Quadral Signum 70 Aufmacher
Quadral setzt mit der Signum 70 (Paarpreis: 800 Euro) eine besondere Duftmarke in der Einsteigerklasse (Foto: H. Biermann)

Quadral Signum 70: frischer Wind in der Einsteigerklasse

Wer nach guten Einsteiger-Lautsprechern fahndet, sucht womöglich nicht zuerst bei Quadral. Die Niedersachsen haben sich im Laufe ihrer fast fünfzigjährigen Geschichte eher zum Spezialisten der Mittel- und Oberklasse entwickelt. Dennoch hatten sie auch für Musikfreunde mit schmalem Budget immer etwas im Angebot. Viele Jahre hieß dieses Angebot „Argentum“. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Hannoveraner ersetzten die langjährigen Silberlinie kürzlich durch die neue „Signum“-Serie: vier Modelle unter 1.000 Euro, von denen man viel erwarten darf. Woher unser Optimismus stammt? Nun: Wir hatten aktuell die Quadral Signum 70 (Paarpreis: 790 Euro) im Test. Und die hinterließ einen so nachhaltigen Eindruck, dass sie wohl noch etwas länger bleiben muss – als Referenz ihrer Klasse.

Quadral Signum 70 im LowBeats Wohnhörraum
Die Signum 70 ist ein optisch dezenter Lautsprecher. Mit seinen Abmessungen von 90,0 x 17,0 x 29,4 cm (H x B x T) überragt er kaum das IKEA Kallax-Regal im LowBeats Wohnhörraum (Foto: H. Biermann)

Das Konzept der Quadral Signum 70

Das Äußere der neuen Signum-Serie hebt sich von der Argentum-Linie gar nicht so stark ab – und ist doch deutlich besser und wertiger geraten. Das Design entstand in Kooperation mit einem renommierten Design-Büro und folgt einer klaren Linienführung mit Ecken & Kanten. Nun bewegen wir uns hier in der Einsteigerklasse und natürlich wurde auf jeden Cent geschaut. Doch dafür aber ist alles recht gut gelungen. Das Gehäuse (Wandstärke: 15 mm MDF) ist relativ schlicht, aber mehrfach versteift und sauber foliert, die aufgesetzte Front (Wandstärke: 20 mm MDF) ist – ganz apart – Hochglanz-lackiert. Und man darf sagen, dass auch das Gewicht von über 17 Kilo für eine gewisse Qualität spricht.

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Quadral Signum 70 Logo
Der Lack der Schallwand ist ohne Fehl & Tadel – Respekt! (Foto: H. Biermann)
Quadral Signum 70 Fuss
Hier wird deutlich, dass die Schallwand aufgesetzt ist. Sie wird über zusätzliche Streben mit dem Gehäuse verleimt. Oben recht sieht man einen der vier Stand-verbessernden Kunststoff-Füße, die unterseitig mit Gummi beklebt sind, weshalb man dankenswerterweise auf Spikes oder Ähnliches verzichten kann (Foto: H. Biermann)
Quadral Signum 70 Tweeter
Alle Treiber sind vorbildlich gut in die lackierte Schallwand eingefräst. Da gibt es keine Spaltmaße, da steht nichts über – klasse! (Foto: H. Biermann)
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Die Kombination von foliertem Gehäuse und lackierter Schallwand ist nicht neu, aber clever, denn man sieht die Boxen ja in der Regel nur von vorn. Was mir aber besonders gut gefallen hat, sind die Einfräsungen der Tieftonkörbe mit ihren vier Quadral-typischen „Ohren“ in die Schallwand. Das ist nämlich nahezu perfekt gelungen. Und das sieht man in dieser Klasse nur höchst selten.

Die Farbauswahl ist nicht sonderlich groß: Wir zählen Schwarz & Weiß. Aber das sind nun einmal die mit Abstand meistverkauften Farbvarianten. Warum also das Angebot mit weiteren Alternativen unnötig verteuern? Eben.

