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Hat uns voll überzeugt: der kleine Technics SL-1500C hat eine formidable Komplettausstattung und und ist mit seinen 1.000 Euro sehr fair bepreist (Foto: Technics)

Test Plattenspieler Technics SL-1500C: Direktantrieb für alle

Schon klar, dass Technics seine Wiederauferstehung erstmal mit neuen Varianten der Marken-Ikonen SL-1200 und SL-1000 zelebrieren musste. Der Technics SL-1500C, um den es in dieser Geschichte geht, könnte jedoch mehr Leute glücklich machen als all seine prominenten Geschwister zusammengenommen. Das liegt zum einen an seinem äußerst fairen Preis, vor allem jedoch an der genialen Mischung aus perfekter Funktion und durchdachter Ausstattung.

Es hat eine gewisse Logik, erst die kompromisslosen Flaggschiffe auf den Markt zu bringen und deren Preis dann mit jeder folgenden Modellebene etwas weiter herunterzubrechen. Man muss nur wissen, wann man aufhört. Angesichts des SL-1500C möchte man der wiedergeborenen Panasonic-Tochter Technics „Jetzt! Genau jetzt! Stopp!“  zurufen. Denn mit dem 1500er hat Technics nach schrittweiser Annäherung aus dem Hochpreisbereich eine selten stimmige Balance zwischen Perfektion und Preisbewusstsein, Purismus und Praxistauglichkeit getroffen.

Der Antrieb des Technics SL-1500C: niedertourig und hochkomplex

Der SL-1500C ist wie alle neuen Technics-Modelle ein Direktantrieb-Spieler, sein Motor rotiert also selbst bereits mit der Platten-Drehzahl von 33⅓ oder 45 Touren pro Minute und treibt den Teller ohne weitere Übertragungsriemen oder -räder an. Das machen sonst nicht mehr viele Hersteller. Und noch bevor man eine feinsinnige Diskussion über klangliche Meriten verschiedener Antriebssysteme anfängt, sollte man bedenken, dass die heutige Allgegenwart riemengetriebener Spieler nicht auf einer irgendwie gearteten prinzipiellen Überlegenheit fußt. Sondern schlicht auf ihrem geringeren Konstruktionsaufwand: Die mit dem indirekten Antriebsstrang mögliche Entkopplung und freie Wahl der Übersetzung erlaubt mit nahezu jedem Motor – egal wofür der ursprünglich gedacht war – den Bau eines manierlichen Laufwerks. Direktantriebe dagegen benötigen spezielle, eigens für ihren Einsatzzweck konzipierte Motoren, die man für nichts sonst brauchen kann. Wer einen haben will, muss Entwicklung und Werkzeuge also komplett selbst finanzieren. Das konnten sich nur große Firmen leisten und auch die nur, solange auch entsprechende Stückzahlen davon verkauft wurden.

So starben Direktantriebe in den 80er Jahren weitestgehend aus. Bis in die Gegenwart gepflegt und kontinuierlich weiterentwickelt wurden sie eigentlich nur bei Technics, in den analogschwachen 90er und 00er Jahren gestützt durch die konstant hohe Nachfrage aus dem DJ-Markt, wo die Japaner nahezu eine Monopolstellung hatten. Und natürlich geht auch der Motor des Technics SL-1500C auf den des legendären SL-1200 zurück. Die Konstruktion ist deutlich kompromissloser und noch „direkter“ als andere Direct Drives – quasi ein Direktantrieb im Quadrat. Denn hier steckt nicht ein irgendein Teller auf einer Motorachse, um von dieser beschleunigt zu werden. Bei Technics ist der Teller zugleich Teil des Motors.

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Die Antriebsspulen des Motors sitzen hinter der grünen Leiterplatte (Foto: B. Rietschel)

Denn der Rotor des letzteren, ein 12,5 Zentimeter durchmessender Magnetring, ist fest mit der Tellerunterseite verbunden. Zieht man den Plattenteller von der Mittelachse, schaut man bei Technics direkt in die stationäre Hälfte des Motors: die Antriebsspulen (früher völlig offen und bei aktuellen Motoren lediglich von einer Leiterplatte verdeckt), die als Drehzahl-Geber für die Motorsteuerung dient.

