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DTS Virtual:X und Dolby Surround Lautsprecher Virtualisierung erklärt und per Kunstkopf zu vergleichen (Foto: R. Vogt)
DTS Virtual:X und Dolby Surround Lautsprecher Virtualisierung erklärt und per Kunstkopf zu vergleichen (Foto: R. Vogt)

Vergleich: Was können DTS Virtual:X und Dolby Surround mit Virtualizer?

DTS:X oder Dolby Atmos: Sie können gar nicht so viele Lautsprecher aufstellen und aufhängen wie eigentlich gebraucht werden? „Kein Problem“, sagt die Industrie: „Virtuelle Lautsprecher können das ergänzen.“ Stimmt das? LowBeats macht die Probe aufs Exempel und zeigt auf, was DTS Virtual:X und Dolby heute können – und was nicht. Wir haben dafür eine Vielzahl von Kunstkopf-Aufnahmen gemacht.

Formatauswahl bei DTS Virtual:X und Dolby Atmos Quellen (Animation: R. Vogt)
Formatauswahl für DTS:X und Dolby Atmos Quellen bei Denon (Animation: R. Vogt)

Aber zuerst einmal zum Hintergrund: Was passiert bei der Virtualisierung eigentlich und wer braucht das überhaupt? Die Idee und Vorgehensweise bei dieser Anwendung: Alle Kanäle, die eine Quelle liefert, werden im AV-Receiver decodiert, in diesem Falle eine maximale Konfiguration von 7.1.4 Kanälen. Wer alle Kanäle mit echten Lautsprechern umsetzen kann und dementsprechend „diskret“ hört, bekommt gar keine Virtualisierung angeboten. Perfekt.

Angenommen aber, man kann oder will gar keine Deckenlautsprecher und nur zwei Surround-Kanäle verwenden. Üblicherweise würden nun bei DTS:X und Dolby Atmos die fehlenden Kanäle in den nächstgelegenen Lautsprecher gepackt. „Downmix“ heißt das und bedeutet, dass etwa die Front-Links-Höhen-Information dem tatsächlich vorhandenen linken Frontlautsprecher unten zugeführt werden. Es geht kein Ton verloren, aber die Rauminformation ist kompromittiert. Das gilt erst recht, wenn man nur ein 2.0-Stereo-Setup verwendet. Alle Vorne/Hinten- und Oben/Unten-Information und damit viel des Mittendrin-Gefühls gehen dann verloren.

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LowBeats "Alfred" Neumann Kunstkopf währen der Aufnahmen im Testkino (Foto: R. Vogt)
LowBeats „Alfred“ Neumann Kunstkopf während der Aufnahmen im Testkino (Foto: R. Vogt)
Alfreds bester Kumpel: LowBeats Kollege und Toningenieur Jürgen Schröder währen der Session (Foto: R. Vogt)
Alfreds Kumpel: LowBeats Kollege und Toningenieur Jürgen Schröder (Foto: R. Vogt)
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Die Virtualizer machen sich gewisse Eigenarten unseres Hörapparates zunutze. Dieser gewinnt Richtungsinformationen aus Zeit-, Phasen und Frequenzgangs-Informationen – Stichwort: Außenohr-Übertragungsfunktion (HRTF). Die Virtualizer versuchen, das Audiosignal der nicht vorhandenen Lautsprecher entsprechend so für das Gehör vorzubereiten, dass der Eindruck entsteht, als käme der Schall von einem – eben nur virtuellen – Lautsprecher.

Um herauszufinden, wie gut das Ganze heute schon funktioniert, haben wir während der Tests mit dem Denon AVR-X3600H viel gehört, aber auch alle Varianten mit unserem professionellen Kunstkopf-Mikrofon (Position: auf dem Sweet-Spot Hörplatz) zum Nachhören und Vergleichen aufgenommen.

Im LowBeats Testkino steht permanent installiert ein Set aus drei großen Frontlautsprechern, zwei seitlichen und zwei rückwärtigen Surrounds sowie an der Decke hängenden Vorne-Oben- und Hinten-Oben-Speakern, also noch einmal vier Deckenlautsprechern. Das ist ein klassisches 7.0.4-Setup, aufgebaut mit feinen Studiomonitoren von JBL und Focal. Den Subwoofer haben wir für diesen Test bewusst außenvor gelassen.

