Eine alte Binsenweisheit sagt: “HiFi-Lautsprecher sind für Heimkino nicht gemacht – da fehlt es an Dynamik.” Eine andere besagt: “Filmton-Lautsprecher sind für eine audiophile Musikwiedergabe nicht gemacht – da fehlt es an Musikalität und Auflösung.” Ein Dilemma für alle jene, die Musik und Film mit nur einer Anlage genießen wollen. Und hier setzt die noch junge Firma Perlisten Audio an. Sie verspricht höchste Natürlichkeit, aber auch so viel Pegel und Dynamik, dass selbst THX beeindruckt war und hier erstmals das höchste THX-Zertifikat Dominus vergab. Hat da etwa jemand den Missing Link gefunden? Der Test der Perlisten Audio S5M beinhaltet eine klare Antwort.
Die Gründung von Perlisten Audio datiert aus dem Jahr 2016. Doch davon sollten wir uns nicht in die Irre führen lassen. Die beiden Macher, Daniel Roemer und Lars Johansen, sind beides alte Hasen und seit Jahrzehnten in der Audio-Branche tätig. Roemer für Lautsprecher-Größen wie NHT und Acoustic Research (die Firma, die früher mal die geschlossene Box erfunden hat). Und Johansen für die Platzhirsche JBL, Harman Kardon, Klipsch und Jamo. Alles andere als “Laufkundschaft”, würde Olli Kahn sagen. Seine letzten angestellten Jahre war Johansen Präsident von Miller & Kreisel, einem der ambitioniertesten Studio- und Mehrkanal-Anbieter weltweitweit. Wir werden noch darauf zu sprechen kommen.
Derzeit hat die amerikanische Firma mit den eindeutig skandinavischen Wurzeln elf Lautsprecher (allesamt passiv) sowie vier aktive Subwoofer im Programm. Die hier getestete Perlisten Audio S5M entstammt der höheren S-Linie und ist ein noch kompakter Lautsprecher mit knapp 40 Liter Volumen, für den es einen schicken Ständer gibt. Und weil Perlisten ja so eindeutig den Brückenschlag zwischen High End und Surround betont, drängte sich für unseren Test die S5M förmlich auf. Das digitale Daumenkino zeigt die vielseitige Box von allen Seiten:
Die Besonderheiten der Perlisten Audio S5M
Das Auffälligste ist zunächst das Gewicht: Zieht man die kompakte Perlisten aus der Verpackung, stellt man fest, dass sie mit 19 Kilo keineswegs zu den Leichtgewichten ihrer Klasse gehört. Da scheint also einiges drinzustecken. Dann die Gestaltung der Front: Sie ist – wie die gesamte S5M aus MDF, leicht gewölbte und ausgefräste Holzringe nehmen die Tieftöner als auch das Hochton-Array auf. Die Perlisten-Entwickler wollen so möglichst viele Reflektionen der Schallwand von vorn herein im Keim ersticken. Gut so. Natürlich sträuben sich die Finger, bei einer Bauhöhe von 60 Zentimeter noch “kompakt” zu schreiben. Aber eine Standbox ist die S5M halt auch nicht.
Dass sich die S5M vielen gängigen Mustern entzieht, merkt man schon, wenn man sie als 2- oder 3-Wege-Konstruktion einordnen will. Lässt sie sich nämlich nicht, denn es ist eine symmetrisch aufgebaute 2-Wege-Box mit nach unten erweitertem Hochtonbereich. Zwei Tiefmitteltöner im 18-Zentimeter Format sitzen am oben und unteren Ende der Schallwand. Das ist ja noch recht klassisch – auch, wenn die beiden Tiefmitteltöner dank leichter Kohlefaser-Textreme-Verbundmembranen, leichter Alu-Schwingspulen und riesigen Magneten erfreulich effizient und pegelfest sind.
Der Clou der S5M allerdings ist das Hochton-Array. In der Mitte sitzt der eigentliche Hochtöner, eine 28 mm Berylliumkalotte mit großer Bandbreite. Flankiert wird dieser Hochtöner von zwei Gewebekalotten gleicher Größe, die im Array ober- und unterhalb des Beryllium-Hochtöners sitzen. Diese bestreichen den Frequenzbereich von etwa 800 – 4.000 Hertz. In diesem Bereich laufen alle drei Hochtöner parallel.
