Tascam BD-MP4K: UHD Blu-ray und Mediaplayer für den Installationsbereich. Was kann er im Heimkino für 649 Euro? (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K: UHD Blu-ray und Mediaplayer für den Installationsbereich. Was kann der 650 Euro teure Alleskönner im Heimkino? (Foto: R. Vogt)

Test Tascam BD-MP4K: Wie gut ist der professionellle UHD-Blu-ray-Player im Heimkino?

Die Playerfamilie von Oppo war lange Zeit die beste Möglichkeit, alle möglichen Scheiben und Dateien auch mehrkanalig in bester Qualität zu spielen. Aber die Oppos gibt es nicht mehr und die AV-Gemeinde ist händeringend auf der Suche nach Alternativen. Nun tritt mit dem Tascam BD-MP4K ein professioneller Player auf den Plan, der auf dem Papier scheinbar das Gleiche bietet: Die Liste der Discs und Dateiformate, die er im Laufwerk und über das lokale Netzwerk zu spielen vermag, klingt jedenfalls verlockend. Aber taugt das Gerät, das primär für die Installation in Konferenzräumen et cetera entwickelt wurde, auch fürs Heimkino? Wir hatten den flachen Alleskönner für einige Wochen im Test. Mit durchaus erfreulichem Ergebnis…

Tascam BD-MP4K: 19-Zoll Rackmaß mit einer Höheneinheit (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K: 19-Zoll Rackmaß mit einer Höheneinheit (Foto: R. Vogt)

Schon das Äußere des Players deutet auf den professionellen Ursprung des Tascam hin, passt er doch mit seiner Bauhöhe von einer Höheneinheit (1 HE = 4,45 cm) passgenau in das Studio-typische 19-Zoll-Rack. Und die passenden Montagewinkel nebst Schrauben liegen entsprechend gleich mit in der Verpackung. Aber natürlich besitzt der Spieler auch vier flache Gummifüße zum Stellen.

Die Front ist schmucklos-zweckmäßig und die wenigen Tasten sind mit Shift-Taste doppelt belegt. Was den Heimanwender stutzig machen könnte, sind die bereits hier möglichen Sperrungen verschiedener Tasten und Funktionen. Wobei das in manchen Familien mit Kindern vielleicht auch keine schlechte Idee ist… Wirklich ungewöhnlich scheint im ersten Moment lediglich der Einschub für SD-Speicherkarten.

Stereo-Sektion mit Cinch und XLR, 7.1 per Cinch, HDMI separat für Audio (Foto: R. Vogt)
Stereo-Sektion mit Cinch und XLR, 7.1 per Cinch, HDMI separat für Audio (Foto: R. Vogt)

Das Anschlussfeld bietet auf der analogen Seite separate Stereoausgänge mit Cinch- und XLR-Buchsen. Leider sind die asymmetrischen (Cinch-) Ausgänge nicht im Pegel angepasst und daher 6dB leiser als alles andere. Anders das Cinch-Mehrkanal-Set: Es lässt sich von Stereo bis 7.1 konfigurieren und in Pegel plus Laufzeit anpassen. Das Bassmanagement ist fix auf eine Frequenz festgelegt. Erstaunlicherweise lassen sich Kanalpaare (etwa Center + Subwoofer) auf den digitalen Cinchausgang legen – ehrlich gesagt fällt mir dafür gar kein Anwendungsfall ein.

Der zweite HDMI-Ausgang liefert nur Audio. Gesteuert wird via LAN oder RS-232 und eine USB-3.0-Buchse gibt externen Festplatten Zutritt. Neben LAN ist auch eine Verbindung per WLAN integriert. Fortschrittlich: Der Tascam kann parallel neben IPv4 auch mit IPv6 angesprochen werden.

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Tascam BD-MP4K: Ein Blick in das aufgeräumte Innere (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K: Ein Blick in das aufgeräumte Innere (Foto: R. Vogt)
Der Hauptprozessor unter dem Kühlpörper mit kürzesten Wegen zum HDMI (Foto: R. Vogt)
Der Hauptprozessor liegt unter dem Kühlkörper und hat kürzeste Wege zum HDMI-Anschluss (Foto: R. Vogt)
Separate, symmetrische Verarbeitung für Stereo (Foto: R. Vogt)
Hier zeigt sich der Studio-Anspruch: separate, symmetrische Verarbeitung für Stereo (Foto: R. Vogt)
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Die Verarbeitung des BD-MP4K ist schlicht, aber extrem robust. So gilt es immerhin 10 Schrauben zu lösen, bevor sich der Gehäusedeckel lupfen lässt. Die Baugruppen sind streng nach analoger und digital er Sektion getrennt, das Schaltnetzteil ist üppig dimensioniert. Die Stereosektion erhält einen eigenen D/A-Wandler und die großzügige Spannungsaufbereitung verspricht störungsarmen Klang sowie die Fähigkeit, auch längere Kabel zu treiben.

