Test Plattenspieler Technics SL-1500C: Direktantrieb für alle

Technics SL-1500C = Komfort total: Mit Endabschaltung und integriertem Preamp

Für die betont praxisnahe Ausstattung des 1500ers haben die japanischen Entwickler einen Orden verdient: Der Direkttriebler gehört mit einem Dual- und einem Pro-Ject-Modell zu den ganz wenigen wirklich HiFi-tauglichen Spielern am Markt, die noch eine Endabschaltung bieten. Und er sorgt mit einem integrierten Phono-Vorverstärker für universelle Kombinierbarkeit. Beide Features sind obendrein nicht irgendwie halbherzig, sondern sehr gut ausgeführt.

Technics_SL-1500C Endabschaltung
Airborn: Nach einiger Zeit reagiert die Endabschaltung: der automatische Lift hebt nach zehn Umdrehungen in der Auslaufrille den Tonarm an (Foto: Fono.de)

Die Endabschaltung lässt die Nadel nach Erreichen der Endrille noch genau zehn Umdrehungen laufen und aktiviert dann mit einem leisen „Klack“ den Tonarmlift. Das Ganze klappte während des Tests hunderte Male absolut zuverlässig: Kein voreiliges Armheben bei vollgespielten Volksmusik-Compilations, aber auch keine Dauer-Rillenpolitur – es sei denn, der Nutzer wünscht ausdrücklich, etwa „f# a# ∞“ von Godspeed You! Black Emperor standesgemäß mit dem finalen Endlos-Akkordwechsel abzuschließen. Dazu lässt sich die Endabschaltung mit einem Schiebeschalter auf der Rückseite des Spielers deaktivieren. Dann verhält sich der SL-1500C wie seine voll manuellen Markenbrüder.

f# a# ∞“ von Godspeed You! Black Emperor
Cover Art: f# a# ∞“ von Godspeed You! Black Emperor (Cover: Amazon)

Ein weiterer Schalter am Heck des SL-1500C aktiviert den eingebauten Phono-Vorverstärker, dank dessen der Spieler an jedem beliebigen Hochpegeleingang (also CD, Aux, Tape und so weiter) angeschlossen werden kann. Dieses Feature findet sich aktuell an vielen auch preiswerteren Spielern, ist aber technisch meist halbherzig umgesetzt. Technics dagegen spendiert dem 1500er zwei separate Ausgangsbuchsen-Pärchen und eine Relais-Umschaltung, die verhindert, dass der integrierte Preamp beim Betrieb an einer externen Phonostufe deren Klang belastet.

Technics_SL-1500C-Anschluss
Die Ausgänge sind allesamt mit den üblichen Cinch-Buchsen ausgeführt. Mittels Umschalter kann der User wählen, ob das Signal vorverstärkt oder unverstärkt an den angeschlossenen Verstärker geht. Hier kann auch eingestellt werden (Schalter rechts), ob man die Endabschaltung nutzen möchte (Foto: B. Rietschel)

So klingt der Technics SL-1500C

Der Hörtest lieferte hinsichtlich der Phonoverstärkung ein überraschendes Ergebnis: Selbst beim Vergleich mit sehr hochwertigen externen Preamps zog der Autor den Klang über den verstärkten Ausgang des Technics-Spielers vor. Das serienmäßige Ortofon-System klang direkt, druckvoll und griffig, und dieser vitale Klang ließ sich mit externen Phonostufen nicht entscheidend steigern. Scheinen sich die Technics-Entwickler bei der internen Phonostufe wohl Mühe gegeben zu haben. Hinzu kommt, dass der Platz direkt im Spieler für eine Phonostufe sowieso der beste ist: Das hochempfindliche Phonosignal muss nur einen Bruchteil der Kabelstrecke überwinden und es gibt viel weniger Gelegenheit, sich Störungen einzufangen. Hob man den Arm per Lift an, war der Technics dann auch so rausch- und brummfrei, als hätte man bei einem CD-Player die Pausentaste gedrückt.