Wozu das gut sein soll? Einen klassischen Hochtöner bis 1.000 Hertz laufen zu lassen, ist ein gewagtes Unterfangen, weil Hochtöner dafür gemeinhin nicht gemacht sind. Das Perlisten-Array jedoch bietet dem zentralen Hochtöner nicht nur das Schalldruck-verstärkende Horn – im verzerrungsträchtigen Bereich um 1.000 Hertz verdreifachen die beiden zugeschalteten Hochtöner die bewegte Fläche und erhöhen so die Belastbarkeit um einiges.
Der zweite Punkt, auf den Daniel Roemer und Lars Johansen abzielen, ist eine kontrolliert-gerichtete Abstrahlung. Weil sie Boden- und Decken-Reflektionen als besonders klangschädlich ausgemacht haben, verringern sie die Abstrahlung nach oben und unten im Bereich ab 1.000 Hertz deutlich. Das geschieht durch Auslöschungen dieses Hochton-Arrays. Die Simulationen zeigen, wie die Abstrahlung der S5M im Idealfall laufen soll: in der Vertikalen recht eng, in der Horizontalen breit.
Durch die Schallbündelung werden nicht nur Decken- und Boden-Reflektionen unterdrückt, die Perlisten Audio S5M “trägt” den Schall auch weiter als klassische HiFi-Lautsprecher. Dieser Punkt ist gerade in größeren Räumen extrem hilfreich. Ich habe die S5M auch im großen LowBeats Hörraum ausprobiert, wo die Distanz Speaker-Hörer schon mal 5 Meter betragen kann. Gerade da funktioniert die fokussierte Kompaktbox blendend und bringt vor allem in den Mitten die volle Schall-Energie zum Hörer.
Perfekte Phasenlage
Die Kombination mehrerer Hochtöner kennen wir schon von Geithain oder Miller & Kreisel. Auch dort werden die Hochtöner ähnlich beschaltet, wie in der S5M. Und doch bilde ich mir ein, dass dies nicht in der gleichen Perfektion geschieht. Offenkundig schaffen es die Herren Roemer und Johansen, aus der Kombination der (auch in der Tiefe versetzten) Hochtöner plus einer sehr aufwändigen Frequenzweiche (die auf beide Seitenwände der S5M verteilt ist) eine hohe Phasenstabilität zu zaubern.
Die Abbildung der kompakten Perlisten ist jedenfalls phänomenal gut. Aber noch beeindruckender ist ihre extreme Präzision der Wiedergabe. Da klingt alles wie mit dem ganz feinen Stift gezeichnet; Ausfransungen an den Rändern gibt es bei der Dänin nicht. Das habe ich bei passiven Lautsprechern bisher noch nicht so oft so gut gehört…
Praxis
Für die noch kompakte S5M gibt es ja einen echt schicken Ständer (siehe oben), aber sie ist als potenzieller Filmton-Lautsprecher auch für die wandnahe Aufstellung vorgesehen. Für diesen Fall kann man die Bodenplatte abschrauben und das Bassreflexrohr mit einem mitgelieferten Schaumstoff-Propfen verschließen. Aber auch für den Betrieb im kleinen LowBeats Hörraum war das die bessere Variante.
Dass die Perlisten Audio S5M keine gewöhnliche HiFi-Box ist, zeigt spätestens dieses Detail: sie ist THX Dominius zertifiziert. Der Dominus-Standard verspricht ausreichend Pegelreserven für Räume bis 184 Kubikmeter. Setzen wir mal die gängige Raumhöhe von 2,4 Metern voraus, wären das immerhin 76 Quadratmeter. Zudem kann muss dazu sagen, dass THX immer sehr konservativ mit viel Sicherheitsreserven misst. Die S5M ist also wirklich für größere Räume geeignet.
