Auralic Sirius G2.1 Resampler and Digital Preamp (Foto: Auralic)
Geballte Digitaltechnik – gebaut für die Ewigkeit: Resampler und Digitalpreamp Auralic Sirius G2.1 für 6.699 Euro (Foto: Auralic)

Test Auralic Sirius G2.1 – der Resampling-Spezialist

Der Auralic Sirius G2.1 ist fraglos ein HiFi-Baustein, den man sich zu Beginn der digitalen Audio-Ära kaum hätte vorstellen können. Quasi archetypisch steht er für die in der Elektrotechnik oft zitierte „Black Box“. Wie für diese gilt für den Auralic Sirius G2.1: (digitales) Audiosignal rein, (digitales) Audiosignal raus – was drinnen geschieht, bleibt zunächst mal verborgen. Darum erscheint es Außenstehenden auf den ersten Blick eher rätselhaft, dass audiophile Musikliebhaber für ein solches Gerät freiwillig rund 6.700 Euro auf den Tisch legen.

Seinen Platz in der HiFi-Kette nimmt der Auralic Sirius G2.1 zwischen digitaler Programmquelle und dem D/A-Wandler ein. Als Spielpartner für ihn vorgesehen sind zunächst mal die Mitglieder der Auralic-G2-Familie – namentlich der Aries G2.1 als digitaler Zuspieler sowie der Vega G2.1 als DAC. Allerdings transferiert der Auralic Sirius G2.1 digitale Audiosignale nicht bloß via hauseigenem Lightning-Link-Protokoll. Ebenso verfügt er über umfangreiche, im HiFi- und ProSumer-Bereich gängige Anschlussmöglichkeiten. Somit lässt er sich problemlos in beliebige HiFi-Systeme integrieren.

Hauptaufgabenbereich des Auralic Sirius G2.1 ist das (gezielte) Umtakten der Abtastrate des eingehenden Audiosignals. Weil dies aufwärts (Upsampling) wie abwärts (Downsampling) erfolgen kann, verdient der Sirius G2.1 eher die Bezeichnung „Resampler“. Ausgestattet mit extrem genauen Systemtaktgebern, sogenannten Femto-Clocks, kann der Auralic G2.1 zudem die elektrische Qualität eingehender Audiosignale auf digitaler Ebene verbessern – um beispielsweise vorhandenes Taktzittern (Jitter) zu eliminieren.

Für Resampling und Signal-Conditioning setzt der Auralic Sirius G2.1 außerordentlich leistungsfähige Signalprozessor-Hardware ein. Die bietet mehr als genug Rechenpower, um „nebenbei“ noch weitere, sinnvolle Funktionen ausführen zu können. Zum einen meint dies einen achtbändigen, vollparametrischen Equalizer. Der ist vor allem dazu gedacht, um tieffrequente, raumakustische Problemzonen zu kompensieren. Des Weiteren bietet der Sirius G2.1 eine kanalgetrennte, zentimetergenaue Entfernungseinstellung für beide Lautsprecher, was zeitgleiches Eintreffen des Direktschalls am Hörplatz auch bei unterschiedlichen Lautsprecherdistanzen sicherstellt.

Auralic Sirius G2.1: Konnektivität ist Trumpf

Damit möglichst viele Digitalkomponenten von seinem Einsatz profitieren können, bietet der Sirius G2.1 ein- wie ausgangsseitig vielfältige Anschluss-Optionen. Besonders einfach verbindet er sich mit seinen G2.1-Familienmitgliedern über die proprietäre Lightning-Link-Schnittstelle per HDMI-Kabel. Lightning Link überträgt dabei Audio-Datenformate bis zu 384 Kilohertz/32 Bit in PCM sowie Bitstream bis DSD512.