Beim Blick auf die Treiber ist man zunächst vom Hochtöner irritiert: Was bitte ist denn das? Der oberste von vier Treibern sieht aus, als müsse man zunächst eine Schutzplatte abbauen. Muss man aber nicht: Es handelt sich hier um einen sogenannten Ringradiator (Quadral-Jargon: RiCom), dessen Membran von zwei Sicken eingefasst ist und dessen Abstrahlung prinzipbedingt auch im oberen Übertragungsgebereich etwas breiter ist. Man sieht die Bauform aber nicht, weil ein planes Akustikgitter davorsitzt. Wie Quadral Entwickler Sascha Reckert im Gespräch erzählte, ist das Patent dieser speziellen Bauform kürzlich ausgelaufen, weshalb nun auch günstigeren Lautsprecher wie die Quadral Signum 70 in den Genuss dieses Hochtöners kommen.

Quadral Signum 70 Tweeter
Der RiCom Hochtöner sieht aus, als müsse man noch die Abdeckung abbauen. Muss man nicht: Das ist die schwingende Hochtonfläche… Die kugelförmigen Vertiefungen sind übrigens kein Zierde, sondern sollen die Reflektionen der Frontplatte reduzieren (Foto: H. Biermann)

Im Bassbereich könnte der Quadral-Kenner denken: nichts Neues. Wir sehen drei Tiefmitteltöner mit den bekannt titanbedampften Polypropylen-Membranen in den Quadral-typischen Gusskörben. Doch auch hier korrigiert uns Reckert. „Die sehen zwar aus wie früher“, so der Entwickler, „sind aber alle weitgehend neu entwickelt“.

Quadral Signum 70 Bass
Auch nach dem Ausbau mehr Sein als Schein: Der Magnet des 15-Zentimeter-Bass ist kräftig, der Korb komplett aus resonanzarmen Kunststoff (Foto: H. Biermann)

Besonders ist hier die Kombination der drei Bässe. Es ist nämlich die Kombination zweier Bassreflex-Systeme. Der obere Tiefmitteltöner könnte mit dem Hochtöner eine Kompaktbox hergeben. Er ist mittels quer eingebautem Trennbrett physisch komplett von den beiden unteren Bässen getrennt und läuft bis etwa 3.000 Hertz – dem Übergabepunkt an den RiCom-Hochtöner. Die beiden unteren Bässe haben ihr eigenes Bassreflex-Gehäuse und sorgen nur für das wohlige Fundament: Sie decken den Bereich zwischen 40 – 800 Hertz ab und addieren sich geschickt zu dem Schall des oberen Tiefmitteltöners.

Quadral Signum 70 Mid BR
Der obere der drei Bässe sitzt in einem eigenen Bassreflex-Gehäuse, dessen BR-Port im oberen Drittel der Rückwand seinen Platz findet. Hier sieht man auch recht gut die Folierung des Gehäuses (Foto: H. Biermann)

Zwei Bassreflex-Systeme also. Wir schauen auf die (rote) Impedanzkurve der LowBeats Messung und sind überrascht. Eigentlich müssten sich hier doch vier Impedanz-Höcker (also Maxima) im Bass zeigen: zweimal die Bassreflex-Abstimmung und zweimal die Einbaufrequenz des Basses. Darauf angesprochen musste Reckert schmunzeln: „Nein, ich habe beide Systeme exakt gleich abgestimmt. Die Impedanzkurven der beiden Bass-Systeme liegen quasi übereinander. Deshalb sieht man nur zwei.“

Praxis & Messungen

Die Parallelschaltung so vieler Tieftöner führt bei der Quadral glücklicherweise nicht zu einem Impedanz-Chaos mit sehr niedrigen, Verstärker-fordernden Werten wie wir es leider öfter erleben. Gerade in der Einsteigerklasse darf man ja keine Verstärker mit unendlich starken Netzteilen erwarten. Die Signum 70 kann man dagegen als absolut praxisgerecht bewerten: Die Impedanz (rote Kurve) unterschreitet nie die DIN-Norm-Grenze von 3,2 Ohm und auch der von LowBeats ermittelte EPDR-Wert (graue Kurve) ist trotz deftiger Phasensprünge noch so eben im grünen Bereich.

