Line Magnetic LP33 von der Seite
Sieht aus wie aus einer anderen Welt und klingt zum Niederknien gut: die Röhren-Phonostufe Line Magnetic LP-33 für 2.300 Euro (Foto: Line Magnetic)

Test Phono-Vorverstärker Line Magnetic LP-33: es lebe die Röhre!

Klong!“ Wenn ich dereinst den Line Magnetic LP-33 dem deutschen Vertrieb (IAG) zurückgeschickt haben werde, dann werde ich dieses Geräusch vermissen, das man von HiFi-Geräten heute eigentlich nicht mehr kennt, wohl aber von altem Labor-Equipment in grau lackierten Gehäusen, die manchmal auch Schrankformat haben können. Deren Haupt-Netzschalter, ein dicker, massiver Metallknebel, so wunderbar elastisch-straff von der Aus- in die An-Stellung schnalzt – und dabei eben jenes ungemein befriedigende „Klong!“ erzeugt, weil der knackige Schnalz-Impuls hektarweise solides Stahlblech als Resonanzboden vorfindet.

Line Magnetic LP33 Netzschalter
Damit alle wissen, was gemeint ist: Der massive „Klong„-Knebelschalter auf der Rückseite des separaten Netzteils (Foto: B. Rietschel)

Die Rotorsteuerung, die mein Vater einst für seine riesige Dach-Funkantenne baute, die unser Haus von Weitem wie einen Hubschrauber aussehen ließ, hatte das „Klong!“ ebenfalls drauf – allerdings begleitet von einem etwas heiseren Rasseln, das niemand störte und vermutlich einfach der Fertigungs-Unschärfe eines von A bis Z handgebauten Einzelstücks geschuldet war. Der Schalter selbst war schon deshalb über jeden Zweifel erhaben, weil er aus einem veritablen Atomkraftwerk stammte – nun ja, einem Forschungsreaktor, der ab und an irgendwelche obskuren, verschwenderisch gebauten Gerätschaften ausmusterte, die mein Vater dann teil-recycelte.

Das „Klong!“ beim Line Magnetic LP-33 tönt nicht ganz so sonor wie bei dem alten Funk- und Nuklearequipment. Und das liegt nicht daran, dass der komplett röhrenbestückte Phono-Vorverstärker aus China kommt. Im Gegenteil: Ohne chinesische Firmen wie Line Magnetic, ohne chinesische Entwickler wie die Vintage-begeisterten LM-Gründerbrüder Zheng gäbe es solche Geräte überhaupt nicht oder nur zum vielfachen Preis.

Denn hier, mit dem LP-33, betreten wir eine bizarre Parallelwelt selbst innerhalb des Line-Magnetic-Universums: Auf der einen Seite gibt es vergleichsweise modern gestylte Röhrengeräte wie den jüngst getesteten Vollverstärker LM 805 iA – der sich dennoch der archaischsten Schaltungsvariante bedient, die es überhaupt für Vollverstärker gibt.

Auf der anderen Seite die ganz klar historisierenden, oft direkt an alte Entwürfe aus Vorkriegs-Amerika angelehnten Retro-Steampunk-Vintagemaschinen für die ganz kompromisslosen Freunde des „Klong!“. Dafür lässt man in China dann auch mal Knöpfe aus Bakelit gießen und Zeigerstriche mit dem feinen Pinsel von Hand aufmalen, rekonstruiert Western-Electric-Horntreiber originalgetreu mit Feldspule samt der zugehörigen Röhren-Netzteile oder fertigt, während ein paar Kilometer weiter OLED-Displays millionenfach vom Band fallen, unnötig präzise Drehspul-Zeigerinstrumente nach, die aussehen, als hätte man sie aus Kapitän Nemos Nautilus ausgebaut, und die seit mindestens 60 Jahren in keinem Bauteilekatalog mehr stehen.

Line Magnetic LP-33: Vorne ist da, wo der Druckfehler ist

Die Verarbeitung des LP-33 ist souverän, das Design eigenwillig: Es gibt eine Frontplatte, die lediglich eine LED im Glimmlampen-Style und die Typenbezeichnung „Vacumm Tube Phono PRE-Amplifier LP-33 Phono“ (sic!) trägt. Hoho – da ist jemand im südchinesischen Zhuhai offenbar auf der Tastatur ausgerutscht und niemand hat‘s bemerkt. Eine Reminiszenz an die Zeiten, als man über chinesisches HiFi noch lachte. Hier belässt man‘s bei einem Schmunzeln, denn wo sonst auf der Welt werden zu diesem Preis so bezaubernde Sachen gebaut?