Auralic Sirius G2.1 connecting panel
Das Anschlussfeld beim Auralic Sirius G2.1 lässt kaum Wünsche offen. Besonders hervorzuheben sind die USB-Host-Buchsen, an denen USB-DAC unmittelbar andocken können: Bei der mit #1 gekennzeichneten Armatur sogar mit galvanischer Trennung. (Foto: Auralic)

Lobenswert: D/A-Wandler mit USB-Eingang lassen sich direkt an den Sirius G2.1 über seine USB-Host-Buchsen anschließen. Unter macOS klappt das sogar ohne Treiberinstallation. Auf diesem Wege verbundene DACs profitieren gleich doppelt. Zum einen, weil USB ebenfalls Datenformate bis zu 384/32 PCM sowie DSD 512 übermitteln kann. Zum anderen, weil der erste (#1) von beiden USB-Host-Anschlüssen am Sirius G2.1 über eine galvanische Trennung verfügt. Im Klartext: Von der Rechenabteilung im Sirius G2.1 möglicherweise verursachte Störströme im USB-Signalpfad gelangen Prinzip-bedingt gar nicht erst bis zum angeschlossenen D/A-Wandler. Bei diesem darf es sich sogar um einen Fixpegel-DAC handeln, verfügt doch der Aurailc G2.1 bereits über einen zuschaltbaren, feinfühligen Lautstärkesteller. Damit eignet er sich bestens auch als digitaler Preamp – beispielsweise zum Ansteuern von Aktivlautsprechern mit Digitaleingang.

Galvanische Trennung zeichnet auch die beiden klassischen, kabelgebundenen Digital-Schnittstellen beim Sirius G2.1 aus: S/P-DIF und AES3 – per se gilt das für die ebenfalls vorhandene, optische Toslink-Alternative. Formatspezifisch fallen ihre Datenraten jedoch geringer aus als bei Lightning Link und USB. Immerhin sind hier sowohl optisch als auch kabelgebunden 24bit/192kHz bei PCM sowie DSD64 via „DSD-over-PCM“-(DoP)-Protokoll möglich. Selbstverständlich wirkt der Sirius-interne Lautstärkesteller bei Bedarf auch auf die AES3- und S/P-DIF-Ausgänge.

Audiodaten optimal aufbereitet

Die technische Gretchenfrage, die der Auralic Sirius G2.1 aufwirft, lautet freilich: Wie lässt sich ein bereits digitalisiertes Audiosignal als solches verbessern, ohne den Informationsgehalt zu verändern? Zunächst mal, indem man die Rechengenauigkeit bei der Signalverarbeitung erhöht. Berechnen? Das Audiosignal befindet sich doch bereits in der digitalen Ebene. Stimmt. Allerdings erfolgt die Audiosignalverarbeitung in der digitalen Domäne stets mit deutlich höheren Taktfrequenzen als der eigentlichen Audio-Abtastrate. Diese immense Pulsdichte hat einen erheblichen, hochfrequenten Störnebel zur Folge, der – beispielsweise zur korrekten Mittelwertbildung in Delta-Sigma-Wandlern – Tiefpass-gefiltert werden muss. Und just bei diesen Digitalfiltern ist extrem genaues Rechnen und Runden bis auf etliche Nachkommastellen angezeigt – deutlich präziser also, als es beispielsweise die in üblichen D/A-Wandlerchips untergebrachten, nativen Digitalfilter vermögen.

Diese üblichen Schwachstellen zu umgehen, ist denn auch die eigentliche Taktik des Auralic Sirius G2.1. Mittels gezieltem Up- oder Downsampling plus der hierfür erforderlichen, extrem genauen Filterberechnung will er das digitalisierte Signal in eine für den angeschlossenen DAC leichter verdauliche Form bringen. Anstelle des Chip-internen Digitalfilters übernimmt der Auralic die Filterarbeit – der DAC braucht also nur noch gut vorbereitetes Digitales ins Analoge zu wandeln.

Der optimale Arbeitsbereich von DACs mit geringstmöglichem, Chip-internen Filtereinfluss ergibt sich unmittelbar aus ihrer internen Architektur – und kann daher recht unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise bietet sich beim TI/Burr Brown PCM 1794 Speisung mit PCM-Audio an, während bei den ESS-DACs der Sabre-Familie dank eigenem DSD-Register Bitstream-Kost vielversprechend ist. Hier heißt es Hörtesten, wobei der Auralic Sirius G2.1 tatsächlich der ideale Spielpartner ist: Egal, ob Bitstream oder Multibit – er kann an seinen Ausgängen DSD oder PCM in allen gängigen Abtastraten bereitstellen.

