Bluetooth/ANC-Kopfhörer B&W PX5 und PX7: Doppeltest und Konzeptvergleich

Je nach Einstellung variiert der Rauschteppich etwas, ist aber in allen Fällen erfreulich unaufdringlich. Die Mitten, vor allem Stimmen, könnten meiner Meinung nach zumindest in der Einstellung „High“ etwas stärker unterdrückt werden. Beim Test im ruhigen Wohnzimmer wird beispielsweise der Ton vom Fernseher kaum unterdrückt. Das Meiste schluckt dabei schon die mechanische Isolierung der Hörmuscheln. Schaltet man ANC hinzu, werden lediglich ein paar tiefere Frequenzen vom TV-Ton gemindert.

Im Hochtonbereich haben Noise-Cancelling-Schaltungen grundsätzlich so gut wie keine Wirkung. In der Einstellung „Stark“ wird gerade Verkehrslärm aber sehr gut ausgelöscht. In der Kombination aus passiver Dämpfung durch die geschlossenen Hörer und nicht übertrieben starker aktiver Geräuschunterdrückung überzeugt die Abstimmung. Vor allem, weil die Musik dadurch nicht nennenswert vom ANC beeinträchtigt wird.

Die B&W Headphones-App

Für die B&W Kopfhörer der PX-Serie ist im App Store kostenlos eine App zu haben. Zwingend notwendig ist diese für den Betrieb nicht. Bluetooth-Pairing und Umschaltung der ANC-Modi geht auch ohne sie, aber die App stellt zusätzliche Funktionen wie Einstellungen der Sprachansagen und einen Standby-Timer zur Verfügung. Außerdem lassen sich darüber Firmware-Updates in die Kopfhörer einspielen.

Kopfhörer-App
Screenshots der zugehörigen App, mit der weitere Funktionen gesteuert und Firmware-Updates eingespielt werden können (Screenshots: B&W)

Kurz vor Fertigstellung des Artikels ist noch ein Update für die App erschienen. Diese beinhaltet nun auch atmosphärische Geräusche zum Relaxen und der Verbindungsmanager erlaubt jetzt, eines der gekoppelten Geräte als Standard-Device festzulegen.

Konzeptvergleich: On- oder Over-Ear?

Welches der beiden Konzepte besser ist, lässt sich eigentlich nicht pauschalisieren und schon gar nicht messtechnisch bewerten. Vieles hängt von persönlichen, subjektiven Kriterien ab.

Für meinen Geschmack ist Over-Ear die bessere Variante und das hat vor allem zwei Gründe: Erstens empfinde ich den Druck der Ohrpolster auf die Hörmuscheln bei On-Ears als weniger angenehm. Wenn ich meine Brille trage, werden dabei die Ohrmuscheln auch noch auf die Brillenbügel gepresst. Das kann auf Dauer etwas unangenehm sein. Bei einem Over-Ear wie dem PX7 bleiben die Ohrmuscheln von der Hardware komplett unberührt und der Druck lastet nur auf dem Schädelknochen. Brillenbügel stören hierbei so gut wie gar nicht.

Zweitens haben Over-Ears nach meiner Erfahrung meistens einen sichereren Sitz, was gerade bei Mobilkopfhörern natürlich von Vorteil ist, weil man mit ihnen üblicherweise viel mehr in Bewegung ist als mit Kopfhörern für daheim.

Ein weiteres Plus kann die passive Schallisolierung sein. Die ist mit Over-Ears meist besser. Im Falle PX5 und PX7 würde ich das aber nicht unbedingt behaupten. Der etwas kleinere On-Ear hat eine ähnlich gute passive Dämpfung. In vielen Situationen reicht diese bei beiden Modellen aus, um die aktive Funktion zur Geräuschunterdrückung abgeschaltet zu lassen. Das spart nicht nur Energie, sondern klingt auch minimal besser – solange störende Außengeräusche nicht überhandnehmen.

B&W PX7 von vorn
Die Bedienelemente des PX7 unterscheiden sich nicht von denen des PX5. Nur der Power-Schalter ist weiter oben positioniert (Foto: F. Borowski]

Natürlich kann auch die Größe ein entscheidender Faktor sein. Häufig benötigen Over-Ears beim Transport deutlich mehr Platz und sie wiegen mehr. Im Vergleich zu seinem On-Ear-Bruder trifft das auf den PX7 allerdings kaum zu. Das Hardcase des 7ers nimmt nur unwesentlich mehr Platz ein und ein paar Gramm mehr oder weniger fallen in einem Rucksack oder Koffer mit anderem Gepäck kaum auf.

Im Vergleich zu In-Ears, die in aller Regel in die Jacken- oder sogar Hosentasche passen, sind beide Varianten klar im Mobilitäts-Nachteil. Die Entschädigung dafür ist ein höherer Langzeit-Tragekomfort, bessere Bedienung und wesentlich längere Akkulaufzeiten. Das Over-Ear-Modell schlägt auch in diesem Punkt seinen On-Ear-Rivalen.

