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Onkyo TX-RZ900
Onkyo TX-RZ900 mit geöffneter Frontklappe inklusive Mikrofon- und Kopfhörer-Anschluss (Foto: R. Vogt)

Test: Neuer AV-Receiver Onkyo TX-RZ900

Ein echter Neuanfang: Mit dem Onkyo TX-RZ900 öffnet sich ein völlig neues Kapitel – und das in vielerlei Hinsicht. Vor einigen Monaten verschmolzen die Firmen Onkyo und Pioneer und starteten eine neue Plattform-Strategie, die mit dem hier getesteten AV-Receiver erste Früchte trägt.

Natürlich wird die Technik dieser Plattform auch den Pioneer-Produkten zur Verfügung stehen. Solch eine Kollaboration kann auch auf Dauer gelingen, wie Denon und Marantz beweisen, die das seit Jahren praktizieren. Wichtig ist, dass beide Marken und deren Produkte ihren eigenen Charakter beibehalten haben.

Da stand er also nun, der Karton mit dem Neuling. Groß und erstaunlich schwer. Das Auspacken zeigte die üblichen Styropor-Formteile und Kartoneinlagen eines Onkyo-Geräts.

Die auf dem Packtisch ausgebreiteten Bestandteile wirkten alle Onkyo-typisch, von der Fernbedienung bis zur Anleitung. Doch was sich da aus der Schutzfolie pellte, sah nun doch besser aus als gewohnt, waren doch die Onkyo-Receiver seit den 1990er Jahren selten wirklich hübsch.

Der TX-RZ900 aber sieht nach zeitlos unverschnörkeltem Industriedesign aus und könnte glatt ein paar Scheine mehr kosten. Einzig der Plastik-Lautstärkeregler wirkt haptisch etwas unter Wert.

Was dem Kenner aber Respekt und Vertrauen einflößt, ist der Blick unter die Haube, wo direkt hinter der Front senkrecht stehend ein verblüffend riesiger Ringkern-Transformator durchschimmert. Der Riesen-Trafo macht nicht nur das Gerät schwer, sondern verspricht auch bei langen, lauten Film- und Konzertpassagen einen kraftvollen und langen Atem.

TX-RZ900: Anschlüsse und Bedienung

Onkyo TX-RZ900 Detailansicht offene Frontklappe
Onkyo TX-RZ900 mit geöffneter Frontklappe (Foto: R. Vogt)

Erwartungsgemäß mangelt es dem modernen AV-Receiver nicht an Bedienelementen und Anschlüssen. Direkt auf der Front sind nur die für den Alltag allernötigsten untergebracht.

Angenehm: Die diskreten Tasten für alle Quellen erlauben auch ein Einschalten des Receivers, der dann gleich die angewählte Quelle spielt.

Wenn die Front das große Maul aufreißt, kommen Anschlüsse für Kopfhörer, eine HDMI-Quelle, das Einmessmikrofon und die Menütasten zum Vorschein. Übersichtlich.

Rückseitig geht es schon wilder her. Ein wenig Übersicht bringt die bei japanischen Herstellern mittlerweile übliche Kennzeichnung von Ausgängen mit einer schraffierten oder weißen Beschriftung.

So erkennt man schnell, dass es noch FBAS und Component-Videoausgänge gibt, die langsam aussterben. Zwei HDMI-Ausgänge sind wahlweise parallel verwendbar (etwa für TV plus Projektor) oder für Haupt- und Nebenraum mit getrenntem Programm.

Onkyo TX-RZ900 Detailansicht Rückseite
Onkyo TX-RZ900 Anschlussfeld (Foto: R. Vogt)

Analog gibt es zwei Zonen-Ausgänge. Dazu passen ungewöhnlich zahlreiche Analogeingänge für Audio und Video.

Immerhin fünf der in Summe acht HDMI-Eingänge verständigen sich mit allen künftigen Ultra-HD-Signalen inklusive HDCP2.2-Verschlüsselung. Das sollte ein paar Jahre reichen.

Die insgesamt sieben kräftigen Endstufen können divers zugeordnet werden. Verfügbar sind Konfigurationen bis zu 7.1 Kanälen auf der Hörebene plus stets nur zwei Höhenkanälen für Dolby Atmos oder DTS:X (wenn Update verfügbar).