Der LP-33 ist für Line Magnetic eher ein kleiner Phono-Preamp und offiziell noch Teil des „modernen“ Lineups, aus allgemeiner HiFi-Sicht aber schon ein wirklich vollständiges, prachtvoll aufgebautes Gerät. Er besitzt zwei separate, auch parallel belegbare und mit einem kleinen Knebelschalter am Heck umschaltbare Eingänge für MM- und MC-Systeme, einen regelbaren Ausgang und ein separates Netzteil, das mit dem Hauptgerät über ein ca. 1 Meter langes Kabel mit präzise einrastenden Goldkontakt-Spezialsteckern in Verbindung steht.

Line Magnetic LP33 mit Netzteil
Hammerschlaglack auf Teakholz: Der LP-33 bietet mit seinem Netzteil aus jeder Perspektive einen schönen Anblick, der besser zu „richtigem“ Mobiliar passt als zu typischen HiFi-Racks. Netzteil und Hauptgehäuse werden über das mitgelieferte Kabel verbunden (Foto: B. Rietschel)

Optisch bildet das Stromhaus zusammen mit dem eigentlichen Preamp ein wunderbares Ensemble – beide tragen perfekten Old-School-Hammerschlaglack auf ihren dickwandigen, mehrlagigen Stahlblechgehäusen, die auch nicht einfach nur gestanzt und gebogen wurden, sondern an geschlossenen Kanten sauber zugeschweißt, versäubert und erst dann lackiert. Das ist wichtiger als die Frontplatten-Orthografie.

Das Geheimnis der Stille

So schön die beiden Gehäuse nebeneinander auf einem gemeinsamen 45-Zentimeter-Rackboden aussehen, sollte der Besitzer sie, nachdem er Fotos für die ersten Besitzerstolz-Posts bei Facebook oder Instagram gemacht hat, zügig wieder separieren, und zwar ruhig so weit, wie das Verbindungskabel es eben hergibt. Denn das Trafohaus emittiert wie alle Netzteile ein deutliches elektromagnetisches Störfeld, das noch in 30 Zentimetern Entfernung zum Hauptgebäude hörbar ins Signal einstreut. Also aus dem Weg damit. Dann herrscht im LP-33 eine souveräne Ruhe, wie sie Röhren-Phonos nur selten vergönnt ist.

Die Ruhe ist umso erstaunlicher angesichts der sehr hohen Verstärkung, derer sich der LP-33 befleißigt: bis zu 72 dB im MC-Modus und ebenfalls überdurchschnittliche 50 dB mit Magnetsystemen – damit kommt man je nach System weit über die 2 Volt Ausgangsspannung hinaus, die der Hersteller angibt. Mit Röhrenamps und deren notorischer Übersteuerungsfestigkeit sind derlei „heiße“ Quellen kein Problem.

Aber nicht alle Transistorverstärker-Eingänge goutieren solche Spannungshübe noch verzerrungsfrei. Der Lautstärkeregler des LP-33 hat also gleich zwei sinnvolle Aufgaben: Man kann damit verhindern, dass die Phonostufe stromabwärts folgende Verstärkerinstanzen überfährt – beziehungsweise empirisch einen für den Vor- oder Vollverstärker klanglich optimalen Ausgangspegel ermitteln. Und / oder man kann, wenn man das wünscht, Phono und andere Quellen auf eine einheitliche Lautstärke trimmen. Wer es satt hat, dass Platte nach CD immer so leise klingt – mit dem LP-33 lässt sich in vielen Fällen Pegelgleichheit herstellen.

Line Magnetic LP33 Gehäuse
Seitenausgang: Lautstärkeregler und Ausgangsbuchsen sind links hinten am LP-33 an einer kleinen, stabilen Platte montiert. Die ungewöhnliche Anordnung wurde vermutlich gewählt, um unnötige Leitungswege im Gerät zu minimieren (Foto: B. Rietschel)

Theoretisch könnte man den LP-33 auch direkt an einer Endstufe betreiben. Er ist dafür aber nicht konstruiert, wie man schon im Datenblatt an dem hohen Ausgangswiderstand von 10 Kiloohm erkennt – wobei aus der Herstellerangabe nicht hervorgeht, welcher Stellung des Ausgangspotis diese Impedanz entspricht. Lange, hochkapazitive Voodookabel und anspruchsvolle Endstufen-Inputs würde ich jedenfalls nicht damit treiben wollen.

