Vor ziemlich genau zwei Jahren hatten wir die m1000 Monoblöcke von der Studio-Profis von SPL im Test. Seitdem sind die stattlichen Endstufen in der Redaktion geblieben. Als unerschütterliche neutrale und bärenstarke Referenz (die mit derzeit 8.600 Euro erfreulicherweise noch ein vierstelliges Preisschild haben), als absolut neutrale Schiedsrichter wurden die Monos zu allen wichtigen Klang-Ausscheidungen hinzugezogen. Nun hat SPL auf Basis dieser Monos eine Stereo-Endstufe entwickelt: die SPL s1200 für 6.500 Euro. Die kann doch nicht besser sein als die Referenzen, oder? Doch.
Im Grunde war der Auftrag an SPL Entwickler Bastian Neu ganz simpel: Nimm den m1000 Monoblock und mache eine Stereo-Endstufe draus. “Eigentlich”, sagt Neu, “ist das kein Hexenwerk.” Nun hat das ganze Projekt bis zum jetzigen Stapellauf trotzdem drei Jahre gedauert. Das lag natürlich zum Teil an der Pandemie. Aber auch daran, dass die Messlatte der m1000 sehr hoch lag. Und eben auch daran, dass eine Stereo-Endstufe doch noch einmal andere Herausforderungen stellt…
Das Konzept der SPL s1200
Gleichwohl finden wir natürlich sehr viele Ähnlichkeiten. Zum einen das wirklich hübsche Metallgehäuse, das der User dank drei unterschiedlicher Lackierungen der Front plus wechselbarer Metallplatten auf der Front in vielen Ausführungen erwerben kann. Und wenn er nach einiger Zeit Lust auf Neues hat, kann er durch einen einfachen Austausch der Metallplatte der Sache einen anderen Pfiff geben.
Aber auch technisch sind sich die beiden Endstufenblöcke natürlich sehr ähnlich. Wir sprechen also von einem klassischen AB-Design mit einem zweistufigen Verstärkungs-Konzept: Die gesamte Spannungsverstärkung geschieht in Stufe Eins; Stufe Zwei erledigt die Stromverstärkung. Der Vorteil dieses Konzepts: Weil beide Verstärkungskreise weitestgehend voneinander getrennt sind, spielt die gefürchtete Gegen-EMK der Lautsprecher (das sind durch Membran-Nachschwingungen der Lautsprecher induzierte Spannungen) auch bei der SPL Performer s1200 keine Rolle.
Selbstredend arbeitet auch die neue s1200 mit der SPL-typischen VOLTAIR Hochvolttechnik – hier sogar mit einer noch etwas höheren Betriebsspannung von +/- 80 Volt. Diese interne Auslegung verspricht zwar mehr unverzerrte Ausgangsspannung und eine höhere Rauscharmut, fordert aber auch ihren Preis: Die Bauteile müssen deutlich hochspannungsfester sein – was die Sache immer gleich teurer macht.
Die Monoblöcke m1000 arbeiten mit 16 bipolaren Transistoren – und die SPL s1200 macht es genauso. Und genau wie im Monoblock findet sich aber in der S1200 nur ein Trafo (der etwas kräftiger ausfällt als der der m1000), eine Gleichrichtung und eine Siebung, die mit 70.000 μF (Vergleich m1000: 100.000 μF) immer noch recht stattlich ausfällt. “Es ist alles eine Frage von Platz”, sagte Neu im Interview. “Ich hätte schon gern mehr untergebracht. Aber der Platz im Endstufenblock ist halt begrenzt…”
Und weil Entwickler Neu aus dem gleichen Platzangebot zwei Kanäle speisen muss, fällt die Leistung der S1200 gegenüber den Monos naturgemäß etwas ab: An 8 Ohm und an 4 Ohm bringt sie etwa ein Drittel weniger: 300 statt 420 Watt beziehungsweise 520 statt 750 Watt. Einzig an einer 2-Ohm-Last sind die Monos deutlich stärker: 1.000 statt 550 Watt. Bastian Neu: “Ist ja klar: Bei 2 Ohm haben die Monos eine deutlich höhere Stromlieferfähigkeit.” Wir werden auf das Thema noch zu sprechen kommen.
