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Lyravox SM3-150 in Wohnambiente
Da fühlt sich der Lyravox SM3-150 am wohlsten: an der festen Wand eines Design-Wohnzimmers. Das Komplettsystem kostet 11.900 Euro (Foto: Lyravox)

Test Lyravox SM3-150: der beste Soundbar der Welt?

Der Soundbar – oder im Deutschen sehr viel holpriger: der Klangriegel – hat schon längst die Musiktruhe der 1950er und 1960er Jahre beerbt. Man kann nur staunen, welche Möglichkeiten die (meist) kleinen und flachen Dinger bieten und welch erwachsener Klang aus diesen überwiegend sehr günstigen Musiktruhen-Erben herauskommt. Aber machen wir uns nichts vor: Sie wurden in erster Linie erdacht, um den TV-Ton besser zu machen; das ist nicht unbedingt die Grundlage für bestes HiFi. Anders sieht es bei dem Lyravox SM3-150 aus: Die Macher der Hamburger Manufaktur Lyravox fanden die Idee des Soundbars zwar absolut überzeugend, deren Umsetzung aber nicht.

Und so machten sie sich daran, einfach die weltbesten Soundbars zu erschaffen. Solche, die auch höchsten audiophilen Ansprüchen genügen. Insofern ist der Lyravox SM3-150 gar nicht unbedingt mit einem Soundbar von Samsung, Yamaha oder Nubert zu vergleichen, sondern eher in der Tradition eines JBL Paragon zu sehen, des wohl nobelsten Einbox-Stereo-Systems der HiFi-Gründerzeit.

LowBeats Autor Andreas Günther ist ein Klassik-liebender Audiophiler und deshalb zu Spezialkonstruktionen wie Soundbars oder anderen Einbox-Systemen äußerst kritisch eingestellt. Trotzdem hat ihm der Lyravox SM3-150 ausnehmend gut gefallen. Hier ist sein Bericht:

Ein wenig Phantasie ist nötig. Und ein wenig historisches Wissen. Dann erinnert der Lyravox SM3-150 an die Musiktruhen aus jener Zeit, als unsere Eltern noch jung waren. Damals gab es auch Musikgenuss aus einer Stand-Alone-Kombi. Mit großem Verkaufserfolg. Doch funktioniert das Konzept auch heute? Die Verkaufszahlen von Lyravox sind gut. Was auch daran liegt, dass hier ein Maximum an Handarbeit aufgeboten wird. Wer jemals in der Manufaktur in Hamburg war, muss staunen über die Massivität des Aufbaus und den fantastischen Umgang mit Holz und anderen Edelmaterialien.

Die Gravur des Lyravox SM3-150
Jeder Lyravox SM3-150 hat seine eigene, individuell geprägte Plakette mit Seriennummer & Co (Foto: H. Biermann)

Das ist ebenso liebevoll wie perfektionistisch, vor allem individuell. Jedes Finish ist denk- und machbar. Hier ist die hohe Handwerksqualität, die Liebe zu jedem Detail spürbar. An diesem Punkt jedenfalls erhebt sich der Lyravox SM3-150 weit über die „normalen“ Soundbars. Die geprägte Metallplatte auf dem Oberteil des Klangriegels unterstreicht diesen Anspruch.

Der Blueprint des Lyravox SM3-150
Planung wie bei einer Nobel-Yacht: der SM3-150 ist stattliche 148 Zentimeter breit, 30 cm hoch und 19 cm tief (Zeichnung: Lyravox)

Kein Vergleich zu den Musiktruhen unsere Väter ist zudem der technische Aufwand, den Lyravox betreibt. Jedes moderne Medium ist an Bord. König Kunde kann streamen bis 24 Bit und 192 Kilohertz, dafür sorgt ein Wandlerbaustein, den Lyravox beim deutschen Hersteller Audivo zukauft. Wer nicht streamen will, kann ganz einfach auch einen USB-Stick zustecken.

