Home / Reportagen / HIGH END 2019 – der LowBeats Messerückblick
HIGH END 2019 In-akustik
Mehr Aussteller, mehr Besucher, mehr Spaß und viele Vorführungen – das war die HIGH END 2019 (Foto: R. Vogt)

HIGH END 2019 – der LowBeats Messerückblick

Der Blickwinkel verändert sich: In den ersten drei Jahren unseres Bestehens waren wir von LowBeats immer „nur“ berichtende Journalisten, Zaungäste quasi. In diesem Jahr hatten wir in der Halle 1 (Stand A17) einen eigenen Auftritt im Rahmen der Sounds Clever Initiative. Und der brachte uns sehr viel mehr mit den Besuchern in Kontakt, als es ohne einen solchen Anknüpfungspunkt möglich wäre. Der Messerückblick HIGH END 2019 startet daher auch mit unseren Aktivitäten am Stand A17, wo wir fast durchgehend die Sounds-Clever-Anlage vorführten, wo aber auch die Workshops zum Thema Roon und Virtueller Hörraum stattfanden.

LowBeats Sounds Clever Anlage
Die Hörkabine mit der Sounds-Clever-Anlage war fast durchgehend voll. Die Kombination bestand aus einem QNAP-NAS mit Roon-Server (und gepimpt mit SBooster-Netzteil sowie Iso Acoustic Unterstellfüßchen), dem Lumin Streaming-Vollverstärker M1 und den Standboxen Q Acoustics C40, alles verbunden mit Supra Cable (Foto: R.Vogt)

Die Anlage hatten wir zusammen mit unseren Freunden von der 3. Dimension (unserem benachbarten Händler in der münchner Heimeranstraße) auf einen Raum dieser Größe konzipiert. Und dann hat LowBeats Tonmeister Jürgen Schröder mit einigen Messungen und diversen Akustik-Elementen die Hörkabine perfekt auf die Messe-Anforderungen hin getunt. Es klang tatsächlich absolut überzeugend und unterstrich die These der Messeleitung, dass man auch mit Anlagen diesseits der 5.000 Euro wirklich anspruchsvoll Musik hören kann.

Brigitte Karp
Die Akustikelemente-Designerin Brigitte Karp war die gute Fee am Eingang der LowBeats Hörkabine (Foto: R. Vogt)

Mehrfach schlich ich mich auch in unsere Kabine, um a.) zu schauen, wie der sympathische Stefan Ulrich (Verkäufer in der 3. Dimension) die Kombination vorführte und um b.) ein paar Stimmen der Besucher einzufangen. Einmal raunte mein Nachbarn mir zu, seine Anlage zu Hause sei mehr als dreimal so teuer, aber bei weitem nicht so gut… Lob kam auch aus berufenem Munde: Joachim Pfeiffer, Ex-Chefredakteur der Audio und heute Chefredakteur des HiFi & Musik Journals meinte, die Idee des Sounds Clever sei nirgends gut richtig umgesetzt worden wie bei uns. Auch das war natürlich schön, zu hören.

Pfeiffer bezog sich vor allem auf unseren Roon-Schwerpunkt. Denn die Musik der Anlage kam zwar in HiRes von der NAS, wurde aber verwaltet von der genialen Roon Software. Kollege Raphael Vogt hatte sich schon in einem ausführlichen Video-Test mit Roon auseinander gesetzt und hielt auf der Messe täglich einen Roon Workshop ab. Da scheint es noch viel Aufklärungsbedarf zu geben, denn der Zuspruch war so groß, dass wir dafür auch einen kleinen Saal hätten mieten können.

LowBeats auf der HIGH END 2019
LowBeats Geschäftsführer Raphael Vogt bei seinem höchst aufschlussreichen Roon Workshop in der LowBeats Hörkabine (Foto: B. Karp)

Auch der zweite LowBeats Workshop war ein voller Erfolg. Hier zeigte Jürgen Schröder die Möglichkeiten unserer Aufnahmen für den Virtuellen Hörraum, wo wir in erster Linie Lautsprecher aufnehmen, um sie miteinander vergleichbar zu machen. Weil diese Aufnahmen alle unter denselben optimalen Bedingungen erfolgen, kann der geneigte Hörer – unabhängig davon, ob er jetzt online oder wie bei uns in der Kabine (oder beim Händler…?) offline hört – verschiedene Modelle perfekt miteinander vergleichen. Mit diesem Verfahren setzen wir den Hörer in den „Sweet Spot“, weshalb wir das Verfahren seit der HIGH END 2019 auch so nennen.