Dass SPL aus dem Profibereich kommt, sieht man spätestens beim Blick auf die Anschlüsse. Hier kann man zwischen symmetrischem XLR- oder asymmetrischem Cinch-Anschluss entscheiden. Das ist ein echter Zugewinn gegenüber der m1000, die hier nur symmetrische Anschlüsse bietet und viele Vorstufenbesitzer ohne XLR-Ausgänge dadurch zu Umwegen nötigt. Und wie bei der m1000 sind die Eingänge über einen Trim-Regler im Pegel anpassbar. Man kann diese Anpassung auch als dezente Balance-Anpassung nutzen…
Übrigens: alle SPL-Komponenten werden im beschaulichen (niederrheinischen) Niederkrüchten, dem Sitz der Firma, liebevoll per Hand aufgebaut. So hat SPL auch die Prüfdurchgänge selbst in der Hand. Ein entscheidendes Qualitäts-Kriterium.
Die SPL Performer s1200 im Hörtest
Wenn man den SPL Komponenten einen Klang-Charakter zuschreiben wollte, tut man sich ganz schön schwer. Denn sie haben etwas schwer Greifbares “Neutrales”. Es ist wie eine elektronische Entsprechung von Dynaudio-Schallwandlern: Nichts sticht hervor, alles ist auf eine gewisse Art natürlich und enorm sauber. Stimmen klingen immer voll und haben Kraft. Der Mittelhochtonbereich wirkt eher dezent, weniger vordergründig als es etwa die Modelle von Atoll, AVM oder T+A wären. Im Tonstudiobereich ist eine solche unübertriebene Tonalität natürlich gewünscht. Aber auch Jazz- und Klassikfreunde dürften so eine unauffällige Farbigkeit sicherlich sehr befürworten.
Der erste Vergleich lief – natürlich – gegen die kleinere Stereo-Endstufe von SPL. Die s800 ist die LowBeats Referenz mit der längsten Verweildauer: seit über fünf Jahren ist sie schon dabei und wegen ihrer sonor-ausgewogenen Art ein immer gern gehörter Vergleichsgegner. Doch fünf Jahre sind auch bei SPL nicht ungenutzt geblieben. Die s1200 machte nicht nur sofort deutlich, dass da deutlich mehr PS unter der Motorhaube drängen und hatte somit auch die im Bass immer recht vollen Canton Modelle A55 und A45 deutlich besser im Griff.
Beispiel Jimi Tenor mit dem Helsinki Jazz Orchestra (Album: Terra Exotica). Das Orchester ist eine ausgewachsene Jazz Bigband mit Saxophon, Tuba und enorm viel Drive. Das war echt fantastisch, mit wie viel mehr Kraft und sprühender Dynamik die s1200 diese kernigen Bläsersätze in den Raum blies und auch den Raum noch deutlich weiter nach hinten und nach oben aufzog.
Von der klanglichen Tendenz her kann man die s1200 in Richtung der Cambridge Audio Edge W (4.000 Euro) oder der nochmals stärkeren Rotel S5 (6.000 Euro) einordnen. Allerdings würde ich ich die SPL den anderen beiden fast immer vorziehen. Bei der Cambridge fehlt die unbändige Leistung, um mit großen Lautsprechern wirklich große Bass-Klangbilder aufzuziehen, bei der Rotel der natürliche Esprit, der die s1200 auszeichnet und Stimmen so fein und natürlich klingen lässt.
Wenn die s1200 so souverän gegen die Transistor-Konkurrenz besteht – wie sieht es denn da mit Röhren aus? Ein Vergleich mit der ST-150 von VTL (9.400 Euro) zeigte wieder einmal die Berechtigung beider Lager. Obwohl sie tonal gar nicht so weit auseinanderlagen, zeigte die VTL – erwartungsgemäß – die luftigeren, etwas feineren Mitten und etwas mehr Wärme im Grundton. Die SPL dagegen begeisterte mit sehr viel kernigeren Bässen und einem insgesamt dynamischeren Auftritt.