Um das THX-Gütesiegel zu bekommen, zählt in erster Linie Pegelfestigkeit. Und schon an dieser Stelle muss man den Perlisten-Entwicklern höchsten Respekt zollen: Die LowBeats Pegel-Messungen kamen im dynamischen Bereich auf 117 Dezibel. Für ein 2-Wege-System, das im Hochton nicht mit Hörnern arbeitet, ist das wohl Rekord-verdächtig.
Sollte man eine solche effiziente und pegelfeste Box mit wattschwachen Verstärkern wie Single-Ended-Röhren betreiben? Auf keinen Fall. Die LowBeats Impedanz-Messung sieht noch ganz verträglich aus. Doch der EPDR-Wert, der sich aus Impedanz und Phase (blaue Kurve) ergibt und der aufzeigt, wie stark das Netzteil des angeschlossenen Verstärkers tatsächlich belastet wird, rutscht an drei Stellen weit unter 1 Ohm. Damit kommen nur wirklich stabile Verstärker zurecht. Und tatsächlich erzielten wir im Hörtest die besten Ergebnisse mit dem erzstabilen Neukomm CPA 155S, dem Atoll In400 ES oder der SPL-Endstufe S1200. Auch mit unserer Röhren-Referenz, dem Westend Audio Monaco, klang es ganz vorzüglich. Allerdings ist der Monaco auch klein klassischer, eher weich tönender Röhren-Amp, sondern einer der von seinem Schöpfer, Günther Mania, auf viel Drive und Kontrolle gezüchtet wurde.
Hörtest
Zunächst hatten wir die S5M im kleinen Hörraum, wo die kompakte Dänin wie ein ultrapräziser Monitor aufspielte. Da kam alles so derart knackig-präzise auf den Punkt, dass es die helle Freude war. Eine Energie, eine Durchhörbarkeit, die uns packte und geradewegs in die Aufnahmen zog. Ich mag so etwas: Wenn man das Gefühl hat, alles von der Aufnahme zu hören und selbst feinste Details mit äußerster Akribie herausgearbeitet werden. So klingen beste Studio-Monitore. Und so klingt auch das Leben. Wer mal in einem kleinen Jazz-Keller direkt vor dem Schlagzeug oder dem Saxophon-Spieler stand, wird sich an die enorme Fein- und Grob-Dynamik erinnern, die Live-Musik in der Nähe so mitreißend macht.
Genau so klang die Perlisten in unserem kleinen Hörraum. Tief im Bass und dennoch wunderbar trocken, differenzierte sie die einzelnen Stimmen des Deep Throast Choir so atemberaubend genau, ließ sie die Stimmen so plastisch erscheinen, dass sie uns ganz dicht an das Geschehen rückte. Nicht nur die Auflösung der (oft schwierigen) S-Laute war fantastisch: Vor allem die Energie, die flirrende Transparenz und die scheinbar mühelose Dynamik, mit der sie die lauteren Passagen aus den Treibern schüttelte, waren bemerkenswert. Irgendwann kommt der Punkt, da lege ich dann “Crying” von James Blood Ulmer (Live At Bayerischer Hof) auf. Ich war auf dem Konzert und kenne die Akustik dort recht gut. Die Perlisten kann man so laut fahren, dass man mühelos an den Originalpegel des Konzerts heranreicht. Diese wunderbar trocken-tiefen Bassdrum-Schläge, die hammerharte Snare und dann die sehr eigenständige Stimme von James Blood Ulmer: Ich kann es nicht anders sagen – das klang richtig echt!
Zumindest in meinen Ohren. Kollege Andreas Günther, der an mehreren der Hörtests beteiligt war, hätte sich gern etwas mehr musikalische Wärme gewünscht. Die wird man von diesem Schallwandler im Quasi-Nahfeld nicht bekommen. Also packten wir die beiden S5M ein und zogen damit in den großen Hörraum – und damit in eine komplett andere Umgebung. Auch hier standen die beiden S5M direkt vor der Wand, aber der Hörabstand verdoppelte sich auf fast fünf Meter. Und siehe: Der Charakter der Dänin war immer noch eindeutig heraushörbar, aber über die längere Strecke ging etwas an Mitten/Hochton-Energie verloren. Die S5M wurde klanglich etwas zahmer und nun war auch Kollege Günther zufrieden.
