Home / Test / Kopfhörer / Kopfhörer stationär / Test Denon AH-D7200: der perfekte Over-Ear?
Der Denon AH-D7200 zu Hause
Der geschlossene Over-Ear Hörer Denon AH-D7200 ist sicherlich für zu Hause gedacht, aber dank niedriger Impedanz von 25 Ohm auch durchaus Smartphone-tauglich und damit mobil. Sein Preis: 799 Euro (Foto: C. Dick)

Test Denon AH-D7200: der perfekte Over-Ear?

Seit vielen, vielen Jahren sind die Kopfhörer von Denon gern gesehene Testgäste in den HiFi-Redaktionen. Bei der letzten Generation um den AH-D7100 aber winkten alle höflich ab. Egal, wie gut die Modelle auch geklungen hätten – sie sahen zu eigenwillig aus: unverkäuflich. So sahen es wohl auch die Leute von Denon Europa und insistierten nicht weiter. Umso schöner, dass Denon nun mit der Serie 200 wieder auf die Ursprungs-Idee von „schlicht & edel“ zurück kam. LowBeats Autor Claus Dick hatte das Flaggschiff der Serie, den Denon AH-D7200, für einige Wochen zum Test und kann fast nur Bestes berichten.

„Reference Headphone“ – so nennt Denon selbstbewusst sein geschlossenes, dynamisch arbeitendes Top-Kopfhörer-Modell Denon AH-D7200 mit Walnuss-Gehäusen. Nachvollziehbar, wenn man um die 50 Jahre währende Erfahrung der Japaner in puncto Kopfhörer-Kreation weiß. Und um die Klangqualitäten der beiden Vorgänger AH-D7000 und AH-D7100. Beide glänzten mit hinreißenden Performances. Aber was den AH-D7100 angeht, nicht unbedingt durch gnadenlose Schönheit: Vor gut fünf Jahren für eine vom Marketing auserkorene Zielgruppe von fiktiven „Music Maniacs“ gestylt: Beulig geformt aus einem Kunststoff- und Holzmix, wirkte der damals mit 1.250 und zuletzt 1.000 Euro recht teure Nobel-Hörer doch ziemlich gewollt.

Der Denon AH-D7200 besticht dagegen optisch sofort mit highendigem Charisma – ähnlich wie sein Vor-Vorgänger AH-D7000. Eine eher klassische, konsequente Linienführung ohne Schnickschnack, mit warm getönten Walnuss-Schalen und mattem Aluminium nebst Schafsleder macht den Neuen zum Inbegriff klassischen Kopfhörer-Designs. Und obendrein gilt – auch wenn die Wörter schon einige Jährchen auf dem Buckel haben – das Motto „form follows function“. Dazu gleich mehr.

Die Materialien des DEnon AH-D7200-2
Viel weiches Leder, Walnuss-Holz und solide, fein polierte Metallteile charakterisieren die Haptik des Denon AH-D7200 (Foto: C. Dick)

Doch wer sind die Konkurrenten des Japaners? In der Preisliga um 800 Euro tummeln sich nicht allzu viele Modelle – entweder versammeln die sich vermehrt im Bereich von 400 bis 500 oder wieder oberhalb 1.000 Euro. Insofern müsste er sich mit seiner Performance deutlich von unten abgrenzen und sich auf Augenhöhe der 1.000er-Hörer positionieren. Vom Prinzip her gedacht, gehen die meisten HiFi-Kopfhörer – wie der AH-D7200 – als dynamische Modelle auf die Bühne, es gibt aber auch ein paar Kombattanten, die als Magnetostaten durchaus potent mitspielen, wie es beispielsweise HiFiman erfolgreich zeigt. Fein ist es, wenn HiFi-Hörer nicht nur an der heimischen Anlage funktionieren, sondern dank guten Wirkungsgrads auch via Smartphone oder Tablet & Co für Musikgenuss sorgen. Um es vorwegzugreifen: Der Denon AH-D7200 ist so ein Kandidat, auch wenn vielleicht nicht jeder einen 400 Gramm-Kopfhörer mit auf Reisen nehmen möchte. Allerdings ist seine geschlossene Over-Ear-Bauform eine sichere Gewähr dafür, dass der mitreisende Nachbar von den großen Klangbildern nichts mitbekommt…

Aufbau und Verarbeitung des Denon AH-D7200

Doch zurück in die Zukunft: Glänzte der AH-D7000 mit polierten Mahagoni-Schalen, beeindruckt der AH-D7200 an gleicher Stelle mit matt gehaltenen 100-Prozent-Echtholz-Walnussgehäusen, die nicht nur schön aussehen, sondern dank selbstdämpfenden Eigenschaften unerwünschte Resonanzen und Reflexionen killen sollen.

