JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900: Der derzeit universellste und am besten ausgestattete Projektor unter 10.000€. Knackscharf, tiefstes Schwarz, super hell und mit allen HDR-Fähigkeiten. 5.999 Euro (Foto: R. Vogt)

Test: Highend-4K-HDR-Projektor JVC DLA-X7900

Mit dem JVC DLA-X7900 bringen die Japaner die neueste Evolutionsstufe Highend-Videoprojektoren der X-Serie auf den Markt. Zur gleichen Evolutionsstufe gehört das kleinere Modell JVC DLA-X5900 (4.499 Euro) mit etwas abgespeckten Luxusfunktionen und zwei highendigere Varianten mit strenger selektierten Bauteilen, der JVC DLA-X9900 (8.999 Euro) und das JVC-rote Sondermodell JVC DLA-20LTD zum 20. Geburtstag der hauseigenen Panel-Technologie D-ILA.

JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)

Es ist schon als hohe Leistung der Entwickler anzuerkennen, dass diese Chassis-Konstruktion und das Design über so viele Jahre aktuell geblieben ist und mit jeweils eigentlich schon erstaunlich kleinen Eingriffen dem sich stetig entwickelnden Marktplatz der Videostandards angepasst werden konnte.

So unterscheidet sich das hier getestete Modell DLA-X7900 äußerlich praktisch gar nicht von den in den letzten Jahren getesteten JVC DLA-X5500 und JVC DLA-X7000. Das Gehäuse, das Objektiv und die grundsätzliche Konstruktion der Light Engine samt D-ILA-Panels sind de facto unverändert.

Anschluss für den Funksender der 3D-Brillen und Trigger zur Kontrolle von Leinwand oder Deckenlift
Zweimal HDMI mit voller 4K/60Hz-Auflösung, Anschluss für den Funksender der 3D-Brillen und Trigger zur Kontrolle von Leinwand oder Deckenlift (Foto: R. Vogt)

Zu den wichtigsten Neuerungen der aktuellen Modelle gehört die nun komplette Implementierung der neusten Video-Standards und deren Verbesserung gegenüber früheren Generationen. Die vorigen HDR-Funktionen wirkten alle noch unausgereift und nicht wirklich auf den Punkt.

Und endlich schalten sich Signal-abhängig auch die verschiedenen Modi automatisch und korrekt um, wo man bislang stets als Anwender per Fernbedienung tätig werden musste. So verwaltet der Standard-Bild-Modus „Natürlich“ selbständig verschiedene Einstellungen für 2D- und 3D-Filme.

Voreinstellungen für HDR10
Voreinstellungen für HDR10 (ST.2084) und künftige TV-Sendungen (HLG) (Foto: R. Vogt)

Verbessert hat JVC signifikant die HDR-Wiedergabe und zwar in vielerlei Aspekten. Das beginnt damit, dass der JVC DLA-X7900 nun auch einen kleineren erweiterten Farbraum namens „HDR“ zur Verfügung stellt, der etwas kleiner ist als der riesige „BT.2020“, aber kein Farbfilter erfordert und damit spürbar heller ist.

Dann hat man das für Ultra-HD-Blu-rays und Streaming übliche Gamma endlich korrekt mit „ST.2084“ benannt und die korrekte Kurve implementiert. Was übrigens eigentlich nicht mehr Gamma heißen darf, die korrekte Bezeichnung für diese Umsetzung von elektrischen in sichtbare Signale heißt nun Electro Optical Transfer Funktion mit dem schönen Namen Perceptual Quantizer, kurz „PQ“, also an die Wahrnehmung anpassend.

Lobenswert ist auch, dass JVC bereits das für künftige TV-Ausstrahlungen benötigte Hybrid Logarythmic Gamma, kurz HLG, implementierte.

Vorwärts Zurück
JVC Fernbedienungen
Die neue Fernbedienung ist mit weißem Licht im Dunkeln besser ablesbar… (Foto: R. Vogt)
Fernbedienung mit Direkt-Tasten
…und hat seit der vorigen Generation ein neues Layout mit anderen Direkt-Tasten (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Unscheinbar, aber ebenfalls wichtig: JVC hat die Infrarot-Fernbedienung überarbeitet. Die blieb in der Form gleich, hat aber keine gummierte Oberfläche mehr. Das fühlt sich zwar weniger wertig an, aber dafür wird es auch nicht mehr irgendwann „klebrig“.