Und wie schlägt sich die neue Stereo-Endstufe im Vergleich zu den Monos? Die s1000 begleiten uns ja schon eine geraume Zeit und wir haben uns regelrecht auf sie “eingehört”. Die s1200 aber gefiel mir auf Anhieb besser. Sie hat genau die gleiche Farbigkeit, geht aber noch etwas lebendiger und einen erfreulichen Tick detailreicher zu Werke.
Nun hatten wir allerdings auch für einige Wochen die Gauder DARC 60 im Test, deren Impedanz mit aktivierter “Bass-Extension” im leistungsrelevanten Bassbereich unter 2 Ohm absackt – und somit das Netzteil deutlich fordert. Von diesen “hochkomplexen”, sehr fordernden Lautsprechern gibt es mehr, als man denkt. Deshalb sind die von LowBeats ermittelten Impedanz-Messungen so wichtig – weil sie eben auch den EPDR-Wert anzeigen. Dieser Wert ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Impedanz und Phase und zeigt, wie stark das Netzteil des Verstärkers belastet wird.
An der DARC 60 und bei sehr hohen Pegeln schlug tatsächlich (wieder einmal) die Stunde der m1000. Ihre Souveränität im Tiefbass und die daraus resultierende Geschmeidigkeit in den Mitten sind schon ein echtes Pfund. An der Gauder klang die s1200 dann im Tiefton etwas gebremster, nicht mehr ganz so Energie-geladen. Die Botschaft lautet also: Wer elektrisch anspruchsvolle Lautsprecher wie die DARC 60 sein Eigen nennt, sollte unbedingt ein Pärchen SPL-Monos ausprobieren. Denn die sind ja gemessen an Material und Leistung immer noch ein echt gutes Angebot. Doch für die Vielzahl der “normalen” Lautsprecher am Markt dürfte die s1200 die etwas bessere Wahl sein – weil sie halt diesen Tick lebendiger und offener spielt als die m1000. Und weil sie 2.000 Euro billiger ist…
Fazit SPL Performer s1200
Diese Endstufe ist nicht nur bärenstark und hat überzeugende klangliche Meriten: Sie wirkt zudem durch und durch sympathisch. Das machen die gute Verarbeitung, das originelle Äußere sowie die praxisfreundlichen Anschlussmöglichkeiten.
Sollte der Musikfreund extrem anspruchsvolle Lautsprecher (also solche mit Impedanzen um die 2-Ohm) betreiben wollen, sind die (ebenfalls günstigen) Monos sicherlich noch um den einen Tick souveräner und druckvoller. Doch wenn diese extrem stabile Leistung nicht abgefordert wird, ist die SPL s1200 eigentlich die bessere Wahl. Sie bringt kaum weniger Leistung an die Lautsprecherklemmen, braucht weniger Platz und klingt auch noch lebendiger als die langjährigen LowBeats Referenzen.
Aber auch im Vergleich zum Mitbewerb schlägt sich der neue Stereo-Block hervorragend. Natürlich gibt es am Markt Modelle, die vielleicht noch etwas kerniger, präsenter oder luftiger klingen. Dennoch kenne ich im Bereich um 5.000 oder 6.000 Euro überhaupt keine andere Transistor-Endstufe mit so hoher Leistung, die mich so begeistert hat und die ich so uneingeschränkt empfehlen möchte.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Erdiger, energiereicher Klang, hohe Natürlichkeit |
| Kompakte Bauform, viele Farbvarianten |
| Sehr leistungsstark, vor allem an 4 Ohm |
| Sehr gute Preis-/Klang-Relation |
Vertrieb:
SPL electronics GmbH
Sohlweg 80
41372 Niederkrüchten
spl.audio/de/professional-fidelity
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
SPL Performer s1200: 6.500 Euro
Technische Daten
SPL s1200 | |
---|---|
Konzept: | Stereo-Endstufe |
Leistung: | 2 x 300 / 2 x 520 / 2 x 550 Watt (8 / 4 /2 Ohm), |
Besonderheiten: | Anpassung der Eingangsempfindlichkeit |
Dämpfungsfaktor (1 kHz, 8 Ω) | < 290 |
Max. Leistungsaufnahme | 1.440 Watt |
Abmessungen (H x B x T): | 27,8 x 20,5 x 37,5 cm |
Gewicht: | 25,1 Kilogramm |
Alle technischen Daten |
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