Die Materialien des DEnon AH-D7200
Schlicht & edel: Der Denon AH-D7200 verwöhnt Finger und Ohr mit feinem Leder und fein geschliffenem Nussbaum. Die Anschlüsse sind von den Ohrmuscheln mechanisch entkoppelt, damit Geräusche über das Kabel den Klang nicht beeinträchtigen  (Foto: C. Dick)

Die Ohrschalen hängen dank Kugellager und Raststufen nebst nummerierter Markierungen kipp- und drehbar am Kopfhörerbügel aus einer Aluminiumlegierung. Das matt gehaltene, kühle Aluminium setzt einen schönen haptischen Kontrast zu den flauschigen Ohrpolstern.

Der Anpass-Mechanismus des Denon AH-D7200
Auch die Metallteile des Denon AH-D7200 sind robust und präzise ausgeführt. Die Anpassung an die unterschiedlichen Kopfgrößen ist durch Kugellager umgesetzt. Das lässt eine lange Lebensdauer erwarten (Foto: C. Dick)

Oben umspannt den Bügel weiches Schafs-, auf der Unterseite gepolstertes Kunstleder mit beinahe schon coolen Steppnähten. Die Ohrpolster formten die Denon-Entwickler aus speziell für den Hörer konzipierten Kunstlederbezügen, die sich über Memory-Schaum legen und sich schmeichelnd-sanft auf der Haut anfühlen. Langzeit-Sessions sind für den AH-D7200 also kein Problem, sondern beinahe eine Pflicht. Mit all diesen Zutaten soll sich der AH-D7200 individuell auf jedes Haupt einstellen lassen. Das funktionierte auch genauso. Und aufgesetzt: Der japanische Kopfschmuck saß leicht mit sanftem seitlichem Andruck auf dem Kopf. Der „alte“ AH-D7000 wirkte vergleichsweise doch einen Tick leichtfüßiger, obwohl beide mit 370 (alt) respektive 385 Gramm (neu) ein ähnliches Gewicht auf die Waage bringen.

Den Tragekomfort des „alten“ 7000er empfand ich als etwas leichter. Dennoch sitzt der Neue angenehm und ist trotz spürbarem Ohrenandruck (der für guten Halt und einen guten akustischen Abschluss der Muscheln sorgt) auch nach längerer Zeit nicht unbequem. Die Rasterung lässt sich leichtgängig einstellen.

Die Leder Ohrpolster des Denon AH-D7200
Das Leder ist angenehm weich, die Verarbeitung, in diesem Fall die Vernähung, exzellent. Das trägt man gern (Foto: C. Dick)

Schön: Das beiliegende 3-Meter-Kabel mit Gewebehülle lässt sich an den Muscheln mit einem Klick bequem an- oder abstecken, dabei weisen farbig markierte Ringe den richtigen Weg nach links oder rechts. Zudem besteht die Strippe aus ultrareinem, sauerstofffreiem (99,99999 Prozent) „7N“-Kupfer, extra nach Denon-Spezifikationen im Land der aufgehenden Sonne angefertigt.

Der Klinkenstecker des Denon AH-D7200
Hohe Qualität, wo das Auge hinsieht: Auch der Klinkenstecker und das stoßsichere Kabel sind vom Feinsten (Foto: C. Dick)

Und: Schwebend gelagerte Buchsen verbinden Kabel und Hörmuscheln – damit keine mechanischen Geräusche vom Kabel überspringen. Weiterer Clou: „7N“ zieht auch in puncto Innenverdrahtung des Kopfhörers seine Strippen. Unterm Strich wirkt der AH-D7200 sehr wertig, damit kann er in puncto Verarbeitung selbst mit teureren Konkurrenten auf Augenhöhe mithalten. Ob das auch in Bezug auf den Klang gilt, sollte sich im Vergleichs-Hörtest (auf der nächsten Seite) zeigen.

Die Anschlüsse des Denon AH-D7200
Jede Ohrmuschel hat ihr Anschlusskabel. Das Ganze ist aber mechanisch so geschickt gelöst, dass man Berührungen am Kabel nicht hört (Foto: C. Dick)

Seite 1    Denon AH-D7200: Aufbau, Verarbeitung
Seite 2    Technik, Klangvergleich, Fazit, Bewertung