Filterstrategien

Unabhängig von ihrer Rechenpräzision können Digitalfilter für den Audiobereich unterschiedliche Charakteristiken aufweisen. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen phasenlinearen FIR- sowie minimalphasigen IIR-Filtern. Erstere besitzen den Vorteil eines über den gesamtem Hörbereich geradlinigen Phasenverlaufs, weisen jedoch aufgrund ihrer Natur als nichtkausale Filter mehr oder weniger hörbare Einschwingvorgänge (Pre-Ringing) auf.

IIR-Filter hingegen gleichen eher ihren analogen Pendants: Sie kennen kein Pre-Ringing und sind damit impulstreuer, schwingen jedoch (zumindest theoretisch) unendlich lange aus und besitzen einen frequenzabhängigen Phasenverlauf.  Klanglich finden beide Filtertypen jeweils ihre Befürworter. Unbestritten jedoch ist, dass Digitalpionier Wadia Ende der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts erstmals wieder IIR-Tiefpassfilter in CD-Spielern einsetzte und damit eine nachhaltige Klang-Revolution in der bis dato FIR-Filter dominierten, digitalen Audiowelt auslöste.

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Auralic Sirius G2.1 Filter mode option
Per „Select + Press“-Drehgeber auf der Frontplatte lässt sich beim Auralic Sirius G2.1 sehr einfach durchs Setup-Menü navigieren. Bei den erklärenden Texten auf dem Display gilt: Man spricht (auch) Deutsch (Foto: J. Schröder)
Auralic Sirius G2.1 – Filter Mode select
Auralic Sirius G2.1 – hier wird das Menü Filter-Modus angezeigt. Aktiviert ist das Digitalfilter „Pecise“ (Foto: J. Schröder)
Auralic Sirius G2.1 Filter mode select smooth
Auralic Sirius G2.1 – hier wird das Menü Filter-Modus angezeigt: Aktiviert ist das Digitalfilter „smooth“ (Foto: J. Schröder)
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Solche Klangvergleiche lassen sich mit dem Auralic Sirius G2.1 elegant durchführen. Er bietet gleich vier direkt wählbare Digitalfilter-Optionen. namentlich Precise, Dynamic, Balance und Smooth. Lobenswert: Nach dem Anwählen erscheint zu jedem Filter eine kurze Erklärung auf dem Display.

DSD ja – MQA nein

„Moment mal“, wenden Digital-Techies nun irritiert ein: „Lautstärkesteller, Equalizer, schaltbare Digitalfilter – all das ist doch mit DSD eigentlich gar nicht machbar.“ Das ist richtig. Um genau diese DSD-immanente Hürde zu umgehen, nutzt der Auralic Sirius G2.1 deshalb einen digitalen Kunstgriff. Gleich welcher Eingang: Sämtliche ankommenden Digitalsignale wandelt er zunächst mal in einen hochfrequenten Multibit-Stream um. Nach Jitter-unterdrückendem Reclocking erfolgt zunächst mal das vom Benutzer programmierte Signal-Processing – also Lautstärke-Einstellung, Equalizer und Tiefpassfilter. Aus diesem „Größten gemeinsamen Vielfachen“ erfolgt dann im letzten Schritt das Resampling auf das vom Benutzer gewünschte Audioformat sowie die Abtastrate. Selbstverständlich lässt sich beides für jeden Ausgang separat einstellen.

Einen Wermutstropfen muss man dabei jedoch hinnehmen: Bedingt durch das auch im DSD-Betrieb verfügbare Signal-Processing besitzt der Auralic Sirius G2.1 keine Über-Alles-Pass-Thru-Funktion. Eingehende MQA-codierte Daten können daher nicht bis zum angeschlossenen DAC vordringen.

Auralic Sirius G2.1: Hardware für Haptiker

Trotz kompakter Gehäusemaße von 34 x 32 x 10 Zentimetern bringt der Auralic Sirius G2.1 ein stattliches Gewicht von knapp 10 Kilogramm auf die Waage. Das erstaunt nicht, schließlich schützt er sein Innenleben durch ein doppelwandiges Gehäuse. Zunächst mal mit dem äußeren, schier „kugelsicheren“ Panzer aus schwarz anodisiertem High-Grade-Aluminiumplatten: Solide verschraubt auf einer gewichtigen Aluminiumbasis, sorgt dieser für unbedingte mechanische Stabilität und Resonanzarmut.