Impedanzprofil Quadral Signum 70
Impedanzprofil Quadral Signum 70: Impedanz = rote Kurve, Phase = blaue Kurve, EPDR-Wert = graue Kurve (Messung: J. Schröder)

Genauso umgänglich gibt sich die schmale Standbox auch mit dem Thema unverzerrter Pegel. Mit den üblichen Aufschlägen ergeben die LowBeats Messungen einen Wert von 107 Dezibel. Das ist nicht wenig, aber auch nicht so viel, dass man stundenlang Party-Pegel damit fahren könnte. Am Verstärker-Boliden Denon A-110 und mit derbem Techno habe ich die Signum 70 tatsächlich an den Rand ihrer Verzerrungs-Möglichkeiten gebracht. Aber ihre Belastbarkeit ist hoch und man hört ja, wenn die Verzerrungen steigen – dann dreht man halt einfach leiser.

Natürlich haben wir die Quadral Signum 70 auch an kleineren Verstärkern ausprobiert. Und bei dieser Gelegenheit entpuppte sich der Cambridge Audio AX35 als ziemlich guter Mitspieler…

Bei der Aufstellung ist die Signum 70 etwas anspruchsvoller. Wir haben für unsere Tests ja verschieden Hörraume zur Verfügung, in denen wir alles Mögliche ausprobieren können. Aber in allen ergab sich folgende Anforderung: Die schlanke Quadral braucht Abstand zur Rückwand. 50 Zentimeter sind ein Wert, mit dem man gut arbeiten kann. Aber direkt an die Rückwand – eine Aufstellungs-Variante, die im Einsteigerbereich ja oftmals gewählt werden muss – kann ich nicht empfehlen: Der eh schon recht satte Bass würde dann zu dick.

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IM-Spektrum Quadral Signum 70 @94dBspl
IM-Spektrum Quadral Signum 70 @94dBspl: nur geringe Verzerrungen im Bereich zwischen 50 – 100 Hertz. Hier ist das Ohr aber nicht sehr empfindlich für solche Art Störungen (Messung: J. Schröder)
IM-Spektrum Quadral Signum 70 @96dBspl
IM-Spektrum Quadral Signum 70 @96dBspl: Auch bei höherem Pegel zeigen sich Verzerrungen nur im Bassbereich. Der Maximalpegel liegt im Bereich um 107 Dezibel bei 1 Meter Abstand (Messung: J. Schröder)
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Hörtest

Die Messungen zeigen nicht nur einen hohe Praxistauglichkeit, sondern auch eine leichte Senke in den Mitten. Diese Zurückhaltung in den Mitten entspricht unserer Hörkurve und wird von vielem Menschen als äußerst angenehm empfunden. Insofern ist eine solche Abstimmung ein kluger Schachzug in Richtung Mehrheitsfähigkeit.

Und genau das ist dieser Lautsprecher: mehrheitsfähig. Er verführt mit einem sonoren, satt-warmen Klang, ohne aber – was häufig bei solchen Abstimmungen der Fall ist – dass die Feinarbeit und Detailwiedergabe leidet. Entwickler Reckert ist hier ein kleines Kunststück gelungen: Die Signum 70 ist eine gleichermaßen charmant wie offen klingende Standbox, die wie aus einem Guss klingt.