Die Tasten sind nun dank weißer und etwas hellerer Hintergrundbeleuchtung im Kino besser abzulesen als die ehemaligen mit funzeligem Bernstein-Ton.

Die überarbeiteten Speicher der Bild-Modi haben nun direkte Tasten und auch das Lensmemory ist ohne Menü-Umwege abzurufen. Immer schon eine gute Idee: getrennte Tasten zum Ein- und Ausschalten.

JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X5500
JVC 3D-Brillen und Einsteck-Funksender (Foto: R. Vogt)

Bei den Anschlüssen des JVC DLA-X7900 bleibt alles beim Alten: zweimal HDMI mit 18Gbs für alle Auflösungen und Frequenzen bis 4K/60Hz bei voller Farb-Bandbreite mit 10Bit. Analoge Videoeingänge bleiben ausgestorben.

Zur Steuerung und für Service-Zwecke dienen RS-232 und LAN. Für 3D-Wiedergabe muss man den Funksender JVC PK-AG3 zu 99 Euro erwerben und in die 3D-Synchro-Buchse einstöpseln.

Man kann Universal-Funkbrillen verwenden oder die teuren, aber sehr guten JVC PK-EM2 (149 Euro) verwenden. Mit dem Trigger lassen sich Leinwände oder ein Projektor-Lift kontrollieren.

Installation und Handhabung des JVC DLA-X7900

In der Praxis ist der JVC DLA-X7900 ein echtes Universalgenie, denn das bewährte Objektiv ist knackscharf, bietet einen riesigen Verstellbereich für Zoom und Shift und ist dabei fast frei von Verzerrungen, chromatischer Aberration oder Vignettierung, selbst im maximalen Weitwinkel- oder Telebereich.

Alle Objektiv-Paramater plus Bildgeometrie oder Scaler-Voreinstellungen, etwa für CinemaScope-Anamorphoten-Linsen, lassen sich in bis zu zehn frei benennbaren Speichern hinterlegen.

Vorwärts Zurück
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
Das Installations-Menü mit zahlreichen Voreinstellungen für Konvergenz (Pixel-Einstellung) und CinemaScope-Anamorphoten et cetera (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
Die Parameter rund um alles, was mit dem Objektiv zu tun hat (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
Bis zu zehn Objektiv-Positionen und alles, was damit zu tun hat, lassen sich speichern und benennen (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Das ist praktisch, zumal sich alle optischen Einstellungen dank elektrifiziertem Objektiv auch per Fernbedienung direkt an der Leinwand stehend feineinstellen lassen. Die Wiederholgenauigkeit der Lens-Memory ist gut, aber nicht perfekt.

Es hilft, eine Einstellung ein paarmal aufzurufen, dann feineinstellen und erneut speichern. So passt es in aller Regel dauerhaft.

Vorwärts Zurück
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
In einem Bildmodus lassen sich verschiedene Voreinstellungen kombinieren… (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
… das gewährt maximale Flexibilität und Reaktion auf Eingangssignale (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
Verschiedene Presets, hier etwa für die Farb-Verwaltung, lassen sich getrennt einstellen (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
…oder auch die Voreinstellungen für die Skalierung auf 4K-Auflösung (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Das Angenehme für Experten und Fachleute ist, dass JVC alle nur erdenklichen Teil-Parameter in kleinen Grüppchen sortiert als Presets verwaltet, etwa die Farbtemperaturen oder die Gamma-Kurven. Diese lassen sich dann in den verschiedenen Modi modular und flexibel zu einem Ganzen kombinieren oder modifizieren.

Das ist nicht gerade Laien-freundlich, aber enorm vielseitig und genial für jeden, der sich ein wenig auskennt. Im Alltagsgebrauch ruft man nur noch die Modi auf – fertig.

Bevor sich der JVC dem Sichttest auf der 3,5m-CinemaScope-Leinwand des LowBeats Testkinos stellen durfte, wurde er ausgiebig kalibriert.

Der JVC DLA-X7900 hatte bereits 176 Stunden auf der Lampe und konnte in kleiner Lampenstufe immerhin noch einen stattlichen Lichtstrom von 1230 Lumen und bei Vollgas 1655lm lockermachen – wohl bemerkt mit gebrauchter Lampe und D65 kalibriert.

Seit Jahren etwas seltsam ist die Werkseinstellung für den Schwarz-Offset, welcher erst, nachdem man den Helligkeits-Regler ein paar Klicks hochgedreht hat, dunkle Bildteile überhaupt zeigt.