Auralic Sirius G2.1 double shielded enclosure (Foto: Auralic)
Gebaut für die Ewigkeit: Das äußere Gehäuse garantiert mechanische Stabilität durch High-Grade-Aluminiumprofile. Das innere hingegen sorgt mit verkupfertem Stahlblech für geringstmögliche Störstrahlung und -empfindlichkeit (Foto: Auralic)

Verkupferte Stahlbleche hingegen bilden das innenliegende Gehäuse: Es bewahrt externe HiFi-Komponenten vor etwaiger, vom Digitalteil ausgehender, hochfrequenter Störstrahlung – was natürlich auch umgekehrt funktioniert. Eine weitere mechanische Spezialität sind die für Auralic G2-Komponenten typischen Spring-Footer: Diese besitzen interne, mechanische Entkopplerelemente, realisiert mit Spiralfedern aus unterschiedlichen Metallen.

Auralic Sirius G2.1 damper footer
Die Standfüße des Auralic Sirius G2.1 verwenden unterschiedliche Spiralfederkerne zur mechanischen Gehäuse-Entkopplung (Foto: Auralic)

Der Blick unters Kupferblech fällt zunächst mal auf das „Umspannwerk“ zur Stromversorgung. Gleich drei gekapselte, brummfrei vergossene Ringkerntransformatoren übernehmen im Auralic Sirius G2.1 die separate Speisung von System-Control-Prozessor und dem Co-Prozessor zur Audiosignalverarbeitung. Diese Konfiguration will erreichen, dass die Störgrößen auf der Versorgungsspanung im Hörfrequenzbereich bei ehrgeizigen 1 Mikrovolt liegen.

Auralic Sirius G2.1 Mainboard and Power Supply
Gleich drei klassische, Ringkerntrafo-bestückte Linearnetzteile übernehmen im Auralic Sirius G2.1 die Stromversorgung seiner durchweg digitalen Audiotechnik (Foto: Auralic)

Bitgeflüster

Bis auf die linearen Spannungsregler in der Triple-Stromversorgung arbeitet der Auralic Sirius G2.1 durchweg digital. Besonders stolz ist er auf sein Proteus G2 getauftes „Rechenzentrum“, das ausschließlich für die Audiodaten zuständig ist. Anstelle der meist zum Einsatz kommenden Digitalen Signalprozessoren (DSPs) werkelt hier ein leistungsfähiges „Field Programmable Gate Array“ (FPGA) vom Spezialisten Xilinx.

Auralic Sirius G2.1 Audio-Processor Proteus G2 with FPGA
Herzstück im Sirius G2.1 ist der Proteus G2 getaufte Co-Prozessor, der ausschließlich der Audiosignal-Verarbeitung dient. Anstelle üblicher DSPs kommt hier ein frei programmierbares, leistungsstarkes FPGA zum Einsatz (Foto: Auralic)

FPGAs beherbergen eine gitterförmige Anordnung logischer Bausteine – beim FPGA im Sirius G2.1 sind es 200.000 solch digitaler „Stammzellen“. Deren Verschaltung wird durch extern programmierbare Vorgaben in eine definierte Struktur gebracht, um die gewünschten Funktionen zu erfüllen. Ein großer Vorteil gegenüber Standard-DSPs ist, dass FPGAs eingehende Daten nicht nur seriell, sondern auch parallel verarbeiten können. Dass macht sie für Digitalfilter-Aufgaben im Audiobereich geradezu ideal. Ein weiterer Pluspunkt von FPGAs ist die Tatsache, dass sie sich auch nachträglich bequem umprogrammieren lassen – selbst umfangreiche Firmware-Updates sind somit kein Problem.

Betrachtet man überschlägig die verfügbaren Rechenkapazitäten des Proteus-G2-Moduls, wird deutlich: Da sind noch reichlich Reserven vorhanden. Nicht umsonst also erscheinen im Setup-Menü des G2.1 derzeit noch ausgegraute Optionen – für ihn gilt demnach „The Shape Of Things To Come“.

Auralic Sirius G2.1: Bedienung

Scheint der Auralic technisch doch recht komplex, so erweist er sich in Sachen Bedienung ausgesprochen unkompliziert. Mit dem frontseitigen, satt laufenden Drehgeber lässt sich’s per „Dreh und Druck“ erstaunlich einfach durch die Menüs zappen. Bei den meisten Optionen unterstützt das kontrastreiche OLED-Display mit erklärenden Texten, die sogar in deutscher Sprache verfügbar sind.

