Es gibt Komponenten, die gibt man nur höchst ungern wieder her. Sie finden den Weg in den Hörraum, man nutzt sie, probiert dies und jenes und stellt irgendwann fest: viel besser geht es nicht. Und mit jedem Tag wird die Versuchung größer, sie mit nach Hause zu nehmen und nicht mehr herzugeben… So geschehen mit dem CD/SACD-Player aus der Jubiläums-Kombination Marantz SA-KI Ruby, zu der auch der Vollverstärker PM-KI Ruby gehört. Beide waren erstmals auf der HIGH END 2018 zu sehen und zu hören, wurden aber erst im Herbst mit einer wunderbaren Präsentation im Amsterdamer Concertgebouw im Markt eingeführt (wir berichteten). Im Spätherbst fanden sie auch den Weg zu LowBeats – und mussten unglücklicherweise kurz vor Weihnachten wieder zurück zu Marantz. Ein Jammer. Aber glücklicherweise kein Doppelter.

Die Marantz KI Ruby Kombination ist in vielen Belangen außergewöhnlich. Zum einen technisch: Weil sie direkt von den Marantz Top-Komponenten PM-10 und SA-10 (8.000 und 7.000 Euro) abstammt und somit sehr viele Ähnlichkeiten mit ihnen aufweist, aber nur halb so viel kostet. Zum anderen, weil Marantz mit diesen Rubin-Komponenten seinen Sound Ambassador Ken Ishiwata (KI) würdigt, der dem Marantz Klang der letzten Jahrzehnte beharrlich seinen audiophilen Stempel aufdrückte.

Zur Erinnerung: Der heute 71-jährige Ishiwata kam 1978 zu Marantz, feierte also 2018 sein 40. Firmenjubiläum – deshalb der Rubin. Der in Belgien lebende Ishiwata hat wie kein anderer mir bekannter Japaner die High-End-Vorstellung von uns Europäern verstanden, verinnerlicht und seine eigenen audiophilen Ideale so weit wie möglich bei Marantz umgesetzt. Es ist sicherlich mit sein Verdienst, dass Marantz in Deutschland ein sehr viel audiophileres Image hat als die anderen japanischen Hersteller auf Augenhöhe. Wir sprechen von: Denon, Onkyo, Pioneer, Yamaha. Denn Klang-Botschafter Ishiwata hatte bei den meisten HiFi-Geräten ein gestrenges Auge auf die verwendeten Bauteile – und auf deren finale Abstimmung.

Die Ruby-Kombination ist ein weiteres Marantz Statement in Sachen Kontinuität, eine Würdigung seines Schaffens und die Quintessenz von vielem, was Ken Ishiwata im Laufe der Zeit für gut und richtig befunden hat. Und der stets zurückhaltende Ishiwata beteuert lächelnd, selbstverständlich auch 2028 (dann zu seinem 50. Jubiläum) die goldene Edition zu verantworten…

Da sind sicher einmal die sehr stabilen doppelwandigen Aluminium-Gehäuse mit verkupfertem oder teilverkupfertem Chassis. Kupfer hat sich als bester Schutz gegen Störstrahlung erwiesen. Auch lassen die beiden Komponenten der Marantz KI Ruby Kombination die lange mechanische Erfahrung von Marantz und dem Jubilar erkennen: Alle größeren Flächen wie der Deckel sind sinnvoll bedämpft; da klappert und resoniert nichts. Sowohl der PM-KI Ruby als auch der SA-KI Ruby wiegen über 15 Kilo, der Player sogar erstaunliche 1,5 Kilo mehr (insgesamt 17,1) als der Verstärker!

Ebenfalls viel Ishiwata-Herzblut steckt in den voll diskreten Baugruppen namens HDAM (Hyper Dynamic Amplifier Module). Das sind quasi ICs, die aber mit diskreten Bauteilen aufgebaut und deshalb deutlich größer sind als die klassischen integrierten Module. Bei Marantz beteuert man, die HDAM-Module seien “schneller” als ICs. Und so finden wir im Player der Marantz KI Ruby Komponenten bereits die dritte Generation HDAM.
Relativ neu ist die Class-D-Endstufe des Verstärkers. Hier wurde das Schaltverstärker-Konzept des Flaggschiff-Verstärkers PM-10 übernommen. Das erklärt, warum der PM-KI Ruby zu einer Leistung von über 2 x 200 Watt an 4 Ohm (2 x 100 Watt an 8 Ohm) fähig ist, obwohl weder ein riesiger Trafo noch große Netzteil-Kondensatoren zu finden sind. Die Schaltung erklärt auch das vergleichsweise geringe Gewicht.

Wie zufrieden Ishiwata mit diesen sogenannten Digital-Endstufen ist, war ihm nicht zu entlocken. Im Gespräch, das ich anlässlich der PM-10/SA-10-Präsentation in Eindhoven mit ihm führte, meinte ich herauszuhören, dass er trotz der vielen mitentwickelten Digitalkomponenten im Herzen immer ein “Analoger” geblieben sei – worauf auch die sehr “analog” aufgebaute Vorstufe mit eigenem Ringkerntrafo (auf dem Bild in der Mitte) und die absolut überzeugende Phono-Platine des PM-KI Ruby hinweist. Kleiner Einschub zum Thema Phono-Platine: Ich habe sie mit etlichen externen Phonostufen zwischen 400 und 700 Euro verglichen und hätte keine der externen vogezogen…

Der Vollverstärker PM-KI Ruby ist ein klassischer Vertreter seiner Art. Im Grunde kann er nicht viel, außer sauber zu verstärken. Die bei anderen Amps mittlerweile üblichen DACs sind in der Marantz KI-Ruby Kombination im SACD-Player untergebracht. Was ja sinnvoll ist: Denn die Digitalbausteine stören mit ihren Hochfrequenz-Emmissionen die sensiblen Vorstufen-Schaltungen.
Gut gelöst ist auch die Lautstärkeregelung. Ein Prozessor ermöglicht die stufenlose Einstellung und sorgt für eine hohe Kanalgleichheit mit geringem Rauschen. Lautstärke und Quelle, aber auch alle anderen Menü-Punkte werden im Bullauge dargestellt, welches der Front ihr charakteristisches Design verleiht. Das hat was.

Wie auch die Kopfhörerstufe, die ebenfalls mit HDAM-SA2 aufgebaut ist und über eine dreifache Impedanz-Anpassung verfügt. Nur mit einer solchen Anpassung wird man den verschiedenen Kopfhörer-Typen (mobil = niedrige Impedanz um 30 Ohm, stationär = hohe Impedanz um 300 Ohm) gerecht. Auch gut gemacht.
Der Player der Marantz KI Ruby Kombination: SA-KI Ruby
Ohne den beiden Ruby-Masterminds Ken Ishiwata und Rainer Finck zu nahe zu treten: Man darf sicherlich unterstellen, dass die wesentlichen Forschungsarbeiten für die Marantz KI Ruby Kombination bereits 2015/16 stattfanden – nämlich als Grundlage für die “großen” 10er Modelle. Die Herausfoderung bei der Ruby-Kombination war eher, mit viel Geschick den Technlogietransfer auf ein noch bezahlbares Niveau umzusetzen.

Seite 1 Marantz KI Ruby: Hintergrund, PM-KI Ruby
Seite 2 SA-KI Ruby (Fortsetzung), Hörtest, Fazit, Bewertung