Positiv wie schon bei vorigen Modellen gleicher Baureihe: besonders in kleiner Lampenstufe – die ja bereits kräftig hell ist– ist das Betriebsgeräusch sehr unauffällig.

Bildeindruck und Feintuning

JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)
Der JVC DLA-X7900 beim Testen unter dem hauseigenen Sony VPL-VW300ES (Foto: R. Vogt)

Das Ergebnis auf der Leinwand unterschied sich denn auch – sofern aus der Erinnerung und aus Testnotizen verifizierbar – kaum vom JVC DLA-X5500 aus der Vorgängerserie. Angenehm bleibt die unschlagbare Flexibilität des JVCs, den man wie keinen anderen Projektor-Typen detailliert an Gegebenheiten und Geschmack anpassen kann.

So sind die Japaner bislang die einzigen, die für unter 10.000 Euro einen Beamer mit einer brauchbaren Zwischenbildberechnung anbieten, die auch bei 4K und HDR noch funktioniert. Und deren Algorithmen haben die Entwickler nochmal entscheidend Artefakt-ärmer hinbekommen als bislang.

Auch die 4K-Aufbereitung namens eShift wurde noch einmal nachgetunt. Trotzdem, bis FullHD, etwa von Blu-ray, fand ich das Bild nativ und ohne eShift knackiger und ruhiger. Wenn dann höher aufgelöste Bilder kommen, schaltet der Projektor eShift selbst wieder ein.

Hier war mir aber in Werkseinstellung die Nachschärfung ein wenig zu heftig. Beim remasterten Klassiker Blade Runner auf UltraHD Blu-ray trat die Filmkörnung unangenehm hervor. Eine Reduktion der Nachschärfung auf einen kleinen Wert sah toll aus.

Wie überhaupt die HDR-Wiedergabe des JVC DLA X7900 gerade auch dank des neuen, helleren Farbraums ohne das Filter richtig gut aussieht.

Mit Bordmitteln lässt sich auch ein noch hellerer HDR-Modus generieren, der angenehm anzuschauen ist. Im Alltag stört aber immer noch die lästig lange Umschaltzeit des JVCs bei Signalwechseln, in der Gegend von zehn und mehr Sekunden.

Fazit: HDR endlich im Heimkino angekommen

Riesige Unterschiede gibt es zur Vorgänger-Serie nicht, merklich verbessert hat sich aber die Zwischenbild-Berechnung (Clear-Motion-Drive) und alles rund um das Thema HDR-Wiedergabe. Und: Der Preis wurde gesenkt.

Keine anderen Projektoren bieten die Universalität der JVCs in Sachen Signal-Kompatibilität, Flexibilität in der Kalibrierung und Verwaltung, zumal mit komplett automatisierbaren Objektiv-Einstellungen. Ebenfalls ungeschlagen ist der On/Off-Kontrast mit Pechschwarz bei überdurchschnittlicher Helligkeit im Bild.

Dennoch, unter uns: Wenn man auf Cinemafilter für extragroße Farbräume (etwa AdobeRGB) und THX-Modus verzichten kann, ist der eigentliche Knaller der aktuellen Modelle der kleinere Bruder JVC DLA-X5900, der praktisch das gleiche bietet, aber nur 4.499 Euro kostet.

Verwandte Beiträge:
Test: JVC DLA-X5500 HDR-Projektor mit Megakontrast
Test 4K Highend-Projektor JVC DLA-X7000BE
Exklusivtest Highend-Universalplayer Oppo BDP-203
Test: Rein digitaler UltraHD-Blu-ray-Player Cambridge CXUHD
Test Stewart Filmscreen Phantom HALR: die Mega-Kontrast-Leinwand

JVC DLA-X7900
2018/01
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertungen:
Bild
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überdurchschnittlich hell + tiefes Schwarz
Scharfes, flexibles Objektiv mit Lensmemory
Sehr plastische 3D-Wiedergabe
langsame HDMI-Synchronisation

Vertrieb:
JVCKENWOOD Deutschland GmbH
Konrad-Adenauer-Allee 1-11
61118 Bad Vilbel
www.jvc.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
JVC DLA-X7900BE (schwarz): 5.999 Euro
JVC DLA-X7900WE (weiß): 5.999 Euro

JVC DLA-X5900BE (schwarz): 4.499 Euro
JVC DLA-X5900WE (weiß): 4.499 Euro

JVC PK-AG3 (3D-Funksender): 99 Euro
JVC PK-EM2 (3D-Shutterbrille): 149 Euro

Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.