Dass dem Sirius G2.1 keine Fernbedienung beiliegt, ist dabei keineswegs von Nachteil: Vielmehr lässt er sich mit beliebigen, vorhandenen IR-Commandern navigieren. Dazu verfügt der Sirius G2.1 über ein eigenes Lernprogramm, über das er externe IR-Tastaturkommandos frei wählbaren, internen Funktionen zuordnen kann.  So ist es beispielsweise möglich, die vier Farbtasten einer DVD-Player-Fernbedienung mit der direkten Anwahl seiner vier Digitalfilter-Modi zu belegen. Erstaunlich: Das Sirius-Lernprogramm kann sogar zwischen kurzem oder langem Tastendruck unterscheiden und jeweils verschiedenen Funktionen zuordnen.

Praxistest

Wesentlicher Auslöser für diesen Test war freilich die Grundsatzfrage: „Welches Potenzial für Klangänderungen bieten hochwertige Hardware-Resampler wie der Auralic Sirius G2.1 eigentlich?“ Im Blickpunkt standen demnach Funktionen, die den digitalen Informationsgehalt des eingehenden Signals nicht unmittelbar verändern. Das trifft fürs Resampling an sich sowie die damit verknüpften Digitalfilter mit ihren unterschiedlichen Charakteristiken zu. Zusätzliche Features wie etwa Equalizer oder Lautsprecher-Delay-Kompensation hingegen spielten eher eine Nebenrolle, da sie „selbsterklärend“ unmittelbar auf der akustischen Ebene wirken.

Was die Testumgebung angeht, fand der Auralic Sirius G2.1 im großen LowBeats-Hörraum allerbeste Bedingungen vor. Als Schallwandler dienten die vollaktiven, unbestechlichen Grimm Audio LSbe, ergänzt um die Aktivwoofermodule SB1. Als Tonquelle diente die per Roon gespeiste Digital Bridge Lumin U1, via AES-Schnittstelle verbunden mit dem Auralic Sirius G2.1, Der wiederum spielte sein Ausgangssignal, ebenfalls via AES3, umwegfrei an das Grimm-Quartett aus. Die internen Lautstärkesteller von Lumin U1 und Auralic Sirius waren deaktiviert; als Volume Control diente der Kabel-Commander Grimm LS1r. Da das Lautstärke-Stellwerk nach der elektronischen Frequenzweiche direkt vor den Endverstärkern in den Grimm LS1be angeordnet ist, war Hörpegel-unabhängige, volle Bitbreite über die gesamte Übertragungsstrecke gesichert.

Auralic Sirius G2.1 with Grimm Audio LS1be + SB1 at LowBeats listening Suite
Test-Setup im großen LowBeats-Hörstudio für den Auralic Sirius G2.1: Gehört haben wir mit den formidablen Grimm Audio LS1be + SB1. Als Signallieferant diente die via Roon gespeiste Digitalbridge Lumin U1 (auf der unteren Etage im Rack). Unser unbestechliches Kunstkopf-Ohr „Alfred“ wartet bereits im Hintergrund auf seinen Aufnahme-Einsatz dieser Kombination. Drei interessanten Hörvergleiche können Sie in der nachfolgenden Playlist mit eigenen Ohren nachvollziehen. (Foto: J. Schröder)

Im Hörtest machte der Sirius G2.1 deutlich, dass aufwändige Hardware-Signalprozessoren wie er zweifellos ihre Daseinsberechtigung haben. Allerdings bediente er nicht die üblichen Hörtest-Klischees wie etwa „höher, tiefer, weiter, schneller, besser“. Vielmehr spielten sich die Unterschiede auf einer anderen Wahrnehmungsebene ab. Nach üblichen Maßstäben nämlich fielen die durch ihn bewirkten Veränderungen eher subtil aus. Umso nachhaltiger jedoch prägten diese dem musikalischen Gesamtgeschehen ihre charakteristischen Stempel auf. Beispielsweise lauteten entsprechende Hörtest-Attribute „Klingt sehr ausgewogen und korrekt, aber irgendwie unbeteiligt. Wenig mitreißend.“ oder aber „Fließend, sehr engagiert und dynamisch – beinahe lyrisch.“ Auf jeden Fall jedoch waren die erzielbaren Veränderungen so deutlich, dass ich bereits nach etwa 10 Minuten „meine“ Lieblingseinstellung am Auralic Sirius G2.1 gefunden hatte.