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(Skizze: Technics)

Diese Spulen – sieben an der Zahl – werden von der Motorsteuerung abwechselnd unter Strom gesetzt. Das resultierende, wandernde EM-Feld zieht den Magnetring in die gewünschte Kreisbewegung. Es leuchtet ein, dass Drehzahlstabilität und Laufruhe dann direkt vom genauen An- und Abstieg der Spulenspannungen abhängen. Zumal hohes Drehmoment und relativ kleine Tellermasse dafür sorgen, dass Ungenauigkeiten ungefiltert an der Platte ankommen. Timing und Spannungsprofil der einzelnen Spulen werden daher von einer digitalen Elektronik genauestens überwacht und an die Betriebssituation angepasst. Heraus kommt eine vorbildlich geschmeidige, zugleich sehr kraftvolle Beschleunigung, die den Teller in lächerlichen 0,7 Sekunden völlig geräuschlos auf Solldrehzahl bringt und an dieser dann über Stunden oder nötigenfalls Tage eisern festhält – eben so lange, bis der Besitzer die Start/Stop-Taste wieder drückt, was den Teller dann mit der gleichen Vehemenz wieder abbremst.

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Die Kraftübersetzung passiert über Magnete, die auf der Unterseite des Plattentellers angebracht sind (Foto: B. Rietschel)

Alte 1200er waren genauso stark, liefen aber deutlich rauher. Der Wechsel von der noch in den 70er Jahren entwickelten analogen zur einer deutlich feineren digitalen Motorsteuerung kam erst mit dem 1200 M5G, dem letzten 1200er-Modell vor dem Technics-Dornröschenschlaf, der von 2010 bis 2016 dauerte. Dennoch ist der neue Antrieb eine Neukonstruktion, die zwar das Knowhow, nicht aber Gleichteile oder -baugruppen aus früheren Serien nutzt.

Der Technics fürs Wohnzimmer

Offensichtlichster Unterschied gegenüber den größeren aktuellen Modellen 1200G und GR ist beim Technics SL-1500C der Wegfall jeglicher DJ-Insignien: Der Tellerrand des 1500 trägt keine Strobo-Punktraster, die zugehörige Beleuchtung fehlt ebenso wie der Pitchregler. Audiophile sehen‘s mit Wohlgefallen, zumal die über die Tellerflanke erhabenen Aluguss-Strobomarken zur Diamanten-Todesfalle werden können, wenn mal eine Nadel rechts über den Plattenrand rutscht.

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Charakteristisch: die erhabenen Strobomarken auf den Plattentellern der 1200er Plattenspieler von Technics (Foto: Technics)

Schade ist es vielleicht um den oben im Strobozylinder versenkten Dreh-Netzschalter, eine elegante Extrawurstlösung aus diversen proprietären Bauteilen (und damit teuer), die hier einem simplen Taster weichen musste. Welchen die Technicer aber immerhin so schlau programmiert haben, dass er zum Abschalten ein kleines bisschen länger gedrückt werden muss. Damit wird verhindert, dass verirrte Finger, die eigentlich den Start/Stop-Taster suchen, versehentlich den ganzen Spieler abschalten.

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Sieht nach Aluminium aus, ist aber Plastik: die Drucktasten des SL-1500C (Foto: Technics)

Start/Stop befindet sich natürlich auch beim 1500 da, wo es bei einem Technics hingehört: links vorne, im klassischen Rechteck-Großformat. Allerdings nicht aus Alu, und auch nicht mit dem weichen Hub und dem sanft-metallischen „Klicklick“ wie bei den größeren Laufwerken, sondern als simpler Knick-Knack-Plastiktaster. Nur dass niemand sagt, wir hätten darauf nicht geachtet. Sicherlich relevanter: Der Teller ist ein gutes Pfund leichter als beim nächstteureren Modell, und auch die Zarge wurde abgespeckt. Vielleicht ist das der Performance-relevanteste Unterschied, denn der Technics SL-1500C muss ohne die massive Alu-Beplankung der größeren Geschwister auskommen. Sein Oberdeck besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, tönt im Klopftest etwas hohl und könnte für die füllige Grundton-Signatur mitverantwortlich sein, die der 1500 im direkten Vergleich zum 1200 GR zeigt.