Die Bedienung des Tascam BD-MP4K

Die Fernbedienung: aufgeräumtes Layout, aber ohne Leuchttasten (Foto: R. Vogt)
Die Fernbedienung: aufgeräumtes Layout, aber ohne Leuchttasten (Foto: R. Vogt)

Die große Fernbedienung ist handlich, wirkt aufgeräumt, ist aber wenig heimkinotauglich. Sie bietet weder beleuchtete Tasten noch eine Optik mit großem Kontrast, die für die Handhabung im Dunkeln von Vorteil wäre.

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Homemenü des Tascam BD-MP4K. Schlichter geht es nicht (Foto: R. Vogt)
Home-Menü des Tascam BD-MP4K. Schlichter geht es nicht (Foto: R. Vogt)
Auflösungseinstellung "Auto" entspricht "Direct" bei Oppo oder Reavon (Foto: R. Vogt)
Auflösungseinstellung „Auto“ entspricht „Direct“ bei Oppo oder Reavon (Foto: R. Vogt)
Dolby Vision in allen Modi (Foto: R. Vogt)
Dolby Vision in allen Modi (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K mit kleinem Farbmanagement (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K mit kleinem Farbmanagement (Foto: R. Vogt)
Stereo-Downmix für Dolby Headphone, Virtual Surround in zwei Versionen (Foto: R. Vogt)
Stereo-Downmix für Dolby Headphone, Virtual Surround in zwei Versionen (Foto: R. Vogt)
Quellenauswahl für eingelegte Medien und Netzwerk via SMB (Foto: R. Vogt)
Quellenauswahl für eingelegte Medien und Netzwerk via SMB (Foto: R. Vogt)
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Das Menü spricht nur Englisch oder Japanisch, ist aber praktisch selbsterklärend, wenngleich sehr schlicht. Einige Eigenarten gegenüber dem, was wir von typischen Heimkino-Playern kennen, muss man allerdings genauer betrachten. Wie gesagt: Primär dürfte dieser Player in Konferenzräumen oder Ähnlichem verbaut werden. Daher legt Tascam maximalen Wert auf die Stereo-Ausgabe, die sich entsprechend besonders flexibel gibt und beispielsweise einen Downmix mit virtualisierten Surround-Kanälen erlaubt und sogar Dolby-Headphones-virtualisierte Kopfhörerwiedergabe ermöglicht. Wir sprechen also über simuliertes Mehrkanalgefühl über gewöhnliche Stereokopfhörer. Das ist allerdings nicht ansatzweise vergleichbar mit individuell kalibrierten Kopfhörersystemen wie dem Exofield von JVC.

Immerhin kennt der BD-MP4K alle zwei Modi für Dolby Vision; HDR10+ kennt er allerdings nicht. Im Video-EQ-Menü findet sich ein richtiges Farbmanagement zum Kalibrieren allzu schräg eingestellter Grafik-Displays oder Präsentationsprojektoren sowie eine mehrstufige Rauschunterdrückung für verrauschtes Video und ein paar Farbprofile zum Anpassen seltsam eingestellter Displays.

Was und wie wird abgespielt?

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Quellenauswahl für eingelegte Medien und Netzwerk via SMB (Foto: R. Vogt)
Quellenauswahl für eingelegte Medien und Netzwerk via SMB (Foto: R. Vogt)
Das Infomenü zeigt nur das Wesentliche (Foto: R. Vogt)
Das Info-Menü zeigt nur das Wesentliche (Foto: R. Vogt)
Detailauswahl für Kapitel, Sprachwahl und vieles mehr im Option-Menü (Foto: R. Vogt)
Detailauswahl für Kapitel, Sprachwahl und vieles mehr im Option-Menü (Foto: R. Vogt)
Brauchbare, statische Konvertierung von HDR zu SDR, hier Szene aus "Oblivion" (Foto: R. Vogt)
Brauchbare, statische Konvertierung von HDR zu SDR, hier Szene aus „Oblivion“ (Foto: R. Vogt)
Darstellung bei Musikwiedergabe (Foto: R. Vogt)
Darstellung bei Musikwiedergabe (Foto: R. Vogt)
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Kommen wir zu dem was der Tascam alles kann – und was nicht. Wie der Name BD-MP4K schon andeutet, spielt der Flachmann alle Blu-ray Disc Formate bis zur UHD Blu-ray Disk, DVD-Video und – obwohl das nicht dokumentiert ist – DVD-Audio sowie natürlich auch CD. Interessanter Weise fragt der Player den User beim Einlegen einer CD zunächst, ob man diesen Tonträger auf eine SD-Card oder USB-Festplatte rippen möchte.

Die SACD-Spur spielt der Tascam nicht, nur den CD-Layer. Auch modifizierte Blu-ray-Rips mit Menü spielt der Profi-Player nicht, lediglich entsprechende Kameradateien von SD-Card. Dafür versteht der Player auch das für sehr große SD-Card übliche exFAT-Format und SD-XC Karten.

