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Test Rega Planar 2-2016 – Neuauflage des Klassikers

Die manuelle Geschwindigkeitsänderung ist ebenfalls erhalten geblieben: Dreher ausschalten, Teller abheben, Riemen auf dem Motor-Pulley umsetzen, Teller auflegen, Dreher einschalten. Eine Prozedur, die komfortverwöhnte Zeitgenossen irritiert bis nervt, hartgesottenen Rega-Maniacs jedoch allenfalls ein kaltes, gleichgültiges Schulterzucken abnötigt. Und seien wir mal ehrlich: Wie häufig wechselt man innerhalb einer Hörsession denn tatsächlich zwischen beiden Geschwindigkeiten? Eben …

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Der Subteller des Rega Planar 2-2016
Der Subteller des Rega Planar 2-2016 ist aus Kunststoff; das Umschalten der Geschwindigkeiten von 33 auf 45 Umdrehungen pro Minute erfolgt händisch (Foto: C. Bussler)
Das Lager des Rega Planar 2-2016
Das Lager des Rega Planar 2-2016 ist präziser gefertigt und hat weniger Toleranzen als seine Vorgänger (Foto: C. Bussler)
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Rega hat der 2016er-Inkarnation des Planar 2 neue Stützfüße spendiert, die noch besser entkoppeln sollen als, ja, als was eigentlich? Als der alte RP1 oder der neue Planar 1 oder der letzte Planar 2, der bis 2011 gebaut wurde? Hier bleibt der Bezug in der Produktinfo etwas schwammig, was mich freilich nicht weiter schert. Sagen wir einfach: Die neuen Füße entkoppeln besser als die alte Generation. Für mich bleibt nur wichtig festzustellen, dass sich der „Neue“ hinsichtlich seiner präferierten Untergründe weniger wählerisch gibt als alle mir bislang bekannten Rega-Brettspieler. Will sagen: Bei mir legte der Rega Planar 2-2016 überraschenderweise auf einem schweren Granitblock die beste Performance hin und nicht wie von mir erwartet (und zunächst positioniert) auf einer leichten Unterkonstruktion an der Wand. Und bar der Möglichkeit zur Höhenverstellung der Füße sollte (muss!) der Untergrund selbstverständlich absolut in Waage sein.

De neuen Gummifüße des Rega Planar 2-2016
Auf der Unterseite sitzen die neuen Gummifüße, die Vibrationen des Untergrunds recht gut wegdämpfen (Foto: C. Bussler)

Rhythmus, Spritzigkeit und Spielfreude: der Rega Planar 2-2016 im Hörtest

Cover Guns N´ Roses (Use Your Illusion I & II
Der Klassiker. Guns N´ Roses: Use Your Illusion I & II (Cover: Amazon)

Alles technische Gefasel wird der Mehrheit der potenziellen Zielgruppe aber womöglich ziemlich schnuppe sein, was zählt, ist letztlich der Klang. Und hier gibt es – und das meine ich im besten Sinne positiv – wenig Überraschendes zu berichten. Wer einen Rega kauft, erwartet Tempo, Rhythmus, Spritzigkeit und Spielfreude, und das ist genau das, was der Rega Planar 2-2016 liefert wie kein anderer mir bekannter Dreher dieser Preisklasse. Wenn beispielsweise Melissa Etheridge ihr berühmtes „Like the way I do“ schmettert, dann kommt das einfach ungemein energiegeladen, authentisch und irgendwie sehr präsent rüber. Du bist sofort drin in der Musik! Weiter geht´s mit den Hardrockern von AC/DC: Klassiker wie „Thunderstruck“, „Hells Bells“ oder „Big Balls“ fließen in perfektem Timing und Rhythmus dahin und nehmen dich einfach gefangen. Die Luftgitarre kommt fast reflexartig hervor, und hatte ich etwa gerade schon den Lautstärkeregler unbewusst ein paar Stufen höher gedreht?! Wow – das rockt, das fetzt, das geht ab wie Schmidts Katze! Oder wie wäre es mit Guns N´ Roses (Use Your Illusion I & II): Wenn Axl Rose „November Rain“ intoniert, kann man seinen empfundenen Schmerz förmlich nachfühlen… Aber der Rega Planar 2-2016 ist nicht nur ein Rocker, sondern er „kann“ beispielsweise auch Klassik. Die Vier Jahreszeiten von Vivaldi (Yehudi Menuhin / Camerata Lysy Gstaad, EMI 1981) zum Beispiel kommen mit viel unheimlich Verve und Schmelz. Der Rega (und nicht nur dieser) besitzt das Vermögen, das Wesen der Musik quasi zu destillieren und direkt ins Ohr des Hörers zu transportieren; eine Gabe, die scheinbar im genetischen Code aller Regas verankert ist.

