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Der Sennheiser HD 471 auf dem Kopfhörerständer von Sieveking
Der Sennheiser HD 471 ist ein gut verarbeiteter Over-Ear-Hörer für etwa 100 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Sennheiser HD 471: der Alltags Kopfhörer

Der Sennheiser HD 471 ist ein geschlossener Over-Ear-Hörer mit wenig Gewicht, ordentlichem Mikro und ausgewogenem Klang. Ein ordentliches Arbeitspferd der 100-Euro-Klasse. Aber leider auch nicht mehr.

Sennheiser ist im Bereich Kopfhörer eine Weltmacht mit über einer halben Milliarde Euro Umsatz. Im Bereich Kopfhörer gibt es nichts, was nicht auch bei Sennheiser im Programm wäre – wenn es nicht sogar in der Wedemark ersonnen wurde.

Erst jüngst präsentierten die Niedersachsen ein Projekt, das sich sonst wohl niemand (zu-) getraut hätte: Den besten und teuersten Kopfhörer der Welt zu entwickeln. Mit dem 50.000 teuren elektrostatischen Über-Kopfhörer Sennheiser Orpheus hat Sennheiser ein Ausrufezeichen gesetzt, das sicherlich die nächsten zehn Jahre Bestand hat.

Der hier vorgestellte Sennheiser HD 471 ist ein Produkt aus dem entgegengesetzten Teil der Preisliste. Im Netz wird dieser klassische Over Ear mit dynamischem Treiber zwischen 90 und 99 Euro gehandelt. Die überwiegende Materialanmutung des HD 471 ist Kunststoff: Kunststoff, soweit die Finger tasten.

Die Ohrpolster aus Schaumstoff haben einen Gummibezug, der sich recht angenehm anfühlt. Die akustische Dämpfung der Außengeräusche ist spürbar, aber nicht sonderlich hoch. Für mich ist das kein Makel, weil ich gern auch beim Kopfhörer-Betrieb gern noch etwas von meiner Umgebung mitbekomme.

Die Nenn-Impedanz liegt um 30 Ohm, weshalb der HD 471 für den Betrieb an Mobilgeräten wie Smartphones besonders gut geeignet ist. Er ist, obwohl in erster Linie wohl mobil eingesetzt, nicht einklappbar, aber Sennheiser legt einen schwarzen Transportbeutel bei. Die steckbaren Kabel sind gegen Mikrofonie geschützt, machen also bei Berührung keine Geräusche bei der Wiedergabe. So weit, so gut.

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Die Kopfhörer-Muschel des HD 471
Die geschlossene Muschel des Sennheiser HD 471 hat einen muschelähnlichen, äußeren Abschluss aus Kunststoff (Foto: H. Biermann)
Die beweglichen Teile des HD 471 wirken einigermaßen stabil
Die beweglichen Teile des HD 471 wirken einigermaßen stabil (Foto: H. Biermann)
Die Ausstattung des HD 471 ist überschaubar: Adapter von 6,3 auf 3,5 Millimeter Klinke und ein 1,4 Meter langes Anschlusskabel. (Foto: H. Biermann)
Die Ausstattung des HD 471 ist überschaubar: Adapter von 6,3 auf 3,5 Millimeter Klinke, Reisebeutel und ein 1,4 Meter langes Anschlusskabel (Foto: H. Biermann)
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Der Sennheiser HD 471 im Praxis- & Hörtest

Allerdings muss man beim Arretieren des Kabels Acht geben; sitzt es nicht 100% richtig, kommt über beide Kanäle womöglich nur ein Mono-Signal. So jedenfalls ist es mir geschehen und erst mit Hilfe des Kollegen Jürgen Schröder gelang mir des Mono-Rätsels Lösung …  Auf dem Kopf fühlte sich der HD 471 gut an; die Gewichteinteilung ist gelungen. Gut vorstellbar, dass man diesen Hörer lange auf dem Kopf haben kann.