LowBeats Workshop Virtueller Hörraum
Jürgen Schröder (stehend) erklärt das Verfahren zum Virtuellen Hörraum und lässt die Besucher selber die Probe aufs Exempel machen (Foto: R. Vogt)

Leider war die Anzahl der Kopfhörer-Plätze begrenzt. Trotzdem konnten wir mehrere dutzend Menschen durchschleusen und von dem Konzept überzeugen. Schröder anerkennend: „Viele haben von sich aus festgestellt, welche Möglichkeiten hier schlummern.“ Denn die Unterschiede zwischen den Aufnahmen der verschiedenen Lautsprecher waren für alle Workshop-Teilnehmer eindeutig nachvollziehbar. Für uns war das wie ein Ritterschlag. Obwohl wir von der Idee dieses Konzepts absolut überzeugt sind, zeigt eine so breite Akzeptanz, dass dieses Verfahren tatsächlich auch für die Allgemeinheit von Wert ist.

HIGH END 2019 – die Besucher

Fangen wir einmal damit an, was beziehungsweise wer fehlte. Ken Ishiwata. Der Markenbotschafter von Marantz, eigentlich fester Bestandteil einer jeden HIGH END, bekam keine Vertragsverlängerung und hinterlässt nicht nur bei Marantz eine große Lücke.

Reichlich vorhanden waren dagegen Aussteller und Besucher. Ein sehr zufriedener Messeleiter Stefan Dreischärf gab folgende Zahlen zu Protokoll:

• 551 Aussteller aus 42 Ländern (+ 3,8 %)
• 21.180 Besucher insgesamt (+ 6,5 %)
• 8.208 Fachbesucher aus 72 Ländern (+ 8,6 %)

Die Prozentzahlen in Klammern beziehen sich auf das Vorjahr, das ebenfalls schon recht gut besucht war. Die Zahlen untermauern, was eh schon jeder weiß: die HIGH END ist das größte und wichtigste Spektakel dieser Art weltweit. Die die offiziellen Zahlen zur Entwicklung der Messe im M.O.C.:

2016201720182019Veränderung zu 2018
Ausstellungsfläche28.61029.00029.00029.0000%
Aussteller5185385305513,8%
Fachbesucher7.0538.0027.5578.2088,6%
Besucher12.43613.41012.34212.972+4,9%
Gesamtbesucherzahl19.48921.41219.88921.180+6,5%

Ein Dilemma ist erkennbar: die Messe kann erst einmal nicht mehr wachsen, obwohl es durchaus noch Bedarf gäbe – wie die Ausstellungsflächen auf der parallel veranstalteten hifideluxe im Marriott Hotel zeigen. Wie schön wäre es könnte man auch die Atrien 1 + 2 mit buchen. Doch die sind mit Dauerausstellungen belegt.

Eines aber kann man festhalten: Die Branche ist zwar längst noch nicht so professionell wie sie gern wäre (und wie sie bei den zum Teil recht üppigen Preisen sein sollte), aber die Qualität der Präsentation, vor allem die des Standbaus, wird immer besser. Stellvertretend steht hier der McIntosh Stand, der wieder einmal klasse aussah:

McIntosh Messestand auf der HIGH END 2019
Hören konnte man hier nichts, aber ausgesehen hat es einmal wieder zum Niederknien… (Foto: H. Biermann)

Die Neuheiten der HIGH END 2019

Die gab es natürlich reichlich. Und dieser Messerückblick stellt daher in keinster Weise den Anspruch auf Vollständigkeit. Der besseren Übersichtlichkeit halber arbeiten wir die Messe, beziehungsweise die Neuheiten einfach alphabetisch ab. Und wir starten mit einer Neuigkeit, die so neu gar nicht ist. Nämlich mit der Live 15 von

Ascendo

Die hier in einem attraktiven Rot gehaltene Aktivbox hat mittlerweile vier Jahre Entwicklungszeit hinter sich. Schon vor knapp drei Jahren hatte ich die Live 15 im Test, aber da war sie wohl noch nicht ganz ausgereift. Die finale Version ist von den Proportionen tatsächlich sehr viel stimmiger (soweit man das von einem Lautsprecher mit 38 cm Bass überhaupt sagen kann) und klingt auch noch etwas offener. Und mit ihrer Bestückung (30 cm Mittelhochton-Koax plus 38 cm Bass aus dem Profi-Bereich) sowie der DSP-Entzerrung und den stattlichen 2.000 Watt eingebaute Leistung setzt sie in Sachen Maximalpegel und Verzerrungsarmut – wie schon damals im bei uns im Hörraum – sowieso Referenzmarken.