Die Stereo-Lautsprecher können auch mit vier Endstufen im Bi-Amping befeuert werden und wenn man maximal sieben Endstufen im Kino verwendet, lässt sich noch ein Nebenraum betreiben.

Seltsam aber ist, dass man bei 5.1 unten nicht an der Decke vier Kanäle für 3D-Audio (heute gerne auch Immersive Audio genannt) verwenden kann.

Ebenfalls ungewöhnlich: Vorverstärkerausgänge stehen wahlweise nur als 7.1 oder 5.1.2 zur Verfügung. Das sollte trotzdem 90 Prozent aller Wunschkonfigurationen abdecken.

Onkyo Remote 3 App
Das Streaming navigiert sich sehr übersichtlich (Foto: R. Vogt)

Für digitales Audio stehen neben HDMI drei optische und zwei Cinch-Eingänge bereit sowie alles, was man zum Streaming benötigt, inklusive LAN, WLAN mit zwei Antennen für besten Empfang, AirPlay, Bluetooth und USB. Die Antennen lassen sich einklappen und arretieren.

Über das lokale Netz steht auch ein einfaches Webinterface zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich Updates einspielen, Programm-Favoriten editieren und die Abo-Daten der Streamingdienste TuneIn Radio, Pandora und Deezer eintragen lassen.

Komfort bringt auch die flott navigierende Onkyo Remote 3 App, insbesondere beim Streaming und durchforsten eigener, umfangreicher Musiksammlungen.

Einrichten und Konfigurieren des Onkyo TX-RZ900

Bei der Ersteinrichtung hilft ein geführtes Schritt-für-Schritt-Menü auf dem Fernseher. Die Menüs sind optisch sehr schlicht gehalten, was ich verschnörkelten Grafikspielereien und Animatiönchen vorziehe. Geschmacksache.

An entscheidender Stelle, etwa der Konfiguration des Lautsprecher-Grundsetups, gibt es einfache, klare Grafiken. Cover und Senderlogos zeigt der Onkyo TX-RZ900 im Bildschirmmenü selbstverständlich an, auch in der App.

Onkyo TX-RZ900
Das Einmess-Mikrofon für AccuEQ (Foto: R. Vogt)

Das Einmessen der Lautsprecher geschieht mit Onkyos eigenem Verfahren AccuEQ. Das funktioniert an sich ganz gut bis auf die Tatsache, dass AccuEQ, wie schon beim Test früherer Onkyo-Receivermodelle, den Subwoofer zu laut einstellt.

Im LowBeats Hörraum waren es, egal wie es die Tester versuchten, stets gut acht Dezibel zu viel im Bass.

Schlimmer noch, mit der Funktion, die laut Beschreibung den Bass phasenlinear wiedergeben soll, wurde der Subwoofer abermals lauter, unabhängig davon, welche Phasenverhältnisse in der Musik oder den Testsignalen vorlagen.

Man hat also ohne manuelle Korrektur nur die Wahl zwischen zu viel Bass oder noch mehr Bass. Hier sollten die Ingenieure (oder die Marketing-Kollegen?) nachbessern. Wir haben jedenfalls, um zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, die Pegel manuell linear kalibriert.

Was Onkyo seit Jahren genial vormacht, ist die potenzielle Programmierung der Fernbedienung für weitere Geräte. Das geht ganz simpel und übersichtlich per Bildschirm-Menü. Damit wird der recht kompakte Onkyo-Handgeber zur universellen Systemfernbedienung. Clever.

Auch angenehm ist das stets hilfreiche Quickmenü zum flotten Einstellen und Überprüfen der Wiedergabe.

Ansonsten gibt es die heute gängigen Komfortfunktionen, etwa die Möglichkeit, im ausgeschalteten Zustand eine HDMI-Quelle durchzuschleifen oder (zu Lasten der Energiebilanz) verschiedene Netzwerkfunktionen nur in den Halbschlaf zu versetzen, um den Receiver per Bluetoothmusik oder Smartphone-App wach zu rütteln, ohne eine physische Taste zu drücken.

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