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Audio Technica ART 1000 von der Seite
Mit dem ART 1000 hat Audio Technica wieder ein echtes Spitzen-MC im Programm. Sein Preis liegt bei 5.250 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Audio Technica ART 1000 – MC mit Direct Power

Audio Technica erweitert seine Tonabnehmer-Familie. Zuerst brachten die Japaner die neue, sehr große VM-Serie auf den Markt, von der LowBeats immerhin fünf Modelle im Familientest hatte und die man sich im LowBeats Klang Orakel im Vergleich anhören kann. Und zur IFA 2017 schob Audio Technica dann noch das neue Spitzenmodell Audio Technica ART 1000 hinterher: ein Tonabnehmer für immerhin 5.250 Euro.

Teure Tonabnehmer gibt es ja einige, aber nicht von Audio Technica. Der Japanische Spezialist für Mikrofone, Kopfhörer und eben Tonabnehmer hat in etwa die Größe von Sennheiser – also knapp 3.000 Mitarbeiter weltweit und einen Umsatz jenseits der 500.000 Millionen Euro. Wenn so ein Unternehmen das Projekt „neues Tonabnehmer-Flaggschiff“ angeht, darf man Besonderes erwarten.

Doch trotz der Größe des Herstellers ist das Audio Technica ART 1000 äußerst rar. Serien-Nummer 0046 stand im Inneren der edlen Holzkiste, die der Postbote vorbeibracht. Doch bis ich den Top-Abtaster überhaupt in Empfang nehmen konnte, musste ich einige rigorose Bedingungen unterschreiben, sonst hätten die Audio Technica Verantwortlichen das teure und seltene Stück nie losgeschickt. Vor allem aber – und das ist wirklich schade – war die Zeit seines Aufenthalts bei LowBeats recht kurz gehalten. So konnten wir gar nicht alle Tests durchführen, die wir gemeinhin mit Tonabnehmern machen.

Audio Technica ART 1000 Holzbox
So ist Japan: Für das beste Stück aus dem Audio Technica Stall muss es schon eine Holzbox aus Mahagoni sein (Foto: H. Biermann)

Dennoch war ich froh, diesen Tonabnehmer mal über eine längere Zeit hören zu können, denn er ist – wie nicht anders zu erwarten – auch klanglich etwas ganz Besonderes. Doch dazu später mehr.

Äußerlich fällt Audio Technicas neuer Spitzen-Tonabnehmersystem nicht sonderlich auf. Ein klassischer Metallkörper mit einem Vorbau wie von einem amerikanischen Truck, ein Nadelträger aus Bor, der Abtastdiamant mit einem Special-Line-Contact-Schliff. Das Ganze mit einem Gesamtgewicht von 11,o Gramm. Keine besonderen Vorkommnisse also. Aber schon auf der IFA wies man mich drauf hin: Das Audio Technica ART 1000 sei nicht nur aufwändigst mit edelsten Zutaten per Hand gefertigt, sondern auch ein „Direct Power System“.

Audio Techica ART 1000 Seitenansichten
Das Audio Technica ART 1000 von allen Seiten (Foto: Audio Technica)

Hoppla. Was ist denn das? Gemeinhin sitzt die „bewegte“ Spule eines Moving Coil-Tonabnehmers am Ende des Nadelträgers. Nicht so beim ART 1000. Bei ihm sitzen zwei Spulen direkt hinter der Abtastspitze und induzieren hier die Spannung in den Magneten. Das Prinzip hat sicherlich Vorzüge, aber die Spulen müssen bei dieser vorgeschobenen Lage natürlich möglichst leicht sein. Geringes Gewicht aber bedeutet wenige Spulenwindungen und das wiederum bedeutet weniger Spannung – so ist die Physik. Dementsprechend gering ist die Ausgangspannung: 0,2 Millivolt liegen wirklich am unteren Rand dessen, was heute noch annehmbar ist. Die meisten Phonostufen kommen mit höheren Ausgangsspannungen besser zurecht. Aber für die höhere Sauberkeit des Signals nahmen die Audio Technica Ingenieure dieses Manko in Kauf.

