Canton Smart GLE 9
Die Canton Smart GLE 9 vereint Flexibilität und in Relation zum Preis hohes Klangpotenzial. (Foto: Canton)

Test Canton Smart GLE 9: Solo für zwei

Nomen est Omen sagt man. Doch selten verbarg sich hinter dem derzeit viel strapazierten Namen „Smart“ eine so clevere Produktidee wie bei der Smart-Serie von Canton. Dazu zählen neben der hier getesteten Canton Smart GLE 9 auch andere nützliche Netzwerk-Produkte wie der Smart Soundbar 10, der insgesamt 600 Watt starke Smart Amp 5.1 oder der AV-Vorverstärker Smart Connect 5.1.

Das Tolle an dem Konzept: Die Smart GLE 9 kann als Stand-alone-Aktiv-Box betrieben werden oder mit einer der beiden Black-Boxen in Verbindung mit weiteren aktiven oder sogar passiven Canton-Boxen zu einem Heimkino-System ausbauen, das in seiner höchsten Ausbaustufe sogar Dolby Atmos in hoher Qualität wiedergeben kann. Diese Flexibilität ist einzigartig, zumal die Hessen einen verblüffend gut gemachten Virtualizer in ihren Vor- und Vollverstärkern einsetzen. Doch hier soll die Canton Smart GLE 9 im Mittelpunkt stehen.

Canton Smart GLE 9 Display
Das Monochrome Display arbeitet mit Abkürzungen, lässt sich aber recht gut aus großer Distanz ablesen (Foto: H. Biermann)

Es handelt sich dabei um einen 3-Wege-Lautsprecher mit Bassreflex-System. Mit einem empfohlenen Preis von 1700 Euro ist die Smart GLE 9 die günstigste ­Standbox­ der ­Smart-­ ­Serie. Das Wort günstig bekommt noch eine andere Bedeutung, weil es sich um ein smartes Aktiv-Konzept handelt. Wenn es sein muss, genügt ein via Bluetooth (AptX für Übertragung in CD-Qualität wird unterstützt) verbundenes Smartphone, um in einem größeren Wohnzimmer standesgemäß Musik zu hören. Verstärker sowie auch konventionelle Quellen sind nicht mehr nötig. Gleichwohl lassen sich aber zahlreiche Quellen anschließen. Dafür stehen ein je ein Cinch-sowie ein symmetrischer XLR-Analogeingang bereit. Dazu kommen ein koaxialer und ein optischer Digitaleingang sowie ein USB-Eingang.

Canton Smart GLE 9 Anschluss
Die Smart GLE 9 eignet sich für Wireless-Betrieb, bietet aber auch zahlreiche Digital- und Analog-Eingänge (Foto: H. Biermann)

Die Smart GLE 9 lässt sich vom Fernseher oder Blu­-ray­-Player direkt ansteuern. Das ermöglich der eingebaute Dolby-­Digital-­ und DTS­-Decoder. Wer HDMI­-Quellen anschließen möchte, der benötigt den drahtlosen Vorverstärker Smart Connect 5.1 mit seinen vier Eingängen und einem ARC-tauglichen Ausgang. Andere AV-Funktionen wie die Delay­-Funktion oder ein Dynamikkompressor für nächtliches Filmschauen oder eine Infrarot­-Lernfunktion für den Betrieb mit Systemfernbedienungen hat Canton bereits in die beiden Boxen integriert.

Die Bestückung der Canton GLE 9

Den Klanganspruch der Canton Smart GLE 9 unterstreichen Mittel- und Tieftontreiber aus Aluminium, die im Hochtonbereich von der 2,5-cm-Alu-Mangan-Kalotte unterstützt werden. Zwei 19,2-cm-Tieftöner sorgen in Verbindung mit einem optimal abgestimmten Bassreflexkanal für ein strammes Tieftonfundament.

