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Fahrbericht Volvo XC60 mit B&W Sound
Fährt gut, klingt gut: Der neue Volvo XC60 betört mit Bowers & Wilkins (Foto: S. Schickedanz)

Schon gefahren: Neuer Volvo XC60 mit B&W im Soundcheck

Anfangs des Jahres fuhr ich den Volvo V90 T6 AWD und war total begeistert von einem Auto, das ich eigentlich schon auf Grund seiner Größe überhaupt nicht brauche. Einfach, weil er so stilvoll daherkommt, weil man sich innen rundum wohl und sicher fühlt und weil er die Ohren mit einer der besten ab Werk angebotenen Anlagen auf diesem Planeten verwöhnt. Und genau jenes magische Bowers & Wilkins Sound-System findet sich jetzt in leicht abgespeckter Form – dafür noch günstiger – im todschicken Volvo XC60. Das neue SUV tritt in die Fußstapfen eines Stars im mittleren Segment, der immerhin 10 Prozent Marktanteil für sich verbuchen konnte. Was beachtlich ist für eine Marke, die eigentlich nie Mainstream sein wollte – und konnte.

Zwar konnte ich den XC 60 nur einen halben Tag im Wechsel mit einem Kollegen vom Tagesspiegel erleben, aber diesmal fand ich eigentlich nur eine Sache zu kritisieren: Das selbst im Sport-Modus wenig präzise Lenkgefühl ist wieder mal nicht meine Sache. Punkt. Damit können wir uns den Pluspunkten zuwenden. Selbst mit dem kleinen Diesel-Motor – ein Vierzylinder mit 2.0 Litern Hubraum und 190 PS – fühlt sich das knapp 2 Tonnen schwere SUV keinesfalls träge an. Das gilt erst recht für die 1.100 Watt starke Anlage mit ihren 15 Lautsprechern. Zwar sind das etwas weniger Chassis als im (innerhalb des Modellprogramms der Schweden darüber angesiedelten) Kombi V90, doch kann von spürbarem Verzicht keine Rede sein – zumal das bisherige Harman/Kardon-System des skandinavischen Rivalen von Audi Q5 und BMW X3 mit 14 Lautsprechern auskommen musste.

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Okay, den Volvo V90 habe ich noch einen Tick wärmer und zarter im Stimmbereich in Erinnerung, doch ansonsten ließ das Bowers & Wilkins System nichts anbrennen. Seine Dynamikreserven sind für diese Preisklasse famos, zumal nie der Eindruck von Anstrengung entstand. Was den Bass betrifft, trägt das System im SUV sogar noch etwas dicker auf als im Kombi. Da sind wir aler immer noch meilenweit weg von Übertreibung. Schließlich kommt der extrem satte Bass sehr sauber aus den Lautsprechern und kann auf der Fahrt trotz der damit verbundenen tieffrequenten Nebengeräusche sehr gut zwischen den einzelnen Tonlagen differenzieren. Selbst die Attacke kann in den Dynamic-Modus schalten und bei den Drums von Stücken wie „Stimela“ von Hugh Masekela ganz schön knackig agieren.

Fahrbericht Volvo XC60 mit B&W Sound
Die „Fahrradlampen-Bauweise“ der CM-Serie von Bowers & Wilkins erspart den sensiblen hohen Frequenzen dem Umweg über die Windschutzscheibe. So kann der aufwendige 2-Wege-Center seine Wirkung optimal entfalten (Foto: Stefan Schickedanz)

Kaum ein Werkssystem im Fahrzeug kommt derzeit so tief und so sauber in den Keller. Den etwas vollen, eher weichen Bass kennt man von den B&W-Boxen aus führenden Wohnzimmern und Tonstudios dieser Welt. Die feinen Höhen der Alu-Kalotten ebenso. Hier gelang es den Engländern mit Unterstützung von Harman – die Amerikaner halten die Nutzungsrechte für den Automotive-Bereich – den typischen warmen, trotzdem klaren Klang 1:1 aufs Auto zu übertragen.

Bei diesem Kunststück war auch das schwedische Unternehmen Dirac dem Ohrenschein nach beteiligt; Dirac hat sich mit digitalen Raumentzerrungen einen exzellenten Ruf erworben. Bereits im V90 sorgten die Algorithmen der Akustik-Profis für erhöhte Sauberkeit im Bass, doch hier gelang alles noch eine ganze Nummer beeindruckender. Ja, auch nach langem Hören bin ich noch der Meinung, dass recht viel Bass im Spiel ist. Doch anders als in vielen Wohnzimmern dröhnt hier nichts. Das spricht einerseits für die Festigkeit von Schwedenstahl, andererseits für die ausgeklügelte digitale Optimierung.

Bei Songs wie „Mask Off“ von Future massierte einem der Bass nicht nur kräftig den Rücken, das Lenkrad vibrierte so stark, dass ich schon dachte, der etwas eigenwillig agierende Spurhalte-Assistent hätte sich eingemischt. Aber nichts dröhnte dabei in den Ohren! Diese Kombination aus Druck im Überfluss und der Abwesenheit von Wummern muss man erst mal hinkriegen, zumal die Hartplastik-Formteile der Türen in dieser Hinsicht nicht ohne sind.