Beim Abspielen oder Streamen gibt sich der Tascam schmallippig: Nur SMB- (Samba-) Netzwerkfreigaben werden entdeckt und verwendet. Weder NFS noch UPnP oder DLNA stehen auf dem Progamm. Damit fällt auch das Fernsteuern mit beliebten Streaming/Steuer-Apps oder gar Medienservern flach. Man muss manuell im Menü suchen und kann dann die Dateien starten. Ungewöhnlich vielfältig dagegen sind die Dateiformate, die der Tascam verarbeitet:

  • Video: 3GP, ASF, AVI, DAT, M2TS, MKV, WMV, MOV, MP4, MPG, OGM, TP, TS
  • Foto: JPEG, GIF und PNG
  • Audio: AAC, APE, FLAC, MP3, WAV und WMA

Wie den meisten Playern gelingt es auch dem Tascam nicht, Audiodateien lückenlos (gapless) abzuspielen. Dafür stellen Mehrkanaldateien, etwa von FLAC, kein Problem dar. Samplingraten bis 192kHz spielten einwandfrei. Bei Video funktionieren auch Dolby-Atmos & Co. und HDR-Wiedergabe im Streamingbetrieb problemlos: springen, suchen, alles kein Problem. Die Menüs und Anzeigen sind spärlich, aber informativ.

Und es gab im während der Tests Nicklichkeiten: Etliche Male wurden nach Neustart die Netzwerk-Freigaben einfach nicht mehr angezeigt. Erst ein Trennen und wieder Einstecken des Netzwerkkabels als Hardware-Reset ließ die Zeilen im Menü wieder erscheinen. Auch wenn man viel spielt, springt und wählt, dann friert das ganze Produkt irgendwann ein und lässt sich nur per Trennung vom Strom wieder reaktivieren. Hier bringt hoffentlich künftige Firmware (Testgerät: V1.00) mehr Stabilität. Ich muss aber auch dies erwähnen: beim normalen, linearen Abspielen hatte ich nie Probleme! Angenehm fiel mir auch das schlichte, aber kristallklare Frontdisplay auf, das stets das Medium, Titel, Kapitel und Spielzeit darstellt.

Tascam BD-MP4K (Foto: R. Vogt)
Tascam BD-MP4K (Foto: R. Vogt)

Performance in Video und Audio

Um es kurz zu machen: Die Bildqualität des Tascam BD-MP4K liegt mit Oppo und Reavon praktisch gleich auf, alle Parameter liegen genau auf Norm: Die Scalierung und das De-Interlacing arbeiten knackscharf und rauscharm ohne auffällige Artefakte. Selbst gut gemasterte DVDs wirken absolut leinwandtauglich.

In Sachen Tonqalität sieht das ein wenig anders aus. Via HDMI klingt er im Vergleich mit dem Reavon UBR-X100 sehr ähnlich, vielleicht eine Spur nervöser als der etwas plastischer wirkende Oppo UDP-203. Schon bei SPDIF fällt der Tascam leider etwas ab. Das gilt erst Recht für die analoge Wiedergabe. Trotz der aufwändig aufgebauten Analogplatine klang der BD-MP4K spürbar nüchterner, räumlich flacher und weniger differenziert. Die meisten heimkinofreunde werden das als klanglich okay empfinden, aber audiophil ist das leider nicht.

Fazit Tascam BD-MP4K

Der Tascam Player bietet eine recht reichhaltige Hardware-Ausstattung. Sein anvisierter Einsatz in Konferenztechnik und Digital Signage kommt aber an vielen Stellen im Heimkino negativ zum Tragen. Lästig ist im dunklen Kino die schwarze Fernbedienung ohne Licht. Das Front-Display ist dafür knackig kontrastreich und informativ. Lineares Abspielen in allen Formaten gelingt klaglos, nur HDR10+ beherrscht er nicht. Seine Bildqualität liegt locker auf dem Niveau der potenziellen Konkurrenz, der Ton per HDMI ebenfalls. Analog klingt er allerdings etwas flach und nüchtern. Das Fehlen jedweder Netzwerkfunktionen jenseits von SMB, insbesondere das Fehlen von DLNA, dürften für einige Interessenten ein K.O.-Kriterium sein. Doch wer einen guten, schlichten (und wahrscheinlich sehr langlebigen) Scheibendreher sucht, der sollte getrost zuschlagen.

Tascam BD-MP4K
2021/10
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
Bewertungen
Klang (HDMI)
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr gute Bildqualität
Ton via HDMI top, analog gut
Fernbedienung unbeleuchtet
Kein DLNA, , kein HDR10+, Software-Abstürze

Vertrieb:
TASCAM
TEAC Europe GmbH
Bahnstraße 12
65205 Wiesbaden-Erbenheim
www.tascam.eu

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Tascam BD-MP4K: 649 Euro

Tascam BD-MP4K: die technischen Daten

Tascam BD-MP4K
Technisches Konzept:Studio-Universalplayer
Eingänge:1 x Multikanal (Cinch), HDMI, XLR
Besonderheit:Alu-Gehäuse, extrem steilflankige Weiche, Bass-Extension
Blu-ray/DVD/USB/SD:
44.1k/48k/64k/88.2k/96k/176.4k/192k Hz
Video-Auflösung:480i/576i, 480p/576p, 720p, 1080i, 1080p, 2160p
Abmessungen (B x H x T):48, 2 × 4,4 × 28,0 cm
Gewicht:
2,8 Kilo
Alle technischen Daten

Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.