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Gato Audio FM-8 vorn + hinten
Die Gato Audio überrascht durch einen extrem edlen und klanglich vollwertigen Auftritt. UNd das zum sehr fairen Preis von 1.700 Euro pro Paar (Foto: Gato)

Test Kompaktbox Gato Audio FM-8: klein, fein, stark

Dänisches HiFi ist immer irgendwie besonders. Wo deutsches oder US-amerikanisches HiFi gern mal burschikos oder einfach nur plump daherkommt, hebt sich das „danish design“ fast immer wohltuend ab. Als hätte die Mutter aller dänischen Audiofirmen, nämlich B+O, seinen nationalen Mitherstellern einen dicken Absatz ins Stammbuch geschrieben: Siehe zu, dass du deinen Komponenten noch ein Pfiff mitgibst, der alles etwas liebevoller und begehrenswerter macht. Gato Audio ist wie eine Art Inbegriff dieser Tugenden: Die Geräte sind einfach bildhübsch. Das gilt besonders für die Elektronik. Aber auch für die Lautsprecher wie die Gato Audio FM-8.

Gato DIA 250S
Dafür ist Gato bekannt: Beste Elektronik extravagant verpackt. Hier der Vollverstärker DIA 250S (Foto: Gato)

Die Gato Audio FM-8 muss man schon mögen, wenn man sie nur auspackt: viel schwerer als gedacht und mit einem solchen High-End-Flair gesegnet, wie man ihn für den Preis nicht vermutet hätte. Die FM-8 ist das kleinste Modell im Programm der Dänen und auch das günstigste. Doch was man hier für 1.700 Euro pro Paar (in Nussbaum Hochglanz: 1.800 Euro) geboten bekommt, ist wirklich allerhand. Da rede ich nicht nur von dem makellosen Lackfinish der furnierten Testversion. Eine Dynaudio Excite X 18, ebenfalls einen Dänin und 1.800 Euro günstig (und im Hörraum eine der erbittertsten Gegnerinnen), sah im Wettbewerb um die Schönheitskrone optisch eher alt aus.

Gato Audio FM-8 Zeichnung
Sehr kompakte, aber stimmige Maße: die Gato Audio FM-8 (Zeichnung: Gato Audio)

Die kleine Gato Audio FM-8 ist mit gerade mal 8 Litern Innenvolumen und einer Gesamthöhe von nur 30,0 Zentimeter ja wirklich nicht groß. Umso erstaunlicher, was in ihr steckt – beziehungsweise: was da rauskommt. Doch dazu später mehr im Hörtest. Damit der Ton so fein sein kann, ist die kleine 2-Wege-Box edel bestückt: mit Hoch- und Tiefmitteltönern von SB Acoustics. Das ist derzeit mit das Beste, was man heute bekommen kann.

Zum Beispiel der Hochtöner, ein 38 Millimeter durchmessender Ringradiator. Seine Kalottenmitte ist – gut zu erkennen durch die kleine Senke – fixiert. So entstehen zwei konzentrische Ringe, über die der Schall abgestrahlt wird. Hat ein Ringradiator gegenüber einem konventionellen Kalotten-Hochtöner Vorteile? Schwer zu sagen. Die große Fläche garantiert zumindest für eine hohe Dynamik und geringe Verzerrungen – siehe die LowBeats Messungen unten.  Der spezielle Aufbau sorgt für eine breite Abstrahlung und hohe Breitbandigkeit – er läuft bis 35 KHz. Der eigenwillige Hochtöner kommt dabei keineswegs von der SB-Stange, sondern wird nach Gato Vorgaben perfekt auf die FM-8 getrimmt – Treiber-Expertise hat Gato genug im Haus.

Gato Audio FM-8 Kalotte
Der Hochtöner der FM-8 ist ein sogenannter Ringradiator mit auffällig großer Sicke, die zur schallabstrahlenden Fläche dazugehört. Mit ihr addiert sich der Durchmesser des Schwingsystems auf 38 Millimeter. Charakteristisch für SB Acoustic ist die kleine Senke in der Mitte der Kalotte (Foto: H. Biermann)

Der Tiefmitteltöner entsteht ebenfalls nach Vorgaben von Gato Audio. Es ist ein 15 Zentimeter Tiefmitteltöner mit massivem Korb und einer Mineralien-gefüllten Kunststoffmembran, die als äußerst resonanzarm gilt.