Jetzt kommt das „Umschaltspiel“ auf die 45er-Drehzahl: Querbeet landen auf dem Dreher alte Maxis von Franky Goes to Hollywood („The Power of Love“), del Amitri („Nothing ever happens“), Dinosaur Jr. („Just like heaven“), und, und, und, … Alles, was mir gerade zufällig wieder in die Hände fällt, wird aufgelegt, Platte um Platte, selbst runtergeschrubbte, ohnehin schlechte 80er-Jahre Pressungen. Mit dieser Rega-Kiste macht (auch bei limitierender Software) jede Scheibe einfach richtig Spaß! Tiefgang ist ausreichend vorhanden, der Bass hat durchaus Punch und kommt sauber federnd – zwar nicht abgrundtief und pechschwarz, aber immer noch ausreichend weit entfernt von „knochig“ oder „anämisch“. Und zum Abschluss wieder die Umschaltprozedur auf die „33“, allein, um mir noch einmal „Hells Bells“ durch die Ohren zu blasen …

Cover U2 Joshua Tree
Rhythmus, Stimme, Gänsehaut: The Joshua Tree ist sicherlich eines der besten U2-Alben

… und wenn man dann irgendwann wieder herunterkommt und es einem gelingt, sich etwas von der Musik „zu lösen“, dünkt es einem, spürt man förmlich, mit diesem Setup geht irgendwie noch was in Sachen Tiefgang, Auflösung und Grobdynamik. Denn die Spieler-Arm-Kombination verfügt über weiteres Potenzial, welches sich erst mit einem deutlich besseren Tonabnehmer als dem Rega Carbon heben lässt. Wie praktisch, dass der rührige deutsche TAD-Vertrieb ein Performance-Kit anbietet, welches den Rega Bias MM-Tonabnehmer, einen präziser geschliffenen (weißen) Rundriemen und eine dickere Filzmatte aus reiner Wolle umfasst. Diese Kombination bringt nicht nur ein wenig mehr Ruhe und Übersicht ins Klangbild, sondern hievt den gesamten Dreher gleich auf ein höheres Gesamtniveau. Der Tausch des Tonabnehmers vom Carbon- auf das Bias-System hat gewiss den größten Einfluss. Hier „rastet“ jetzt förmlich alles ein. Eine meiner absoluten Lieblingsscheiben der seligen 80er – The Joshua Tree“ von U2 – wird hier so atmosphärisch dicht wiedergegeben, wie man es sich nur wünschen kann. Oder wie wäre es mit Of Monsters and Men (My Head Is an Animal): Die Stimme der Sängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir (was für ein toller Name!) kommt niemals kehlig, spitz oder dünn, wie ich es bei anderen günstigen Einsteigergeräten schon erlebt habe. Hier hat alles Substanz und Farbe, S-Laute werden pointiert und sauber reproduziert. Chapeau! Das Performance-Kit wird damit fast schon zur Pflicht, es lässt sich natürlich auch später bequem nachrüsten. Gleichwohl auch markenfremde Tonabnehmer eine mehr als passable Figur in Kombination mit dem Rega Planar 2-2016 abgeben: Ein Ortofon 2M Blue darf aus meiner Sicht durchaus als Traumpartner für den RB 220 gelten.

Rega Bias2 versus Carbon
Der wichtigste Bestandteil des Performance-Kit ist der bessere Tonabnehmer Bias2 – anzuhören im LowBeats Klang Orakel (Foto: C. Bussler)

Fazit Rega Planar 2-2016

Nix da Fazit! Jedenfalls nicht so pauschal. Denn ich könnte es mir leicht machen und einfach schreiben, der neue Rega Planar 2-2016 läge preislich näher am Planar 1, klanglich aber näher am Planar 3. Ich halte derartige Urteile per se für wenig sinnvoll, weil sie – insbesondere vor dem Hintergrund des logarithmischen Zusammenhangs zwischen Preis- und Klangsteigerung – objektiv schlecht messbar sind. Der „Dreier“ ist besser als der „Zweier“, dieser wiederum ist besser als der „Einser“. Meine Empfehlung wäre, dort ins Rega-Regal zu greifen, wo es das persönliche Budget zulässt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis aller Rega-Bretter, und so auch das des Planar 2, ist nämlich gleich: hervorragend.

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Rega Planar 2-2016
2016/12
Test-Ergebnis: 4,4
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr homogener, spielfreudiger Klang
Einfacher und schneller Aufbau
Lange Garantiedauer
Minimalistische Ausstattung

Vertrieb:
TAD Audio Vertriebs GmbH
Rosenheimer Str. 33
83229 Aschau im Chiemgau
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Rega Planar 2/2016: 520 Euro