Auralic Sirius G2.1 – na, hören Sie mal!

Damit Sie das vorangehend Beschriebene mit eigenen Ohren nachvollziehen können, haben wir drei typische Settings aus dem Hörtest „live“ aufgezeichnet. Dabei handelt es sich keineswegs um bloße akustische Schnappschüsse, sondern um „amtliche“, binaurale Kunstkopfaufnahmen, produziert mit professioneller Technik. Fürs Anhören gilt zwingend „Cans On“: Kopfhörer sind zur Wiedergabe binauraler Aufnahmen Pflicht. Offene, ohrumschließende Typen (HiFiman HE400 2020; HiFiman HE400se; Sennheiser HD 660 S; Sennheiser HD 800 S; Stax SR-L 300/500;/700) eignen sich besonders gut: Sie bieten prinzipbedingt eine besonders neutrale Wiedergabe.

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Im ersten Track hören Sie zunächst das Grimm Audio Ensemble „pur“ – sprich: direkt vom Lumin U1 gespeist ohne Auralic Sirius G2.1 im Signalweg. Auf welche Weise dieser den Klang des Grimm-Teams beeinflussen kann, hören Sie dann in Track 2: Aufgezeichnet hier ist die Digitalfilter-Option „Precise“. Track 3 schließlich dokumentiert das Ergebnis mit dem Sirius G2.1 in Filterposition „Smooth“.

Zum Schluss noch eine Bitte: „Liken“ Sie nach dem Hörtest den Titel mit der Aufzeichnung, die Ihnen am besten gefällt – dazu einfach auf der rechten Seite im jeweiligen Track das Herz anklicken. Wir sind gespannt, welcher aus dem Trio die meisten Herzchen versammelt. Sie haben noch Anregungen oder Fragen? Schreiben Sie per mail an jus@lowbeats.de.

Auralic G2.1 – das Fazit

„Das Wichtigste in der Musik sind die Pausen.“ Dieses Zitat von Dirigent und Autor Christian Gansch trifft ohne Wenn & Aber auch auf die digitale Audiotechnik zu. Abtastwerte allein – so präzise sie auch sein mögen – sind nichts weiter als punktuelle, digitale Abbilder elektrischer Spannungswerte. Schwingungen und damit auch Tonfrequenzen hingegen wohnt stets eine gewisse Dauer inne. Zeitliche Information jedoch kann in einzelnen Punkten, sprich: Abtastwerten, Prinzip-bedingt nicht enthalten sein. Vielmehr erfordert diese eine größere, aufeinander folgende Anzahl von Abtastwerten mit exakt definierten Abständen untereinander.

Richtige Pegelwerte zur falschen Zeit (sprich: Jitter) verformen daher das Audiosignal ebenso wie falsche Pegelwerte zur richtigen Zeit (sprich: ungenaue Abtastwerte oder Rechenvorgänge). Besonders anfällig für beides ist der D/A-Wandlerchip im DAC. In Sachen Jitter, weil er stets mit „langer Leine“ an der speisenden Digitalquelle hängt. Hinsichtlich ungenauer Abtastwerte deshalb, weil seine internen Digitalfilter-Register aus Platz- und/oder Kostengründen nur bedingt präzise rechnen.

Hier kommt nun der Auralic Sirius G2.1 ins Spiel. Ausgestattet mit extrem genauen Taktgebern sowie üppig dimensionierter Rechenleistung, stellt er dem nachfolgenden DAC ein in Zeit und Pegel ultrapräzises Digitalsignal zur Verfügung. Und nicht nur das: Auf Wunsch kann er dieses auch umtakten (aufwärts wie abwärts) und damit in einen Bereich bringen, in dem der D/A-Wandlerchip im angeschlossenen DAC seine native Präzision voll ausspielen kann.