Canton Smart GLE 9 BR-Port
Der Bassreflex-Kanal der Smart GLE 9 befindet sich auf de Rückseite. Hier sieht man auch die etwas schlichte Finish-Qualität des Gehäuses (Foto: H. Biermann)

Die mehrfach gewölbten Wave-Sicken, die auch im 17,4-cm-Mitteltöner zum Einsatz kommen, ermöglichen einen großen Hub und sorgen für geringe Partialschwingungen bei hohen Frequenzen. Für optimales Abstrahlverhalten bekam der 2,5-cm-Hochtöner eine Transmission Front Plate und ein schalloptimiertes Schutzgitter aus Metall. Was die Treiber betrifft, gibt es keinen Unterschied zur knapp 700 Euro günstigeren Passiv-Variante der Canton Smart GLE 9.

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Canton Smart GLE 9 Hochtöner
Typisch Canton: Aluminium-Mangan-Kalotte mit Wave-Guide (Foto: H. Biermann)
Alu-Membran
Die Canton Smart GLE 9 vertraut auch in dieser Klasse auf Leichtmetall-Chassis (Foto: H. Biermann)
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Wenn man bedenkt, dass jedem der beiden Aktiv-Lautsprecher 350 Watt Sinus zur Verfügung stehen, bekommt man also ein Gesamtpaket, das man zu dem Preis mit Einzelkomponenten klassischer Prägung und Passiv-Boxen kaum toppen könnte. Das gilt erst Recht, weil Aktiv-Technik eben nicht nur die Elektronik-Komponenten einsparen kann. Durch die direkte Ansteuerung der einzelnen Chassis bieten sich Möglichkeiten, deren Impulsverhalten und Frequenzgang zu kompensieren. So kann Canton bei hohen Pegeln dezent die untere Grenzfrequenz im DSP heraufsetzen, um exzessiven Hub und die damit einhergehenden Verzerrungen oder gar Beschädigungen zu vermeiden.

Wie üblich haben wir nachgemessen: Die Verzerrungswerte sind für einen Lautsprecher dieser Preisklasse schlichtweg sensationell:

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Canton GLE 9 @94 dB
(Messung: J. Schröder)
Canton GLE 9
(Messung: J. Schröder)
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Bei normaler Zimmerlautstärke (94 Dezibel) zeigen sich GAR KEINE (!) Verzerrungen. Und selbst bei 102 Dezibel (ein Wert, auf den man noch locker 12 Dezibel zum Errechnen der Maximallautstärke draufrechnen darf) tauchen die kleinen Verzerrungs-Höcker nur dezent im unteren Bereich auf. Das spricht für eine fantastische Treiber-Qualität, aber auch für eine exzellent funktionierende Bassregelung.

Außerdem erhält der Nutzer die Möglichkeit, die Smart GLE 9 an den Raum respektive die Aufstellungsposition anzupassen. Das monochrome, blau illuminierte LED-Display im Fuß der Lautsprecher gibt eine karge, aber zielführende und weithin sichtbare Rückmeldung. Denn Canton setzt – ganz gegen den allgemeinen Trend – stoisch auf eine Fernbedienung. Die wurde obendrein ausgesprochen puristisch gestaltet.

Fernbedienung
App-stinenz: Canton vertraut bei seiner Smart-Serie auf die gute alte Fernbedienung (Foto: H. Biermann)

Klingt viel teuerer

Im Hörtest gaben die beiden 107 cm hohen Standsäulen eine starke Vorstellung. Was die Tonalität betrifft, braucht man bei Canton heute eigentlich nicht viel Worte zu verlieren. Unter dem langjährigen Chef-Entwickler Frank Göbl folgen alle Boxen einer klaren Linie, die mit äußerster Ausgewogenheit mit dem einstigen „Taunus-Sound“ etwa so viel gemeinsam hat wie ein iPhone mit einem Wählscheibentelefon. Die Canton Smart GLE 9 machte keine Ausnahme und profitierte dabei in der Präzision von der hauseigenen Leichtmetall-Chassis-Technologie, die Klängen kaum Kolorationen hinzufügt und Impulsen treu folgt. Das verhalf dem Duo zu einer ungestümen Spielfreude, wie man sie von Passiv-Boxen mit einem kleinen Verstärker zu diesem Preis kaum geboten bekommt.