Andererseits spielte der LP33 an einem Cayin CS 55 A mit unkritischen 100 kΩ Eingangsimpedanz auch dann noch ohne merkliche Klangeinbußen, wenn fünf Meter in-Akustik Ghost S1 dazwischen hingen – eigentlich ein Komponenten-Videokabel, das in Prä-HDMI-Zeiten mal einen Projektor versorgte, sich aber dank niedriger Kapazität und guter Schirmung gut für längere Cinch-Audiostrecken eignet. Good News für die Praxis, weil somit ein wichtiger Vorteil externer Phono-Preamps auch mit dem Line Magnetic LP-33 voll nutzbar ist: Man kann den Spieler samt Phonoteil endlich genau da aufstellen, wo er am besten erreichbar und optimal vor Störungen geschützt ist – auch wenn dieser Ort ein paar Meter vom Rest der Anlage entfernt ist.

Eine Umdrehung reicht – auch wenn der Knopf zehn könnte

Geregelt wird der Ausgangspegel von einem vornehmen, gekapselten ALPS-Poti aus der bewährten blauen Serie. Darüber war ich fast ein bisschen enttäuscht, weil ich etwas anderes erwartet hatte: Der verwendete Drehknopf nämlich gehört eigentlich zu einem 10-Gang-Wendelpoti alias „Helipot“, das seinen Regelbereich nicht über eine, sondern über zehn Umdrehungen ausbreitet. Der Knopf hat eine 360-Grad-Skalenscheibe sowie zusätzlich ein Zählwerk, das in einem kleinen Fenster die vollen Umdrehungen anzeigt und bei jeder Runde mit einem zarten „Ding!“ weiterschaltet. Braucht heute natürlich fast niemand mehr – auch Line Magnetic zumindest hier nicht. Aber der Knopf ist sauteuer und sauhübsch, und er lässt sich mit einem kleinen Schieber in jeder Position sicher arretieren, was dann doch noch einen kleinen Praxis-Bonus bringt.

Die Volume-Regelung an sich ist dagegen sogar enorm praktisch, gerade wenn man seine Spieler wie ich ein, zwei Schritte weg vom Verstärker stehen hat. Beim Auflegen oder Nadelputzen einfach kurz etwas leiserdrehen, irgendein komisches Hintergrundgeräusch schnell mal vergrößern, während man am Spieler steht, oder beim Umschalten vom MM- zum MC-Spieler schnell den Pegel anpassen – das ist ein echter Zugewinn, den ich nicht mehr missen möchte. Mit meinen verwendeten Verstärkern (Rega Io, Manley Stingray II, Cayin CS 55 A und einem Sennheiser HDVD-800 für Kopfhörer) erwies sich eine Reglerposition zwischen 65 und 70 als klanglich optimal. Der Anschlag ist bei etwas über 80 erreicht, nicht bei 100, weil gewöhnliche Potis bekanntlich keine vollen 360, sondern nur 280 Grad drehbar sind.

Line Magnetic LP-33: Hier verstärken Röhren und Übertrager

Im Line Magnetic LP-33 arbeitet kein einziger Transistor und erst recht kein IC – abgesehen von einem Halbleiter-Regler für die Röhren-Heizspannung, der sich verschämt in einer schattigen Ecke des Netzteils an die kühlende Stahlwand schmiegt. Das Anodenspannungs-Futter für die drei Doppeltrioden wird dagegen bereits mit Röhrenkraft aufbereitet: Nach dem Netztrafo folgt eine Gleichrichterröhre des Typs 6Z4, dann zur Glättung eine Siebdrossel (die aussieht wie ein zweiter, etwas kleinerer Trafo) und ganze Spaliere von hochwertigen Rubycon- und Nichicon-Elkos.

Line Magnetic LP33 Netzteil offen
Störungsfreier Genuss beginnt hier: Das Netzteil des LP-33 bereitet Heiz- und Anodenspannung für die drei Röhren auf. Als Gleichrichter für die Anodenspannung (ca. 250 Volt) dient eine 6Z4-Röhre aus chinesischer Produktion (Foto: B. Rietschel)

Die Elkos sitzen aber bereits nicht mehr in der Netzteil-Exklave, sondern im doppelten Boden des Hauptgebäudes, das für beste Stör-Immunität eine wunderliche Gehäuse-im-Gehäuse-Konstruktion aufweist: Wie die alten Messgeräte, an die er auch optisch erinnert, hat der LP-33 unter dem von außen sichtbaren, gelochten Deckel einen weiteren, feiner gelochten und in kontrastierendem Weinrot lackierten Lochblech-Schirm und darunter abermals eine Stahlblech-Wanne, in der dann schließlich die Hauptplatine thront.