Fahrbericht Volvo XC60 mit B&W Sound
Viel dichter kann man einen Hochtöner nicht an den Mitteltöner rücken – vor allem nicht im Auto. Das ist neben der hohen Qualität der Alu- und Kevlar-Membranen ein wesentlicher Grund für das breite, tiefe und stabile Klangbild des neuen Volvo XC 90 mit B&W-Anlage, (Foto: Stefan Schickedanz)

Der Volvo XC60 bietet Klangregelung, Equalizer und Presets zur Fokussierung auf bestimmte Plätze, die aber unverständlicherweise in einem separaten Menü untergebracht wurden. Selbst mit dem Sound-Fokus auf alle Plätze wird der Fahrer noch leicht bevorzugt: Jenseits der digitalen Anpassung haben die Schweden nämlich den Hochtöner auf den Piloten-Sitz angewinkelt. Was BMW und Saab früher mit den Cockpits machten, findet hier ein akustisches Äquivalent. Abgesehen davon schien dem ersten Anschein nach der Bass hinter dem ergonomisch guten Multifunktionslenkrad noch besser zu sein.

Klangbild rastet ein

Auf diesem Logensitz „rastet“ der Klang regelrecht ein. Man genießt am Steuer nicht nur die skandinavisch entspannte Freude am Fahren, auch das breite Panorama und der gute Fokus lassen Hochstimmung aufkommen. Solostimmen sitzen einem erfreulicherweise nicht direkt auf der Nase und schweben zudem relativ hoch über dem Kunstleder-bezogenen Armaturenbrett.

Das ist fast schon 3D und überzeugt auch vom Timing sowie dem Gefühl für einen tief nach vorne über das Armaturenbrett hinaus reichenden Raum. Das kommt nicht von ungefähr: Außer dem Volvo V90 oder der „kleinen“ Baureihe von Rolls-Royce fallen mir ad hoc keine Fahrzeuge ein, bei denen die vorderen Hoch- und Mitteltöner (sie bestehen aus Alu beziehungsweise Kevlar) so dicht zusammen sitzen wie im Volvo, wo fast schon kein Blatt Papier mehr zwischen die beiden für die zeitliche und räumliche Präzision entscheidenden Treiber passt.

Volvo hat ja kürzlich bekundet, ab der nahen Zukunft nur noch elektrifizierte Antriebe anbieten zu wollen. Bis es soweit ist, erweist sich das überragende Bowers & Wilkins System als die beste Möglichkeit, die Verbrennungsgeräusche der beiden herzhaft dieselnden Turbo-Kraftwerke mit 190 und 235 PS mit Wohlklang zu überspielen.

Das macht die trocken, aber keinesfalls unkomfortabel abfedernden, geschmeidig abrollenden SUVs zu großartigen Reisewagen für alle, die gerne eine Etage höher sitzen und bereit sind, für den damit verbundenen höheren Luftwiderstand einen gewissen Verbrauchszuschlag zu zahlen (beide Diesel bewegten sich bei uns zwischen 8 und 9 Litern bei moderater Fahrweise).

Fahrbericht Volvo XC60 mit B&W Sound
Kollege Gerd Nowakowski vom Tagesspiegel fuhr den Wagen für einige dynamische Aufnahmen des neuen Volvo XC60 bei der Fahrvorstellung in Dresden (Foto: Stefan Schickedanz)

Immerhin lastet auch ein Erbe von historischer Dimension auf dem luftgefederten Volvo XC60. Die Schweden haben wie bereits im V90 den Raumeindruck der Konzerthalle von Göteborg im Headunit als DSP-Effekt gespeichert, der sich über den an Tesla erinnernden, hochkant in der zum Fahrer geneigten Instrumentenkonsole untergebrachten 9-Zoll-Touch-Screen abrufen lässt. Die gut gemachten Presets reizen zum Ausprobieren und ermöglichen im Modus „Individual Stage“ sogar die genaue Dosierung der Surround-Effekte. In Verbindung mit den anderen Klangregelmöglichkeiten bietet der Volvo XC60 ein weitgehend einzigartiges Maß an Individualisierung des Klangs. Selbst beim Equalizer – einer Zutat, die sich in den wenigsten Autos findet – gibt es noch Presets für bestimmte Geschmäcker.

Fazit: Das SUV für alle, die keine SUVs mögen

Damit sitzt man auf den sehr schön gemachten Ledersitzen nicht nur erster Klasse, man hört auch wie ein kleiner Schwedenkönig. Mich keinen SUV-Fan zu nennen, wäre stark untertrieben. Aber von der diffusen Lenkung abgesehen, die allerdings auch der V90-Kombi hatte, gäbe es keinen Grund, als Vielfahrer nicht auf diesen stylischen Hochsitz umzusteigen. Er ist so etwas wie der Konzertbalkon unter den Luxusautomobilen, auch wenn der Preis seines Weltklasse-Sound-Systems im Vergleich mit den illustren Mitbewerbern (vom Klang her gesehen) für knapp 3.000 Euro eher einem Stehplatz in der Oper entspricht. Wir freuen uns schon auf den richtigen Test des Charakter-Darstellers aus dem hohen Norden.

Im Beitrag erwähnt:
Test Volvo V90 T6 AWD mit Bowers & Wilkins Soundsystem

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