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IsoAcoustics Orea Indigo
Entkoppler-Footer IsoAcoustics Orea; Stückpreis ab 62 Euro (Foto: IsoAcoustics).

Entkoppler-Pucks IsoAcoustics Orea – Test plus Ratgeber

Unterstell-Utensilien wie die hier vorgestellten Footer IsoAcoustics Orea sind fraglos ein highfideles Reizthema. Nicht ohne Grund, reicht doch die Spannweite entsprechender Produkte von durchdacht bis hin zu physikalisch kaum nachvollziehbar. Überzeugt hat mich indes die Philosophie des kanadischen Spezialisten IsoAcoustics. Seit nunmehr fünf Jahren „ruhen“ meine Canton-AM5-Nearfield-Monitore auf Lautsprecher-Basen ISO L8R-130 von IsoAcoustics. Beides ist vom Desktop nicht mehr wegzudenken. Dieser Test aber handelt von Unterstell-Pucks für elektronische Komponenten, den IsoAcoustics Orea, von denen LowBeats Chefredakteur Holger Biermann immer wieder betont, er kenne keine besseren.

Das hält mich allerdings nicht davon ab, jegliches Unterstellzubehör kritisch zu betrachten. In der Ausgabe 03/2014 des HiFi-Magazins stereoplay habe ich dieses Thema – im Rahmen des Möglichen – denn auch genauer hinterfragt. Gemeinsam mit dem damaligen stereoplay-Laborleiter Peter Schüller haben wir an verschiedenen Unterstell-Alternativen für Lautsprecher umfangreiche Messungen durchgeführt. Das Ergebnis der Messreihen und der ausgiebigen Hörtests lautete eindeutig: Entkopplung ist Ankopplung klar vorzuziehen – sprich: elastische Koppler statt Spikes.

IsoAcoustics Orea Graphite
Die Footer der IsoAcoustics Orea Familie machen die hauseigene Entkoppler-Technik nun auch für HiFi-Komponenten verfügbar (Foto: IsoAcoustics)

Das sieht Dave Morrison, Chef und Mastermind von IsoAcoustics ganz genauso – und der Erfolg ist mit ihm. Nicht umsonst zeigt sich die IsoAcoustics-Produktpalette in den zurückliegenden Jahren ständig erweitert. Den Anfang machten die eher unspektakulären L8R-Monitor-Stands für den Pro-Audio-Bereich. Hinzu gesellten sich später die funktional gleichen, jedoch optisch edleren Aperta-Stands für ästhetisch anspruchsvolle HiFi-Kunden.

Zur High End 2016 stellte IsoAcoustics dann die Gaia-Serie vor: Das war der Aufschlag in Sachen einzeln montierbarer Footer für Lautsprecher und Subwoofer. Die hier beschriebenen Pucks aus der Orea-Familie sollen das Gaia-Wirkungsprinzip nun auch für HiFi-Komponenten verfügbar machen.

Egal ob An- oder Entkopplung: Erdacht wurden Pucks & Co, um Luft- oder Körperschall-bedingte Vibrationen von HiFi-Komponenten oder Lautsprechern „unschädlich“ zu machen – allfällige Gehäuseresonanzen eingeschlossen. Ebenfalls auf dem Index stehen funktionsbedingte Störschallanteile. Dazu zählen beispielsweise Vibrationen durch rotierende Laufwerke in CD-Spielern, Festplatten oder auch mechanisches Trafobrummen.

Soweit die Gemeinsamkeiten, denn bei der Umsetzung scheiden sich die Geister. Die eine Footer-Fraktion setzt auf schnelles „Ableiten“ der anregenden Energie (Ankopplung), Die andere Gruppe, zu der auch die IsoAcoustics Orea Familie zählt, wandelt die Schallenergie hingegen in Wärme um (Entkopplung). Aus physikalischer Sicht halte ich diese Methode für den besseren Weg. Prinzipbedingt kann sie vergleichbare Resultate auch bei unterschiedlichen Stellflächen erzielen. Das betrifft beispielsweise das Material, aus dem die Einlege-Ebenen des HiFi-Racks bestehen.