Hörtest: Beide B&W-Neulinge überflügeln ihre Vorgänger klar

In Sachen Klangqualität ist die Sache eindeutig: Der Neue übertrifft seinen Vorgänger P5 Wireless, den ich hier noch vorliegen habe, deutlich. Vor allem bei den Klangfarben wirkt der PX5 viel natürlicher und näher am Original, aber er bringt auch noch etwas mehr Punch und Lebendigkeit mit. In manchen Situationen ist der Bass vielleicht eine Spur zu „brummig“ für einen Kopfhörer. Da scheint selbst der alte P5 mehr Präzision zu bieten. Allerdings besserte sich dieses Verhalten nach mehreren Stunden Einspielzeit, ohne jedoch gänzlich zu verschwinden. Nichtsdestotrotz klingt der PX5 für diese Preisklasse insgesamt sehr überzeugend.

B&W App
Auch für daheim und mit einem iPad verbunden eignen sich die Kopfhörer der PX-Serie bestens, …

Die Klangabstimmung des größeren PX7 ist äußerst ähnlich und hat ebenfalls einen sehr B&W-typischen Charakter. Warme, natürliche Klangfarben, gepaart mit guter Detailauflösung und ordentlich Bass, ohne zu dick aufzutragen.

Ein Vorteil des PX7 sticht aber klar heraus: Die beim PX5 bemerkte, manchmal etwas brummige Abstimmung im oberen Bassbereich ist dem Over-Ear völlig fremd. Mit seinen größeren Treibern muss der PX7 für den gleichen Pegel weniger Membran-Hub machen, was ein Grund dafür sein könnte. Ein weiterer dürfte in den größeren Gehäusen zu finden sein, die eine andere akustische Bedämpfung haben. Auf jeden Fall ist gerade dieser Punkt ein eindeutiges Plus für den PX7 und würde (für mich) allein ausreichen, um den Mehrpreis für den Over-Ear in Kauf zu nehmen.

7 mit Smartphone
… der meist genutzte Spielpartner dürfte aber ein Smartphone sein (Foto: F. Borowski)

Doch bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Der PX5 ist beileibe kein „Dröhn“-Kopfhörer, wie es so viele am Markt gibt. Es fällt nur im Vergleich zum größeren PX7 auf. Und in einem solchen Vergleich sind es eben manchmal die feinen Details, die ausschlaggebend sind. Ob Sie einen solchen Unterschied ebenso hoch bewerten, müssen Sie im Zweifel selbst ausprobieren und entscheiden…

Auffällig war, dass die Bässe bei aktiviertem Noise Cancelling etwas stärker betont werden. Die Umschaltung des NC-Modus geht manchmal mit einem deutlichen Knack-Geräusch einher, was insbesondere bei höher eingestellter Lautstärke für kleine Schreckmomente sorgen kann. Vielleicht kann B&W das noch per Firmware optimieren. Die lässt sich gegebenenfalls über die zugehörige App vom Benutzer selbst aktualisieren.

B&W PX5 und PX7: das Fazit

Die neuen B&W Bluetooth-Bügelkopfhörer der PX-Serie sind eine gelungene Weiterentwicklung und sowohl qualitativ, funktional als auch klanglich ein großer Wurf. Das neue und etwas moderner wirkende Design mit hervorragender Verarbeitung ist zwar etwas schlicht geraten, aber durchaus elegant und ausgewogen. Das B&W-Markengesicht bleibt erhalten.

Besonders überzeugend ist die verbesserte Ergonomie und Bedienung. Hier passt einfach alles. Auch beim Klang hat B&W draufgesattelt. Das nun ebenfalls integrierte Noise-Cancelling mag vielleicht im Vergleich mit anderen nicht die höchste Wirkung haben, passt aber, zusammen mit der passiven Geräuschdämpfung und der geringen Klangbeeinflussung, sehr gut zum ausgewogenen Gesamtkonzept.

Der größere Over-Ear PX7 hebt sich von PX5 durch sein schöneres Hardcase, größere Treiber und -Gehäuse (und damit einem anderen Komfort), sowie letztlich durch einen etwas ausgewogeneren Klang ab, was seinen Mehrpreis von 100 Euro rechtfertigt. Schade nur, dass es ihn ausschließlich in Schwarz und Silber-Grau gibt und nicht in der blauen Variante des PX5…

LowBeats Bewertung B&W PX5

B&W PX7
2019/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamischer, satter Klang, sauberer Bass
Gute Verarbeitung und hohe Materialqualität
ANC nicht übertrieben stark, hohe Akku-Ausdauer
Kein rein passiver Betrieb möglich

Vertrieb:
B&W Group Germany GmbH

Kleine Heide 12
33790 Halle / Westfalen
www.bowers-wilkins.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
B&W PX7: 400 Euro

Mehr von B&W:
Erster Test: Multiroom-Speaker B&W Formation Wedge
Test Kophörer B&W P5 Wireless – modische Eleganz und Bluetooth
Tes B&W Zeppelin wireless: Überflieger mit Bluetooth
Test Kompaktbox B&W 607: so klein kann HIGH END sein
Test B&W 804 D3 – die unterschätzte Spitzenbox
Erster Test B&W 705 S2: die perfekte Abbildung
B&W 800 Diamond D3 vs D2: die Unterschiede
Neue B&W 800 D3: alle technischen Neuerungen
Besuch in Worthing: Der B&W Factory Report
Fahr- und Hörtest BMW 740Ld xDrive mit B&W Diamond Surround Anlage

Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.