Ascendo Live 15
Bei Ascendo klang es sehr ansprechend – auch, weil hier sehr zeitgemäße Musik gespielt wurde. Die nun finale Live 15 liegt im Paarpreis bei 26.900 Euro (Foto: H. Biermann)

Audio Research

Audio Research Reference 160S
Aus der exzellenten 160M Monoendstufe entstand nun die fast ebenso gute, aber nur halb so kräftige Stereo-Endstufe Reference 160S mit 4 KT 150 Röhren pro Kanal (Foto: H. Biermann)

Erwartungegemäß bieten die Amerikaner ihre superbe Mono-Endstufe Reference 160M nun auch als Stereo-Variante an (vorn links). Das macht das Hören mit Reference etwas günstiger. Die bildschöne Röhre soll etwa 2 x 70 Watt leisten und wird bei etwa 20.000 Euro liegen.

AVM

Bei AVM gab es in den letzten Monaten ja jede Menge Neuheiten, weshalb sich AVM Chef Udo Besser auch dazu berufen sah, eigens eine Pressekonferenz abzuhalten.

Pressekonferenz AVM auf der HIGH END 2019
AVM Chef Udo Besser auf der Pressekonferenz, wo er auch die neuen Aktiv-Lautsprecher vorstellte (Foto: H. Biermann)

Die eigentliche Neuheit bei AVM aber war, dass die Badener sich nun auch auf das Gebiet der Lautsprecher wagen. Dafür holten sie sich die Verstärkung und die Expertise von Wolfram Szentiks von Audiograde, die mit ihren Betonboxen schon vor Jahren Furore machten und herausragend gut klangen.

AVM AM 6.3
Die AM 6.3 ist eine aktive 3-Wege-Box, bei der die gesamte Elektronik, inklusive der kräftigen AVM-Endstufen, im aus dem Vollen gefrästen Aluminium-Sockel sitzt. (Foto: H. Biermann)

Die AVM AM 6.3 sind nicht aus Beton, haben aber einen massiven Sockel aus Aluminium, der auch die gesamte Elektronik erschütterungsfrei beherbergt. Der Paarpreis des eleganten Quaders liegt bei 20.000 Euro. Während der Pressekonferenz konnten die Anwesenden schon ein paar Takte hören. Und schon die machten klar, dass dieser Lautsprecher die Offenheit und Natürlichkeit der Audiograde Speaker hat und zu erstaunlich tiefen und höchst präzisen Bässen in der Lage ist.

AX-Jet...

… ist eine kleine Manufaktur aus dem Walisischen und fertigt höchst außergewöhnliche Hörner. Die 20 cm Breitband-Treiber beziehen die Waliser vom Stuttgarter Breitbandchassis-Spezialisten AER, das Gehäuse machen sie selber: Es sind aus Zement gegossene Formen, die mit einer Fiberglashülle umgeben sind. So kann man den Gebilden jede auch nur erdenkliche Lackierung verpassen.

AX-Jet Superjet
Das AX-Jet spielte das Horn in der Superjet-Version. Klanglich fand ich den Superjet etwas näselnd. Aber wer kann schon von sich sagen, dass sein High-End-Speaker wetterfest sei? (Foto: H. Biermann)

Das hier gezeigte Horn in der Superjet Version kann mit allerlei Superlativen aufwarten: Gewicht pro Seite 65 Kilo, wetterfeste Oberfläche und ein angeblicher Wirkungsgrad von jenseits der 105 dB (1 Watt/1 Meter). Und dann noch der Preis: 75.000 britische Pfund wollen die AX-Jetter – plus Transportkosten und Zoll. Das ist echte ne Menge Geld für den recht speziellen Klang…

Seite 1 High End 2019: Sounds Clever, Messedaten, Aussteller von Ascendo bis AX-Jet
Seite 2 High End 2019: Aussteller von Bugatti bis Hegel
Seite 3 High End 2019: Aussteller von Lyravox bis Westend Audio & Best-Of