Gato Audio FM-8 Tiefmitteltöner
Der Tiefmitteltöner ist ebenfalls bei Gato erdacht und wird durch einem stattlichen, belüfteten Magneten angetrieben (Foto: H. Biermann)

Untersützt wird der kleine Tiefmitteltöner von einer Bassreflex-Konstruktion, deren Öffnung auf der Rückseite sitzt – vorn auf der Schallwand wäre einfach kein Platz mehr gewesen. Prinzipiell hat es – gerade bei 2-Wege-Boxen – sowieso Vorteile, die Bassreflexöffnung nicht nach vorn strahlen zu lassen, weil manchmal auch Mitteltonanteile das Bassreflexrohr passieren und damit die Wiedergabe beeinträchtigen. Sitzt die Öffnung auf der Rückseite, ist davon nichts zu hören. Aber man muss diesen Punkt bei der Aufstellung berücksichtigen: Eine Position direkt an der Wand verbietet sich, weil die Bass-unterstützende Reflex-Funktion dann außer Kraft gesetzt wird. Der Mindestabstand sollte 5 –10 cm nicht unterschreiten.

Gato Audio FM-8 Logo + BR-Port
Das markante Gato Audio Logo sitzt wie die Bassreflex-Austrittsöffnung auf der Rückseite der kleinen Box (Foto: H. Biermann)

Hoch- und  Tieftöner der Gato Audio FM-8 sind in ihrem Übertragungsverhalten so konstruiert, dass die beiden von einer impulsgenauen Frequenzweiche mit flachen Filtern (und damit nur wenigen Bauteilen) getrennt werden können. Größere Unlinearitäten werden mittels spezieller Parallelfilter eingeebnet. Spricht man mit den Gato Leuten, betonen sie immer diese Punkt: Phasenlinearität und bestmögliche Impulsgenauigkeit sind für sie wichtiger als ein wie mit dem Lineal gezogener Frequenzgangsschrieb.

Gato Audio FM-8 Bauteile
Die Frequenzweiche der FM-8 ist sehr flach ausgelegt, im Signalweg finden sich nur hochwertige Bauteile. Die vielen (günstigeren) Elktrolyt-Kondensatoren sind Teil von Korrekturgliedern, mit denen die Entwickler den Frequenzgang und die Impulsgenauigkeit verbessern  (Foto: H. Biermann)

Die Treiber sind nicht plan in der Schallwand eingebaut. Das ist Teil des akustischen Konzepts, denn so sitzt der Tiefmitteltöners ein bisschen weiter vorn. Für eine optimale Impulswiedergabe ist es immer von Vorteil, wenn die Schwingspulen von Hoch- und Tiefmitteltöner vertikal auf einer Ebene liegen. Dann ist die Chance, dass die Signale beider Treiber exakt gleichzeitig am Ohr des Hörers ankommen, am größten.

Gato Audio FM-8 Gehäuse
Gato Audio versucht erst gar nicht, die Treiber plan in die Schallwand zu versenken: die Befestigungsringe sitzen erhaben obendrauf (Foto: H. Biermann)

Alle Schraubverbindungen sind übrigens mit Gewindeschrauben ausgeführt – keineswegs selbstverständlich in dieser Preisklasse. Aber die einzige Gewähr, dass so ein Lautsprecher auch nach 20 Jahren noch etwa so präzise klingt wie am ersten Tag…

Gato Audio FM-8 Gewindeschrauben
Beruhigend: Die Treiber weden mittlels Gewindeschrauben in der Schallwand festgehalten (Foto: H. Biermann)

Doch vor allem das Gehäuse ist eine Sensation. Gato selbst nennt es „FusedMASS-Gehäuse“. Jede Wand ist ein Sandwich aus einer dicken MDF-Plattenschicht, einer dünnen Schicht aus weichem und schwerem Bitumen und einer dritten Schicht aus sehr hartem HDF. Jede dieser Schichten hat ein anderes Resonanzverhalten und durch die Addition dieser verschiedenen Materialien wird das Komposit weitestgehend ruhig gestellt. Zudem ist die Schalldurchlässigkeit erheblich geringer als bei einfachen MDF-Wänden.

Gato Audio FM-8 Gehäuse
Das Bild zeigt die unterschiedlichen Schichten des FM-8-Gehäuses. Rechts davon die Luftspulen der ausgebauten Frequenzweiche (Foto: H. Biermann)

Das Bild eines unlackierten Gehäuseteils zeigt die Idee hinter FusedMASS noch etwas besser: möglichst viele Schichten mit jeweils unterschiedlichem Resonanzverhalten ergeben zusammen ein ebenso steifes wie akustisch optimal bedämpftes Gebilde.

Gato Audio FM-8 Gehäuse2
Das Bild zeigt die unterschiedlichen Schichten des FM-8-Gehäuses (Foto: Gato Audio)

So ein Aufwand ist absolut selten in dieser Klasse. Und dann noch mit einem so makellosen Lack-Finish. Ich wiederhole mich gern: Die Gato Audo FM-8 wirkt schon vom Anfassen her deutlich teurer als sie sie ist.

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