Home / Test / Kopfhörer / Kopfhörer mobil / Fidue A83: Der überragende 3-Wege In-Ear
Insight des Fidue A83
Der Fidue A83 ist ein extrem aufwändig gemachter Dreiwege-InEar. Trotz des hohen Aufwands kostet das Pärchen knapp 300 Euro (Foto: Fidue)

Fidue A83: Der überragende 3-Wege In-Ear

Bei Lautsprechern ist es normal, wenn der Frequenzbereich in mehr als drei Bereich aufgetrennt ist: Bass, Mittel- und Hochtöner – klar, das macht Sinn. Dennoch sollte jeder Teilbereich – man spricht hier von „Weg“ – gut begründet sein, denn er muss ja elektrisch oder mechanisch von den anderen Bereichen abgetrennt werden. Und gemeinhin bringt jeder Übergang akustisches Ungemach. Bei sehr großen Lautsprechern mit einer großen Bandbreite und hohen Schalldruckanforderungen sind sogar Vier-Wege-Konstruktionen durchaus sinnvoll. Bei Kopfhörern, die in der Regel ja auch nur mit einem Treiber, also einem Weg auskommen, nicht. Und bei InEars schon mal gar nicht. Warum ich so lange auf diesem Thema herumreite? Weil der chinesische InEar-Spezialist Fidue es schafft, dem Fidue A83 gleich drei Wege in seinem hübschen Minigehäuse einzubauen.

Drei Wege! Was bringt die Leute dazu, auf allerengstem Raum so viele Treiber zu verbauen?

Womöglich der Umstand, dass sie es können. Im A83 kombiniert Fidue einen 10 Millimeter kleinen „Bass“ und zwei Balanced-Armored- (BA-) Module für den Mittel- und Hochtonbereich.

Mir fehlt die Fantasie, wie die Entwickler alle drei Treiber in diesem kleinen Gehäuse unterbringen und es gibt leider weder Fotos noch Zeichnungen vom Innenleben des Sirius.

Vielleicht ist es auch nur ein großer Bluff, denn natürlich bricht niemand das edle Metallgehäuse des Sirius auf, um nachzuschauen …

Letztendlich ist es aber theoretisch möglich, weil man die BA-Treiber fast beliebig klein aufbauen kann. Hier ein Bild zum prinzipiellen Aufbau:

Funktionsweise des Balanced Amoured Treibers
Die Funktionsweise des Balanced Armored (BA-) Treibers: Spulen und Permanent-Magnete treiben einen Anker an, der wiederum die Membran anregt. Die Membran strahlt in eine Vorkammer, die einen kleinen Ausgang (in diesem Falle rechts) hat. Diese Konstruktionen kann man fast beliebig klein ausführen.

Die Rahmendaten des Fidue sind schnell aufgelistet. Die Nenn-Impedanz liegt bei 11 Ohm – was ihn ausgesprochen „laut“ macht. Im Vergleich zu allen anderen InEar-Hörern, die ich kenne, ist der A83 sehr viel lauter; selbt mit dem iPhone sind hier Pegel möglich, die Apple wahrscheinlich nicht so gern möglich sieht …

Sein Gewicht liegt bei 45 Gramm; das ist eingedenk des aufwändig gefrästen Metallgehäuses wenig.

Ich habe in der Regel Probleme, bis ein InEar bei mir richtig sitzt. Beim Fidue A83 gab es das nicht: Er saß von Beginn an wie angegossen, sein Gewicht war kaum zu spüren: äußerst angenehm.

Ausgelegt ist der A83 für das Zusammenspiel mit Android- und IOS-Smartphones; das Telefonieren und die Steuerung über mein iPhone klappte bestens. Die rundum glücklich machende Ausstattung des Fidue A83 hier auf einen Blick:

