aber das ist natürlich auch Geschmacksache. Das Voicing-Feature an sich ist eine tolle Sache, die dem Nutzer große Freiheitsgrade bei der persönlichen Klangabstimmung gibt.

Lyngdorf_TDAI_1120 auf dem LowBoard
Der Lyngdorf TDAI-1120 im Einsatz (Foto: F. Borowski)

Der Lyngdorf TDAI-1120 im Hörtest – da wippt der Fuß

Schaltendstufen, wie im TDAI-1120 verbaut, sind konzeptionell vielleicht einfach zu realisieren. Sie aber auch gut klingen zu lassen, ist eine Kunst. Dass Lyngdorf diese Kunst beherrscht, hat nicht erst die hier getestete Stereo-Endstufe SDA-2400 bewiesen. Der Lyngdorf TDAI-1120 setzt auf eine etwas abgespeckte Variante derselben Schaltung und leistet damit sehr ordentliche 2x 120 W an 4 Ohm. Mit einem maximalen Ausgangsstrom von 30 A reicht das mit den allermeisten Lautsprechern am Markt für gepfefferte Pegel.

Viel wichtiger als maximale Lautstärke ist aber, dass der Amp bei allen Pegeln – insbesondere auch den niedrigen und mittleren – stets musikalische Qualitäten vermitteln und emotional ansprechen kann. Das gelingt dem TDAI-1120 beeindruckend gut.

Der Amp hatte weder mit meinen Standlautsprechern von Børresen, noch mit den Wilson Audio TuneTot und auch nicht mit den kleinen ELAC BS 312 die geringsten Schwierigkeiten. Das dynamische Spektrum oder, wenn man so will: die Souveränität seiner Darbietung, könnte bei nicht eingeweihten Hörern einen deutlich größeren, leistungsstärkeren Amp hinter dem Vorhang vermuten lassen. Eine Eigenschaft, die ein wenig an das Phänomen erinnert, welches die Kombi Exogal Comet/Ion PowerDAC zu meiner bis dato ungeschlagenen Referenz gemacht hat. Auch wenn der Lyngdorf diesem deutlich teureren Gespann letztlich nicht das Wasser reichen kann.

Fazit – Weltstarpotential!

Einer der größten dänischen Exportschlager ist Mads Mikelsen. Der in Kopenhagen geborene Schauspieler hat es bis nach Hollywood geschafft und ist inzwischen gefühlt in jedem zweiten Film zu sehen. Und in jedem davon liefert er eine tolle Performance. Dem Lyngdorf TDAI-1120 könnte auf seinem Gebiet ein ähnlicher Erfolg bevorstehen. Zumindest wünsche ich ihm das.

Es ist vor allem sein ausgewogenes und bis ins Detail gut durchdachtes Konzept, was mir den Lyngdorf so sympathisch macht. Er ist klein, stark aber energieeffizient, hat alle wichtigen Anschlüsse und unterstützt so ziemlich jede relevante Streamingoption. Er hat eine tolle Bedienung mit praktischen automatischen On/Off-Funktionen, eine überdurchschnittlich gute Raumeinmessung und klingt auch noch bestens. Last but not least: Er ist bezahlbar.

Tatsächlich fällt es mir schwer, irgendwelche nennenswerten Kritikpunkte zu finden, die zu einem Punktabzug führen könnten. Damit steht fest: Der Lyngdorf TDAI-1120 ist unsere neue Preisklassenreferenz für Streaming-Vollverstärker.

Lyngdorf TDAI-1120
2020/12
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamisch, lebhafter Klang
Hohe Leistung und Energie-Effizienz
Einfache Einrichtung und Bedienung
Gute Einmessfunktion

Vertrieb:
DREI H Vertriebs GmbH
Stormsweg 8
22085 Hamburg
Deutschland
https://3-h.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Lyngdorf TDAI-1120: 1.990 Euro

Technische Daten

Lyngdorf TDAI-1120
Konzept:Streaming-Vollverstärker mit Raum_EQ
Leistung:2 x 120 W an 4 beziehungsweise 2 x 60 W an 8 Ohm
Besonderheit:Raumeinmessung „Room Perfect“ mit hochwertigem Messmikrofon
Digitale Eingänge: (Asynchron): 2x Coax (≤192kHz/24bit) 2x Optisch (≤96 kHz/24bit) 1x HDMI eARC (≤24 bit/192 kHz)
Dateninterface:1 x RJ45 Ethernet LAN, 1 x USB (Typ A)
Analoge Eingänge:1 x Phono (RIAA / 47kOhm 100pF), 1x Stereo-Cinch, 1x Microfon (XLR) für RoomPerfect-Einmessung
Analog Ausgang:1 x Stereo-Cinch (Line Out); kann auch als Subwoofer-Ausgang mit Frequenzweichenfunktion genutzt werden
Mediaplayer:Internet Radio (vTuner), Spotify Connect, Roon Ready, Chromecast built-in, UPnP/DLNA, AirPlay2, Bluetooth, lokale Wiedergabe von USB-Massenspeicher
Drahtlos:Bluetooth, Wi-Fi (802.11 n, 2,4/5GHz mit WPS-Schnellverbindung, innenliegende Antennen)
Abmessungen (B x H x T)
30,0 x 10,1 x 26,1 cm
Gewicht:8,0 Kilo
Alle technischen Daten
Mehr von Lyngdorf:

Test Lyngdorf SDA-2400: Class-D-Stereo-Endstufe mit musikalischem Schmelz
Test: Lyngdorf TDAI-3400 – Raumkorrektur & Streaming

Mit- und Gegenspieler:

Test Kompaktbox Wilson Audio TuneTot: der ultimative Highend-Monitor
Test HiFi Rose RS201E: Smarter Streaming-Amp mit Riesen-Display
Streaming-Vorstufe Trinnov Amethyst mit Profi-Einmessung


Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.