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Formation Wedge außen
Markenzeichen: viele Ecken. Das Formation Wedge ist eine hoch moderne und klangstarke Multiroom-Box vom High-End_Spezialsiten B&W. Der Preis: 1.000 Euro (Foto: B&W)

Erster Test: Multiroom-Speaker B&W Formation Wedge

Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass der britische Hersteller Bowers & Wilkins zu den Pionieren moderner Lifestyle-HiFi-Komponenten mit hohem Design- und Klanganspruch zählt. Obwohl das Unternehmen seinen Ruf ursprünglich dem Bau klassischer High-End HiFi-Lautsprecher verdankt – und damit schon seit der Gründung in den sechziger Jahren erfolgreich ist – hat die Einführung des All-in-One-Lautsprechers Zeppelin im Jahr 2008 den Bekanntheitsgrad der Marke auch unter Nicht-Audiophilen und außerhalb der Studioszene deutlich befördert. Nach der Übernahme des traditionsreichen Unternehmens im Jahr 2016 durch den kalifornischen Unternehmer Gideon Yu (der mit Social Media Aktivitäten zu Geld kam und mit seinem Start-Up Eva Automation eigenes Know How zur Funktechnik beisteuert) blieb B&W seinen Kernkompetenzen treu, verstärkt aber sein Engagement im Bereich der Lifestyle Audioprodukte. Zum Beispiel mit der neuen, fünf Modelle umfassende Produktfamilie Formation. Eines der interessantesten Formations-Mitglieder ist der Wireless-Multiroom Lautsprecher B&W Formation Wedge.

B&W Zeppelin Wireless auf dem Kamin
Eine Designikone: Der B&W Zeppelin war über zehn Jahre lang der vielleicht bekannteste Lifestyle-Speaker im One-Box-Design (Foto: B&W)

Das inzwischen als „ikonisch“ angesehene, zigarrenförmige Design des Zeppelin ist, über mehrere Gerätegenerationen hinweg nur leicht verändert, bis ins Jahr 2019 aktuell geblieben. Doch jetzt ist Schluss mit dem tönenden Luftschiff. Mit der kürzlich eingeführten Formation-Serie, die aktuell aus unterschiedlichen Lautsprechern, einem Subwoofer und einem Audio-Hub besteht, bringt B&W einen Zeppelin-Nachfolger in gänzlich anderem Look.

Zugegeben, beim ersten Blick auf die Bilder des B&W Formation Wedge (englisch für Ecke oder Keil) genannten One-Box-Speakers war ich erst skeptisch, ob dessen Gehäusedesign die großen Fußstapfen des Zeppelin ausfüllen kann. Nachdem ich nun ein Testmuster des Wedge vor mir stehen habe, sind diese Zweifel beseitigt. Der Hauptgrund dafür ist wahrscheinlich, dass zweidimensionale Abbildungen der dreidimensionalen Skulptur des Wedge kaum gerecht werden. Natürlich ist und bleibt Design zu einem großen Teil Geschmacksache, doch ich für meinen Teil bin von dem neuen Look in Natura positiv überrascht.

B&W Formation Wedge Ambiente2
B&W Formation Wedge mit weißer Rückseite und silbergrauer Frontbespannung (Foto: F. Borowski)

Der Wedge ist in zwei Farbvarianten erhältlich: mit einer schön gemaserten Holzrückseite und Frontbespannung in schwarz, sowie mit weißer Rückseite und silbergrauer Front. Letztere habe ich mir als Testmuster ausgesucht. Der Vorteil der hellen Variante mit der silbergrauen Frontbespannung ist, dass sich damit in der wabenähnlichen Struktur des Frontgitters schöne Schattierungen und Kontraste bei unterschiedlichem Lichteinfall ergeben. Dies ist bei der schwarzen Variante mutmaßlich deutlich weniger der Fall. Die helle Version passt auch schlicht besser in meinen Raum und ist fotogener. Sofern der Wedge nicht irgendwo frei im Raum auf einem Podest oder Board aufgestellt wird, ist die Rückseite weitestgehend unsichtbar. Und es ist für den B&W Formation Wedge auch eine Wandhalterung erhältlich.

B&W Formation Wedge Wandhalterung
Die passende Wandhalterung für den Wedge für alle Gelegenheiten, wo nur wenig Platz ist (Foto: B&W)

Ein Vorteil des Wedge gegenüber dem Zeppelin ist sein geringerer Platzbedarf in der Breite (ca. 45 cm; der Zeppelin war zuletzt 66 cm breit) und seine Form, welche die Aufstellung in Raumecken erleichtert. Die im Gegenzug größere Höhe bietet mehr Raum für ein größeres Basschassis. Immerhin 15 cm misst der interne Subwoofer des Wedge im Durchmesser. Flankiert wird dieser durch zwei 90 mm FST Mitteltöner und zwei 25 mm Kalottenhochtöner. Mitten und Höhen werden in leichtem Winkel nach oben und jeweils nach links und rechts abgestrahlt. Das ist sinnvoll, denn der Wedge soll ja trotz bescheidener Abmessungen einen großen Raum erzeugen.