Die Anschlüsse des Lyravox SM3-150
Im hinten aufgesetzten Blechkleid sitzen gut abgeschirmt die Endstufen- und die Vorstufen-Sektion. Der SM3-150 hat ausreichend Anschlussmöglichkeiten für fast alle Gelegenheiten: analoge, digitale plus Netzwerk und plus USB (ganz oben). Insofern kann der noble SM3-150 auch die klassischen Funktionen eines Soundbars im Zusammenspiel mit dem TV übernehmen (Foto: H. Biermann)

Oder man verbindet sich mit dem Smartphone – im Inneren des Lyravox SM3-150 wartet ein Bluetooth-Empfänger (für Android User sogar ein Apt-X-Empfänger) auf Signale. Wer es ganz konventionell mag, kann das CD-Laufwerk auf der Front mit Silberscheiben bestücken. Lyravox bedient sich hier bei TEAC, die ein (auch bei Mitbewerbern oft genutztes) rein für CD optimiertes Slot-In-Laufwerk liefern. Wer ganz verwegen beispielsweise seinen Plattenspieler anschließen will, darf auch das: Lyravox hat dem SM3-150 auch analoge Eingänge bewilligt.

Der CD-Slot des Lyravox SM3-150
Der CD-Player ist ein mechanisch solides Slot-Laufwerk. Wer könnte sich auch in einem solchen Nobel-Soundbar eine klapprige Lade vorstellen…? (Foto: H. Biermann)

Natürlich sind auch die modernen Klanglieferanten an Bord. Lyravox hat sich für Tidal und Quobuz als Streamingdienste entschieden. Darüber hinaus gibt es tausende von Internet-Radiostationen. So baut man eine moderne Musiktruhe.

Der Aufbau des Lyravox SM3-150

Der SM3-150 hat zwar nur ein großes Gehäuse, ist aber, wie der Name schon sagt, ein StereoMaster (SM). Und er ist ein 3-Wege Aktivsystem, dessen einzelne Zweige direkt von den eingebauten Endstufen angetrieben werden. Die Digital-Endstufen kommen auf 1500 Watt Gesamtleistung und stammen von Pascal in Dänemark. Auf dem Weltmarkt bedient sich Lyravox auch bei der Beschaffung der zwölf Lautsprechertreiber. Die vier Tieftöner stammen von Wavecore: dänische Ingenieurskunst und asiatische Produktions-Geschicklichkeit. Auch die kompakten Ringstrahler sind von allerbester Qualität – sie kommen vom dänischen Edelhersteller Scan-Speak.

Die Anordnung ist etwas ungewöhnlich: der linke und der rechte Kanal sitzen halt in einem Gehäuse. Man sollte das Konzept deshalb nicht unterschätzen – allein schon die vier 20 cm Subwoofer-Bässe sind mit derart viel Leistung im Rücken zu einem fantastisch substanziellen Bass in der Lage.

Die Bestückung des Lyravox SM3-150
Die Frontbestückung des Lyravox SM3-150: pro Kanal zwei 20 cm Subwoofer-Bässe, ein 8 cm Tiefmitteltöner mit Alu-Membran und ein überragend beleumdeter Ringstrahler-Hochtöner von Scan-Speak (Foto: H. Biermann)

Die kompakten Mittelhochton-Einheiten, bestehend aus Ringradiator-Hochtöner plus 8 cm Tiefmitteltöner, liegen möglichst weit auseinander – im Falle des SM3-150 also fast 140 Zentimeter. So entsteht ein großzügiger Stereo-Eindruck.

Die Seitentreiber des Lyravox SM3-150
Die Seitentreiber des Lyravox SM3-150: es ist der gleiche 8 cm Tiefmitteltöner wie bei der Frontbestückung und ebenfalls ein Ringstrahler für den Hochton – allerdings nicht ganz von der überragenden Qualität des Front-Hochtöners. Aber es geht hier ja nur um den Effekt… (Foto: H. Biermann)

Damit aber nicht genug: Eine sehr ähnliche Mittelhochtoneinheit sitzt an den schmalen Seitenwänden des Layravox SM3-150, um das Stereo-Panorama deutlich zu erweitern. Lyravox Entwickler Jens Wietschorke nutzt zwar einen DSP, aber nur, um die einzelnen Kanäle optimal anzusteuern oder um die Gruppenlaufzeit zu korrigieren und nicht, um etwa – wie bei Surround-Soundbars üblich – besonders räumlich zu klingen. Die großzügige Räumlichkeit des Lyravox SM3-150 ist also rein mechanisch und funktioniert bestens; dazu später mehr.

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