Bei der Aufnahme: DTS:X virtualisiert auf 5 Kanäle (Foto: R. Vogt)
Bei der Aufnahme: In diesem Falle DTS:X virtualisiert auf 5 Kanäle (Foto: R. Vogt)

Zum Ablauf: Wir haben den AV-Receiver einmal diskret mit allen 7.0.4 Lautsprechern die Testsignale von DTS und Dolby spielen lassen. Optimale Bedingungen, alles perfekt auf Sweet-Spot mit Audyssey per App eingemessen. Im zweiten Durchgang haben wir dann nur noch die drei Frontlautsprecher und die seitlichen Surrounds verwendet, ein klassischer 5-Kanal-Surround-Aufbau. Und im dritten Durchgang waren es dann nur noch die zwei Stereo-Frontlautsprecher. Das Ausgangssignal war stets dasselbe Testsignal mit 7.1.4 Kanälen von Dolby mit Rauschen und DTS Kanal-Ansagen mit 7.0.4 von den jeweiligen Test-Blu-rays.

Bevor wir zu den Aufnahmen kommen, noch ein Wort zum Abhören. Das sollte unbedingt mit Kopfhörern geschehen. Kunstkopf-Aufnahmen (Binaural) klingen über Lautsprecher unrealistisch!

Hörbeispiele 1: DTS:X ohne Virtualisierung und mit Virtual:X

Hier die Beispiele von DTS:X. Zunächst die Aufnahme mit allen 7.0.4 Kanälen diskret, jeder Kanal wird durch einen realen Lautsprecher wiedergegeben. Das ist sozusagen der Maßstab.

Hier das gleiche mit nur 5 Lautsprechern, 3x Front und 2x Surround

DTS:X Downmix auf 5.0

DTS Virtual:X auf 5.0

Hier das Extrembeispiel mit Wiedergabe in Stereo, 2x Front

DTS:X Downmix auf 2.0 Stereo

DTS Virtual:X auf 2.0 Stereo

Hörbeispiele 2: Dolby Atmos mit und ohne Virtualisierung

Und nun die Hörbeispiele von Dolby Atmos. Zuerst wieder die Aufnahme mit allen 7.0.4 Kanälen, jeder Kanal mit einem realen Lautsprecher wiedergegeben. Das dient als Referenz.

Hier das gleiche mit nur 5 Lautsprechern: 3 x Front und 2 x Surround

Dolby Atmos Downmix auf 5.0
leer

Dolby Surround mit Lautsprecher-Virtualisierung auf 5.0

Hier das Extrembeispiel: Wiedergabe in Stereo, 2 x Frontspeaker

Dolby Atmos Downmix auf 2.0 Stereo
leer

Dolby Surround mit Lautsprecher-Virtualisierung auf 2.0 Stereo

Fazit: DTS contra Dolby Virtualizer

Als Fazit kann man festhalten: Keine Virtualisierung ersetzt eine echte Schallquelle. Das war ja auch nicht zu erwarten. Verblüffend gut gelang Dolby in dieser Testanordnung die Abbildung der virtualisierten Front-Höhen-Kanäle. Gut ist auch, dass beide Virtualizer tatsächlich zunächst alle Tonspuren (in den Testsignalen 7.0.4 bei DTS und 7.1.4 bei Dolby) decodieren und nicht einfach etwas hinzudichten. Als Beleg dafür ist beispielsweise im Stereo-Downmix völlig korrekt nach Vorschrift der LFE-Kanal nicht enthalten, in der Virtualisierung ist die Bass-Information klar dabei.

Oft unterscheiden sich auch im Film oder Konzert die Tonmischungen für Immersive Audio, klassische Surround-Wiedergabe und Stereo erheblich. Hier haben wir Anwender nun die Möglichkeit, selbst bei kleinerer Lautsprecher-Bestückung den vollen Mix zu genießen. Auch die Upmixer DTS Virtual:X und Dolby Surround mit aktivierter Virtualisierung arbeiten detaillierter.

Klanglich unterscheiden sich die zwei Lösungen nicht unerheblich: Via Dolby virtualisierte Kanäle klingen etwas schlank, mit DTS virtualisierte Informationen klingen etwas nach „Loudness“ und sind stets ein wenig zu laut.

Selbst wenn mit den statischen Demo-Signalen unserer Klangbeispiele die Ortung nicht so auf den Punkt gelingt, wie es das Marketing der Hersteller suggerieren mag, gewinnt man mit Film und Musik doch stets an Plastizität und Räumlichkeit. Und: Probieren Sie es im eigenen Kino einfach mal aus, es kostet nichts extra und dabei kann ja auch nichts kaputt gehen. Die LowBeats Redaktion wünscht viel Spaß beim Experimentieren!

Neumann Kunstkopf bei Virtual:X Testaufnahmen (Foto: R. Vogt)
Auch Alfred rät: Probiert es aus! (Foto: R. Vogt)

Im Beitrag erwähnt:
Denon und Marantz Audyssey MultEQ Editor App
Technik-Wiki: Binaurale Aufnahmen
Test Denon AVR-X3600H
Das LowBeats Testkino – mehr Atmos trotz Auro