Aber will man das auch? Der HD 471 macht klanglich nichts wirklich verkehrt, spielt weitgehend neutral, nervt oder zerrt an keiner Stelle und macht  einen leicht fülligen, immer noch wohl proportionierten Bass. Aber der Sennheiser legt eine komische Hohlheit über das Klangbild.

Und er ist das Gegenteil von lebendig. Die direkt aufgenommenen Stimmen der Flying Pickets auf  Everyday, die extrem kernigen Bass-Hiebe von Bass-Artist Marcus Miller („Panther“, Album Live And More) oder die eigentlich wuchtigen Celli aus Dvoraks 9. Symphonie („Scherzo Molto Vivace“/DG Pure Audio): Alles kam eher träge, leb- und lustlos. Eine kantig geschlagene Snare Drum: pöff.

Ich kenne kaum einen anderen Over-Ear-Hörer der 100-Euro-Klasse, der so teilnahmslos spielt. Die LowBeats Mesungen unterstreichen das Gehörte: die deutliche Einkerbung im Präsenzbereich um 5.000 Hertz nimmt den Aufnahmen die Leichtigkeit und Schnelligkeit.

LowBeats Frequenzgang-Messung des Sennheiser HD 471
Frequenzgang Sennheiser HD 471: Ungewöhnlich ausgewogen bis 3.500 Hertz, starker Einbruck im Präsenzbereich um 5.000 Hertz. Ab 8.000 Hertz mit der bei Kopfhörern fast schon üblichen Pegelabsenkung (Messungen: J. Schröder)

Und das war wirklich ohrenfällig. Während des Vergleichs hatten wir bis zu 15 unterschiedliche Modelle verschiedener Preisklassen im Testraum liegen. Bei den Blindtests war der Sennheiser HD 471 wegen dieser Eigenheiten sofort heraushörbar.

Als Standardhörer in esoterischen Entspannungs-Zentren ist der HD 471 sicherlich eine gute Wahl. Als Kopfhörer, mit dem der geneigte Musikhörer seine Lieblingsaufnahmen ERLEBEN möchte, nicht. Da gibt es in der 100 Euro-Klasse andere Kaliber. Selbst der beyerdynamic DTX 350 m macht hier für die Hälfte des Geldes deutlich mehr Auflösung, Spektakel, Spaß.

Fazit: Ein Kopfhörer für nur wenige Fälle

Kauft man einen Sennheiser, bekommt man immer ein ausgereiftes Produkt mit guter Gewichtverteilung, präzisem Anpassungs-Mechanismus, ordentlicher Kabelzuführung, ausgereifter Fernbedienung. Das gilt auch für den Sennheiser HD 471. Sein Makel ist der müde und leicht hohle Klangcharakter, der einfach keinen Spaß macht.

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Cover Flying Pickets Everyday
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Markus Miller Live
Markus Miller ist der wohl beste Studio-Bassist der Welt – aber auch live eine Sensation. Bei Panther knallt und rummst es herrlich (Cover: Amazon)
Dvoraks 9. Symphonie als Pure Audio Blu-ray
Das Remaster einer großartigen Aufnahme aus dem Jahre 1960: Dvoraks 9. Symphonie unter Ferenc Fricsay ist nun als HiRes- (Pure Audio-) Aufnahme zu haben (Cover: JPC)
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Im Beitrag erwähnt:
Test Kopfhörer beyerdynamic DTX 350 m

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Sennheiser HD 471
2015/12
Test-Ergebnis: 3,3
BEFRIEDIGEND
Bewertung

Gesamt

Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Gute Verarbeitung
Angenehmer Sitz
Müder, lebloser Klang
Schlechte Preis/Klang-Relation

Vertrieb:
Sennheiser electronic GmbH & Co. KG.
Am Labor 1, 30900 Wedemark;
www.sennheiser.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Sennheiser HD 471: 100 Euro

 

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