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Der mit 20 Zentimeter Durchmesser größte Uni-Q Koax-Treiber des KEF-Programms ist das zentrale Bestandteil der KEF Q950, dem Flaggschiff der neuen Q-Linie von KEF. Er sorgt für einen bruchlosen Klang von 100 bis 28.000 Hertz. Die Q950 kostet pro Paar 1.550 Euro (Foto: H. Biermann)

Exklusivtest KEF Q950: Koax-Standbox für 1.550 Euro

Gerüchte gab es schon länger, aber erst auf der High End 2017 ließ KEF die Katze aus dem Sack: Ab Mai 2017 gibt eine neue Q-Serie – bestehend aus drei Standboxen (KEF Q950, Q750, Q550), zwei Kompaktboxen (Q350, Q150) und den Center Q650. Auf der Messe allerdings konnte man nur die KEF Q950 hören.

Aber was heißt hier schon „nur“? Das Flaggschiff mit seinen vier 20 Zentimeter Tieftonmembranen machte bei der Vorführung vom Start weg einen so guten Eindruck, dass wir es gleich nach der Messe in den LowBeats Hörraum verfrachteten, um zu schauen, wie bei KEF der „Q“-Standard der nächsten Jahre aussieht.

„Q“ ist bei KEF von zentraler Bedeutung. Es steht zwar weder für technische Innovationen noch für preisträchtiges Design, aber dafür, aktuelle KEF Technik zu möglichst moderaten Preisen anbieten zu können.

Die ersten Q-Modelle kamen 1990 in die Läden und bilden seitdem so etwas wie das Budget-Rückgrat im Portfolio: Von den Stückzahlen und vom Umsatz her ist „Q“ die wohl wichtigste KEF Linie.

Ab dem Jahr 2000 versuchten die Designer, das Konzept etwas aufzuweichen und die neuen Q-Serien zusätzlich auch noch hübsch und attraktiv zu gestalten – mit abgerundeten Kanten, gerundetem Deckel und, und, und…

Die Vorfahren der KEF Q950
Ab dem Jahr 2000 bekamen die Q-Modelle organischere Formen; selbst die Bassreflex-Öffnungen wurden stylisch (Foto: KEF Museum)

Doch das ging nur bedingt gut. Das Design wurde zum stark diskutierten Faktor und mit der 7. Generation „Q“ aus dem Jahr 2011 kam die Rückbesinnung auf das Wesentliche: guter Klang und klare Kante bei der Gehäuse-Gestaltung.

Die Bauhaus Schule hätte ihre Freude gehabt, so rechteckig und schnörkellos ist „Q“ seitdem gehalten. Einzig ein schmales Metallplättchen, das die Schallwand optisch auftrennte und dem Ganzen einen gewissen Pfiff gab, gönnte man 2011 der Designabteilung.

KEF Q900 vs KEF Q950
Die Schallwand der Vorgängerin KEF Q900 war durch ein Metallplättchen optisch unterteilt – das fällt bei den neuen Q-Modellen weg. Auch die Nussbaum-Ausführung (hier im Bild) ist innerhalb der Q-Serie nicht mehr zu haben. Aber das ist kein wirklicher Verlust… (Foto: KEF)
KEF Q950 im Aufriss
Der Gehäuse-Aufbau der KEF Q950 besteht aus MDF-Platten verschiedener Stärken. Das Gehäuse ist mehrfach versteift, der breitbandige Koax (oben) hat ein eigenes Gehäuse, damit die Basswellen des Tieftöners (zweiter von unten) die Mitteltonwiedergabe des Koax nicht beeinträchtigt. Die Tieftonmembranen ober- und unterhalb des Tieftöners ersetzen die gemeinhin üblichen Bassreflexrohre (Animation: KEF)

Doch selbst diesen kleinen Design-Schlenker sucht man bei der neuen Q950 vergebens. Man könnte hier von einer radikalen Schlichtheit sprechen, die diesen Lautsprecher ausmacht.

Das Gehäuse-Finish ist in einer schwarzen oder weißen Vinyl-Oberfläche gehalten, die man so auch bei vielen Modellen unterhalb der 1.000 Euro Marke findet. Und selbst das aufwändige Bi-Wiring-Terminal der Q900 wurde durch einen simplen Single-Wire Anschluss ersetzt. Hallo? Was ist da los?

Erst beim Blick auf das Preisschild wird das Konzept klar: Die alte Q900 kostete am Ende knapp 2.000 Euro, die neue KEF Q950 kostet zur Markteinführung etwas über 1.500 Euro.

In Zeiten, in denen alles teurer wird, ist das ungewöhnlich. Aber mit der neuen Q-Serie hat KEF sein altes Q-Credo von möglichst viel Klang fürs Geld noch einmal zugespitzt – und musste halt bei den Äußerlichkeiten sparen.

Denn die technische Ausstattung ist bei der Q950 erste Sahne: Sie hat den mit 20 Zentimeter Durchmesser größten Koax des Programms eingebaut (bei KEF heißen diese Kombinations-Treiber aus Tiefmitteltöner plus Hochtöner immer „Uni-Q“). Dazu kommt ein 20 Zentimeter großer Tieftöner mit konkaver Aluminium-Membran, der von zwei gleich großen Passivmembranen bei der Tiefbass-Arbeit unterstützt wird.