Audio Technica ART 1000 von unten2
Die beiden Schwingspulen des ART 1000 sitzen direkt hinter dem Abtastdiamanten. Davon versprechen sich die Audio Technica Ingenieure einen besonders sauberen Klang (Foto: Audio Technica)

Ein weiteres, gleichwohl sehr viel kleineres Manko zeigte sich beim Einbau. Weil das Audio Technica ART 1000 keine Gewindeschrauben im Systemkörper hat, muss man mühsam die Kontermuttern drauffummeln. Und dann waren nicht einmal Schrauben in der richtigen Länge dabei. Das finde ich bei dem Preis irritierend.

Das Zubehör des ART 1000: Ein nicht magnetischer Schraubenzieher, zwei Unterlegscheiben, zwei Kontermuttern, Tonabnehmer-Befestigungsschrauben (2 x 12 mm, 2 x 18 mm), eine kleine Bürste und ein Reinkupfer-Kabelsatz (Foto: H. Biermann)

Alles andere ist indes hervorragend. Eine Kanaltrennung von 30 Dezibel und eine problemlose Abtastung von 80 Mikrometern, sind Messwerte, die über jeden Zweifel erhaben sind. Jedes Audio Technica ART 1000 wird per Hand durchgemessen und anschließend seine optimale Auflage ermittelt. Unser Testmodell mit der Serien-Nummer 0046 läuft am besten – so der beigelegte Schrieb – wenn man es mit einem Gewicht von 2,4 Pond betreibt. Was wir also einstellten.

Als Referenz-Laufwerk nutzen wir den dps3 von Willibald Bauer, in meinen Augen und Ohren nicht nur der Hübscheste, vor allem aber einer der besten Plattenspieler, die ich kenne. Und ich kenne einige, die erheblich teurer sind…

Bauer Audio dps3
Der Bauer Audio dps3 kostet in Vollausstattung ohne Tonabnehmer 8.400 Euro (Foto: Bauer Audio)

Der Audio Technica Vertrieb hatte das ART 1000 rund 100 Stunden einspielen lassen. So war gewährleistet, dass es aus dem Stand heraus die Leistungen bringt, für die es entwickelt wurde. Sein Gegenspieler im dps3 war ein ebenfalls gut eingespieltes Lyra Kleos (im Vertrieb von Fast Audio), das zu meinen Favoriten in der absoluten Spitzenklasse zählt.

Lyra Kleos auf Bauer Audio DPS3
Der Gegenspieler des ART 1000 im LowBeats Hörtest: ein Lyra Kleos, einer der besten Moving-Coil-Tonabnehmer überhaupt (Foto: H. Biermann)

So klingt das Audio Technica ART 1000

EST LIve in Hamburg
Womöglich eine der besten Aufnahmen des legendären Jazz-Trios (Cover: Amazon)

Schon nach den ersten Takten wurde allen Mitgliedern der Testerrunde klar, dass dieser Tonabnehmer in Bezug auf Sauberkeit und Durchsichtigkeit neue Maßstäbe setzt. Einzelne Klavieranschläge standen praktisch frei im Raum – ohne die sie häufig begleitenden, Impuls-verschmierenden leichten Grauschleier. Ein Triangelschlag entsteht wie aus dem Nichts – mit einer Echtheit und Mühelosigkeit, wie sich der Analogfreund das wohl immer gewünscht hat. Die Klarheit des ART 1000 ist so frappierend, die Raumabbildung so genau, dass bei entsprechenden Aufnahmen – beispielsweise E.S.T. Live in Hamburg – der Eindruck aufkommt, man könne zwischen den Instrumenten spazierengehen.

