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Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Sound System
Heute ein König: Der Rolls-Royce Dawn adelt jeden, der sich in seine Nähe begibt (Foto: S. Schickedanz)

Test Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Audio

Eine Original Schweizer CD-Kopie mit illegal besorgten Bankdaten über auch nicht unbedingt legale Konten in der Steueroase kostet Millionen. Kaum zu glauben, dass der deutsche Staat, dessen Kreativität auf der Suche nach alternativen Einnahmequellen offenbar keine Grenzen kennt, diese Summen aus öffentlichen Geldern dafür auf dem Schwarzmarkt bereitwillig ausgibt. Noch mehr erstaunt, dass all jene, die selbst bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen den Datenschutz in Deutschland über alles stellen, diese fragwürdigen Methoden billigen. Dabei gibt es seit kurzem einen vergleichsweise geschenkt günstigen Weg, die Steuerbürger dazu zu bringen, völlig freiwillig tiefen Einblick in ihre Vermögensverhältnisse zu geben – mit größter Wonne: Die Rede ist vom Rolls-Royce Dawn.

Du kannst in ausgewaschenen Jeans aussteigen und der Porsche-Fahrer, der neben dir parkt, beginnt wie auf Knopfdruck von seinem Zweitwohnsitz auf Mallorca und dem Dritt- und Viertwagen zu berichten. Oder der Nachbar, der auf eine Frage, die nicht gestellt wurde, wie unter Zwang in vorauseilendem Gehorsam zum Besten gibt, dass er sein Geld lieber in einen Whirlpool gesteckt hat, statt es für teure Autos auszugeben. Unaufgefordert und völlig ungehemmt – einfach so. Alles, was du tun musst: Steig aus diesem Auto aus oder stell dich daneben.

Der Dawn erzeugt nicht einfach Neid, denn dazu ist er viel zu dezent schön und zu weit weg. Er zwingt den Betrachter eher zu einer persönlichen Standortbestimmung: Was hat dieser Typ, das ich nicht habe?  Der offene Rolls-Royce setzt alle, die bisher dachten, sie hätten viel erreicht und seien tolle Hechte, unter Rechtfertigungsdruck. Dabei stellt er jeden treu dreinschauenden Dalmatiner in den Schatten, wenn es darum geht, mit der Umwelt in Kontakt zu kommen.

Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Sound System
V12-Power beflügelt den Spirit of Ecstasy. Ein Rolls-Royce Cabriolet fährt nicht, es schwebt über den Dingen (Foto: S. Schickedanz)

Nach einem Tag in diesem Cabriolet der Superlative sprudeln als Folge die Geschichten nur so aus mir heraus. Was den Unterhaltungswert betrifft, ist das pfundige Prunkstück jeden einzelnen Penny wert. Dabei sind die kommunikationsfördernden Eigenschaften des ab rund 330.000 Euro erhältlichen Fahrzeugs lediglich die Dreingabe. Das Beste kommt zwischen den ganzen Smalltalks. Das Fahrterlebnis für maximal vier Auserwählte ist unvergleichbar, zumal dieses rotbraune Exemplar mit dem im Hause entwickelten Bespoke Sound System ausgerüstet ist.

Rolls-Royce Dawn: Dämmerung eines neuen Hörzeitalters

Das bedeutet 18 Verstärkerkanäle, von denen im Dawn allerdings nur 16 benutzt werden, mit insgesamt 1.300 Watt. Die 16 vollaktiv angesteuerten Chassis liefert LPG, ein Hersteller aus dem bayerischen Neu-Ulm.

Mit Keramik-Technologie macht der in der Öffentlichkeit über seine Eaton-Lautsprecher bekannte Zulieferer die Membranen im Mittel-Hochtonbereich steif, ohne sich dabei Gewichtsnachteile einzuhandeln. Die beiden Subwoofer sitzen wie bei Konzernmutter BMW üblich unter den beiden Vordersitzen und nutzen die Hohlräume im Bereich der Schweller als Gehäuse.

Das spart Gewicht und der Schall im Tieftonbereich muss nicht so einen weiten Weg zurücklegen – wie sonst üblich aus dem Kofferraum oder von der Hutablage.

Damit braucht die in Schweden entwickelte DIRAC-Software nicht so viel bei den Laufzeiten korrigieren, was ja bei vier verschiedenen Sitzplätzen trotz der verblüffenden Fähigkeiten der genialen Frequenzgangs- und Phasen-Korrektur immer Kompromisse mit sich bringt. Außerdem hat der Dawn keine Hutablage, sondern eine Abdeckung für das auch während der Fahrt zu öffnende oder schließende Verdeck.

Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Sound System
Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Sound System – der Gipfel des offenen Fahrens. Ohne seine mächtige 1.300-Watt-Anlage wäre er kaum lauter als ein Fahrrad (Foto: S. Schickedanz)

Das Verdeck gilt als größtes seiner Art und besteht aus fünf Lagen Stoff. Im Grunde ist es essentieller Bestandteil der Anlage, denn es bleibt darunter so leise, dass selbst meine viertürige Limousine im Vergleich richtiggehend laut wirkt. Das zeugt von sorgfältiger Materialwahl und einer Menge Feinschliff im Windkanal.

Die Basis des Dawn stammt übrigens auch von einer Limousine aus München, nämlich vom 7er BMW. Sie war ursprünglich, so munkelt man, nicht für einen offenen Ableger des britischen Bruders Ghost gedacht. Deshalb musste die offene Variante des „kleinen“ Rolls-Royce zahlreiche Versteifungsmaßnahmen über sich ergehen lassen.

Das gelang perfekt. Nichts zittert auf einer beschwingten Tour über verwinkelte Landstraßen rund um den Chiemsee. Dafür wiegt der Viersitzer knapp 2,6 Tonnen. Dank seiner faszinierenden aktiven Federung kriegt man davon allerdings als Beifahrer kaum etwas mit. (Fahren durfte ich leider nicht selbst, denn es handelte sich um ein Versuchsfahrzeug, für das ein Sonderführerschein erforderlich ist). Der Luxus-Liner wankt nicht, taucht beim Bremsen vorne nicht ab und liegt immer ruhig wie eine große Yacht bei totaler Flaute.

Flaute herrscht auch im Innern, obwohl Rolls-Royce nicht mit künstlichen Zusätzen wie Windschotts oder ausfahrbaren Scheiben hinter den Rücksitzen das puristische Open-Air-Gefühl verwässert. Das musst du erlebt haben, um es zu glauben. Herrlich.

Es kommt selbst bei forcierter Landstraßenfahrt nur so viel Wind an die Privilegierten in der ersten Reihe heran, wie man sich wegen der Hitze sonst auf einer Sonnenliege zufächeln würde. Perfekt. Dieses total relaxte und erhabene Gefühl beschreibt wirklich am besten der markeneigene Begriff „Waveability“, jenes der Welt entrückte Über-den-Dingen-schweben.

Rolls-Royce Dawn mit Bespoke Sound System
Der Mitteltöner sitzt in der hinten angeschlagenen Tür. Der Hochtöner direkt daneben an der Seitenwand (Foto: S. Schickedanz)

Irgendwo hab ich mal geschrieben, dass der Rolls eigentlich ein Fahrzeug für Autohasser ist. Er bietet schlicht und einfach die bequemste Art der Fortbewegung, bleibt leiser und rüttelt weniger als Bahn oder Flugzeug, umhüllt einen mit feinsten Naturmaterialien und bietet perfekten Sitzkomfort.

Mit anderen Autos ist er kaum zu vergleichen. Er ist die am besten von sämtlichen Nebenwirkungen, welche die Fortbewegung mit sich bringt, entkoppelte Verbindung von A nach B.

Mit dem Dawn baut der traditionsreiche Hersteller aus Goodwood das Cabrio für Cabrio-Hasser: Du fährst offen ohne Netz und Bügel, aber bekommst davon außer einem frischen Teint nur so viel mit wie Brexit-Befürworter von Fortschritt, Ökonomie und internationaler Diplomatie. Dein Bewusstsein und Empfinden konzentriert sich nicht auf die Fahrt, sondern auf die Umwelt – und in diesem Fall auf den Soundtrack dieses überirdisch schönen, friedlichen Road Movies.

HiFi-Heimspiel

Damit ist der Auftritt im Rolls-Royce Dawn nicht nur deshalb ein Heimspiel für das Sound-System, weil es von ein paar Musik-Liebhabern im eigenen Haus entwickelt wurde. Anders als die ebenfalls überaus potenten 1.280-JBL-Watt, die sich im zweisitzigen Roadster Ferrari California T 560 schreienden italienischen Zuchthengsten entgegenstemmen, braucht sich die Lear-Endstufe im Rolls-Royce Dawn nicht im Geringsten abzumühen, um die Besatzung zu bespaßen.

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