Senkte man die Nadel in die Rille, empfing einen wiederum Stille – solange die Pressqualität der Platte dies zuließ. Das Laufwerk läuft so rumpelarm, dass es auch High-End-Spieler nicht mehr signifikant toppen können. Das ist genau, was sich viele für ihren zukünftigen Spieler wünschen: Ein Spieler, der hinter dem abgespielten Medium verschwindet und der Vinylplatten im Alltag trotz ihrer archaischen technischen Grundlagen ganz modern und unkompliziert wirken lässt.

Die Wahl des Ortofon als Serien-Tonabnehmer kann natürlich ganz banale geschäftliche Gründe gehabt haben. Das System passt aber mit seinem kernigen, aufgeweckten Klang sehr gut zum Charakter des SL-1500. Denn natürlich ist der Spieler nicht 110-prozentig neutral, sondern hinterlässt einen klanglichen Fingerabdruck, dem man durch Vergleiche mit anderen Spielern (etwa den höherwertigen Technicsen) unter ansonsten gleichen Bedingungen auf die Spur kommen kann. So klingt dasselbe Ortofon 2M Red im SL-1200GR im oberen Bass etwas schlanker und aufgeräumter, hat einen definierteren Tiefbass und gerade bei Platten wie der neuen I Am Easy To Find von The National mehr Differenzierung. Das Doppelalbum ist aus enorm vielen Spuren zusammengemischt (zwei Schlagzeuger, drei Sänger, Bläser, Bass, zwei Gitarren und alle möglichen anderen Elemente), recht deutlich komprimiert und dann auch noch auf farbigem Vinyl gepresst, das in den Höhen zu Mattheit und mangelnder Durchzeichnung neigt. Kein audiophiler Traum, aber tolle Musik und gerade wegen des mächtigen, dichten Gesamtklangs interessant für Vergleiche.

Mit einem SL-1200GR findet man hier etwas leichter hinein, er bleibt neutraler und souveräner. Ohne den direkten Vergleich ist der etwas blumigere Grund- und Mittelton des SL-1500C aber nicht störend und nicht nur The National, sondern Musik jeder Schattierung wird damit immens genießbar.

Technics SL-1500C Hörvergleich mit SL-1200GR
Der direkte Vergleich im Hörraum des Autors: SL-1500C gegen SL-1200GR (Foto: B. Rietschel)

Ein weiterer Vergleich drängt sich hier auf – der mit dem Magnat MTT 990. Er ist ebenfalls einer der raren Direktriebler, er liegt ebenfalls preislich unter 1.000 Euro. Gönnt man auch dem Magnat das feine Ortofon 2M Red, klingt er etwas dynamischer und tonal ausgewogener als der SL-1500C. Allerdings läuft der MTT 990 weniger ruhig und auch nicht ganz so nebengeräuschfrei. Unterm Strich ein Patt, wobei die eingebaute Phonostufe und die Endabschaltung in meinen Augen das Pendel zugunsten des Technics ausschlagen lassen…

Denn auch der Tonarm des kleinen Technics hinterlässt einen sehr guten Eindruck – Abtastfähigkeit und Sauberkeit des 2M Red unterscheiden sich am 1500er-Arm nicht von denen des größeren Bruders. Die zahllosen Spieler verschiedenster Marken, die im Lauf der letzten Jahre mit demRed ausgeliefert wurden, haben für dieses System einen reichen Erfahrungsfundus geschaffen, und die Performance im Technics-Arm gehört definitiv zu den bisher besten 2M-Auftritten. Wanderer etwa, das aktuelle Album von Cat Power, zeigt, wozu das gleiche Presswerk, aus dem auch die The National kommt, mit schwarzem Vinyl und einem sorgfältigen, dynamikreich geschnittenen Master fähig ist: Wieder tolle Musik, jetzt aber mit greifbaren Instrumenten und einer Sängerin, die leibhaftig einen Meter vor dem Hörsessel zu stehen scheint – schon mit dem relativ schlichten Diamanten des 2M Red frei und ungetrübt von jeglicher Spur der zugrundeliegenden mechanischen Abstastung.