IsoAcoustics Orea – das Prinzip

Physikalisch betrachtet, stellen die IsoAcoustics Orea sogenannte Einmassenschwinger dar (siehe nachfolgende Slideshow). Ihre Wirkungsweise entspricht dabei der Kombination Federbein/Stoßdämpfer bei Fahrzeugen. Die von außen einwirkenden Kräfte werden durch Reibung in Wärme umgesetzt. Aus elektrischer Sicht entspricht das Ganze einem bedämpften Reihenschwingkreis mit sehr niedriger Grenzfrequenz.

Ein großer Vorzug dieses Prinzips ist seine entkoppelnde Wirkung. Vom Erreger (z. B. einem darauf ruhenden Lautsprecher) erzeugter Körperschall gelangt nur noch stark abgeschwächt zur eigentlichen Stellfläche (z. B. der Tisch- oder Rackplatte), Weil die nun nicht mehr zum Mitschwingen angeregt wird, entfallen klangmindernde Effekte, bedingt durch den abgestrahlten Sekundärluftschall.

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Einmassenschwinger Prinzidarstellung
Prinzipdarstellung des Einmassenschwingers: Das Einbringen einer elastischen Zwischenschicht aus Feder (c) und Dämpfung (d) reduziert die am Fußpunkt wirkende Kraft (Fu) im Vergleich zu derjenigen Kraft (Fe), die auf die Masse (m) einwirkt (Grafik: www.getzner.com/de)
Exitation Frequency Tuning Einmassenschwinger
Die Eigenfrequenz fo des Einmasssenschwingers wird im Wesentlichen durch das Verhältnis Federsteife/Masse beeinflusst (in der Grafik normiert als √2 dargestellt). Unterhalb der Eigenfrequenz erfolgt Verstärkung durch Resonanz, oberhalb von fo setzt dagegen die Entkopplungswirkung ein. Geringere Dämpfung d (Reibung) in der elastischen Zwischenlage steigert die Entkopplungswirkung im Isolationsbereich (weiß), allerdings auch die Resonanzspitze im Verstärkungsbereich (grau). (Grafik: www.getzner.com/de)
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Das Schöne an diesem Prinzip: Es funktioniert bidirektional. Sprich: Von der Stellfläche ausgehende Körperschallanteile können gleichfalls nur in geringem Maße bis zur entkoppelten Masse (z. B. einem auf den Footern ruhenden Plattendreher) vordringen. Weitgehend unbehelligt von äußeren Einflüssen (z. B. Trittschall), kann der nun seine Runden drehen.

Unterschiedliche Gewichtsklassen

„Hoppla“, wenden Physik-Beschlagene jetzt ein, „gehören Ein-Massen-Schwinger nicht auf das zu tragende Gewicht abgestimmt?“ Unbedingt – deshalb sind die IsoAcoustics Orea Pucks auch für bislang drei unterschiedliche Gewichtsklassen erhältlich: „Bronze“ ist pro Footer bis zu 3,6 Kilogramm belastbar, „Indigo“ verträgt pro Puck bis zu 7,2 Kilogramm, „Bordeaux“ sogar bis zu 14,5 Kilogramm pro Einheit. Auf der Webseite von IsoAcoustics ist darüber hinaus noch eine vierte Variante namens „Graphite“ beschrieben, die mit 1,8 Kilogramm Lastkapazität pro Einheit für besonders leichte Komponenten gedacht ist. Zu erkennen sind die unterschiedlichen Ausführungen an dezenten Farbringen.

