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B&W 804 D3 Aufmacher
Die B&W 804 D3 hinterließ im LowBeats Hörraum einen hervorragenden Eindruck. Im Paar kostet sie 9.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Test B&W 804 D3 – die unterschätzte Spitzenbox

Anfang 2016 führte B&W seine 800er Serie D3 ein. „Der größte Schritt seit Nautilus“ nannte B&W Produktmanager Andy Kerr diesen Technologie-Sprung von D2 auf D3 im LowBeats Interview. Nun sind knapp zwei Jahre vorbei und man kann eine erste Bilanz ziehen: Hat sich 805 D3 im gleichen Maße erfolgreich verkauft wie die anderen 800er-Serien zuvor, die seit der ersten Generation Nautilus, die vor 20 Jahren eingeführt wurden? Und welche Rolle spielt unser jetziges Testmodell, die B&W 804 D3?

Eine erstaunlich gewichtige. Denn die nicht unerhebliche Preissteigerung gegenüber der Serie D2 bremste die Verkäufe spürbar ein und verschob hier die Positionen. Klar: das Flaggschiff 800 ist immer noch das Flaggschiff und die 805 die einzige kompakte Box der Serie. Doch früher verkaufte sich die 802 stets am besten; ihren Platz hat jetzt die aktuelle 803 eingenommen.

Genau diese Preissteigerung bewirkt auch, dass die aktuelle B&W 804 D3 mit anderen Augen gesehen werden muss: Früher war sie eher ein Ergänzungsspieler, heute ist sie die einzige Möglichkeit, für eine noch vierstellige Summe an eine 800er D3 Standbox zu kommen.

B&W 804 D3 mit 802, 803, 805
Die B&W 804 D3 (zweite von rechts) im Kreis der 800 D3-Familienmitgieder 802, 803 und 805. Im Gegensatz zu 800 (nicht im Bild) und den beiden anderen, größeren Schwestern fehlt ihr das spezielle Mitteltongehäuse aus Aluminium. Bei der 804 D3 ist das Mittelton-Séparée Teil des Gehäuses – das macht sie fraglos zum äußerlich unauffälligsten Mitglied der Serie. Zum Vergleich: die 804 D3 ist 102 cm hoch und 24 cm breit (Foto: B&W)

9.000 Euro kostet die B&W 804 D3. Sie ist damit „nur“ 2.000 Euro teurer als die kompakte 805 D3 inklusive Ständer, die wegen ihrer Über-Alles-Qualitäten aus dem LowBeats Hörraum kaum noch wegzudenken ist. Aber sie ist um glatte 8.000 Euro günstiger als die größere 803 D3 – und bietet trotzdem fast alles, was diese Serie auszeichnet.

Die Technik der B&W 804 D3

Zum Beispiel die komplette Treibertechnologie. Angefangen bei den beiden Tieftönern mit sehr harter, 16,5 cm großer Aerofoil-Membran…

B&W 804 D3 Tieftöner
Die Membran der beiden so genannten Aerofoil-Tieftöner ist bretthart und kann so den Impulsen der Schwingspule bestens folgen (Foto: H. Biermann)

…über den eigens für diese Serie entwickelten Mitteltöner mit hoch dämpfender Continuum-Membran…

 

B&W 804 D3 Mitteltöner
Der neue sickenlose B&W-Mitteltöner mit silber-gräulicher Continuum-Membran ist das wohl markanteste Ausrufezeichen der neuen Generation B&W 800. Er löst die gelbe Kevlar-Membran ab, die 40 Jahre lang das Markenzeichen der Briten war. Das Material ist hoch dämpfend und extrem reißfest, der Durchmesser des 804 D3 Mitteltöners beträgt 13 cm (Foto: B&W)

…bis hin zum immer noch ziemlich einzigartigen Hochtöner mit 25 mm großer Diamant-Kalotte. Der Herstellungsprozess dieses künstlichen Diamanten ist ziemlich komplex und damit sehr teuer. Aber B&W ist von den akustischen Qualitäten absolut überzeugt. Zu Recht: die extrem harte Diamantkalotte reicht ohne größere Einbrüche bis weit über 40 Kilohertz und trägt ihren Teil zum sehr überzeugenden Auftritt der B&W 804 D3 bei.

Diamant-Kalotte der B&W-800-D3-Serie
Die namensgebende Hochtonkalotte aus künstlichem Diamant findet sich auch in der B&W 804 D3. (Foto: B&W)

Wie auch das äußerst aufwändige Gehäuse, das nicht unwesentlich zum Preisanstieg der neuen D3-Serie beiträgt. Schon immer versuchten B&W Entwickler, die Gehäuse der 800er Serien durch eine Vielzahl innerer Verstrebungen (die sogenannte Matrix) zu beruhigen. Doch das neueste Matrix-Konstrukt aus Multiplex, zudem noch in Verbindung mit Stahl-Elementen, ist an Stabilität kaum zu toppen.

Die Matrix-Strukturen vomn unten: D2 links, D3 rechts
Die Matrix der früheren Serien (links) war aus dünner Spanplatte aufgebaut, die der Serie D3 (rechts) ist viel massiver und durch Stahl und Aluminium zusätzlich versteift. Das gerundete Aluminium-Profil nimmt die sogenannten Tubes auf, in denen die Tieftöner der 804 D3 verankert sind (Foto: B&W)

Die Metallverstärkungen sorgen für das stattliche Gewicht (33,0 Kilo) und eine unverrückbare Festigkeit – was sich bei der 804 D3 auch in einer äußerst präzisen Basswiedergabe niederschlägt. Und sie sorgen für eine zusätzliche Stabilität der gerundeten Front.

B&W 804 D3 Tube
Die Metall-Rahmen – die so genannten Tubes – geben dem Tieftöner trotz gerundeter Schallwand perfekten Halt. Die sich nach hinten verjüngende Hochtonröhre (oben) ist vom Bassgehäuse entkoppelt und sorgt durch ihren Aufbau – siehe auch Film mit Ulf Soldan von B&W – für eine resonanzarme Wiedergabe (Foto: H. Biermann)

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