Will man noch mehr Natürlichkeit und Nonchalance gegenüber schwierigen Vinylprüfungen, bietet sich als naheliegender erster Upgrade-Schritt der Nadeltausch zum Ortofon 2M Blue an, dessen nackter elliptischer Diamant verzerrungsärmer und klarer abtastet als der bonded-elliptische im Red (und tonal eine angenehme zusätzliche Frische mitbringt). Eine wirklich drastische Steigerung der Überzeugungskraft bringt jedoch der Wechsel auf ein MC-System, das natürlich nicht teurer sein sollte als der ganze Spieler. Hervorragend funktionierte zum Beispiel das MC Excalibur Black für 700 Euro, vorzugsweise in einem etwas schwereren Headshell wie dem Ortofon LH-4000. Das Ortofon-Shell rechtfertigt seinen Preis von 90 Euro mühelos mit einem wesentlich besseren Sitz am Arm und seiner Azimuth-Einstellmöglichkeit. Letztere ist gerade im Verbund mit dem Excalibur sinnvoll, dessen Shibata-Nadel eine genaue Justage in allen Achsen verlangt. Einmal korrekt ausgerichtet spielt das Excalibur im Technics dann schmatzend-glänzend-saftig-authentisch mit klaren Klangfarben und einem Variantenreichtum von Platte zu Platte und Takt zu Takt, von dem MM-Systeme nur träumen können.

TAD Excalibur Black von der Seite
Das TAD Excalibur Black war lange Zeit das größte und beste MC der noch jungen Abtaster-Familie. Es harmoniert bestens mit dem SL-1500C. Man kann es sich – wie auch die beiden Ortoföner 2M Red und 2M Blue – im LowBeats Klang Orakel anhören (Foto: P. Schüller)

Fazit Technics SL-1500C

Der Ausblick auf zukünftige Upgrades soll aber nicht davon ablenken, dass der SL-1500C schon so, wie er aus dem Karton kommt, ein ungemein stimmiges, ja nahezu ideales HiFi-Gerät ist: Perfekt ausgestattet, vielseitig, unkompliziert und klangstark. Und eben auch fähig, deutlich vornehmere Tonabnehmer als den serienmäßigen adäquat zu führen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier an einem sehr attraktiven Punkt angekommen: Weitere Einsparungen würden überproportional viel Klang kosten und den Spieler auch weniger nachhaltig machen. Denn so wie er ist, kann man damit praktisch unbegrenzt Spaß am Musikhören haben. Wer sich niedrigere Budgetgrenzen gesetzt hat, sollte wirklich dringend überlegen, ob sie sich nicht doch noch ein bisschen strecken lassen. Es lohnt sich, und zwar nicht nur am Tag nach dem Auspacken, sondern voraussichtlich auch in vielen Jahren noch.

Eingebaute Tonabnehmer:
Ortofon 2M Red: Ein Top Einsteigersystem
Ortofon 2M Blue: MM-System zum Toppreis
Familientest TAD Excalibur – 3 MC-Abtaster unter 700 Euro

Gegenspieler:
Test Technics SL-1200GR – die Direktantriebs-Legende
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Technics SL-1500C
2019/08
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Mitreißend lebendiger Klang mit vormontiertem MM
Sehr leises Laufwerk
Endabschaltung
Sehr guter integrierter Phono-Vorverstärker

Vertrieb:
Technics
Winsbergring 15
22525 Hamburg
www.technics.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Technics SL-1500C
inklusive Ortofon 2M Red: 1.000 Euro

 

Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel
Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.