Besagter doppelter Boden beginnt unter der Beletage, von dieser durch den Haupt-Chassisträger abgeschirmt und nach unten von einem weiteren Stahlblech-U. Neben den Sieb-Elkos für die Röhren finden sich hier unter jeweils eigenen, hermetisch dichten Mumetall-Hauben die wohl störempfindlichsten Bauteile des gesamten Preamps: zwei kleine Übertrager aus LM-eigener Fertigung, die MC-Signale rauschfrei auf MM-Spannungsniveau heben. Die Minitrafos besitzen zwei umschaltbare, mit „Low“ respektive „High“ bezeichnete Abgriffe zur Anpassung des Übersetzungsverhältnisses an Ausgangsspannung und Spulenimpedanz des verwendeten MC-Systems.

Line Magnetic LP33 Anschlüsse
Für Vielspieler: MM- und MC-Eingang sind parallel beleg- und umschaltbar, der Klang ist an beiden Inputs gleichermaßen überragend. Wer sich mal an die beiden Eingänge gewöhnt hat, will keinen Preamp mehr, wo man bei jedem Spieler- oder Systemwechsel umstöpseln, womöglich Deckel entfernen, Geräte aus den Rücken drehen oder an irgendwelchen Mäuseklavieren hermumstochern muss… (Foto: B. Rietschel)

Schalterstellung „Low“ entfesselt die volle Gain-Dröhnung mit insgesamt 72 dB Verstärkung, von denen allein 22 dB im Übertrager stattfinden. Hier fühlen sich sehr leise, niederohmige Systeme wohl, etwa das Linn Klyde mit seinen winzigen Vier-Ohm-Spulen und 0,15 mV Ausgangsspannung. „High“ passt für etwas lautere Systeme wie das Lyra Delos, auch wenn dieses MC schon wieder einen Sonderfall bildet, weil es eine relativ hohe Ausgangsspannung aus eher niederohmigen Spulen (6,3 Ω) holt. Umgekehrt verhält es sich beim Denon DL-103 mit nur 0,3mV aus schon recht hochohmigen 40 Ω-Spulen. Ohne das Thema MC-Anpassung ausgiebig diskutieren zu wollen: Auch diese beiden Systeme spielten am LP-33 – und sie spielten hervorragend.

MM- sowie je nach Schalterstellung Übertrager-gestärkte MC-Signale durchlaufen auf der Hauptplatine insgesamt drei Doppeltrioden – oder genauer: pro Kanal eineinhalb Röhren, allesamt vom Typ ECC803S aus der aktuellen Fertigung des slowakischen Herstellers JJ. Dabei teilen sich die beiden Kanäle die erste Röhre, die die gestärkten Signale dann an eine weitere Doppeltriode je Kanal weiterreicht, deren zwei Verstärkersysteme sich um RIAA-Entzerrung und Ausgangspufferung kümmern. Das Board ist piekfein aufgebaut, mit sauberen Lötstellen und durchweg hochwertigen Bauteilen: Langlebige Aluminium-Elkos von EPCOS als letzte Säuberungs-Instanz für die Speisespannung, sowie ein ganzes Sortiment teurer, in Deutschland produzierter Mundorf „MCap Supreme“-Folienkondensatoren als Koppel-Cs. Auch über die teflonisolierten und fest mit der Gehäusewand verschraubten Cinchbuchsen kann man keinesfalls meckern.

Line Magnetic LP33 Röhren
Die Hauptplatine des Line Magnetic LP-33 mit drei Doppeltrioden vom Typ ECC803S. Feinkost aus Deutschland: Die Folienkondensatoren im Signalweg stammen allesamt von Mundorf (Foto: B. Rietschel)

Wer unbedingt am LP-33 herumbasteln will, kann an den drei Röhrenpositionen praktisch alle Varianten der ECC83/12AX7-Doppeltriodenfamilie einsetzen – und sich irgendwelche klanglichen Verbesserungen einbilden. Nicht dass die wirklich nötig wären: Nach einigen Tagen Einspielzeit – in der der Preamp tatsächlich an Kraft und Format zulegte, wie Vergleiche mit anderen Phonos zeigten – will man eigentlich nur noch, dass der Klang möglichst für immer exakt so bleibt: cremig-ausgewogen und zugleich enorm feinsinnig, kraftvoll dynamisch.