Was allerdings auch Kenner der passiven GLE 9 verblüffen dürfte, sind die tieferen Tonlagen. Ja, auch hier liefern alle Cantons durch die Bank solide Ergebnisse im Bezug auf ihr Gehäusevolumen. Doch durch die Aktivierung mit ihren immensen Möglichkeiten bei der Entzerrung und Raumanpassung legten die beiden Canton Smart GLE 9 los, als hätten sie noch einen Subwoofer im Gepäck. Und wir reden hier von einem amtlichen Subwoofer mit tiefem, knackigem Punch und tollem Timing, nicht von einem Brüllwürfel wie man ihn von zahlreichen Soundbars kennt.

Zwar sind die GLEs keine Pegelmonster, doch für die allermeisten Wohnzimmer endet ihre Schalldruckkapazität erst weit jenseits der zu erwartenden Toleranz weiterer Hausbewohner. Auch die Auflösung kennt Grenzen, doch versucht das Canton nicht durch einen Nachschlag beim Hochtonpegel für Extra-Strahlglanz zu übertünchen, sondern setzt auf Harmonie und Ehrlichkeit. Für ein seidiges Flair bei Stimmen reichten die Fähigkeiten aber allemal. So leistete sich die Smart GLE 9 keine echten Schwächen und verspricht ein Maximum an Performance und Flexibilität.

Ambiente
Durch die verschiedenen Möglichkeiten, die die Canton Smart GLE 9 in Bezug auf die Aufstellung bietet, kann man sie auch in einer akustisch eher schwierigen Umgebung wie dem LowBeats Wohn-Hörraum sehr gut zum Klingen bringen (Foto: H. Biermann)

Fazit Canton Smart GLE 9

Fast scheint es, als habe Canton mit der Aktivierung seiner klassischen Modelle auf „Smart“ ein Abo auf Preis-/Leistungs-Knüller gebucht. Nicht nur die kürzlich getestete Smart Vento 9 Canton ist ein echtes Highlight, auch bei der deutlich günstigeren Smart GLE 9: leisten sich die Hessen sich keine Ausreißer – zumindest nicht nach unten.

Diese Smartboxen lassen in der Summe ihrer Eigenschaften vergleichbare konventionelle Passiv-Anlagen klassischer HiFi-Prägung hinter sich. Hinzu kommen Vorteile wie besondere Bass-Performance, einfache Raumanpassung und Wireless-Konnektivität. Und wer auf anspruchsvolles Wohnambiente steht, der dürfte sich über den Wegfall eines Elektronik-Stapels freuen.

Was im Grunde für alle Smart-Speaker der Hessen richtig ist, gilt für die Canton Smart GLE 9 gleich doppelt: Weil sie gekonnt alle Vorteile der neuen Smart-Plattform mit den Vorzügen der günstigen GLE-Standboxen vereint und so zu einem konkurrenzlos guten Angebot wird.

 

Canton Smart GLE 9
2021/01
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Druckvoller, natürlicher Klang mit sauberem, tiefreichendem Bass und stabiler Abbildung
Raumanpassung und Voicing für besser verständlichen TV-Ton möglich
Geringer Platzbedarf in Relation zu einer gleichwertigen Stereo- oder AV-Anlage
Überragende Preis/Klang-Relation

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Canton Smart GLE 9: 1.700 Euro (Paarpreis)

Technische Daten

Canton GLE 9
Konzept:Wireless 3-Wege-Aktivbox mit Virtual Surround-Decoder und DSP
Bestückung:2 x 19 cm Bass, 1 x 17,5 cm Mitteltöner, 25 mm Hochtonkalotte
Besonderheit:Lautstärke-abhängiger Basspegel, Voice-Modus für besser verständlichen TV-Ton
Eingänge:2 x analog: (Cinch / XLR), diegital: 1 x Coax, 1 x optisch, 1 x USB, BT
Abmessungen (B x H x T):21,0 x 106,3 x 30,0 cm (inkl. Füße)
Gewicht:
19,2 Kilogramm
Alle technischen Daten
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Hintergrund: Canton DC – mehr Bass, weniger Verzerrungen

Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.