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Magnat RV4
Der Magnat RV4 ist schon wegen seiner Röhren-Vorstufe besonders. Sein Preis liegt bei 3.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Magnat RV4 – Hybrid-Vollverstärker mit BT

Die Diskussion, ob denn nun Röhren- oder Transistorverstärker besser klingen, gibt es im HiFi schon fast so lange, wie die beiden Prinzipien schon miteinander konkurrieren. Die Röhren-Verstärker gelten allgemein als klangfarbenstärker und natürlich klingender, die Transistor-Amps haben in der Regel sehr viel mehr Leistung – die leider von den meisten der heute angebotenen Lautsprecher immer noch benötigt wird. Einige wenige Hersteller kombinieren also Röhre und Transistor schlau zu einem so genannten Hybrid-Verstärker, bei dem die Röhren den Vorverstärker-Part übernehmen und Transistoren in der Endstufe für ausreichend Leistung sorgen und versuchen, auf diese Weise das Beste aus beiden Welten zu vereinen. So wie bei den Verstärkern des italienischen Nobel-Herstellers Unico. Oder wie beim Magnat RV4.

Der Magnat RV 4 von vorn
Der Magnat RV 4 arbeitet erkennbar mit Röhren. Der Hybrid-Vollverstärker leistet über 150 Watt. Das Bullaugen-Display ist – gemessen an der Größe – gut lesbar. Die Abmessungen des Hybrid-Amps liegen bei (B x H x T): 43,4 x 15,7 x 41 cm (Foto: Magnat)

Wie der Name schon verrät, ist der Magnat RV4 der vierte einer schon zehn Jahre existierenden Verstärker-Ahnengalerie. Die Vorgänger RV1 und RV2 waren exzellente (und unterschätzte) „echte“ Röhrenverstärker.

Doch mit ihren knapp 50 Watt pro Kanal waren sie für die Modelle aus eigenem Haus (Magnat und Heco) wohl nicht kräftig genug. Leistung ist mit dem Hybrid-Konzept (ab RV3) kein Thema mehr. Der RV3 hatte gute 250 Watt pro Kanal, der Magnat RV4 kommt immerhin noch auf 150.

Die Technik des Magnat RV4

Wie bitte? Ein Leistungsrückgang in diesen Zeiten? „Ganz genau“, sagt Shandro Fischer, der Kopf hinter allem, was bei Voxx (Mutterkonzern von Heco, Magnat, Oehlbach) Musik macht. „Beim RV3 hatten wir das Gefühl, Leistung und Netzteil sind nicht wirklich ausgewogen. Dem Klang fehlte es ein wenig an Substanz.“

Deshalb hat der Magnat RV4 bei gleichem Netzteil zwei Transistoren (vom Typ Sanken) weniger und damit auch eine geringere Ausgangsleistung. Aber, das kann ich an dieser Stelle schon festhalten: an allen angeschlossenen Lautsprechern erwiesen sich diese 150 Watt als absolut ausreichend.

Magnat RV4 – Trafo
Unter dem stählernen Aufsatz des Magnat RV4 befindet sich nur der gewaltige (und gekapselte) Ringkerntrafo, der aus dem flachen Gehäusedesign herausragt. Er trägt einen Großteil zum Gesamtgewicht von 18,5 Kilo bei (Foto: H. Biermann)

Was nicht zuletzt am stattlichen Trafo liegt. Weil er deutlich höher baut als der Rest der Elektronik, hat Magnat Produktdesigner Helmut Thiele eine durchaus auffällige Optik mit gebogenen Kühlkörpern und einer Art Mittelaufbau geschaffen, unter der der besagte (gekapselte) Ringkerntrafo abgeschottet seine Arbeit verrichtet.

Die Vorstufensektion des Magnat RV4 beruht auf den optisch hübsch in Szene gesetzten E88CC-Röhren der Marke Electro Harmonix. Sie stammen aus russischer Produktion und erfüllen als SQ-Typen sogar den strengen Militärstandard.

Wohl auch deshalb spricht Magnat von 20.000 bis 50.000 Betriebsstunden – das ist mehr, als die meisten Menschen in ihrem Leben überhaupt intensiv Musik hören. Das Röhren-Duo wird vorgealtert und danach paarweise selektiert.

Magnat RV4 – Röhren
Sie bringen den Röhrenklang: 2 E88 CC Vorstufenröhren aus russischer Produktion (Foto: H. Biermann)

Sieht man einmal von dem besonderen Äußeren ab, erscheint der Magnat RV4 wie ein vergleichsweise normaler Verstärker. Doch auf der Rückseite fallen zwei Besonderheiten ins Auge: Zum einen getrennte Phonovorstufen für Phono MM und MC.

Schon das ist heutzutage außergewöhnlich. Und Magnat hat sich für die Entwicklung dieser Analogstufen Hilfe beim Fink Audio Consulting geholt, wo Walter Fuchs (ehemals SAC) die Elektronik-Entwicklungen leitet. Fuchs ist ein ausgewiesener Analog-Experte und so bietet sich hier – etwas überraschend – ein echtes Analog-Schätzchen.

Wir haben die Plattenspieler um 2.000 Euro (Elac Miracord 90, Rega Planar 6, Technics SL 1200GR) teilweise an ihm gehört und beurteilt: der RV4 zeigte alle Feinheiten und charakterlichen Unterschiede der drei sehr verschiedenen Laufwerks/Tonabnehmer-Kombinationen.

Magnat RV4 – Phono
Das bietet in dieser Klasse kaum ein Verstärker: getrennte, hochklassige Phono-Vorstufen für MM und MC (Foto: H. Biermann)

Zum Zweiten wäre da noch die Kurzantenne auf der Rückseite – ein Hinweis auf die (drahtlose) Bluetooth-Fähigkeit. Magnat hat auch hier in die Vollen gegriffen und die denkbar kompromissloseste Lösung gefunden: mit dem aktuellen Qualcomm-Chip und aptX-Technik, die eine Wiedergabe fast auf CD-Niveau gewährleistet.

Stimmt schon: das steht in quasi jedem Prospekt. Aber ich habe den Magnat RV4 über mehrere Wochen im Büro stehen gehabt und muss festhalten, dass Bluetooth von meinem Rechner noch nie so gut geklungen hat.

Magnat RV4 – BT-Anschluss
Der aufwändig gelöste Bluetooth-Empfänger komplettiert die Luxusausstattung (Foto: H. Biermann)

Neben Phono- und Bluetooth-Zuspielung bietet der Magnat RV4 auch noch vier analoge Hochpegel-Eingänge (Cinch) sowie zwei Digital-Eingänge (1 x Koax, 1 x optisch). Der RV4 hat also auch einen eingebauten DAC.

Der Wandlerbaustein von Burr-Brown kann Signale bis 24/192 Kilohertz verarbeiten. Das ist jetzt nicht rekordverdächtig, aber absolut praxisgerecht: Welches HiRes-Musikfile kommt tatsächlich in einer höheren Auflösung? (Und wenn doch: Hört man das überhaupt noch?)

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