IsoAcoustics Orea Line Up
Wichtig: Je nach Gerätegewicht sollten die passenden IsoAcoustics Orea Footer verwendet werden. Derzeit umfasst das Orea-Line-Up vier Modelle, erkennbar an jeweils unterschiedlichen Farbringen. (Foto: IsoAcoustics)

IsoAcoustics Orea: Patentierte Feinmechnaik

Der Aufbau der IsoAcoustics Orea Footer ist schnell beschrieben: Grundsätzlich handelt es sich um zwei ineinander gesteckte Hohlzylinder, die durch ein präzises Elastomer-Formteil miteinander verbunden sind (siehe Grafik im nachfolgenden Slider). Was sich hier so profan liest, ist real jedoch ausgefuchste Feinmechanik. So erfüllt beispielsweise das Elastomer-Formteil gleich zwei physikalische Funktionen – nämlich als Feder- und Dämpfungselement.

Der eigentliche Knackpunkt dabei ist seine spezielle Formgebung: Während es in vertikaler Richtung als dämpfendes Filter wirkt, erlaubt es dem oberen Hohlzylinder in der horizontalen Ebene bedingtes Schwingen in beliebiger Richtung. Physikalisch stellt das ein sogenanntes „System mit mehreren Freiheitsgraden“ dar: Die Arbeitsweise gleicht in etwa der Motoraufhängung in einem Auto.

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IsoAcoustics Orea Bronze
Die Orea-Footer unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Abmessungen – im Bild die LowBeats Testversion „Bronze“ (Foto: IsoAcoustics)
Construction details IsoAcoustics Orea
Der Aufbau der IsoAcoustics Orea nach Patentschrift zeigt die ausgeklügelte Konstruktion, die weit über einfache Dämpfer-Konstruktionen hinaus geht: 16a und 26a stellen Weichgummi-Elemente dar, die durch ihre konkave Ausführung an Stellfläche und Geräteboden ähnlich einem Saugnapf haften. 20d zeigt das Elastomer-Formteil, welches die eigentliche Feder- und Dämpfungwirkung übernimmt (Grafik: IsoAcoustics)
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Hier findet sich auch der Unterschied zu den IsoAcoustics-Entkopplern für Lautsprecher: Diese erlauben horizontales Schwingen nur in Vorwärts-Rückwärts-Richtung. („Igitt“, höre ich Spike-Fans an dieser Stelle feixen, „IsoAcoustics lässt Lautsprecher vor- und zurückschwingen? So etwas mögen wir aber gar nicht.“ Keine Sorge: So lange sichergestellt ist, dass die Eigenfrequenz der Kombination Entkoppler-Lautsprecher deutlich unter der Anregungsfrequenz liegt, bewegt sich da gar nichts. Wäre das nicht so, könnten beispielsweise Plattenspieler keine tiefen Töne wiedergeben.)

Zurückkehrend zu den IsoAcoustics Orea, wird deren Strategie nun klar erkennbar. Im Zusammenspiel mit der darauf ruhenden Komponente wirken sie wie ein Subchassis beim Plattenspieler.

Vor dem Kauf: Ist-Situation klären

Aus der vorangehenden Betrachtungsweise lassen sich zwei wichtige Schlüsse ziehen. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass entkoppelnde Systeme unter Lautsprechern wahrnehmbare Klangverbesserungen bewirken. Schließlich stellt die Box eine aktive Schallquelle dar, die bei starrer Kopplung stets auch die Stellfläche anregt – und somit Sekundärluftschall verursacht.

IsoAcoustics Orea Graphite
Vor der Anschaffung von Footern lohnt es sich durchaus, das Anlagen-Umfeld gründlich abzuklopfen. Im Falle des Fotos hieße das: Was die entkoppelnden Footern blockieren, braucht das Rack nicht mehr an den Boden „abzuleiten“. (Foto: IsoAcoustics)

Ob entkoppelnde Footer unter HiFi-Komponenten ebenfalls klangverbessernd wirken, hängt dagegen in weit stärkeren Ausmaß von den Rahmenbedingungen ab. Das zeigt folgende Analogie: Der Sitzkomfort in einem Fahrzeug ändert sich nicht, egal, ob man damit auf der Autobahn oder einem Feldweg steht. Anders sieht die Sache dagegen bei 240 km/h aus.

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