Der Line Magnetic LP-33 im Alltag

In der Praxis verhält sich der Preamp völlig unauffällig – kein Rauschen, kein Brummen, keine Nebengeräusche, nichts. Zumindest solange man keine streuenden Netzteile in der Nähe des Hauptgehäuses postiert. Und da ist es dann auch egal, ob es das LM-eigene Power Supply oder das Steuergerät meines SME Model 10: In einem Bannkreis von etwa 40 Zentimetern um den LP-33 herum sollte einfach kein Trafo stehen. Dann ist Ruhe, und zwar auch mit dem superleisen Linn Klyde. Als Röhren-Phonopre jagt der LP-33 zwar nicht den Weltrekord in Rauscharmut, er stößt aber in Bereiche vor, die auch hochwertige Transistor-Phonostufen nicht immer erreichen. Das gilt besonders für MC, wo ihm seine Eingangsübertrager 20dB Extra-Gain praktisch ohne Rausch-Aufpreis schenken.

Line Magnetic LP33 mit SME 12
Es muss nicht gleich ein Plattenspieler-Bolide wie der SME 10 sein, um die Qualitäten des LP-33 zu erahnen (Foto: B. Rietschel)

Für den Hörtest verwendete ich hauptsächlich vier Spieler: einen Linn LP12 mit Kore-Subchassis, Lingo-2-Netzteil und einem Ekos-Tonarm der ersten Generation, bestückt mit besagtem Klyde. Ferner den SME Model 10 mit einem Lyra Delos, das den Part des etwas lauteren MC spielte. Dann den Überraschungs-Testgast Teac TN-5BB (der Test folgt in Kürze) mit einem für das serienmäßige Ortofon 2M Red eingewechselten Nagaoka MP150 in der Rolle des hochauflösenden MM-Abtasters, und schließlich den eher ganzheitlich-rund klingenden, aber für seinen lächerlichen Preis von 400 Euro unfassbar kompetent rockenden New Horizon 121.

Top-Laufwerke brauchen Preamps wie den Line Magnetic LP-33, um zu zeigen, was in ihnen steckt. Umgekehrt hat der Line Magnetic aber keinen besonders teuren Plattenspieler nötig und auch kein edles System, um seine Klasse zu offenbaren. Der New Horizon mit einer trashigen (aber taufrischen) AT91-Nadel reicht dem Hammerschlag-Chinesen als Input völlig aus, um einen auch nicht gerade billigen Transistor-Phono, der arglos auf einen Test wartete und das Pech hatte, gerade in Reichweite zu stehen, nicht nur einfach zu überbieten, sondern regelrecht zu zerstören. Vom Rack zu schubsen. Aus dem Hörraum zu jagen.

Und dazu muss auch keine ganz spezielle Musik laufen. Es kann auch einfach die Stoner-Rockband Kyuss mit dem sehr gutklingend wiederveröffentlichten 92er Album Blues For The Red Sun in den Hörraum einreiten. Auf gezähmten Dinosauriern, die im gemächlichen Passgang mit jedem Schritt kleine Minibeben erzeugen. Was für ein Sound! Über normale gute Phono-Pres muss man noch rätseln, ob die frisch eingetroffene Neuauflage (Rhino R1 61340) vielleicht noch matschiger klingt, als man es von der Band aus Arizona eh schon gewohnt ist.

Mit dem Line Magnetic dagegen füllt ein herrlicher harmonischer Reichtum die Hörraumluft, wenn Josh Homme und Nick Oliveri ihre bleischweren Gitarre-Bass-Riffs einkuppeln. Klar sind die Saiteninstrumente laut, komprimiert und verzerrt, aber das Ohr erkennt sofort und mühelos, ob die Obertonstruktur so stimmt oder eben nicht. Beim Line Magnetic stimmt sie, und der zuvor schwer durchdringliche Klangbrei bekommt Sinn, Tempo, unerwartete Transparenz.