Diese Mühelosigkeit erinnerte mich an das DS Audio Master 1 (im Vertrieb der High Fidelity Studios), das ich vor einigen Wochen für zwei Stunden hören konnte. Das Audio Master 1 ist ein Tonabnehmer, dessen Nadelspitze weder Magnet noch Spule bewegt; die Schwingungen der Nadel werden bei ihm mit Photozellen erfasst. Das DS ist vielleicht noch einen Hauch luftiger. Aber der DS Audio Master 1 kostet auch 22.000 Euro…

Hans Zimmer Live in Prague
Die bekannten Kino-Gassenhauer mit großorchestraler Dynamik: Hans Zimmer Live in Prague (Cover: Amazon)

Die fast schon verstörend saubere Abtastung des ART 1000 im Hochton wird unterfüttert von einem stabilen, wohlig-sattem Bass und wunderschönen Klangfarben in der Mitte. Die Bläser in Hans Zimmers Orchester bei Pirates Of The Carribean (Album: Hans Zimmer Live in Prague) klingen genau richtig, die Streicher haben diesen charakteristischen holzigen Unterton. Auch die Pauken haben die nötige Schwärze und satten Druck. Dieser Tonabnehmer ist auf eine faszinierende Art unglaublich neutral.

Aber bei hochdynamischen Stücken wie Pirates Of The Carribean zeigt sich auch, dass es dem Audio Technica ART 1000 bisweilen an Kraft und Biss fehlt. Auch das gehört ja zur Musik: Dass eine hart geschlagene Snare-Drum auch richtig hart klingt. Dass ein Saxophon auch mal an die Grenzen des Schönen kommt.

Das zum Vergleich herangezogene Lyra brachte die bis dato andächtige (und über die Fähigkeiten des ARTT 1000 staunende) Hörgemeinde wieder ein bisschen auf den Teppich zurück. Tatsächlich schafft es das Kleos nicht, feinste Hochtonstrukturen mit der gleichen Mühelosigkeit aufzudröseln wie das ART 1000. Und vielleicht ist es von seinem Klangcharakter auch minimal heller, also nicht ganz so ausgewogen. Doch jede Art von Jazz oder Rock kommt mit dem Lyra lebhafter, kerniger, wirkt letztendlich echter.

Aber hier kommen wir in den Bereich des Geschmäcklerischen: Was erwartet man von der Analog-Wiedergabe? Ich persönlich mag das Lebendige, eine Wiedergabe, die mitreißt. Unter diesen Gesichtspunkt würde ich das Kleos dem ART 1000 vorziehen, obwohl das Audio Technica in vielen Punkten der bessere Abtaster ist. Mit dieser bislang selten gehörten, faszinierende Klarheit und dem absolut natürlich-neutrale Klang setzt es fraglos Maßstäbe. Und wenn man erst hört, wie sauber das ART 1000 die zahlreichen Instrumente von Hans Zimmers Filmmusik-Orchester auseinanderhalten kann… Das ist – und hier passt der Spruch besser denn je – ganz großes Kino.

Fazit Audio Technica ART 1000

Die Schwächen sind schnell aufgezählt: das Audio Technica ART 1000 ist mit einer Ausgangsspannung von 0,2 mV verdammt leise und mit einem Preis von 5.250 Euro ambitioniert teuer. Und manchem Musikfreund wird es vielleicht zu ausgewogen-sauber und zu wenig körnig-kernig klingen. Für eine möglichst klare, „reine“, raumgenaue und transparente Wiedergabe aber wird man sich selbst in dieser Preisklasse schwer tun, Besseres zu finden.

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Audio-Technica ART 1000
2018/03
Test-Ergebnis: 4,1
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Messwerte

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überragend feiner, klarer und räumlicher Klang
Exzellente Messwerte
Geringe Ausgangsspannung von nur 0,2 mV
Recht teuer

Vertrieb:
Audio-Technica Niederlassung Deutschland
Lorenz Schott Strasse 5
55252 Mainz-Kastel
www.eu.audio-technica.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Audio-Technica ART 1000: 5.250 Euro