  • 5 Paar Silikon-Eartips (L, M, S und 2x Biflange)
  • vergoldeter 6,5 mm Klinkenadapter
  • vergoldeter Flugadapter
  • 2 Paar Comply Foam Tips
  • Pelican Case Transportbox
Vorwärts Zurück
Fidue Sirius im Reise-Pack
Der Fidue in seinem leichten und robusten Reise-Pack. Das achtadrige Anschlusskabel ist etwas starr, aber von hervorragender Qualität (Foto: H. Biermann)
Bedienungsanleitung des Fidue A91
Vorsichtshalber ist im Kunststoff-Gehäuse eine Bedienungsanleitung für die richtige Unterbringung des Fidue A38 im Reise-Pack (Foto: H. Biermann)
Die Kapsel des A83 ist nach außen hin aus Aluminium
Die Kapsel ist nach außen hin aus robustem Aluminium. Dennoch ist der A83 angenehm leicht (Foto: Fidue)
Das Anschlusskabel A83
Das Anschlusskabel A83 ist extrem hochwertig, der Anschluss passiert über ein mechanisch solides Arretier-System. Das ist richtig gut gemacht und wichtiger Teil der klanglichen Performance (Grafik: Fidue)
Das Zubehör des Fidue A83
Das Zubehör des Fidue A83 ist das gemeinhin übliche: Ohrstöpsel verschiedener Größe sowie Flugzeug- und Klinken-Adapter (Foto: Fidue)
Vorwärts Zurück
Cover Red Hot Cili Peppers "The Getaway"
Die Red Hot Chili Peppers erfinden sich ein bisschen neu. Mit ein bisschen mehr Pop. The Getaway: das neue Album (Cover: Amazon)

So klingt der Fidue A83

Schon beim ersten Hören war mir klar, dass der A83 etwas Besonderes ist. Zum einen erstaunt er mit einem schlanken, hochpräzisen Bass. Die mitreißenden Bassläufe in The Getaway der Red Hot Chili Peppers habe ich selten so natürlich, zupackend und „schnell“ gehört.

Bass hat Farbe – das zeigt der A83 eindrucksvoll. Und das hat man wirklich selten. Normalerweise kommt im Kopfhörerbereich – erst recht bei In Ears – im Bass immer etwas zu viel des Guten.

Das ist verständlich, weil ein InEar auch bei niedrigen Pegeln noch ausreichend Tiefton bringen – und deshalb so eine Art Loudness eingebaut haben muss. Trotzdem mag ich das nicht und finde die schlanke, präzise Abstimmung des A83 sehr viel überzeugender.

Zumal der Mittelhochtonbereich des Fidue A83 überwältigend ist: überwältigend offen, feingliedrig und detailreich. Man nehme so komplexe Aufnahmen wie aus dem neuen Nick Cave Album Skeleton Tree und entdecke in der so eigenen Stimme des Australiers völlig neue Facetten.

Der A83 holt Details aus den Aufnahmen, die man mit der überwiegenden Zahl der Hörer einfach nicht hört. Hier ein kleiner Gluckser, der mir vorher nie aufgefallen war, dort ein kleines Detail, das die Aufnahme noch ein bisschen lebendiger machte.

Im Lauf der Testwoche ertappte ich mich immer wieder dabei, schon wieder nach dem A83 zu greifen, um doch noch schnell diese oder jene Aufnahme mit ihm zu hören, um zu schauen, was er denn da noch alles herausholt …

Cover Nick Cave: Skeleton Tree
Nick Cave: Skeleton Tree (Cover: Amazon)

Der Fidue A83 ist minimal hell abgestimmt. Diese Einschätzung zieht sich durch die Tests weltweit. Aber ich empfand es nicht als störend. Seine hohe Präzision und die Fülle an Details lassen den Hörer die Aufnahme noch einmal intensiver erleben.

Fazit: Der Fidue A83 setzt Maßstäbe bei der Feinzeichnung

Dieser In-Ear ist grandios. Verarbeitung, Sitz, selbst die Art und Weise, wie das abnehmbare Kabel arretiert wird, sind erstklassig.

Und dann wäre da noch der Klang: Das ist Suchtstoff für die schönen Stunden, um noch ein Stückchen tiefer in die Musik einzutauchen.

300 Euro sind da ein extrem fairer Kurs. Eine ganz dicke Empfehlung.

Ähnliche Beiträge:
Test In Ear Audeze LCD i4 – klanglich absolute Spitze
Test Sennheiser Momentum In-Ear
Test Teufel Move Pro: Teufels bester In-Ear
Test Edel-In-Ear Astell & Kern AK T8iE
Test Porsche-Design Motion One Bluetooth In-Ear von KEF

Fidue A83
2016/09
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Einzigartig detailreicher & feiner Klang
Fantastische Verarbeitung
Angenehmer Sitz
Exzellente Preis/Klang-Relation

Vertrieb:
HEADSOUND audio GmbH
Fellbacher Str. 17
13467 Berlin
www.headsound.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Fidue A83: 299 Euro