B&W Formation Wedge Treiber-Anordnung
Die Treiberanordnung des Wedge. In der Mitte thront der 15 cm Subwoofer-Bass (Screenshots aus dem B&W Produktvideo)

Optik spielt bei Produkten dieser Art naturgemäß eine entscheidende Rolle. Das Auge isst zwar auch bei den meisten HiFi-Puristen mit (selbst wenn sie es nicht offen zugeben), doch ein Lifestyle-Produkt wie der B&W Formation Wedge weckt Interesse in aller erster Linie durch sein Aussehen und erst danach kommen technische Aspekte ins Spiel. Der Zeppelin ging auch deshalb wie geschnitten Brot. Manche Kunden klagten jedoch zuletzt bei der Wireless-Version über gelegentlich unzuverlässige WLAN-Verbindung und Einschränkungen bei der Multiroom-Nutzung.

B&W hat für die Formation Suite eine komplett eigene Funktechnologie entwickelt, die vor allem mit lästigen Verzögerungen und Echos bei Multiroom-Beschallung Schluss machen soll. Dazu bauen multiple Formation-Geräte untereinander ein eigenes Mesh-Netzwerk auf. Das ist eine Technik, wie sie sich auch in aktuellen Routern wie der bekannten AVM Fritz!Box 7590 findet. Vereinfacht ausgedrückt: Mehrere WLAN-Komponenten werden dabei zu einem gemeinsamen großen Netz (Mesh) verwoben, wodurch die Reichweite und Ausfallsicherheit verbessert wird.

Außerdem soll die neue Funktechnik für eine perfekte Synchronisation multipler Formation-Geräte im Haus sorgen. Die Synchronisationszeit im gleichen Raum soll unter einer Mikrosekunde betragen und über mehrere Räume hinweg bei immer noch rekordverdächtig kurzen Zeiten von etwa einer Millisekunde. Echos durch Laufzeitunterschiede dürften damit der Vergangenheit angehören.

B&W Formation Familie
Die B&W Formation Familie besteht aus fünf Komponenten zwischen 700 und 2.000 Euro (Foto: B&W)

Diese Vorteile kommen natürlich nur im Verbund mehrerer Formation-Geräte zum Tragen. Und weil ich derzeit nur den Wedge zum Test hatte, kann ich diese Aussagen leider zur Zeit nicht überprüfen. Aber Kollege Holger Biermann war auf einer B&W Präsentation anlässlich der HIGH END 2019 und meinte, dass die Synchronisation recht gut funktioniert.

B&W Formation Wedge Anschlussfeld
An der Unterseite des B&W Formation Wedge befinden sich der Stromanschluss und ein LAN-Port. Die USB-Buchse dient nur Service-Zwecken. Der Wedge verfügt weder über einen TosLink, noch einen HDMI-Anschluss, um den Speaker als TV-Lautsprecher nutzen zu können (wofür die Formation Bar gedacht ist). Auch ein analoger AUX-Eingang, wie beim Zeppelin Wireless noch vorhanden, wurde eingespart (Foto: B&W)

Die Besonderheiten des B& Formation Wedge

Die neue Funktechnik, für die mehrere Patente anhängig sind, macht die Formation-Geräte untereinander unabhängig vom Heimnetzwerk des Nutzers. Das bringt ein paar Besonderheiten mit sich, die sich dem Nutzer nicht alle von selbst erschließen. Dazu muss ich etwas ausholen.

1. Musik kann auf zwei Arten an den B&W Formation Wedge und andere Formation-Geräte übertragen werden: Per AirPlay/2 oder via Bluetooth. Über Android, das kein AirPlay unterstützt, kann nur Bluetooth genutzt werden, was die Reichweite auf die Bluetooth-übliche Distanz (maximal 10 Meter) begrenzt. AirPlay, welches über das heimische WLAN funkt, ist nur in iOS und auf Mac oder PC mit iTunes verfügbar. Dazu sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass AirPlay, auch wenn der Name anderes suggeriert, auch per LAN-Kabel funktioniert. WLAN ist nicht zwingend Voraussetzung.

2. Ist das Musiksignal in einem der Formation-Geräte angekommen, wird es von da an in dem B&W-eigenen Mesh-Netzwerk an weitere Formation-Geräte übertragen. Das B&W-Netzwerk gestattet eine Audio-Übertragung von max. 24bit/96kHz. Dazu sei angemerkt: Eine native HiRes-Wiedergabe von 24/96 ist in der Praxis insofern nicht möglich, weil weder Bluetooth aptX/AAC noch AirPlay das unterstützen.

3. Um die Vorteile der B&W-Funktechnologie bei Multiroom tatsächlich nutzen zu können, muss der Nutzer die jeweiligen Wiedergabegeräte beziehungsweise. Räume über die Formation-App auswählen. Zwar funktioniert das System nach der Einrichtung auch komplett ohne die App und die Auswahl kann über die in iOS vorhandenen AirPlay-Kontrollen erfolgen, doch in dem Fall erfolgt die Multiroom-Zuspielung auch nur per AirPlay 2, was größere Latenzen mit sich bringt… Ich fürchte, dieser Punkt dürfte für einige Verwirrung bei den Nutzern sorgen.

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