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Der koaxiale Tiefmittel- und Hochtontreiber der KEF LS 50
Der koaxiale Tiefmittel- und Hochtontreiber der KEF LS 50 misst nur 13 Zentimeter im Durchmesser. Vor dem Hochtöner sitzt eine Schallverteiler-Linse, damit die Hochtonenergie breiter gestreut wird. KEF hat den Uni-Q in mehreren Farben parat. Kupfer sieht natürlich besonders umwerfend aus. Die LS 50 kostet im Paar 1.200 Euro (Foto: H. Biermann)

Test KEF LS 50: in Tradition der LS3/5a

Die Ur-Britische Traditions-Firma KEF verstand es schon immer, Meilensteine zu setzen. In den 1970er Jahren beispielsweise entwickelte sie in Zusammenarbeit mit der BBC einen kleinen, legendären Rundfunkmonitor, die LS3/5a. Die kleine Zweiwegebox, eigentlich für den mobilen Einsatz der Rundfunkleute gedacht, klang derart gut, dass sie a.) 30 Jahre lange gebaut wurde und b.) immer noch so viele Liebhaber hat, dass sie heute auf dem Gebrauchtmarkt mehr kostet als damals neu. An dieser Legende will sich nun der KEF LS 50 messen.

Auch in den 1980er Jahren hatte KEF exzellente Entwickler wie Andrew Jones (lange Zeit maßgeblicher Entwickler bei TAD). Sie kamen zu dem Schluss, dass die Punktschallquelle so große Vorteile hat, dass KEF eine eigene Entwicklung dazu auflegte. Es entstand der genannte Uni-Q, der heute in der gefühlt zwanzigsten Version eines der besten Koax-Systeme am Weltmarkt ist. Die Animation zeigt, wie eine solche Kombination aus Hoch- und Tiefmitteltöner aufgebaut ist.

Die Explosionszeichnung des KEF-Uni-Q:
Die Explosionszeichnung zeigt die konstruktiven Besonderheiten des KEF-Uni-Q: Der Hochtöner ist ein komplett eigenes Schwingsystem, das im Zentrum des Tiefmitteltöners sitzt. Diese geschickte Kombination sorgt für den Effekt der Punktschallquelle und somit für eine überlegene Abbildung. Der Tiefmitteltöner hat zwar eine vergleichsweise kleine Fläche, aber sein Antrieb ist extrem langhubig, was ihn zu erstaunlichen Bässen befähigt. (Animation: KEF)

Der Hochtöner sitzt in der Mitte der Tiefmitteltonmembran. Die Schallentstehungszentren von Hoch- und Mitteltöner haben zum Ohr des Hörers exakt die gleiche Entfernung; Grundlage für eine perfekte Abbildung des akustischen Geschehens.

Der größte Vorteil eines koaxialen Systems aber ist sein Verhalten über die Winkel: Der Uni-Q strahlt nämlich in alle Richtungen absolut gleich ab. Auch deshalb ist der Uni-Q in verschiedenen Größen- und Qualitätsstufen DAS entscheidende Element fast aller KEF-Lautsprecher. Und deshalb kann man theoretisch jeden Lautsprecher mit Uni-Q auch querliegend hören.

So auch die LS 50. Die erste Version dieser kleinen, äußerst hübschen Kompaktboxen brachte KEF 2012 zum 50. Geburtstag der Traditionsschmiede.

Die LS 50 setzt im Kleinen um, was KEF ein Jahr zuvor mit der Standboxen-Klangskulptur Blade vorgab. Nämlich mit Hilfe des immer wieder verfeinerten Uni-Q und mit  akustisch optimal geformten Gehäusen nahezu perfekte Voraussetzungen zu bieten.

Die LS 50 ist so kompakt wie möglich und hat eine so aufwändige Gehäusekonstruktion, wie man sie gemeinhin auch bei deutlich teureren Mitbewerben nicht bekommen kann. Nach Aussagen der KEF-Marketingstrategen steht sie in direkter Tradition zur LS3/5A. Naja. Stellt man die beiden nebeneinander, kann man feststellen, dass sie in etwa gleich groß sind und den gleichen Markennamen tragen. Ansonsten haben diese beiden Kompakten so viel gemein wie ein Jute-Beutel mit einer Prada-Tasche.

Die Kompaktbox KEF LS3/5A ohne Abdeckung
Die LS3/5A wurde von mehreren Herstellern für die BBC gefertigt – aber alle mit Treibern von KEF. Die geschlossene Kleinbox mit 11-Zentimeter-Tiefmitteltöner war äußerlich sehr schlicht, klanglich dagegen überragend gut (Foto: KEF)

Allein schon vom Äußeren her ist die LS 50 schwer zu toppen. Die geschwungene Schallwand, der Verzicht auf sichtbare Schrauben, das überall gerundete Gehäuse in fünf verschiedenen Finish-Varianten (bei denen auch die Magnesium/Aluminuim-Membranen des Uni-Q farblich angepasst werden) sind ein so leckeres Angebot, dass KEF damit schon etliche Design-Preise abgeräumt hat. Ich kenne in dieser Klasse nichts Vergleichbares. Hier mal alle Design-Varianten im Vergleich:

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Die KEF LS 50 in Racing Red
Die KEF LS 50 in Racing Red (Foto: KEF)
Die KEF LS 50 in Hochglanz Schwarz
Die KEF LS 50 in Hochglanz Schwarz (Foto: KEF)
Die KEF LS 50 in Hochgalnz Pianoweiß
Die KEF LS 50 in Hochglanz Pianoweiß (Foto: KEF)
Die KEF LS 50 in Frosted Black
Die KEF LS 50 in Frosted Black (Foto: KEF)
Die KEF LS 50 in Titanium Grey
Die KEF LS 50 in Titanium Grey (Foto: KEF)
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Aber uns interessiert ja vor allem die Technik. Und damit ist die LS 50 randvoll – auch, weil sie mit ihren Abmessungen (H x B x T) von 30,2 x 20 x 27,8 Zentimeter nicht sehr groß (aber mit 7,2 Kilo ganz schön schwer) ist. Für mehr Reserven im Bass wird der kleine 13 Zentimeter-Tiefmitteltöner von einer Bassreflex-Konstruktion unterstützt. Das Reflexrohr mündet auf der Rückseite und ist aus einem festen Gummi, damit da nichts resoniert.

Die Membranen des Uni-Q – sowohl der 13 Zentimeter-Konus des Tiefmitteltöner als auch die 25 Millimeter Hochtonkalotte – bestehen aus einer sehr leichten, sehr steifen Magnesium-Aluminium-Legierung, die man beliebig färben kann. Der Übergang zwischen Hoch- und Tiefmittelton liegt bei 2.200 Hertz – also recht tief. Aber auch hier sagt ja ein Bild mehr als 1.000 Worte.

Animation des KEF LS 50 Innenlebens
Die Zeichnung zeigt den Aufwand: Vor einem mehrfach versteiften MDF-Gehäuse sitzt eine Schallwand aus gewölbtem Magnesium-Druckguss. Die Frequenzweiche ist so aufwändig, dass sie in zwei Teilen links und rechts auf den Seitenwänden untergebracht werden muss. Das Bassreflexrohr ist zu beiden Enden abgerundet, damit keine Wirbelgeräusche entstehen (Animation: KEF)

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