Hörbare Rechenarbeit

Wie der Auralic Sirius G2.1 im Hörtest zeigt, sind die positiven Auswirkungen seiner Rechenarbeit sehr wohl hörbar – was an sich schon beachtlich ist. In welchen Größenordnungen sich diese abspielt, ist angesichts recht unterschiedlicher DAC-Konzepte naturgemäß schwer vorhersehbar. Dass hochwertige, ohnehin schon präzise DACs weniger von seinem Einsatz profitieren, liegt dabei auf der Hand.

Klanglich ist es allemal spannend, wie der Auralic Sirius G2.1 in den „digitalen Zwischenwelten“ agiert. Tatsächlich greifen hier übliche Hörtest-Beschreibungen kaum mehr. Vielmehr zeigen sich die Veränderungen vor allem in interpretatorischer Hinsicht. Auch wenn die tonalen Auswirkungen noch so gering anmuten, kann das Ergebnis beim Vergleichen von Optionen durchaus mit „bewegend“ oder „geht so“ ausgehen. Nicht anders also als in der Musik selbst: Spielt der Drummer bei einem Song seinen bandmates stets wenige hundertstel Sekunden „hinterher“, klingt’s eben auch eher „laid back“ als auf den Punkt gespielt – ohne, dass sich tonal etwas verändert hat.

In der noch recht jungen Spezies der Resampler ist der Auralic Sirius G2.1 freilich nicht der günstigste. Den technischen Aufwand, den er betreibt, macht ihm jedoch so schnell keiner nach – ganz zu schweigen vom optisch edlen Auftritt, der einher geht mit perfekter Verarbeitung und praxisgerechter Bedienung. Darum kann das Ergebnis nur lauten: Daumen hoch für den Auralic Sirius G2.1.

Auralic Sirius G2.1
2021/11
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Nutzwert
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Hochwertiger, ultraflexibler Abtastraten-Konverter
Dank umfangreicher Anschlussmöglichkeiten auch als digitaler Preamp nutzbar
Sehr leistungsfähige Technik mit reichlich Spielraum für Updates
Gebaut für die Ewigkeit mit vorbildlicher Verarbeitung

Vertrieb:
audioNEXT GmbH
Isenbergstr. 20
D-45130 Essen
Telefon: +49 (0)201 – 799 39 404
E-Mail: info@audiodomain.de
Internet: www.audiodomain.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Auralic Sirius G2.1 : 6.699 Euro

Technische Daten

Auralic Sirius G2.1
KonzeptRein digitaler, ultraflexibler Resampler/Signalprozessor. Dank umfangreicher Anschlussmöglichkeiten und integriertem Lautstärkesteller bestens auch als digitaler Vorverstäker einsetzbar.
Ausstattung:Netzkabel, Bedienungsanleitung
Besonderheiten:Abtastratenkonvertierung von PCM- und DSD-Tonmaterial – jeweils in ihrer Domäne, als auch untereinander zwischen beiden Ebenen in beliebiger Richtung. Dabei Up- oder Downsampling möglich. Vierfach umschaltbare Digitalfilter mit unterschiedlicher Übertragungscharakteristik; 8-bändiger, vollparametrischer Equalizer; zentimetergenaue Hörplatz-Entfernungseinstellung; integrierte Lernfunktion zur funktionalen Zuordnung von Kommandos beliebiger IR-Fernbedienungen.
Eingänge/Ausgänge (ausschließlich digital):
Lightning Link via HDMI-Kabel (Auralic-proprietär); S/P-DIF koaxial und optisch; AES 3 (jeweils mit galvanischer Trennung); 2 x USB Host zum direkten Anschluss von USB-DACs  – USB-Buchse #1 mit galvanischer Trennung.
Abmessungen
(B x H x T):
340 x 320 x 96 mm
Gewicht:9,5 kg
Alle technischen Daten
In diesem Test erwähnte Beiträge

Technik-Wiki: FIR- und IIR-Filter
Test: Grimm Audio LS1be + SB1 – unerreicht objektiv
Test HiFiman HE400 2020
Test HiFiman HE400se
Test Sennheiser HD 660 S
Test Sennheiser HD 800 S
Test Stax SR-L-Familie

Autor: Jürgen Schröder

Toningenieur, R&D-Spezialist und das (mess-)technische Gewissen von LowBeats. Kümmert sich am liebsten um Wissens-Themen, Kopfhörer und den spannenden Bereich zwischen Studio und HiFi.