Tonarm-Klassiker im neuen Gewand

Am Arm dürfte es nicht liegen, denn der entspricht tupfengleich dem des größeren Modells: Leichtgängig und wirklich spielfrei schwenkt sein S-förmiges Alurohr in den vier kardanisch angeordneten Kugellagern, vorne steckt man das serienmäßige Technics-Headshell dran, dass beim „C“ (vielleicht für „complete“?) sogar bereits mit einem Tonabnehmer bestückt ist. Und keinem schlechten, sondern dem bewährten Ortofon 2M Red, der sich per Nadeltausch zum Beispiel auch in das vornehmere Modell 2M Blue upgraden lässt. Wir probierten im Test aber nicht nur die 2M-Familie bis hoch zum Black, sondern experimentierten auch mit ganz anderen Systemen und Headshells. Denn schließlich ist eine der Stärken der Arm-Bauweise mit SME-Headshell-Anschluss der spielend leichte Tonabnehmerwechsel: In zusätzlichen Köpfen vormontiert und -justiert, sind Alternativ-Pickups mit wenigen Handgriffen am Start.

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Alter Bekannter: den Tonarm des SL-1500C kennen wir schon aus dem SL-1200GR (Foto: Technics)

Während Tonarmrohr, -lager und -lagergehäuse also alte Bekannte sind, sorgte die Höhenverstellung des 1500er-Arms zunächst für Verwirrung, dann für Erleichterung und schließlich freudige Überraschung. Auf den ersten Blick sieht sie nämlich genau aus wie die Helicoid-Verstellung à la SL-1200, wo man die gesamte Armeinheit durch Drehen eines großen, geriffelten Stellrads auf- und abwärts verfahren kann. Löst man aber den (ebenfalls vertraut aussehenden) Arretierungs-Schieber am Technics SL-1500C, lässt sich das Rändelrad trotzdem nicht drehen. Nix zu machen. Weil es zwar noch genau aussieht wie früher, aber eben offenbar kein Dreh-Rad mehr ist. Hat Technics die Höhenverstellung eingespart? Gemach! Auch beim 1500 lässt sich die Armhöhe (und damit der vertikale Abtastwinkel) einstellen. Sogar einfacher als bisher: Einmal entriegelt, lässt sich die Armbasis direkt durch vertikalen Zug oder Druck entsprechend verschieben – so wie das bei -zig anderen Arme schon seit eh und je gemacht wird. Nur ganz wenige jedoch (genau genommen keiner, der dem Autor bekannt wäre) stützen das Gewicht des entriegelten Arms so geschickt per Feder ab, dass der sich nur bewegt, wenn man ihn runterdrückt oder anhebt, ansonsten aber exakt seine Position beibehält.

Endlich mit korrektem VTA-Verstellbereich

Das ist aber erst der erleichternde und noch nicht der wirklich erfreuliche Part. Der kommt, wenn man mit einem HiFi-Tonabnehmer – auch einem eher flach bauenden – den VTA einstellen will und feststellt, dass der neue Arm endlich hinten weit genug runtergeht, um in jedem Fall und ohne Gebastel die gewünschte Parallelstellung zwischen Arm und Plattenoberfläche zu erreichen. Das erleichtert den Umgang mit höherwertigen Abtastern ungemein, denn bei deren Line-Contact-Nadeln können zwischen „Arm hinten knapp zu hoch“ und „VTA genau richtig“ Klang-Welten liegen. Nahezu alle früheren Technics-Modelle und auch die aktuellen 1200er erschwerten die Justage durch einen zwar sehr schön verstellbaren, insgesamt aber etwas zu hoch montierten Arm – der 1500er hat hier klar die HiFi-gerechtere Auslegung.

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Der Tonarm ist auch in der Höhe verstell- und so auf alle Tonabnehmer einstellbar (Foto: Technics)

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