Auf der Innenansicht ist die Bass-Fraktion gut zu erkennen: Lediglich der mittlere der drei unteren Treiber hat tatsächlich einen Magneten und damit einen elektrischen Antrieb; die beiden (äußerlich exakt gleichen) Mitstreiter werden nur durch die nach hinten abgestrahlte Energie des aktiven Tieftöners angeregt.

Eine Lösung mit Passiv-Radiatoren entsprecht physikalisch exakt der einer Bassreflex-Konstruktion. Nur, dass die Entwickler mit Passivmembranen die ganze Problematik von Bassreflexrohren (Strömungsgeräusche, ebenfalls austretende, störende Mittenanteile)  vermeiden. Eine teure, aber sehr effiziente Lösung.

Doch man darf sich deshalb nicht täuschen lassen: Die KEF Q950 sieht mit ihren vier Tieftönern zwar äußerst Tiefbass-potent aus, aber letztendlich ist nur einer von ihnen über den gesamten Bassbereich – also etwa von 30 – 200 Hertz aktiv.

Das Gehäuse der KEF Q950

Da die KEF-Entwickler bei der Technik keine Kompromisse eingingen, musste bei einer solchen Preissenkung am Gehäuse gespart werden. Das der KEF Q950 ist aus foliierten MDF-Platten aufgebaut und an vier resonanzanfälligen Stellen durch Querverstrebungen (siehe Bild) versteift.

Die Schallwand der 106 x 24,4 x 32,8 cm (H x B x T) großen und 20,6 Kilo schweren KEF Q950 ist 20 Millimeter stark und die Löcher für die Treiber so exakt ausgefräst, dass keine Spaltmaße zu sehen sind. Gut. Auch die auskragenden Aufsätze für die Spikes sind trotz Kunststoff-Ausführung sehr steif und dank der Zugänglichkeit von oben sehr praktisch. Es wirkt alles noch im Rahmen solide und dennoch spürt man fast den Rotstift…

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Design-Element der KEF Q950
Das einzige Design-Element der KEF Q950 ist das aufgesetzte Kunststoff-Emblem auf der Vorderseite. Alle Flächen des Lautsprechers sind mit einem glatten Vinyl foliert, die Spaltmaße bei den Treibern echt ok (Foto: H. Biermann)
Die Schallwand der KEF Q950
Die Schallwand der KEF Q950 ist sauber ausgefräst. Das Gehäuse ist weitgehend mit Dämm-Material gefüllt – das mindert zwar die Effizienz, unterdrückt aber Hohlraumresonanzen (Foto: H. Biermann)
Die Spikes der KEF Q950
Die Ausleger für die Spikes sind aus erstaunlich festem Kunststoff. Die Spikes kann man von oben mit einem beigelegten Imbus perfekt justieren (Foto: H. Biermann)
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Das technische Konzept der KEF Q950

… aber eben nicht bei der Technik. Auch bei der Q-Serie setzt KEF durchgehend auf das koaxiale Prinzip, bei dem ein Hochtöner in das Zentrum des Tiefmitteltöners eingesetzt wird. Bei KEFs Uni-Q ist diese Kombination so perfektioniert, dass die Schallentstehungszentren von Hoch- und Tiefmitteltöner auf einer Ebene liegen und somit eine perfekte Schallpunktquelle entsteht.

Der Koaxialtreiber der KEF Q950 ist mit seiner Tiefmitteltonmembran von fast 20 Zentimeter Durchmesser und der vergleichsweise riesigen Hochtonkalotte (38 Millimeter Durchmesser) der größte Uni-Q, den KEF im Angebot hat; bei vielen anderen Modellen, etwa  der KEF LS 50, allen Modellen der Reference-Linie oder der Blade, vertrauen die Briten ja auf den kleineren Uni-Q mit 13 Zentimeter Durchmesser. Für höhere Pegel aber sind die kleinen Uni-Qs nicht geschaffen; sie brauchen in der Regel (Ausnahme LS 50) zusätzliche Tieftöner.

Der Uni-Q der KEF Q950
Die fast 20 Zentimeter durchmessende Tiefmitteltonmembran des Q950 Uni-Q hat mehrere Erhebungen, die die Aluminium-Membran deutlich versteifen. Auch die mit 38 Millimeter sehr große Hochtonkalotte in seiner Mitte ist ebenfalls aus Aluminium. Dank seiner ungewöhnlichen Größe kann der Hochtöner schon ab etwa 2.000 Hertz übernehmen und dennoch weitestgehend verzerrungsfrei bleiben. Der blumenförmige Vorsatz schützt die fragile Kalotte und sorgt für eine bessere Schallverteilung auch zu hohen Frequenzen hin (Foto: H. Biermann)

Überarbeitet wurde auch der Hochtöner des großen Uni-Q. Keine neuen Membran, kein neuer Antrieb, aber eine verfeinerte, mechanische Bedämpfung des Hochtöners -beziehungsweise seiner nach hinten angestrahlten Energie. Wie auch ein anderer großer britischer Hersteller, erkannte man bei KEF die Vorzüge der sich verengenden Röhre:

Hochtöner-Fortschritt bei der KEF Q950
Uni-Q Hochtöner der KEF Q900 (links) und der KEF Q950. Bei der neuen verengt sich das Röhrchen hinter der Hochtonkalotte und sorgt so für ein kontrolliert besseres Verhalten (Animatiomn: KEF)

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