Kyuss Blues For The Red Sun Cover
Schöner Geraderaus-Stonerrock: Blues For The Red Sun (Cover: amazon)

Akustischen Folk mit hoher Dynamik steuerte dann der SME 10 mit dem Lyra Delos bei: „The Livelong Day“ (2019, Rough Trade Records) der irischen Folk-Erneuerer Lankum ist eine Herausforderung für jeden Spieler und Preamp, weil sich Stimmen, Fiedeln und alle möglichen anderen Instrumente im Mittelton überlagern und die Produktion auch ganz offensichtlich mehr auf herbe Direktheit als auf schmusig-duftigen Celtic-Sound zielt. Der Line Magnetic verschafft hier wunderbaren Durchblick und natürliche Klangfarben, während die meisten Vergleichs-Preamps immer nur entweder das eine oder das andere hinbekommen.

Welche das waren, erzähle ich hier nicht. Denn keiner der probierten Mitbewerber war schlecht. Genaugenommen waren alle fürs Geld – die Preise rangierten zwischen 600 und 2500 Euro – sogar sehr gut. Nur diese Mischung aus Timbre-Präzision, Transparenz, ungekünstelter Dynamik und musikalischem Flow, wie sie der LP-33 hinbekam, schaffte sonst keiner. Will man den Line Magnetic toppen, muss man schon wirklich ernsthaft teurere Kaliber auffahren: den Canor PH1.10 etwa – selbst der war nicht in allen Belangen überlegen, konnte aber immerhin weitere Bühnen und konturiertere Bässe abliefern, ohne sich gleich in puncto Natürlichkeit angreifbar zu machen.

Wer primär auf Bass-Muskelspiel und Abbildungsmaßstab achtet, kommt am Line Magnetic vorbei – etwa mit dem KECES SPhono, der eine gewohnt erstklassige Vorstellung gab. Man darf sich nur nicht daran gewöhnen, wie es der Line Magnetic schafft, keine zwei Noten exakt gleich klingen zu lassen: Mit ihm ist die Musik in ständiger Bewegung, bekommt jede gesungene Silbe ihren eigenen Ausdruck, gleitet der Finger bei jedem gezupften Ton einen Hauch anders über die Saite. Diese Agilität, ohne im Gegenzug im Hochton zu übertreiben, bekommen nur wenige Preamps hin. Der Line Magnetic LP-33 ist in dieser exklusiven Gruppe nicht nur einer der günstigsten – und „einer der“ nur deshalb, weil nicht mal ich wirklich alle Phonoteile des Universums kenne – sondern zumindest für Freunde des gepflegten Vintage-Looks auch einer der schönsten.

Fazit

Abgesehen von der etwas höheren Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störfeldern ist der Line Magnetic LP-33 unkompliziert und universell wie eine gute Halbleiter-Phonobox, schlägt diese aber in vielen Fällen im MC-Rauschabstand. Klanglich will man nach dem Line Magnetic nur noch wenige andere Phonos akzeptieren, die zudem meist noch teurer sind: Agil, kraftvoll und trotzdem sensibel, lässt der LM die meisten Preamps im Hörvergleich holzschnitthaft und blass wirken. Für optimale Ergebnisse sollte der angeschlossene Verstärker einen möglichst hochohmigen Eingang bieten – mit 100 kΩ, wie sie zum Beispiel auch der Vollverstärker-Stallgenosse LM-34iA bietet, liegt man auf der sicheren Seite.

Line Magnetic LP-33
2021/03
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr natürlicher, ausdrucksstarker Klang
Rauscharm, auch mit sehr leisen MCs
Separate, umschaltbare Eingänge für MM + MC, praktischer Pegelregler
Netztrafo summt etwas

Vertrieb:
IAD GmbH
Johann-Georg-Halske-Strasse 11
41352 Korschenbroich
www.audiolust.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Line Magnetic LP-33: 2.299 Euro

Technische Daten

Line Magnetic LP-33
Konzept:Phonostufe für MM + MC, separiertes Netzteil
Bestückung:3 x Doppeltriode ECC803S
Besonderheit:extra-schlankes Aluminium-Gehäuse
max. empf. Raumgröße:20 – 25 Quadratmeter
Abmessungen Hauptgehäuse (B x H x T)30,2 x 13,1 x 13,9 cm
Abmessungen Netzteil (B x H x T):170 x 113 x 81 cm
Gewicht:
6,5 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Phonostufe Canor PH 1.10: dem Himmel so nah
Test New Horizon 121: Einsteiger-Plattenspieler mit Top-Laufwerk

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Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel
Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.