Quadral Signum 70 im LOwBeats Hörraum
Mit dem bärenstarken Denon A-110 und seinem CD-Zuspieler DCD-110 haben wir die Signum 70 weitgehend ausreizen können (Foto: H. Biermann)

Unsere audiophile Empfehlung aus dem März, Garden Of Expression vom Trio Tapestry, ist ein virtuoses Zusammenspiel aus Saxophon, Schlagzeug und Piano. Mit welcher Selbstverständlichkeit die Signum die Aufnahmen in den Raum stellt, vor allem mit welcher Plastizität sie das Saxophon als auch das Piano in den imaginären Hörraum stellt – wow! Und wirklich überzeugend ist auch, wie leicht und authentisch die einzelnen Klavieranschläge aus den Boxen geschossen kommen…

Trio Tapestry: Garden Of Expression Cover
Klingt herausragend gut: Trio Tapestry Garden Of Expression (Cover: amazon)

Weil die Signum 70 vergleichsweise basskräftig ist, macht entsprechende Musik natürlich richtig Spaß. Mit der Yello Point kann man ihre Tieftonlust bestens austesten. Echt nicht übel, wie die Quadral hier zu Werke geht. Bei „The Vanishing Of Peter Strong“ kommen die Bässe nicht sehr tief, aber ungemein satt und habhaft, die kunstvollen Arrangement von Boris Blank werden fein aufgelöst. Die Art Elektropop ist sicherlich die Domäne der Quadral. Doch auch Stimmen wie die des Folkblues-Barden Sean Rowe gibt sie wunderbar vollmundig, aber auch vielschichtig wieder. Es gibt sicherlich auch in dieser Preisklasse Lautsprecher, die in der Mitte noch etwas mehr Präzision und Detailschärfe zeigen, aber nur wenige spielen so charmant und souverän auf.

Wir hatten über die Jahre ja immer exzellente Einsteigerboxen. Die Teufel Ultima 40 Mk3 gehört genauso dazu wie die Monitor 200 von Monitor Audio. Aber diese beiden – noch einmal deutlich günstigeren Standboxen – kommen nicht im Ansatz an den souveränen Auftritt der Quadral heran. Die setzt erst einmal eine neue Duftmarke.

Fazit Quadral Signum 70

So muss der Auftritt einer richtig guten Einsteigerbox aussehen: Äußerlich apart, aber trotzdem den Fokus auf die Technik, den Klang und auf eine hohe Praxistauglichkeit gerichtet. Die Signum 70 ist eine Standbox, die sofort nach dem Auspacken überzeugt: Mit einem erstaunlich erwachsenen, sehr kompletten Klangbild, das – wenn man das Preisschild nicht gesehen hat – eine deutlich teurere Box erwarten würde. Dieser Lautsprecher schiebt die Messlatte dessen, was der Musikfreund in den unteren Preisklassen erwarten darf, erfreulich weit nach oben. Bei LowBeats fungiert die Hannoveraner Box deshalb jetzt als Klassen-Referenz.

Quadral Signum 70
2021/06
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Harmonisch-vielschichtiger, sehr natürlicher Klang
Satter Bass
Praxisgerechte elektrische Werte, harmoniert auch mit kleineren Verstärkern
Sehr gute Preis-/Klang-Relation

Vertrieb:
Quadral GmbH & Co KG
Am Herrenhäuser Bahnhof 26
30419 Hannover
www.quadral.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Quadral Signum 70: 790 Euro

Quadral Signum 70: die technischen Daten

Quadral Signum 70
Technisches Konzept:2,5-Wege Standbox, Bassreflex
Bestückung Hochton:HT: 1 x Ringradiator
Bestückung Mittel- / Tiefton:TMT: 1 x 15 cm PP-Titan, TT: 2 x 15 cm PP-Titan
min. empf. Verstärkerleistung:> 30 Watt pro Kanal
max. empf. Raumgröße:
bis 25 Quadratmeter
Abmessungen (H x B x T):90,0 x 17,0 x 29,4 cm
Gewicht:
17,3 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Cambridge Audio AX Familientest: A25, A35, C35

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Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.