Dann schwenkten wir auf Filmton um und schauten MEG. Das Remake des Weißen Hai ist mäßig gut gelungen, aber die Sound-Effekte sind klasse. Was den Sound der Perlisten angeht, kann ich nur sagen: SPEKTAKULÄR. Wenn sich der Riesenhai aus der Urzeit in Stathams Mini-U-Boot verbeißt, wirkt das bedrückend echt. Vor allem schiebt die Perlisten erheblich mehr von diesem Subbass (der die Unterwasser-Situation untermalt) vor sich her, als man dem schmalen Speaker zutrauen würde.
Ich habe ja wirklich schon etliche, potente Heimkino-Systeme gehört. Aber dieser Feindynamik und Auflösung mit Filmton hatte ich das letzte Mal beim Test der Wisdom Audio L150i. Und die ist tatsächlich um einiges teurer.
Richtig beeindruckend wurde das Ganze, als ich testweise unsere Kompaktboxen-Referenz, die Dynaudio Heritage Special, daneben stellte und noch einmal Sequenzen aus MEG abspielte. Diese haarsträubende, prickelnde Energie des Filmtons war mit ihr kaum noch vorhanden. Die Dynaudio ist fraglos eine der besten Kompaktboxen, die ich kenne. Aber für große Hör-Entfernungen ist sie (wie die meisten Schallwandler ihrer Klasse) einfach nicht gemacht; über die Strecke verliert sie einen Großteil der Dynamik. Das macht die S5M mit ihrer fokussierten Abstrahlung viel besser. Und davon einmal ab: Die Perlisten ist um ein Vielfaches pegelfester.
Wir hatten ja leider nur ein Paar der S5M im Hörraum. Nicht auszudenken, welche Hölle man mit fünf oder sieben dieser Schallwandler (und entsprechenden Subwoofern) losbrechen lassen kann. Das ist dann Surround vom Allerfeinsten. Wir werden eine solche Kombination mit Sicherheit mal testen. Und da freue ich mich jetzt schon drauf…
Fazit Perlisten Audio S5M
Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich mal mit einem Lautsprecher dieser Größe so herrlich laut gehört habe – und nicht genug bekommen konnte. Und ich kann mich ebenfalls nicht entsinnen, dass ich mal mit so viel Freude über eine HiFi-Box spektakulären Filmton so mitreißend gehört beziehungsweise “erlebt” habe. Die Herren Roemer und Johansen haben nicht übertrieben: Die S5M ist der perfekte Lautsprecher für beide Welten. Sie ist keineswegs billig, dafür aber die fast schon perfekte Lösung für all jene, die mit nur einer Anlage jede Art von Audio optimal erleben möchten.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Hoch-agiler, sehr präziser und offener Klang |
| Sehr hoher Maximalpegel |
| Tonal für HiFi wie Filmwiedergabe geeignet |
| Erfordert stabile Endstufen |
Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Perlisten Audio S5M: 13.000 Euro
Technische Daten
Perlisten S5M | |
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Konzept: | passive 2,5-Wege-Kompaktbox, Bassreflex-Gehäuse |
Bestückung: | 2 x 18 cm Bass, DPC-Array mit 3 x 28 mm Hochtöner |
Maximalpegel: | 117 Dezibel |
Max. empf. Raumgröße: | 75 Quadratmeter |
Min. empf. Verstärkerleistung: | 2 x 50 Watt (4 Ohm), besonders stabiler Amp |
Besonderheiten: | THX Dominus Zertifizierung |
Abmessungen (H xB x T): | 60,0 x 24,0 x 40,0 cm |
Gewicht: | 19,0 Kilogramm |
Alle technischen Daten |
Mit- und Gegenspieler:
Test Röhrenvollverstärker Westend Audio Monaco
Test Vollverstärker Neukomm CPA155S – der kompakte Favoritenkiller
Test Stereo-Endstufe SPL S1200: der smarte Big Block
Test Dynaudio Heritage Special: in der Tradition der großen Sondermodelle